{"id":6046,"date":"2026-04-21T08:18:54","date_gmt":"2026-04-21T08:18:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/6046\/"},"modified":"2026-04-21T08:18:54","modified_gmt":"2026-04-21T08:18:54","slug":"osten-der-dr-kongo-die-grausamkeit-der-eroberer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/6046\/","title":{"rendered":"Osten der DR Kongo: Die Grausamkeit der Eroberer"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/drkongo-goma-m23-soldaten-102.jpg\" alt=\"Soldaten der M23-Miliz patrouillieren auf einem Fahrzeug durch Goma (DR Kongo)\" title=\"Soldaten der M23-Miliz patrouillieren auf einem Fahrzeug durch Goma (DR Kongo) | AP\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 17.06.2025 \u2022 19:29 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        Ende Januar nahm die M23-Miliz Teile des rohstoffreichen Ostens der Demokratischen Republik Kongo ein, offenkundig unterst\u00fctzt vom Nachbarland Ruanda. Wie brutal die Miliz damals vorging, berichten nun Gefl\u00fcchtete.\n    <\/p>\n<p>Von Bettina R\u00fchl, ARD Nairobi\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dieudonn\u00e9 Mumbere hat sich seine Gitarre genommen und singt ein Lied \u00fcber seine Heimat, die Demokratischen Republik Kongo. Der 24-J\u00e4hrige ist Anfang M\u00e4rz aus Goma geflohen, einer Metropole im Osten des Landes. Einige Wochen zuvor hatte die M23- Miliz die Hauptstadt der rohstoffreichen Gegend eingenommen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Jetzt lebt Mumbere mit zwei weiteren Fl\u00fcchtlingen aus Goma in einem Apartment in einer ostafrikanischen Stadt, an der Wand h\u00e4ngt die Flagge ihrer Heimat. &#8222;Der Kongo hat uns zu dem gemacht, was wir sind&#8220;, sagt Mumbere, dessen richtiger Name aus Sicherheitsgr\u00fcnden nicht genannt werden soll. &#8222;Ich lerne ein bisschen Gitarre zu spielen, weil das den Stress etwas abbaut&#8220;, erkl\u00e4rt er, nachdem die letzten Kl\u00e4nge verklungen sind. &#8222;Anstatt einen Psychologen zu haben, kann die Gitarre dabei helfen.&#8220;<\/p>\n<p>    Viele zivile Opfer<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es sind Erinnerungen an die Tage der Eroberung Gomas, die Mumbere auf diese Weise bew\u00e4ltigen will. Immer wieder sitzt er vor seinem Computer oder geht die Fotos auf seinem Handy durch. In den Tagen nach der Einnahme von Goma durch die M23 hat er viel fotografiert.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die M23 ist die m\u00e4chtigste von mehr als 100 Milizen im Osten des Kongo und wird vom Nachbarland Ruanda unterst\u00fctzt. Mumbere erz\u00e4hlt, dass auf den Stra\u00dfen Tote in ziviler Kleidung gelegen h\u00e4tten, die Rebellen h\u00e4tten das Bergen von Leichen immer wieder f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit verboten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Weil unter den Toten viele seiner Freunde gewesen seien, habe er beschlossen, die Opfer zu fotografieren und m\u00f6glichst dabei zu helfen, deren Identit\u00e4t zu kl\u00e4ren. Fotos und einige Sprachnachrichten habe er auf einer Speicherkarte gesichert. Mumbere hofft, das irgendwann nutzen zu k\u00f6nnen, &#8222;damit die T\u00e4ter nicht einfach so davonkommen&#8220;.<\/p>\n<p>    Berichte von Hinrichtungen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nicht nur er, auch seine beiden Freunde, die ebenfalls geflohen sind, berichten, dass Zivilisten von Rebellen regelrecht hingerichtet worden seien. Jean-Claude Kavira erz\u00e4hlt, er habe sich erst aus dem Haus getraut, nachdem die M23-Miliz die Stadt vollst\u00e4ndig erobert hatte und die letzten Soldaten der Regierungsarmee geflohen waren. &#8222;Und dann fingen die willk\u00fcrlichen \u00dcbergriffe auf Menschen an, die wir kannten&#8220;, erz\u00e4hlt Kavira, dem anzumerken ist, dass ihn die Ereignisse in Goma bis heute verst\u00f6ren. Auch sein richtiger Name ist der Redaktion bekannt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Wenn sich ein junger Mann auf der Stra\u00dfe nicht richtig ausweisen konnte, haben die Rebellen ihn erschossen: Sie haben ihn angehalten und ihm zwei oder drei Fragen gestellt &#8211; was sie gefragt haben, konnte ich nicht h\u00f6ren &#8211; und ihn dann erschossen.&#8220; Sie h\u00e4tten nicht einmal versucht, solche T\u00f6tungen vor Passanten zu verbergen. Er habe das mit eigenen Augen gesehen.<\/p>\n<p>    Menschenrechtsorganisationen erheben schwere Vorw\u00fcrfe<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Sch\u00e4tzungen \u00fcber die Zahl der Opfer gehen weit auseinander. Eine UN-Vertreterin sprach schon Anfang Februar von mindestens 2.900 Toten. Sie erwarte, dass die Zahl weiter steige.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die drei Fl\u00fcchtlinge trauern indes nicht nur um Freunde, die get\u00f6tet wurden. Sie sorgen sich auch um diejenigen, die von den Rebellen verhaftet und verschleppt worden seien, wie sie berichten &#8211; wom\u00f6glich zwangsrekrutiert, um in den Reihen der M23 zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Internationalen Menschenrechtsorganisationen Human Rights Watch und Amnesty International erheben weitere, schwere Vorw\u00fcrfe gegen die Rebellen. Ende Mai ver\u00f6ffentlichte Amnesty einen Bericht, in dem die Organisation dokumentierte, dass die M23 seit der Macht\u00fcbernahme in Bukavu und in Goma massive Gewalt gegen die lokale Bev\u00f6lkerung und gegen Menschen einsetzt, die sie f\u00fcr Kritiker der ruandischen Regierung und der M23 h\u00e4lt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Franziska Ulm von Amnesty International sagt, die Menschenrechtsorganisation habe Belege daf\u00fcr, &#8222;dass die M23 massenweise Personen verhaftet, festnimmt und in Gef\u00e4ngnisse und in gef\u00e4ngnisartige Einrichtungen steckt und sie dort unter unw\u00fcrdigen Bedingungen festh\u00e4lt&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Menschen haben dort laut Ulm kaum Wasser, kaum Nahrung, keine medizinische Versorgung, kaum Sanit\u00e4ranlagen und seien massiver Gewalt durch die M23 ausgesetzt. &#8222;Angeh\u00f6rige der M23 foltern, misshandeln immer wieder Insassen der Gef\u00e4ngnisse, aber auch Menschen auf offener Stra\u00dfe&#8220;, sagt Ulm. Die Miliz habe eine Schreckensherrschaft errichtet.<\/p>\n<p>    Die Miliz weist die Vorw\u00fcrfe zur\u00fcck<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die M23-Miliz antwortet nicht auf konkrete Fragen zu den Vorw\u00fcrfen und den Berichten der drei Fl\u00fcchtlinge. Stattdessen schickt der Vize-Sprecher den Link zum dreist\u00fcndigen Mitschnitt einer Pressekonferenz im Serena-Hotel von Goma.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In deren Verlauf antworteten f\u00fchrende Mitglieder der M23 auf die Vorw\u00fcrfe, und behaupten, sie h\u00e4tten sie ausf\u00fchrlich untersucht. Die Zusammenfassung: Es handele sich um Propaganda-Geschichten, erfunden von Amnesty International und den Vereinten Nationen.<\/p>\n<p>    Angst macht sich breit<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In der Fl\u00fcchtlings-WG hat Kavira inzwischen gekocht, es gibt Reis und rote Bohnen. Die drei unterhalten sich beim Essen, sind froh, einander zu haben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In Goma, sagt Mumbere, habe sich &#8222;eine furchtbare Angst&#8220; breit gemacht, die bis heute anhalte. &#8222;Ich wei\u00df wirklich nicht, wie man so etwas \u00fcberleben kann&#8220;, fragt er sich. Er sei dankbar daf\u00fcr, seine Erlebnisse mit den anderen beiden teilen und besprechen zu k\u00f6nnen. &#8222;So etwas zu erleben, ohne dar\u00fcber reden zu k\u00f6nnen, ist schrecklich. Man stirbt innerlich.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Angst, will Mumbere damit sagen, bringe die Menschen in Goma zum Schweigen. Telefone w\u00fcrden beschlagnahmt, alle Nachrichten gelesen. <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Obwohl die drei dankbar sind, derzeit nicht im Kongo zu sein, m\u00f6chten sie so schnell wie m\u00f6glich in ihre Heimat zur\u00fcck &#8211; sie alle sind Aktivisten, k\u00e4mpfen schon lange f\u00fcr politische Ver\u00e4nderung, denn auch die kongolesische Regierung und Armee verletzen seit Jahren Menschenrechte. Diesen Kampf wollen die drei fortsetzen. Noch haben sie nicht aufgegeben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 17.06.2025 \u2022 19:29 Uhr Ende Januar nahm die M23-Miliz Teile des rohstoffreichen Ostens der Demokratischen Republik Kongo&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6047,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[246],"tags":[191,1322,386,385,403],"class_list":{"0":"post-6046","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-republik-kongo","8":"tag-dr-kongo","9":"tag-m23","10":"tag-republic-of-the-congo","11":"tag-republik-kongo","12":"tag-ruanda"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116441721266567249","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6046","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6046"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6046\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6047"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6046"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6046"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6046"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}