{"id":5878,"date":"2026-04-21T05:09:31","date_gmt":"2026-04-21T05:09:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/5878\/"},"modified":"2026-04-21T05:09:31","modified_gmt":"2026-04-21T05:09:31","slug":"namibia-begeht-erstmals-nationalen-gedenktag-fuer-opfer-deutscher-verbrechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/5878\/","title":{"rendered":"Namibia begeht erstmals nationalen Gedenktag f\u00fcr Opfer deutscher Verbrechen"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/namibia-gedenktafel-101.jpg\" alt=\"Denkmal zur Erinnerung an den von deutschen Kolonialtruppen begangenen Verbrechen an den Herero und Nama.\" title=\"Ein Denkmal zur Erinnerung an den von deutschen Kolonialtruppen begangenen Verbrechen an den Herero und Nama (etwas 1904-1907) im Zentrum der namibischen Hauptstadt Windhoek. Die Inschrift laut \u00fcbersetzt etwa: &quot;Ihr Blut n\u00e4hrt unsere Freiheit&quot; | dpa\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 28.05.2025 \u2022 00:55 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        Namibia begeht heute erstmals einen Gedenktag, um an die von Deutschen ermordeten Herero und Nama zu erinnern. Doch die Zeremonie wird \u00fcberlagert von einem Streit zwischen den beiden Volksgruppen und der namibischen Regierung.\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/richard-klug-103.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Richard Klug\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/richard-klug-101.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Am heutigen Mittwoch wird im s\u00fcdwestafrikanischen Namibia zum ersten Mal ein nationaler Gedenktag zum V\u00f6lkermord von 1904 bis 1908 begangen. Ein V\u00f6lkermord, ver\u00fcbt von den deutschen Kolonialherren an den beiden Volksgruppen der Herero und der Nama, im damaligen Deutsch-S\u00fcdwestafrika. 80 Prozent der Nama-Bev\u00f6lkerung wurden damals ausgel\u00f6scht und 50 Prozent der Herero.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Viele Opfer starben in Lagern, die zwar noch nicht so aussahen wie sp\u00e4ter die Lager der Nationalsozialisten, die aber damals schon von den deutschen Kolonialherren &#8222;Konzentrationslager&#8220; genannt wurden. Erst 116 Jahre sp\u00e4ter, am 28. Mai 2024, verk\u00fcndete die namibische Regierung, dass es einen nationalen Gedenktag geben solle.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Regierung von Namibia wird von einer anderen Volksgruppe dominiert, den Ovambo. Herero und Nama werfen der Regierung seit Jahren vor, das Gedenken an den V\u00f6lkermord f\u00fcr ihre Zwecke zu missbrauchen.<\/p>\n<p>    Der V\u00f6lkermord<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts kamen die Deutschen in den S\u00fcdwesten des afrikanischen Kontinents. Bei einer Konferenz in Berlin hatte das britische Empire das Gebiet an das deutsche Kaiserreich abgegeben. Schnell kam es zu Konflikten mit den Einheimischen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der S\u00fcdwesten Afrikas ist karges Land, die meisten Volksgruppen sind traditionell Rinderz\u00fcchter. Die deutschen Kolonialherren beanspruchten gro\u00dfe Teile des bewirtschaftbaren Landes. 1904 erhoben sich zuerst die Herero im Zentrum der Kolonie, 1905 die Nama im S\u00fcden. Die Ovambo im Norden blieben von den Deutschen weitestgehend unbehelligt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Beide Aufst\u00e4nde wurden brutal niedergeschlagen. 1915 wurden die Deutschen aus S\u00fcdwest verjagt, das Land kam unter s\u00fcdafrikanische Kontrolle. Um die Herero und die Nama wurde es still.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Ein Gedenkstein auf der Halbinsel Shark Island am Stadtrand von L\u00fcderitz im S\u00fcden Namibias erinnert an die Opfer des ersten deutschen Konzentrationslagers.\n                    <\/p>\n<p>    Die Auss\u00f6hnung<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">2004 nannte eine deutsche Ministerin, Heidemarie Wieczorek-Zeul, die Gr\u00e4ueltaten von 1904 bis 1908 erstmals einen &#8222;V\u00f6lkermord&#8220;. Die damalige Bundesregierung unter Gerhard Schr\u00f6der beeilte sich zu erkl\u00e4ren, dass dies nur die private Meinung einer Ministerin sei.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">2015 schlie\u00dflich begannen die namibische und die deutsche Regierung Verhandlungen mit dem Ziel, ein Vers\u00f6hnungsabkommen abzuschlie\u00dfen. Mehr als eine Milliarde Euro an Entwicklungsgeldern flossen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Herero und Nama beschwerten sich von Anfang an dar\u00fcber, nicht in die Verhandlungen eingebunden worden zu sein, und sie beklagten sich, von dem Geld nichts abbekommen zu haben. 2021 war das Abkommen unterschriftsreif.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Au\u00dferdem wollen sie keine Entwicklungshilfe, sondern bestehen auf Reparationen. Die deutsche Seite erkennt den V\u00f6lkermord mittlerweile offiziell an, aber nur im historischen, nicht im v\u00f6lkerrechtlichen Sinn. Anders als geplant ratifizierte das namibische Parlament 2021 das Abkommen nicht. Denn die Herero und Nama protestierten weiterhin dagegen. Auch im Bundestag kam es daraufhin nicht zu einer Ratifizierung.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Wir hatten eine heftige Debatte im Parlament&#8220;, sagte vor kurzem der fr\u00fchere Parlamentspr\u00e4sident Namibias, Peter Katjavivi, bei Dreharbeiten der ARD. &#8222;Wir kamen damals \u00fcberein, dass der Text des Abkommens nur ein erster Entwurf sein konnte und dass wir weiter verhandeln sollten.&#8220; Was die deutsche Seite prompt ablehnte. Das Abkommen ist immer noch nicht ratifiziert.<\/p>\n<p>    Das Gedenken<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Jetzt gibt es auch Streit um den Gedenktag. Beide Opferverb\u00e4nde der Nama und der Herero lehnen den 28. Mai ab. Diesen Tag hatte die namibische Regierung festgelegt, weil die Deutschen am 28. Mai 1908 das letzte Konzentrationslager geschlossen hatten. So sieht es die namibische Regierung.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das sei Unsinn, sagen die Opferverb\u00e4nde. Das Morden und das Foltern sei auch nach der Schlie\u00dfung der Lager weitergegangen. Unterst\u00fctzt werden sie in ihrer Ablehnung des 28. Mai von der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr bedrohte V\u00f6lker.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Deren Subsahara-Referentin Laura Mahler sagt: &#8222;Der 28. Mai darf von der namibischen Regierung nicht zu Selbstdarstellungszwecken missbraucht werden.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Herero und Nama w\u00fcrden unter Druck gesetzt, um dem Auss\u00f6hnungsabkommen zuzustimmen. &#8222;Auch die neue deutsche Bundesregierung steht diesbez\u00fcglich in der Verantwortung.&#8220; Deutschland wird am Gedenktag durch Botschafter Thorsten Hutter vertreten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 28.05.2025 \u2022 00:55 Uhr Namibia begeht heute erstmals einen Gedenktag, um an die von Deutschen ermordeten Herero&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":5879,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[1844,3488,3487,414],"class_list":{"0":"post-5878","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-namibia","8":"tag-genozid","9":"tag-herero","10":"tag-nama","11":"tag-namibia"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116440974132536873","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5878","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5878"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5878\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5879"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5878"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5878"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5878"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}