{"id":50997,"date":"2026-09-04T09:13:24","date_gmt":"2026-09-04T09:13:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/50997\/"},"modified":"2026-09-04T09:13:24","modified_gmt":"2026-09-04T09:13:24","slug":"reporter-ohne-grenzen-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/50997\/","title":{"rendered":"Reporter ohne Grenzen"},"content":{"rendered":"<p>Als investigativer Journalist berichtet Jonathan Magoma aus dem Osten der Demokratischen Republik Kongo \u00fcber Korruption, Menschenrechtsverletzungen und Gewalt. Dabei setzt er sich erheblichen Risiken aus. Im Rahmen des RSF-Fellowship ist Jonathan derzeit in Berlin. Wir haben mit ihm \u00fcber seine Arbeit, die aktuelle Situation f\u00fcr Journalist*innen in der DR Kongo und seine Erfahrungen und Erwartungen an das Fellowship gesprochen.\u00a0<\/p>\n<p>Womit besch\u00e4ftigst du dich in deiner Arbeit als Journalist?<\/p>\n<p>\u201eIch komme aus Bukavu, der Hauptstadt der Provinz S\u00fcd-Kivu im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Als investigativer Journalist schreibe ich \u00fcber die Regierungsf\u00fchrung, Korruption, Menschenrechtsverletzungen und die Einschr\u00e4nkung des zivilgesellschaftlichen Raums im Osten der DR Kongo. Meine Berichterstattung konzentriert sich auf \u00dcbergriffe durch staatliche Institutionen, Sicherheitskr\u00e4fte und bewaffnete Gruppen sowie auf die Auswirkungen der Korruption auf lokale Gemeinschaften. Au\u00dferdem decke ich Bedrohungen auf, die sich gegen unabh\u00e4ngige Journalist*innen und f\u00fchrende Pers\u00f6nlichkeiten der Zivilgesellschaft richten.\u201d<\/p>\n<p>Wie ist die aktuelle Lage in der Demokratischen Republik Kongo?<\/p>\n<p>\u201eIch arbeite in einem der weltweit gef\u00e4hrlichsten L\u00e4nder f\u00fcr die Presse. Die Region der Gro\u00dfen Seen im Osten des Landes ist zum Epizentrum von Unsicherheit, Ebola-Ausbr\u00fcchen, politischer Unterdr\u00fcckung und bewaffneten Konflikten geworden. Laut RSF ist unabh\u00e4ngige Berichterstattung seit dem Fall von Goma und Bukavu durch die bewaffnete Gruppe M23 Anfang 2025 \u201epraktisch unm\u00f6glich\u201c geworden.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang sind Journalist*innen sowohl von staatlichen Akteuren als auch von bewaffneten Gruppen bedroht. Regierungsbeamte, Sicherheitskr\u00e4fte und Geheimdienste sch\u00fcchtern uns regelm\u00e4\u00dfig ein, verhaften uns oder greifen uns sogar k\u00f6rperlich an, wenn wir Korruption, Misswirtschaft oder Menschenrechtsverletzungen aufdecken. Im April 2026 dokumentierte RSF, dass mehr als 50 Prozent aller Journalist*innen, die in den letzten zehn Jahren in der Region der Gro\u00dfen Seen festgenommen wurden, in der DR Kongo festgenommen wurden.\u00a0<\/p>\n<p>Die zunehmende Unsicherheit macht es f\u00fcr Medienschaffende extrem schwierig, sicher zu arbeiten. Interne Spaltungen, Gier und Konkurrenz um nat\u00fcrliche Ressourcen, eine schwache staatliche Pr\u00e4senz in abgelegenen Gebieten, ethnische Konflikte und Landstreitigkeiten sowie ausl\u00e4ndische Kr\u00e4fte, die sich ebenfalls in Konflikte\u00a0 einmischen, haben zur Verbreitung von fast 120 bewaffneten Gruppen in den drei \u00f6stlichen Provinzen beigetragen.<\/p>\n<p>Epidemien wie Ebola versch\u00e4rfen die Lage zus\u00e4tzlich. Am 17. Mai 2026 gaben die kongolesische Regierung und die WHO einen neuen Ausbruch bekannt. Nach Angaben der kongolesischen Beh\u00f6rden sind bis heute mehr als 2.000 Menschen gestorben, womit dieser Stamm die t\u00f6dlichste Ebola-Variante ist, die jemals in der DR Kongo verzeichnet wurde. W\u00e4hrend dieser Epidemien sehen sich Journalist*innen nicht nur mit mangelnder Ausbildung und fehlender Schutzausr\u00fcstung konfrontiert. Unabh\u00e4ngige Berichterstattung ist riskant, da Journalist*innen oft vorgeworfen wird, Panik oder Falschinformationen zu verbreiten. Manche werden bedroht oder daran gehindert, Zugang zu Behandlungszentren und Hilfsma\u00dfnahmen zu erhalten.<\/p>\n<p>Die Pressefreiheit und der zivilgesellschaftliche Raum schrumpfen seit Februar 2025 dramatisch, seit die M23 die Kontrolle \u00fcber weite Teile der Provinzen Nord-Kivu und S\u00fcd-Kivu \u00fcbernahm, darunter die St\u00e4dte Bukavu und Goma. In diesen besetzten Gebieten wird die Medienlandschaft streng kontrolliert. Bei Treffen mit F\u00fchrern der M23 wurde den Journalist*innen vorgeschrieben, wor\u00fcber sie berichten d\u00fcrfen, welche Themen verboten sind und welche Narrative gef\u00f6rdert werden m\u00fcssen. Nationale Medien wurden verboten, Sendungen unterbrochen und mehrere Redaktionen, insbesondere in l\u00e4ndlichen Gebieten, gepl\u00fcndert oder geschlossen.<\/p>\n<p>Journalist*innen, die dem staatlichen Druck entkommen, geraten oft in die H\u00e4nde bewaffneter Gruppen, die noch schwerwiegendere Verst\u00f6\u00dfe begehen und v\u00f6llig straffrei agieren. Viele wurden zur Flucht oder ins Exil gezwungen, w\u00e4hrend diejenigen, die bleiben, t\u00e4glich Risiken ausgesetzt sind. All dies l\u00e4sst mich an der Zukunft des Journalismus in meiner Region zweifeln.\u201d<\/p>\n<p>Warum hast du dich f\u00fcr dieses Stipendienprogramm beworben?<\/p>\n<p>\u201eIch habe mich f\u00fcr dieses Stipendienprogramm beworben, weil es eine einzigartige Gelegenheit bietet, meine Sicherheit und meine F\u00e4higkeiten zu st\u00e4rken, weiterhin als unabh\u00e4ngiger Journalist in einem der gef\u00e4hrlichsten Umfelder f\u00fcr die Presse zu arbeiten. Vor meiner Ankunft in Berlin war ich direkten Drohungen durch bewaffnete Gruppen, entflohene H\u00e4ftlinge und Staatssicherheitsbeamte ausgesetzt, was mich und meine Familie ins Exil zwang. Die Teilnahme an diesem Programm verschafft mir nach Monaten der Unsicherheit und Vertreibung einen seltenen Moment der Ruhe und der Erholung. Daher bin ich sehr dankbar, daran teilnehmen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Als ich die Ausschreibung des Programms las, hat mich die Tatsache motiviert, dass dieses Stipendium Fortbildungen, ein sichereres Arbeitsumfeld und Unterst\u00fctzung durch ein Netzwerk von Expert*innen bietet, die sich f\u00fcr Pressefreiheit einsetzen.\u201d<\/p>\n<p>Worauf freust du dich in den n\u00e4chsten Monaten im Rahmen des Fellowships?<\/p>\n<p>\u201eIn den n\u00e4chsten Wochen und Monaten freue ich mich darauf, meine Kenntnisse in den Bereichen offene Quellen-Forschung, KI f\u00fcr Journalist*innen und sichere Kommunikation zu vertiefen. Ich bin gespannt darauf, sowohl das Gruppenprojekt als auch mein pers\u00f6nliches Projekt abzuschlie\u00dfen. Au\u00dferdem erhoffe ich mir ein Gef\u00fchl der Erholung. Ich m\u00f6chte mich auf meine mentale Gesundheit fokussieren, um die Bedrohungen und die Vertreibung zu verarbeiten, die ich vor meiner Ankunft in Berlin erlebt habe.\u201d<\/p>\n<p>Welche Erwartungen hast du an das Stipendium und welches Wissen m\u00f6chtest du mit nach Hause nehmen?<\/p>\n<p>\u201eMeine Haupterwartung an dieses Stipendium ist es, meine F\u00e4higkeit zu st\u00e4rken, als unabh\u00e4ngiger Journalist in einem gef\u00e4hrlichen Umfeld sicher und effektiv zu arbeiten. Ich m\u00f6chte ein umfassenderes Toolkit f\u00fcr investigative Arbeit, bessere Praktiken zur digitalen Sicherheit und ein klareres Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr mit nach Hause nehmen, wie unabh\u00e4ngige Medien nachhaltige Gesch\u00e4ftsmodelle aufbauen k\u00f6nnen. Au\u00dferdem hoffe ich, ein breiteres berufliches Netzwerk aufzubauen, das mir die Zusammenarbeit mit anderen Investigativjournalist*innen erleichtert und das Medien\u00f6kosystem in meiner Region st\u00e4rkt. Und nat\u00fcrlich hoffe ich, mit beruhigtem Geist zur\u00fcckzukehren.\u201d<\/p>\n<p>Was erhoffst du dir f\u00fcr deine Zukunft als Journalist nach dem Programm?<\/p>\n<p>\u201eNach dem Programm hoffe ich, weiterhin als unabh\u00e4ngiger Journalist zu arbeiten, mit fundierten investigativen F\u00e4higkeiten, besseren digitalen Sicherheitspraktiken und einer sicheren Arbeitsweise. Ich m\u00f6chte das Gelernte nutzen, um effektiver \u00fcber Menschenrechte, Korruption und den zivilgesellschaftlichen Raum zu berichten und gleichzeitig ein Netzwerk aufzubauen, das langfristige journalistische Zusammenarbeit und Resilienz f\u00f6rdert. Vor allem hoffe ich auf eine Zukunft, in der ich weiterhin sicher und unabh\u00e4ngig \u00fcber die Wahrheit berichten kann.Au\u00dferdem m\u00f6chte ich dieses Wissen mit meinen Kolleg*innen in meiner Heimat teilen.\u201d<\/p>\n<p>Unsere Fellows pers\u00f6nlich treffen<\/p>\n<p>Sie m\u00f6chten mehr \u00fcber die Journalist*innen erfahren, die derzeit am Stipendienprogramm von Reporter ohne Grenzen teilnehmen? Dann haben Sie am 31. August die Gelegenheit, gleich drei unserer aktuellen Fellows pers\u00f6nlich kennenzulernen: Vladimer Chkhitunidze aus Georgien, Cendrella Azar aus dem Libanon und Mahmoud Al Ashek aus Syrien.<\/p>\n<p>Bei der <a href=\"https:\/\/www.reporter-ohne-grenzen.de\/veranstaltungen\/480\/die-letzten-freiraume-journalistinnen-aus-georgien-syrien-und-dem-libanon-uber-repression-konflikt-und-die-kraft-lokaler-berichterstattung\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Podiumsdiskussion \u201eDie letzten Freir\u00e4ume\u201c<\/a> sprechen sie \u00fcber Repression, Konflikte und die Kraft lokaler Berichterstattung und dar\u00fcber, wie sie trotz zunehmender Risiken weiter unabh\u00e4ngigen Journalismus machen.<\/p>\n<p>Wann: Montag, 31. August 2026, 17 Uhr<\/p>\n<p>Wo: Publix, Hermannstra\u00dfe 90, 12051 Berlin<\/p>\n<p>Die Veranstaltung findet auf Englisch statt. Im Anschluss laden wir zu Snacks und Getr\u00e4nken ein.\u00a0<\/p>\n<p>Bitte melden Sie sich vorab \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.reporter-ohne-grenzen.de\/cdn-cgi\/l\/email-protection#503526353e24102235203f222435227d3f383e357d3722353e2a353e7e3435\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">[email\u00a0protected]<\/a> an.<\/p>\n<p>Ihre Unterst\u00fctzung macht unsere Fellowships m\u00f6glich!<\/p>\n<p>Journalist*innen wie Jonathan, Cendrella, Vladimer und Mahmoud setzen sich unter schwierigen Bedingungen f\u00fcr unabh\u00e4ngigen Journalismus ein. Mit unseren Fellowships geben wir ihnen Zeit, Schutz und die M\u00f6glichkeit, neue Kenntnisse und Netzwerke aufzubauen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.betterplace.org\/de\/projects\/169697-rsf-fellowships-zur-staerkung-von-journalist-innen-2026\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Jetzt die RSF-Fellowships auf\u00a0betterplace\u00a0unterst\u00fctzen!<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Als investigativer Journalist berichtet Jonathan Magoma aus dem Osten der Demokratischen Republik Kongo \u00fcber Korruption, Menschenrechtsverletzungen und Gewalt.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":50998,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[17],"tags":[192,194,190,188,193,191,462,461,189],"class_list":["post-50997","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-demokratische-republik-kongo","tag-dem-rep-kongo","tag-democratic-republic-of-the-congo","tag-demokratische-republik","tag-demokratische-republik-kongo","tag-dr-congo","tag-dr-kongo","tag-drc","tag-drk","tag-kongo"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/117212007875879672","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50997","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=50997"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50997\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/50998"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=50997"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=50997"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=50997"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}