{"id":548,"date":"2026-04-18T06:54:37","date_gmt":"2026-04-18T06:54:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/548\/"},"modified":"2026-04-18T06:54:37","modified_gmt":"2026-04-18T06:54:37","slug":"madagaskar-aerzte-ohne-grenzen-warnt-vor-verschaerfung-der-ernaehrungskrise-im-distrikt-ikongo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/548\/","title":{"rendered":"Madagaskar: \u00c4rzte ohne Grenzen warnt vor Versch\u00e4rfung der Ern\u00e4hrungskrise im Distrikt Ikongo"},"content":{"rendered":"<p>\n    Antananarivo, 9. M\u00e4rz 2026 \u2013 Angesichts der zunehmend angespannten humanit\u00e4ren Lage im Land haben die madagassische Regierung und die Vereinten Nationen j\u00fcngst einen internationalen Hilfsappell lanciert. \u00c4rzte ohne Grenzen ist insbesondere \u00fcber die Ern\u00e4hrungssituation der Kinder im Distrikt Ikongo im S\u00fcdosten Madagaskars besorgt und bef\u00fcrchtet, dass es in den kommenden Wochen zu einer Zunahme von akuter Mangelern\u00e4hrung kommt.\n  <\/p>\n<p>Die Mitarbeitenden der Organisation, die seit 2022 in diesem Distrikt t\u00e4tig sind, stellen bereits fest, dass die aktuelle Lage die Gesundheitseinrichtungen stark belastet. Seit Oktober wird die Ern\u00e4hrungssicherheit in Ikongo gem\u00e4ss der Integrierten Klassifizierung der Ern\u00e4hrungssicherheit (IPC) als \u00abangespannt\u00bb (Phase 2) eingestuft. Nun beginnt eine besonders kritische Phase in der Region, da zwischen Januar und April die Nahrungsmittelvorr\u00e4te zur Neige gehen und die n\u00e4chste Ernte noch aussteht. Gleichzeitig ist dies auch die Zeit, die als Zyklonsaison gilt und in der es zu einer Zunahme von Malariaf\u00e4llen kommt.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist Madagaskar besonders stark von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Wiederholte Extremwetterereignisse belasten nicht nur die Gesundheitsdienste, sondern machen die Bev\u00f6lkerung noch anf\u00e4lliger f\u00fcr Ern\u00e4hrungskrisen. Seit 2025 grassiert zudem eine besonders schwere Malaria-Epidemie. Allein zwischen Januar und Mitte Februar wurden im Distrikt gem\u00e4ss dem Gesundheitsministerium mehr als 11\u00a0000 F\u00e4lle gemeldet. Damit geh\u00f6rt Ikongo zu den Gebieten, die am st\u00e4rksten betroffen sind. Malaria ist mittlerweile der h\u00e4ufigste Grund, weshalb die Menschen in die von \u00c4rzte ohne Grenzen unterst\u00fctzten Einrichtungen kommen; mehr als 50\u00a0Prozent werden positiv getestet. Die Krankheit belastet die Familien zus\u00e4tzlich und erh\u00f6ht das Risiko f\u00fcr ern\u00e4hrungsbedingte Komplikationen bei kleinen Kindern.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass Gesundheitsversorgung f\u00fcr viele nur schwer zug\u00e4nglich ist. Die Isolation vieler D\u00f6rfer, der schlechte Strassenzustand, fehlende Transportmittel und klimatische Widrigkeiten f\u00fchren oft dazu, dass Kinder mit akuter Mangelern\u00e4hrung erst sp\u00e4t in eine medizinische Einrichtung gebracht werden und manchmal schon in einem kritischen Zustand sind.<\/p>\n<p>\u00c4rzte ohne Grenzen hat deshalb in Zusammenarbeit mit den lokalen Beh\u00f6rden die Aktivit\u00e4ten seit Ende Oktober ausgebaut. Neben den 22\u00a0medizinischen Einrichtungen, die die Organisation bereits zuvor unterst\u00fctzte, betreut sie nun zus\u00e4tzlich neun Gesundheitszentren und 22 ambulante Ern\u00e4hrungszentren im s\u00fcdlichen Teil des Distrikts. Die Aktivit\u00e4ten umfassen medizinische und ern\u00e4hrungstherapeutische Versorgung, Screenings auf Mangelern\u00e4hrung sowie Aufkl\u00e4rungsmassnahmen mit dem Ziel, dass die Menschen fr\u00fchzeitig medizinische Hilfe aufsuchen.<\/p>\n<p>      <img decoding=\"async\" class=\"img-fluid\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/msf359406high.jpg\" alt=\"Durch Sensibilisierungssitzungen schulen MSF-Teams Eltern darin, Fr\u00fchwarnzeichen f\u00fcr Unterern\u00e4hrung bei ihren Kindern zu erkennen, und bef\u00e4higen sie so, eine Diagnose und Behandlung zu suchen, bevor sich der Zustand verschlimmert.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p class=\"mb-1\">Durch Sensibilisierungssitzungen schulen unsere Teams Eltern darin, Fr\u00fchwarnzeichen f\u00fcr Mangelern\u00e4hrung bei ihren Kindern zu erkennen, und bef\u00e4higen sie so, eine Diagnose und Behandlung zu suchen, bevor sich der Zustand verschlimmert.<\/p>\n<p>              \u00a9 Miora Rabearisoa<\/p>\n<p>W\u00e4hrend \u00c4rzte ohne Grenzen die Hilfe aufstockt, geht sie jedoch bei anderen Organisationen zur\u00fcck: Das Weltern\u00e4hrungsprogramm (WFP) geht auf nationaler Ebene von sch\u00e4tzungsweise 18\u00a0Millionen Dollar aus, die fehlen, um die Ern\u00e4hrungssicherheit in den n\u00e4chsten sechs Monaten zu gew\u00e4hrleisten. In die abgelegenen Gebiete in Ikongo gelangt nur wenig Unterst\u00fctzung, und es sind nur vereinzelt Hilfsorganisationen vor Ort. So fehlt es an grundlegenden Medikamenten und medizinischem Material, und auch die Versorgung von schwangeren und stillenden Frauen ist unzureichend. <\/p>\n<p>Seit Beginn des Nothilfeeinsatzes im Oktober wurden insgesamt 27\u00a0072\u00a0Kinder auf Mangelern\u00e4hrung untersucht. 4077 waren akut mangelern\u00e4hrt und mussten behandelt werden; 842 von ihnen litten an einer schweren Form. Auch das Kinderhilfswerk UNICEF ist vor Ort und unterst\u00fctzt in Erg\u00e4nzung zu den T\u00e4tigkeiten von \u00c4rzte ohne Grenzen drei intensiv-therapeutische Ern\u00e4hrungszentren und mehrere mobile Kliniken.\u00a0<\/p>\n<p>Die Beobachtungen unserer Teams in Ikongo best\u00e4tigen die von der madagassischen Regierung ge\u00e4usserten Bef\u00fcrchtungen. Besonders heikel ist, dass die sogenannte Hungerperiode \u2013 die Zeit zwischen zwei Ernten \u2013 mit der Zyklonsaison und einer Zunahme der Malariaf\u00e4lle zusammenf\u00e4llt. Ohne raschen Ausbau der Behandlungskapazit\u00e4ten und Pr\u00e4ventionsmassnahmen k\u00f6nnten in den kommenden Wochen noch mehr Kinder in einem kritischen Ern\u00e4hrungszustand bei uns eintreffen.<\/p>\n<p>F\u00fcr \u00c4rzte ohne Grenzen steht daher fest, dass es nun Massnahmen auf nationaler Ebene braucht. Nur so kann sichergestellt werden, dass die medizinischen Einrichtungen Unterst\u00fctzung erhalten, ausreichend therapeutische Nahrung und Malariamedikamente zur Verf\u00fcgung stehen und auch die Menschen in abgelegenen Gebieten Zugang zu kostenloser Versorgung haben. Mit Blick auf die steigenden Fallzahlen und den Schweregrad der Erkrankungen d\u00fcrften die n\u00e4chsten Wochen entscheidend sein, wenn es darum geht, eine weitere Verschlechterung des Ern\u00e4hrungs- und Gesundheitszustands der Kinder in Ikongo zu verhindern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Antananarivo, 9. 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