{"id":5475,"date":"2026-04-20T21:43:02","date_gmt":"2026-04-20T21:43:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/5475\/"},"modified":"2026-04-20T21:43:02","modified_gmt":"2026-04-20T21:43:02","slug":"deutschland-lehnt-wiedergutmachung-fuer-kolonialzeit-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/5475\/","title":{"rendered":"Deutschland lehnt Wiedergutmachung f\u00fcr Kolonialzeit ab"},"content":{"rendered":"<p>Die <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/bundesregierung\/t-68937260\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bundesregierung<\/a>\u00a0will die Aufarbeitung der deutschen Kolonialzeit zwar vorantreiben, lehnt einen Anspruch ehemaliger deutscher Kolonien auf\u00a0Wiedergutmachung aber ab. Das geht aus einer Antwort der Regierung auf eine parlamentarische Anfrage der\u00a0<a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/b\u00fcndnis-90-die-gr\u00fcnen\/t-18059080\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">oppositionellen Gr\u00fcnen<\/a>\u00a0hervor.<\/p>\n<p>&#8222;Der Begriff der Wiedergutmachung im V\u00f6lkerrecht ergibt sich aus der Verletzung einer internationalen Verpflichtung. Eine solche Verpflichtung bestand zur Zeit des begangenen Unrechts nicht&#8220;, hei\u00dft es in der Antwort. &#8222;Das Konzept der Wiedergutmachung ist daher im Zusammenhang mit der kolonialen Vergangenheit Deutschlands nicht anwendbar.&#8220;<\/p>\n<p>Gut eine Milliarde Euro f\u00fcr Namibia<\/p>\n<p>Stattdessen verweist die Bundesregierung unter anderem auf die 2021 vereinbarte &#8222;Gemeinsame Erkl\u00e4rung&#8220; mit <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/namibia\/t-18105083\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Namibia<\/a>, die \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum Zahlungen in H\u00f6he von insgesamt 1,1 Milliarden Euro zur Unterst\u00fctzung der Nachfahren der Herero und Nama vorsieht. 1,05 Milliarden Euro sollen demnach f\u00fcr ein Programm f\u00fcr Wiederaufbau und Entwicklung sowie 50 Millionen Euro f\u00fcr ein Programm f\u00fcr Vers\u00f6hnung bereitgestellt werden.<\/p>\n<p>Bisher ist allerdings\u00a0noch kein Geld geflossen. &#8222;Die Gespr\u00e4che \u00fcber die Umsetzung der beiden Programme einschlie\u00dflich des zeitlichen Rahmens sind noch nicht abgeschlossen&#8220;, so das Ausw\u00e4rtige Amt in Berlin.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"57304232\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/57304232_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Lithographie vom Herero-Aufstand 1904\/05\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Von 1904 bis 1908 wurden im heutigen Namibia (damals: Deutsch-S\u00fcdwestafrika) etwa 80 Prozent des Herero-Volkes und die H\u00e4lfte der Nama get\u00f6tet &#8211; dieser Vernichtungskrieg gilt mittlerweile als erster V\u00f6lkermord des 20. JahrhundertsBild: akg-images\/picture alliance <\/p>\n<p>Die Eigentums\u00fcbertragung von mehr als 1000 Benin-Bronzen aus deutschen Sammlungen an <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/nigeria\/t-17532914\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nigeria<\/a>\u00a02022 sei &#8222;ein positives Kapitel in der deutsch-nigerianischen Zusammenarbeit&#8220;, betont\u00a0die Bundesregierung au\u00dferdem. Die Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte sei unbestrittener Teil der Erinnerungskultur in Deutschland.<\/p>\n<p>Aufst\u00e4nde, Kriege, Massenmord<\/p>\n<p>Deutschland hatte sich ab 1884 Kolonien in Afrika, Ozeanien und Ostasien angeeignet. Die gewaltvolle Herrschaft f\u00fchrte zu Aufst\u00e4nden und Kriegen, im heutigen Namibia kam es zu einem Massenmord. Sch\u00e4tzungen gehen von 100.000 Opfern aus.<\/p>\n<p>Die Gr\u00e4ueltaten in Namibia werden inzwischen offiziell als V\u00f6lkermord bezeichnet. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es diesen juristischen Begriff jedoch noch nicht. Erst 1948 wurde V\u00f6lkermord durch eine Konvention der UN-Generalversammlung zum Straftatbestand. Die Konvention gilt aber nicht r\u00fcckwirkend.<\/p>\n<p>Kritik an &#8222;formaljuristischer Verweigerung&#8220;<\/p>\n<p>Ex-Kulturstaatsministerin Claudia Roth von den Gr\u00fcnen, die die Anfrage gemeinsam mit ihren Fraktionskolleginnen Awet Tesfaiesus und Jamila Sch\u00e4fer gestellt hatte, \u00fcbte scharfe Kritik an der Stellungnahme der Regierung. Das Erinnern an das von Deutschland begangene Unrecht sei die Voraussetzung f\u00fcr eine zukunftsf\u00e4hige Partnerschaft mit den vom Kolonialismus betroffenen L\u00e4ndern. &#8222;Daf\u00fcr braucht es Empathie und keine formaljuristische Verweigerung&#8220;, sagte Roth der Deutschen Presse-Agentur.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"73666896\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/73666896_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Deutschland Berlin | Awet Tesfaiesus (B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen) w\u00e4hrend einer Sitzung des Bundestags\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Hat selbst afrikanische Wurzeln: die Bundestagsabgeordnete Awet Tesfaiesus (Archivfoto)Bild: dts-Agentur\/picture alliance<\/p>\n<p>Ganz \u00e4hnlich \u00e4u\u00dferte sich Tesfaiesus im Berliner Tagesspiegel. &#8222;Es kann nicht unser Anspruch sein, uns hinter formaljuristischen Argumenten zu verstecken &#8211; gerade nicht in einer Republik, deren Grundgesetz die unantastbare Menschenw\u00fcrde ins Zentrum ihrer Staatlichkeit stellt&#8220;, unterstrich Tesfaiesus.<\/p>\n<p>wa\/hf (dpa, kna, epd)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Bundesregierung\u00a0will die Aufarbeitung der deutschen Kolonialzeit zwar vorantreiben, lehnt einen Anspruch ehemaliger deutscher Kolonien auf\u00a0Wiedergutmachung aber ab.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":5476,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[414],"class_list":{"0":"post-5475","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-namibia","8":"tag-namibia"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116439220696146525","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5475","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5475"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5475\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5476"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5475"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5475"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5475"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}