{"id":5490,"date":"2026-04-20T22:11:56","date_gmt":"2026-04-20T22:11:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/5490\/"},"modified":"2026-04-20T22:11:56","modified_gmt":"2026-04-20T22:11:56","slug":"simbabwe-hunger-und-massive-stromausfaelle-wegen-extremer-trockenheit-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/5490\/","title":{"rendered":"Simbabwe: Hunger und massive Stromausf\u00e4lle wegen extremer Trockenheit &#8211; Politik"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Es gibt auch Menschen in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Simbabwe\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Simbabwe<\/a>, die von der <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/D%C3%BCrre\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">D\u00fcrre<\/a> profitieren. Garikai Chimutengo zum Beispiel. Der 32-J\u00e4hrige sitzt an einem hei\u00dfen Novembertag auf dem Marktplatz von Kariba, am Ufer des gleichnamigen Sees im Nordwesten des Landes, und macht Mittagspause. Er ist Fischer und verdient sein Geld damit, Brassen und Tigerfische zu fangen. Und das ist deutlich einfacher geworden, seit das Wasser in dem Teil des Sees, wo er seine Netze auswirft, nicht mehr acht Meter tief ist wie bis zum vergangenen Jahr. Sondern nur noch drei.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Im flachen Wasser, sagt Chimutengo, sei aber das Risiko gro\u00df, einem Nilpferd in die Quere zu kommen. Erst letzte Woche habe eines sein Boot angegriffen, er konnte es gerade so \u00fcber Wasser halten. Doch wenn die Fischer es heil ans Ufer schaffen, sind ihre Boote viel voller als fr\u00fcher. Sie fangen mehr, weil die Fische weniger Platz zum Ausweichen haben. An einem guten Tag sind es bis zu 120 Kilo.<\/p>\n<p>Millionen Menschen hungern, f\u00fcnf Staaten haben den Notstand ausgerufen<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Kurzfristig, sagt Chimutengo, ist der gesunkene Pegel f\u00fcr ihn ein Segen. Doch langfristig ist ihm die Entwicklung unheimlich. \u201eWenn es so weitergeht\u201c, sagt er, \u201edann trocknet der See irgendwann aus. Wir beten f\u00fcr Regen.\u201c<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/2750f6ce-6bdc-406e-a156-a41286f018d6.jpeg\"   alt=\"Garikai Chimutengo, 32, Fischer aus Kariba.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Garikai Chimutengo, 32, Fischer aus Kariba. Paul Munzinger<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Das s\u00fcdliche <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Afrika\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Afrika<\/a> durchlebt eine D\u00fcrre, wie es sie hier nach Angaben des Weltern\u00e4hrungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) noch nie gegeben hat. Im vergangenen Jahr fiel viel zu wenig Regen in der Region, was Experten dem Wetterph\u00e4nomen El Ni\u00f1o zuschreiben. Die Folge sind sinkende Wasserst\u00e4nde und massive Ernteausf\u00e4lle. Millionen Menschen leiden Hunger. F\u00fcnf Staaten haben bereits vor Monaten den Notstand ausgerufen, Simbabwe ist einer von ihnen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Am Kariba-See sieht man die Folgen der D\u00fcrre auf den ersten Blick. Das sich zur\u00fcckziehende Wasser hat am Ufer einen braunen Streifen hinterlassen, der sich wie ein Ring um den See gelegt hat. Der Wasserstand lag zum Ende der Trockenzeit im Oktober so tief wie noch nie, seit es den See gibt. Und das hat nicht nur Folgen f\u00fcr die Fischer.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Der Kariba-See ist ein Stausee, einer der gr\u00f6\u00dften der Welt. Ein Damm, Ende der 1950er-Jahre von den Briten gebaut und 128 Meter hoch, h\u00e4lt das Wasser des Sambesi auf \u2013 und erm\u00f6glicht so die Produktion von Strom, der f\u00fcr Simbabwe an seinem s\u00fcdlichen Ufer und Sambia im Norden lebenswichtig ist. Das Wasserkraftwerk am S\u00fcdufer ist Simbabwes wichtigste Energiequelle.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Wegen der D\u00fcrre konnte nur ein Bruchteil der sonst \u00fcblichen Wassermenge genutzt werden. Sogar ein Totalausfall ist kein unrealistisches Szenario mehr. Arbeiten k\u00f6nnen die Kraftwerke nur, wenn das Wasser im See mindestens 475,50 Meter \u00fcber dem Meeresspiegel liegt (der See selbst ist bis zu etwa 100 Meter tief). Zur Jahreswende 2022\/23 w\u00e4re diese Marke zum ersten Mal fast unterschritten worden, es war eine Frage von Zentimetern. In diesem Jahr d\u00fcrfte es wieder knapp werden. Der Pegel lag im Oktober sogar noch tiefer als zum selben Zeitpunkt vor zwei Jahren.<\/p>\n<p>Simbabwe st\u00f6\u00dft pro Kopf zehnmal weniger Kohlendioxid als Deutschland aus<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Doch bereits jetzt sind die Folgen verheerend. In Simbabwe f\u00e4llt bis zu 18 Stunden am Tag der Strom aus, in Sambia dauern die Blackouts manchmal Tage. Simbabwes ohnehin notorisch schwache Wirtschaft erlitt einen herben Einbruch infolge der D\u00fcrre, die landwirtschaftliche Produktion brach 2024 um 15 Prozent ein.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">N\u00e4chstes Jahr werde alles besser, versprach Finanzminister Mthuli Ncube am Donnerstag. Doch ehe er seine Rede beenden konnte, fiel im Parlament in der Hauptstadt Harare der Strom aus. Erst flackerten die Lampen, dann wurde es dunkel im Saal. Nach offiziellen Angaben war ein Blitzschlag f\u00fcr den Blackout verantwortlich. Doch das hinderte die Opposition im Parlament nicht daran, den Vorfall als Sinnbild f\u00fcr den Zustand des Landes zu deuten.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Vor zwei Wochen bei der Weltklimakonferenz in Baku hatte Pr\u00e4sident Emmerson Mnangagwa, wie immer mit einem Schal in Simbabwes Landesfarben um den Hals, von einer \u201eeskalierenden globalen Klimakrise\u201c gesprochen, die Millionen in Armut und Hunger st\u00fcrze. Die D\u00fcrre, sagte er, beeintr\u00e4chtige fast jeden Aspekt des Lebens in Simbabwe und zeige, wie verletzlich Entwicklungsl\u00e4nder angesichts des Klimawandels seien. Und das, obwohl sie selbst kaum etwas dazu beitr\u00fcgen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Simbabwe emittiert im Jahr pro Einwohner nicht einmal ein Zehntel so viel Kohlendioxid wie Deutschland oder China und nur ein Zwanzigstel dessen, was ein durchschnittlicher US-Amerikaner produziert. Zum <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Klimawandel\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Klimawandel<\/a> tr\u00e4gt Simbabwe also tats\u00e4chlich kaum etwas bei. Dass er die Bev\u00f6lkerung des Landes so hart trifft, daran ist die Regierung aber nicht unschuldig. Und das hat ausgerechnet mit dem Kampf gegen den Klimawandel zu tun.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Wie Garikai Chimutengo hat auch Masimba Manyanya f\u00fcr Regen gebetet. Und er wurde erh\u00f6rt. Ende Oktober fielen die ersten Tropfen auf sein Land in Goromonzi, 40 Kilometer \u00f6stlich von Harare. Manyanya, 64 Jahre alt, machte sich sofort an die Arbeit und pflanzte Mais, der jetzt kn\u00f6chelhoch auf dem Feld steht. Als Symbol f\u00fcr die Hoffnung, dass es dieses Jahr anders l\u00e4uft als letztes Jahr.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/2a6e4bca-5719-42c8-96aa-26828705e4ce.jpeg\"   alt=\"Masimba Manyanya, 64, ist Farmer in Goromonzi in Simbabwe.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Masimba Manyanya, 64, ist Farmer in Goromonzi in Simbabwe. Paul Munzinger<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Auch vergangenen Oktober war der Regen gekommen. Doch um die Jahreswende hatte er von einem Tag auf den anderen aufgeh\u00f6rt. Viel zu fr\u00fch, die Regenzeit geht eigentlich bis Februar. Die Ernte war ruiniert, sagt Manyanya. \u201eSo etwas habe ich noch nie erlebt.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Manyanya war nicht immer Farmer. Nach der Schule studierte er, als Erster in seiner Familie, und arbeitete danach im Finanzministerium von Simbabwe, von Ende der Achtziger bis Ende der Neunziger. Er verantwortete die W\u00e4hrungspolitik und schrieb Reden f\u00fcr den damaligen Machthaber Robert Mugabe, bis er sich mit dessen Regime \u00fcberwarf und nach S\u00fcdafrika auswanderte. 2008 kam er zur\u00fcck, um wie sein Vater als Farmer zu arbeiten und, so sagt er es, sich f\u00fcr die Belange der l\u00e4ndlichen Bev\u00f6lkerung einzusetzen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die Farmer in Goromonzi h\u00e4tten mit vielen Schwierigkeiten zu k\u00e4mpfen, sagt Manyanya. Das Land, das sie bestellen, geh\u00f6re nicht ihnen, sondern der Regierung, die es ihnen jederzeit ohne Begr\u00fcndung wegnehmen k\u00f6nne. Der Regen bleibe h\u00e4ufig aus und wenn er dann komme, dann oft in so gro\u00dfen Mengen, dass die Pflanzen nicht verdursten, sondern ertrinken. Und dann gibt es noch ein Problem, das Manyanya auf einem H\u00fcgel ein paar Kilometer s\u00fcdlich seines Grundst\u00fccks sehen kann: die Lithium-Mine.<\/p>\n<p>Der Lithium-Abbau verbraucht Unmengen von Wasser<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Lithium wird f\u00fcr die Herstellung von Batterien ben\u00f6tigt und ist als Schl\u00fcsselelement der Energiewende so nachgefragt, dass man auch vom \u201ewei\u00dfen Gold\u201c spricht. Simbabwe hat die gr\u00f6\u00dften Vorkommen Afrikas. Sie werden vor allem von chinesischen Firmen abgebaut, die Milliarden in Simbabwe investiert haben. Die Mine, deren T\u00fcrme Manyanya von seinem Haus aus sieht, hei\u00dft Prospect Lithium Zimbabwe (PLZ) und geh\u00f6rt zum chinesischen Huayou-Konzern.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Das gro\u00dfe Problem des Lithium-Abbaus ist aus Sicht von Umweltsch\u00fctzern, dass er Unmengen von Wasser verbraucht. Dieses Wasser, sagt Manyanya, nehme sich PLZ einfach aus den Reservoirs der Gegend. Die Regierung schaue weg. F\u00fcr die Bauern bleibe h\u00e4ufig nichts \u00fcbrig, auch das Grundwasser sei seit der Er\u00f6ffnung der Mine vor zwei Jahren um viele Meter abgesunken. Manyanya hat ein eigenes Bohrloch, um an Wasser zu gelangen. So tief wie jetzt stand es noch nie, sagt er.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Der Huayou-Konzern reagierte auf eine SZ-Anfrage nicht. PLZ betont <a href=\"https:\/\/x.com\/lithiumplz?lang=de\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">auf seinem X-Account<\/a> die Bedeutung von Nachhaltigkeit und eines verantwortungsvollen Wasserverbrauchs. Im M\u00e4rz habe man die Versorgung der lokalen Bev\u00f6lkerung sogar verbessert, indem man einen Damm wiederhergestellt habe. Allerdings bezweifelt nicht nur Manyanya, dass beim Lithium-Abbau alles sauber abl\u00e4uft. Ein <a href=\"https:\/\/www.globalwitness.org\/en\/campaigns\/natural-resource-governance\/lithium-rush-africa\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Report der britischen Organisation Global Witness<\/a> kam Ende letzten Jahres zu dem Schluss, dass das Gesch\u00e4ft mit dem wei\u00dfen Gold die Korruption anheize und viele Umweltprobleme verursache.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u201eDas Klima\u201c, sagt Masimba Manyanya, \u201eist nicht der einzige Grund, warum die Farmer zu wenig ernten und so viele Menschen hungern.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es gibt auch Menschen in Simbabwe, die von der D\u00fcrre profitieren. Garikai Chimutengo zum Beispiel. Der 32-J\u00e4hrige sitzt&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":5491,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[236],"tags":[29,712,1300,282,283,290,284,291],"class_list":{"0":"post-5490","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-simbabwe","8":"tag-afrika","9":"tag-duerre","10":"tag-klimawandel","11":"tag-leserdiskussion","12":"tag-politik","13":"tag-simbabwe","14":"tag-sueddeutsche-zeitung","15":"tag-zimbabwe"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116439334533242813","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5490","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5490"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5490\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5491"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5490"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5490"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5490"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}