{"id":6083,"date":"2026-04-21T09:03:18","date_gmt":"2026-04-21T09:03:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/6083\/"},"modified":"2026-04-21T09:03:18","modified_gmt":"2026-04-21T09:03:18","slug":"umweltzerstoerung-durch-platinbergbau-suedafrika-basf-will-keine-probleme-loesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/6083\/","title":{"rendered":"Umweltzerst\u00f6rung durch Platinbergbau \u2013 S\u00fcdafrika: \u00bbBASF will keine Probleme l\u00f6sen\u00ab"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img320021\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/320021.jpeg\" alt=\"Die Platinmine Sibanye-Stillwater grenzt an die Ortschaft Wonderkop.\"\/><\/p>\n<p>Die Platinmine Sibanye-Stillwater grenzt an die Ortschaft Wonderkop.<\/p>\n<p>Foto: afp\/MUJAHID SAFODIEN<\/p>\n<p>Als sich Politiker und Industrievertreter im Februar in Kapstadt zur Bergbaumesse Mining Indaba trafen, um Investitionen zu verabreden, reisten auch Sie an, allerdings um auf die Umwelt- und Gesundheitsfolgen in ihrer Gemeinde Wonderkop im Nordwesten S\u00fcdafrikas aufmerksam zu machen. Worum ging es Ihnen dabei?<\/p>\n<p>Wir haben seit Jahren mit Luftverschmutzung und Umweltvergehen durch die umliegende Mine zu k\u00e4mpfen \u2013 mit Staub von den Abraumhalden und unkontrollierten \u00dcberl\u00e4ufen aus den Schlammbecken. Dennoch \u00fcbernimmt niemand Verantwortung. Die Betreiber behaupten zwar regelm\u00e4\u00dfig, sie w\u00fcrden Tests durchf\u00fchren, bevor Wasser in den Fluss eingeleitet wird. Ergebnisse dieser Tests haben wir jedoch nie gesehen; es fehlt jegliche Transparenz \u2013 und das, obwohl bereits eine Beschwerde wegen dieser Einleitungen l\u00e4uft. Die Folgen sind potenziell gravierend: Wasserlebewesen, Nutztiere und auch das Grundwasser k\u00f6nnen gesch\u00e4digt werden. Zudem nutzen einige Gemeindemitglieder den Fluss f\u00fcr religi\u00f6se Zeremonien wie Taufen \u2013 auch sie sind gef\u00e4hrdet. Ich habe dazu eine einfache Frage an die Betreiber: Am gesamten Komplex der R\u00fcckhaltebecken warnen Schilder deutlich davor, dass das Wasser kontaminiert ist \u2013 niemand soll darin baden, fischen oder Tiere daraus trinken lassen. Doch sobald dieses Wasser das Gel\u00e4nde verl\u00e4sst, soll all das pl\u00f6tzlich nicht mehr gelten? Wie soll das Sinn ergeben?<\/p>\n<p>Interview<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/320022.jpeg\" alt=\"\" title=\"\" width=\"170\"\/><\/p>\n<p>Christian Selz<\/p>\n<p>Brown Matloko ist ein Umwelt- und Community-Aktivist aus Wonderkop (Marikana), S\u00fcdafrika, der sich gegen die negativen Auswirkungen des Platinabbaus durch Sibanye-Stillwater einsetzt. Im vergangenen Jahr hat er die Organisation Helping Environment and Resilient Development mitgegr\u00fcndet, die sich f\u00fcr die Belange der vom Bergbau betroffenen lokalen Gemeinden einsetzt.<\/p>\n<p>Haben Sie die Wasser- oder Luftqualit\u00e4t selbst untersucht?<\/p>\n<p>Wir haben 2023 in der N\u00e4he eines R\u00fcckhaltebeckens wei\u00dfe kontaminierte Erde gefunden und im Labor untersuchen lassen. Dabei wurden Bergbaur\u00fcckst\u00e4nde sowie chemische Verunreinigungen nachgewiesen. Solange das R\u00fcckhaltebecken existiert, bleibt die Situation f\u00fcr uns besorgniserregend. 2024 sind wir nach Berlin gereist, um mit BASF \u00fcber m\u00f6gliche Ma\u00dfnahmen gegen die Umweltzerst\u00f6rung zu sprechen. Eine der Empfehlungen war, eine unabh\u00e4ngige Umweltstudie in Wonderkop durchf\u00fchren zu lassen. Doch selbst dabei gibt es weiterhin Probleme: Die Minenbetreiber agieren nicht transparent und verwehren uns die M\u00f6glichkeit, den Prozess zu begleiten.<\/p>\n<p>Im Nordwesten S\u00fcdafrikas, wo Sie leben, wird Platin gef\u00f6rdert. <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1180318.bergbau-in-suedafrika-es-geht-darum-alternativen-vorzuschlagen.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Der Gro\u00dfteil des Edelmetalls aus der Marikana-Mine<\/a>, das im benachbarten Wonderkop verh\u00fcttet wird, geht an den deutschen Konzern BASF. Ende vergangenen Jahres haben Sie deshalb beim Bundesamt f\u00fcr Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle auf Grundlage des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes eine formelle Beschwerde eingereicht. Was werfen Sie BASF konkret vor?<\/p>\n<p>Alle notwendigen Schritte sind wir zuvor gegangen: Wir haben uns beim Bergbaukonzern Sibanye-Stillwater \u00fcber die Luftverschmutzung beschwert \u2013 insbesondere \u00fcber die Emissionen der Schmelze, bei denen Schwefeldioxid freigesetzt wird. Die Menschen vor Ort werden jedoch nicht \u00fcber m\u00f6gliche Langzeitfolgen aufgekl\u00e4rt. Zudem weichen die Messwerte der Station an der Schmelze deutlich von denen der Messstelle im Ort Marikana ab. Dort, rund f\u00fcnf Kilometer entfernt, wird mitunter Alarmstufe Rot ausgerufen: Anwohner sollen Masken tragen und ihre H\u00e4user nicht verlassen. An der Quelle der Emissionen hingegen hei\u00dft es, alles sei in Ordnung. Auch in offiziellen Unterlagen wird Marikana als Referenzort genannt \u2013 die unmittelbar betroffene Gemeinde Wonderkop taucht hingegen gar nicht auf. Dabei werden die Menschen hier krank, ohne zu wissen, warum oder wie sie sich sch\u00fctzen k\u00f6nnen. Ich habe das selbst erlebt: Auf dem R\u00fcckweg von einer Inspektion hielten wir nahe der Schmelze an und gerieten in eine Schwefeldioxidwolke. Innerhalb weniger Minuten mussten alle husten, danach waren wir zwei bis drei Wochen krank. Eine R\u00f6ntgenuntersuchung zeigte Ver\u00e4tzungen in meiner Lunge.<\/p>\n<p>Diesen Gefahren sind die Anwohner st\u00e4ndig ausgesetzt?<\/p>\n<p>Ja,<a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1166056.bergarbeit-in-suedafrika-die-mehrheit-lebt-noch-immer-in-wellblechhuetten-ohne-wasser.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> Menschen nutzen genau diese Stra\u00dfe t\u00e4glich<\/a> \u2013 sie gehen zur Arbeit oder treiben ihr Vieh hinaus. Hinzu kommt der Staub von den Abraumhalden. De facto leisten die Gemeindemitglieder permanente Reinigungsarbeit: Sie wischen t\u00e4glich den schwarzen Staub aus ihren H\u00e4usern. Dieser enth\u00e4lt <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1195449.luftverkehr-ultrafeinstaub-landet-in-den-lungenblaeschen.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Feinstaubpartikel<\/a>, die in den Blutkreislauf gelangen und die Lunge sch\u00e4digen k\u00f6nnen \u2013 mit Erkrankungen wie Asthma oder Tuberkulose als m\u00f6gliche Folge. All das haben wir gegen\u00fcber Sibanye-Stillwater vorgebracht. Doch das Unternehmen nutzt sein Beschwerdesystem vor allem, um auszuweichen: mit opportunistischen Erkl\u00e4rungen und technischen Antworten, die die eigentlichen Probleme nicht adressieren.<\/p>\n<p>Also haben Sie sich an BASF gewandt?<\/p>\n<p>Genau. Wir haben den internationalen Abnehmer kontaktiert, um ihm zu verdeutlichen, dass er die Einhaltung von Umweltschutzstandards entlang der Lieferkette \u00fcberwachen muss. Doch BASF ist dem nicht nachgekommen. Stattdessen hat das Unternehmen die Antwort von Sibanye-Stillwater unver\u00e4ndert an uns weitergeleitet \u2013 ohne die darin enthaltenen Informationen zu pr\u00fcfen oder zu bewerten. Und das, obwohl wir Belege daf\u00fcr vorgelegt haben, dass die Mine die Umwelt zerst\u00f6rt und die Bev\u00f6lkerung gesundheitlichen Risiken aussetzt.<\/p>\n<p>Hat BASF denn nie eigene Messungen veranlasst?<\/p>\n<p>BASF und Sibanye-Stillwater verweisen auf unabh\u00e4ngige Institutionen, die Standards festlegen und Zertifizierungen vergeben \u2013 etwa die Initiative for Responsible Mining Assurance, den Internationalen Rat f\u00fcr Bergbau und Metalle mit seinem \u00bbGlobalen Industriestandard f\u00fcr das Management von Bergbaur\u00fcckst\u00e4nden\u00ab sowie die Internationale Organisation f\u00fcr Normung. Doch es stellt sich die Frage, wie diese Zertifizierungen zustande kommen, wenn wir gleichzeitig so viele gesundheitliche und \u00f6kologische Probleme erleben. Genau deshalb haben wir den Fall nun bei den deutschen Beh\u00f6rden angezeigt.<\/p>\n<p>Hat die Lieferkettenbeschwerde schon etwas bewirkt?<\/p>\n<p>Nein. Bisher haben wir lediglich ein Schreiben erhalten, in dem unsere Beschwerde als begr\u00fcndet eingestuft und zur Bearbeitung angenommen wurde. Das bedeutet, dass nun eine Untersuchung eingeleitet wird. Wir haben zudem gefordert, aktiv in diesen Prozess einbezogen zu werden, um sicherzustellen, dass alle relevanten Aspekte ber\u00fccksichtigt werden. Als direkt betroffene Gemeinde kennen wir unsere Beschwerden sehr genau.<\/p>\n<p>nd.DieWoche \u2013 unser w\u00f6chentlicher Newsletter<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/320023.png\" alt=\"\" title=\"\" width=\"170\"\/><\/p>\n<p>Mit unserem w\u00f6chentlichen Newsletter nd.DieWoche schauen Sie auf die wichtigsten Themen der Woche und lesen die Highlights unserer Samstagsausgabe bereits am Freitag. <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/newsletter\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hier das kostenlose Abo holen<\/a>.<\/p>\n<p>Es gibt bereits viele Berichte von Nichtregierungsorganisationen zu den Problemen in Wonderkop und Marikana. Sie selbst sind zu einigen BASF-Jahreshauptversammlungen gereist, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Das Unternehmen kann also kaum behaupten, man wisse nicht Bescheid.<\/p>\n<p>Klar, die Beschwerden sind bekannt \u2013 wir bringen sie seit inzwischen drei Jahren vor. Doch passiert ist nichts. Der Beschwerdemechanismus gleicht einer Achterbahnfahrt. Und wenn es zu keiner Einigung kommt, bleibt nur der Klageweg. F\u00fcr uns als Gemeindeorganisation ist das jedoch kaum zu bew\u00e4ltigen: Uns fehlen finanzielle Mittel und Unterst\u00fctzer. Ein Gerichtsverfahren ist langwierig und kostspielig, und wir k\u00f6nnen es nur aus eigenen, begrenzten Ressourcen f\u00fchren \u2013 obwohl es um Umweltverschmutzung und erhebliche Gesundheitsrisiken geht. Dabei sollte die Gemeinde eigentlich vom Bergbau profitieren. So steht es zumindest in den Leitlinien des Konzerns: Regionen, in denen Rohstoffe abgebaut werden, sollen davon einen Nutzen haben. In der Praxis bleibt davon wenig \u00fcbrig. Dieses Versprechen ist vor allem ein sch\u00f6nes Scheinbild, das mithilfe einiger kooptierter Gemeindemitglieder aufrechterhalten wird \u2013 die Realit\u00e4t sieht anders aus.<\/p>\n<p>Denken Sie, dass BASF die Probleme bei Sibanye-Stillwater wirklich l\u00f6sen will?<\/p>\n<p>Nein, BASF ist offenbar nicht daran interessiert, Probleme bei Sibanye-Stillwater zu l\u00f6sen \u2013 sonst h\u00e4tte das Unternehmen selbst eine Untersuchung eingeleitet, anstatt sich auf deren Angaben zu verlassen. Wenn ich mich \u00fcber Sibanye-Stillwater beschwere und BASF die Informationen einfach von genau diesem Unternehmen \u00fcbernimmt, statt eigenst\u00e4ndig nachzuforschen, sagt das alles. Dabei geht es um langanhaltende, gut dokumentierte Probleme. Zahlreiche Organisationen haben Studien durchgef\u00fchrt, darunter Brot f\u00fcr die Welt und die Benchmarks Foundation \u2013 letztere sogar zweimal. Ihre Berichte belegen die negativen Auswirkungen auf die Gemeinde. Dennoch werden die Probleme nicht angegangen. Stattdessen liefert das Unternehmen komplexe technische Erkl\u00e4rungen, die eher verwirren, als f\u00fcr Klarheit zu sorgen.<\/p>\n<p>Was genau verlangen Sie von BASF?<\/p>\n<p>Wir fordern, dass BASF Sibanye-Stillwater deutlich macht: Die direkt betroffene Gemeinde existiert, und ihre Beschwerden \u00fcber Umweltzerst\u00f6rung m\u00fcssen ernstgenommen werden. Die Anwohner m\u00fcssen die M\u00f6glichkeit haben, ihre Anliegen selbst vorzubringen. Momentan schickt das Unternehmen immer externe Firmen, die stellvertretend unsere Probleme adressieren sollen. Wir bestehen darauf, dass der Konzern seiner Rechenschaftspflicht nachkommt und die Gemeinde aktiv in die L\u00f6sung der Probleme einbindet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Platinmine Sibanye-Stillwater grenzt an die Ortschaft Wonderkop. 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