{"id":52005,"date":"2026-09-08T12:08:08","date_gmt":"2026-09-08T12:08:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/52005\/"},"modified":"2026-09-08T12:08:08","modified_gmt":"2026-09-08T12:08:08","slug":"amnesty-klagt-an-homo-hass-in-uganda","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/52005\/","title":{"rendered":"Amnesty klagt an &#8211; Homo-Hass in Uganda"},"content":{"rendered":"<p>In Uganda sind homosexuelle Menschen durch eines der weltweit sch\u00e4rfsten Anti-Homosexuellen-Gesetze bedroht. Das von Pr\u00e4sident Yoweri Museveni im Mai 2023 unterzeichnete Anti-Homosexualit\u00e4t-Gesetz sieht in bestimmten F\u00e4llen sogar die Todesstrafe vor. Bis zu 20 Jahre Haft k\u00f6nnen f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe verh\u00e4ngt werden. Amnesty International klagt jetzt an, dass die Lage vor allem durch ausl\u00e4ndische Kr\u00e4fte weiter angeheizt werde.<\/p>\n<p>Das Wichtigste im \u00dcberblickIn Uganda gilt seit 2023 eines der weltweit sch\u00e4rfsten Anti-Homosexuellen-Gesetze. In bestimmten F\u00e4llen sieht es sogar die Todesstrafe vor.Konservative, \u00fcberwiegend evangelikale Christen aus den USA haben laut Amnesty Kampagnen Anti-LGBTIQ+-Rechte in Uganda unterst\u00fctzt.Auch transnationale Netzwerke wie der World Congress of Families (WCF) wirken in mehreren afrikanischen Staaten.Russland nutzt nach Einsch\u00e4tzung des Politikwissenschaftlers Kristof Titeca den Streit um LGBTIQ+-Rechte, um mit dem Begriff der \u201etraditionellen Werte\u201c antiwestliche Allianzen zu st\u00e4rken.Die US-Organisation Family Watch International (FWI) spielte in Uganda ebenso eine wichtige Rolle.\u00a0Laut einer Untersuchung von Open Democracy investierten mehr als 20 christliche Gruppen aus den USA zwischen 2007 und 2020 mindestens 54 Millionen US-Dollar in afrikanischen L\u00e4ndern. Fast die H\u00e4lfte davon floss demnach nach Uganda.Gleichzeitig gibt es christliche Initiativen, die homosexuelle Menschen sch\u00fctzen. Dazu geh\u00f6ren die Cosmopolitan Affirming Church in Kenia und das afrikanische Netzwerk Inclusive &amp; Affirming Ministries (IAM).Gef\u00e4hrliche Lage in Uganda\u00a0<\/p>\n<p>Die Todesstrafe kann unter anderem f\u00fcr gleichgeschlechtlichen Sex mit Minderj\u00e4hrigen oder Personen \u00fcber 75 Jahren verh\u00e4ngt werden. Dar\u00fcber hinaus auch im \u201eWiederholungsfall\u201c, also dann, wenn ein schwuler Mann oder eine lesbische Frau mehr als einmal bei gleichgeschlechtlichem Sex aufgefunden wird. Das Gesetz verpflichtet zudem Vermieter, homosexuelle Menschen hinauszuwerfen, und Arbeitgeber, ihnen zu k\u00fcndigen. Auch wer homosexuelle Menschen nicht denunziert, kann sich strafbar machen. F\u00fcr Betroffene bedeutet dies erhebliche Einschr\u00e4nkungen. Die lesbische Aktivistin Samantha Ainembabazi sagte in einem Gespr\u00e4ch mit Amnesty \u00fcber die Situation homosexueller Menschen in Uganda: \u201eAllein die Tatsache, dass ich mit Ihnen rede, k\u00f6nnte mir als Propaganda f\u00fcr Homo\u00adsexualit\u00e4t ausgelegt werden\u201c. Das Gespr\u00e4ch fand deshalb in einem Friseursalon statt.\u00a0<\/p>\n<p>Koloniale Wurzeln, neue Unterst\u00fctzung<\/p>\n<p>Die Kriminalisierung gleichgeschlechtlicher sexueller Handlungen in vielen afrikanischen Staaten hat historische Wurzeln. Die heutigen Verbote gehen vielfach auf die Kriminalisierung von Homosexualit\u00e4t durch die europ\u00e4ischen Kolonialm\u00e4chte zur\u00fcck. In Mauretanien, Teilen Nigerias und Teilen Somalias ist die Todesstrafe f\u00fcr homosexuelle Handlungen generell oder f\u00fcr bestimmte homosexuelle Handlungen gesetzlich vorgeschrieben oder m\u00f6glich. Auch im Senegal wurden die entsprechenden Gesetze versch\u00e4rft. Die Nationalversammlung beschloss im M\u00e4rz dieses Jahres eine \u00c4nderung, nach der nun bis zehn Jahre Haft statt bislang f\u00fcnf Jahre drohen. Strafbar sind jetzt auch die \u201eF\u00f6rderung\u201c oder Finanzierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen. Einem US-amerikanischen Medienbericht zufolge wurde die Kampagne f\u00fcr die Versch\u00e4rfung von religi\u00f6sen Aktivisten aus den USA unterst\u00fctzt. Auch in Ghana, Kenia und Malawi gibt es Vorst\u00f6\u00dfe f\u00fcr eine weitere, teils drastische Versch\u00e4rfung von Anti-LGBTIQ+-Gesetzen.<\/p>\n<p>Evangelikale aus den USA\u00a0<\/p>\n<p>Im Fall Ugandas haben Wissenschaftler nach eigenen Recherchen belegt, dass Kampagnen gegen homosexuelle Rechte h\u00e4ufig von konservativen, \u00fcberwiegend evangelikalen Christen aus den USA gef\u00f6rdert werden, so Amnesty. Dabei geht es nicht nur um einzelne Organisationen. Eine wichtige Rolle spielen demnach auch transnationale Netzwerke wie der World Congress of Families (WCF). Das Netzwerk wurde in den 1990er Jahren von US-amerikanischen und russischen Aktivisten f\u00fcr \u201eFamilienwerte\u201c gegr\u00fcndet. Der WCF pflegte \u00fcber Jahre enge Verbindungen zu russischen Akteuren, zur russisch-orthodoxen Kirche und zu staatlichen Stellen. In Afrika ist das Netzwerk unter anderem in Ghana, Kenia, Malawi, Nigeria, S\u00fcdafrika und Uganda mit regionalen Konferenzen, Partnernetzwerken und Lobbyarbeit aktiv.<\/p>\n<p>Der belgische Politikwissenschaftler Kristof Titeca kommt in einer Analyse zu dem Schluss, dass Russland den Konflikt um LGBTIQ+-Rechte nutzt, um mit dem Begriff der \u201etraditionellen Werte\u201c antiwestliche Allianzen zu st\u00e4rken. \u00dcber seine enge Verflechtung mit dem WCF wirke Russland zudem in gesellschaftspolitische Debatten afrikanischer Staaten hinein. Besonders deutlich zeige sich dies nach Einsch\u00e4tzung von Nichtregierungsorganisationen in Ghana. Die WCF-Konferenz von 2019 sei ein wichtiger Impulsgeber f\u00fcr das dortige homosexuellenfeindliche Gesetz gewesen.<\/p>\n<p>US-Organisation mit Zugang zur Politik<\/p>\n<p>Eine weitere wichtige Rolle spielt Family Watch International (FWI), eine kleine Organisation aus Arizona. Sie ist in den vergangenen Jahren insbesondere durch Aktivit\u00e4ten in Ghana, Kenia, Uganda und weiteren afrikanischen Staaten aufgefallen. FWI bezeichnet sich selbst als H\u00fcter traditioneller Familienwerte und als Besch\u00fctzer von Kindern. Die Organisation betreibt auch Lobbyarbeit bei den Vereinten Nationen. Ihre Pr\u00e4sidentin Sharon Slater ist Vorsitzende des UN Family Rights Caucus, eines konservativen Lobbynetzwerks im Umfeld der UNO. \u00dcber diese Position konnte sie Kontakte zu f\u00fchrenden Politikern verschiedener afrikanischer Staaten aufbauen.<\/p>\n<p>In Uganda hatte Slater offenbar besonders gute Verbindungen zur politischen F\u00fchrung. Im April 2023 schrieb Janet Museveni, die First Lady Ugandas, auf X an ihre halbe Million Follower: \u201eIch hatte vor kurzem die Ehre, mich mit Frau Sharon Slater zu treffen, der Pr\u00e4sidentin von Family Watch International.\u201c Zu dem Beitrag geh\u00f6rte ein Foto, das Museveni neben Slater und einer kleinen Gruppe von Menschen auf den Stufen des State House in Entebbe, dem Amtssitz des Pr\u00e4sidenten, zeigt. In dem Thread hie\u00df es weiter: \u201eWir sprachen dar\u00fcber, wie wichtig es ist, die afrikanische Kultur und die Familienwerte vor aufkommenden Bedrohungen zu sch\u00fctzen, und ich brachte meine Sorge dar\u00fcber zum Ausdruck, dass uns sch\u00e4dliche Praktiken wie Homosexualit\u00e4t aufgezwungen werden k\u00f6nnten.\u201c Weniger als zwei Monate sp\u00e4ter unterzeichnete ihr Ehemann, Pr\u00e4sident Yoweri Museveni, das Anti-Homosexuellen-Gesetz.<\/p>\n<p>Lobbyisten machen Vorgaben<\/p>\n<p>Eine zivilgesellschaftliche Gruppe hat in Uganda untersucht, wie ultrakonservative und religi\u00f6se US-Lobbygruppen Einfluss auf die Gesetzgebung nehmen. Die Namen der Gruppenmitglieder m\u00fcssen aus Sicherheitsgr\u00fcnden anonym bleiben, so Amnesty weiter. Der wichtigste Rechercheur der Gruppe hatte nach eigenen Angaben einige Netzwerke religi\u00f6ser Lobbyisten unterwandert. Slater sei seit einigen Jahren aktives Mitglied einer WhatsApp-Gruppe, zu der auch ugandische Abgeordnete geh\u00f6ren, berichtet der Rechercheur. Vor Parlamentsdebatten h\u00e4tten Abgeordnete bisweilen gefragt, was sie sagen sollten \u2013 und Slater gebe Antworten vor.<\/p>\n<p>Ultrakonservative US-amerikanische Freikirchen investieren zudem erhebliche Summen in ihre Lobbyarbeit auf dem afrikanischen Kontinent. Nach einer Untersuchung des britischen Nachrichtenportals Open Democracy haben mehr als 20 christliche Gruppen aus den USA allein zwischen 2007 und 2020 mindestens 54 Millionen US-Dollar, umgerechnet rund 46,6 Millionen Euro, in afrikanischen L\u00e4ndern investiert. Fast die H\u00e4lfte dieser Summe floss demnach nach Uganda. Der Einfluss konservativer religi\u00f6ser Netzwerke ist allerdings nicht unumstritten und nicht auf homosexuellenfeindliche Initiativen beschr\u00e4nkt. Es gibt auch christliche Gruppen, die Schutz f\u00fcr LGBTIQ+-Menschen anbieten.<\/p>\n<p>Kirchen bieten Schutz\u00a0<\/p>\n<p>Die kenianische Pastorin Caroline Omolo gr\u00fcndete 2013 die Cosmopolitan Affirming Church. Damit schuf sie einen ausdr\u00fccklich christlich fundierten Safe Space f\u00fcr LGBTIQ+. \u201eWeltweit wird die Religion als Argument gegen queere Menschen herangezogen\u201c, begr\u00fcndet Omolo ihre Entscheidung, \u201ewir wollen zeigen, dass die Kirche ganz im Gegenteil ein Schutzraum f\u00fcr queere Menschen sein kann\u201c. Inzwischen hat sie ihre Kirche in Community umbenannt. Damit solle auch nicht-christlichen Menschen signalisiert werden, dass sie willkommen sind. Auch in anderen afrikanischen Staaten gibt es neben zivilgesellschaftlichen Initiativen christlich gepr\u00e4gte Zufluchtsr\u00e4ume f\u00fcr homosexuelle und queere Menschen. Zudem hat sich ein ganzes Netzwerk gebildet. Die s\u00fcdafrikanische Organisation Inclusive &amp; Affirming Ministries (IAM) setzt sich in zahlreichen afrikanischen L\u00e4ndern daf\u00fcr ein, dass christliche Glaubensgemeinschaften inklusiv und respektvoll mit LGBTIQ+ umgehen. Zu den L\u00e4ndern geh\u00f6ren unter anderem Kenia, Malawi, Namibia und Sambia.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In Uganda sind homosexuelle Menschen durch eines der weltweit sch\u00e4rfsten Anti-Homosexuellen-Gesetze bedroht. 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