{"id":6300,"date":"2026-04-21T13:24:11","date_gmt":"2026-04-21T13:24:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/6300\/"},"modified":"2026-04-21T13:24:11","modified_gmt":"2026-04-21T13:24:11","slug":"wortlaut-papst-an-politik-und-gesellschaft-in-aequatorialguinea","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/6300\/","title":{"rendered":"Wortlaut: Papst an Politik und Gesellschaft in \u00c4quatorialguinea"},"content":{"rendered":"<p>Hier die 1. Rede von Papst Leo XIV. im 4. Besuchsland seiner Afrikareise: \u00c4quatorialguinea . Er hielt sie diesen Dienstagnachmittag (21.4.2026) im Pr\u00e4sidentenpalast in der fr\u00fcheren Hauptstadt Malabo bei seiner Begegnung mit Vertretern aus Politik, Zivilgesellschaft und mit dem Diplomatischen Korps. Wir dokumentieren die Rede in vollen Wortlaut und amtlicher \u00dcbersetzung auf Deutsch.<\/p>\n<p>Weitere Wortmeldungen der P\u00e4pste in den verschiedenen offiziellen \u00dcbersetzungen und im Original finden Sie auf\u00a0<a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/leo-xiv\/de\/travels\/2026\/documents\/africa-13-23aprile2026.html\" rel=\"external nofollow noopener\" target=\"_blank\">vatican.va<\/a>.<\/p>\n<p>Ansprache des Heiligen Vaters<\/p>\n<p>bei der Begegnung mit den Autorit\u00e4ten,<\/p>\n<p>den Vertretern der Zivilgesellschaft und<\/p>\n<p>dem Diplomatischem Korps<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Malabo<\/p>\n<p>21. April 2026<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Herr Pr\u00e4sident,<\/p>\n<p>verehrte Autorit\u00e4ten und Mitglieder des Diplomatischen Korps,<\/p>\n<p>meine Damen und Herren!<\/p>\n<p>Herzlich gr\u00fc\u00dfe ich Sie, dankbar f\u00fcr Ihren Empfang und f\u00fcr die an mich gerichteten Worte. Ich freue mich, hier zu sein und das geliebte Volk von \u00c4quatorialguinea zu besuchen. Bei seinem Besuch in Ihrem Land bezeichnete der heilige Papst Johannes Paul II. Ihre Person, Herr Pr\u00e4sident, als \u00bbdie symbolische Mitte, in der die lebendigen Bestrebungen eines Volkes zusammenlaufen, um ein soziales Klima echter Freiheit, Gerechtigkeit, Achtung und F\u00f6rderung der Rechte jedes Einzelnen und jeder Gruppe sowie bessere Lebensbedingungen zu schaffen, die es allen erm\u00f6glichen, sich als Menschen und als Kinder Gottes zu verwirklichen\u00ab (Hl. Johannes Paul II., Ansprache an den Pr\u00e4sidenten von \u00c4quatorialguinea, Malabo). Das sind noch immer aktuelle Worte, die alle, denen \u00f6ffentliche Verantwortung \u00fcbertragen ist, zum Nachdenken anregen k\u00f6nnen. Andererseits sind \u00bbFreude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedr\u00e4ngten aller Art, [\u2026] auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der J\u00fcnger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall f\u00e4nde\u00ab (Pastoralkonstitution Gaudium et spes, 1). Diese Worte der Konstitution Gaudium et spes des Zweiten Vatikanischen Konzils bringen die Gr\u00fcnde und die Empfindungen am besten zum Ausdruck, die mich zu Ihnen f\u00fchren, um das Volk dieses Landes, das sich in raschem Wandel befindet, im Glauben zu st\u00e4rken und aufzubauen. Denn wie im Herzen Gottes, so hallt auch im Herzen der Kirche das Echo dessen wider, was hier auf Erden geschieht, im Leben der Millionen M\u00e4nner und Frauen, f\u00fcr die unser Herr Jesus Christus sein Leben hingegeben hat.<\/p>\n<p>\u201eVolk dieses Landes, das sich in raschem Wandel befindet, im Glauben st\u00e4rken und aufbauen\u201c<\/p>\n<p>Sie wissen, dass der heilige Augustinus die Ereignisse und die Geschichte nach dem Modell zweier St\u00e4dte deutete: der Stadt Gottes, der ewigen Stadt, die durch die bedingungslose Liebe zu Gott (amor Dei) gekennzeichnet ist, zusammen mit der Liebe zum N\u00e4chsten, vor allem zu den Armen; und der irdischen Stadt, dem Ort unserer vor\u00fcbergehenden Wohnst\u00e4tte, in der Mann und Frau bis zu ihrem Tod leben. In dieser Perspektive existieren die beiden St\u00e4dte bis zum Ende der Zeiten nebeneinander (vgl. De civitate Dei, 19,14), und jeder Mensch zeigt durch seine Entscheidungen Tag f\u00fcr Tag, welcher der beiden er angeh\u00f6ren m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, dass Sie das beeindruckende Projekt in Angriff genommen haben, eine Stadt zu errichten, die seit wenigen Monaten die neue Hauptstadt Ihres Landes ist. Sie haben ihr einen Namen gegeben, in dem der Name des biblischen Jerusalem anzuklingen scheint: Ciudad de la Paz. M\u00f6ge diese Entscheidung einen jeden zum Nachdenken anregen, welcher Stadt er dienen will! Wie ich bereits dem beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomatischen Korps in Erinnerung gerufen habe, ist die irdische Stadt f\u00fcr den gro\u00dfen Kirchenvater Augustinus auf die stolze Eigenliebe (amor sui) ausgerichtet, auf die Gier nach weltlicher Macht und Herrlichkeit, die zur Zerst\u00f6rung f\u00fchren.<\/p>\n<p>\u201eGier nach weltlicher Macht und Herrlichkeit, die zur Zerst\u00f6rung f\u00fchren\u201c<\/p>\n<p>Demgegen\u00fcber ist Augustinus der Ansicht, dass die Christen von Gott dazu berufen sind, in der irdischen Stadt zu leben, dabei aber Herz und Sinn auf die himmlische Stadt auszurichten, die ihre wahre Heimat ist. Dies ist die Stadt, zu der Abraham aufbrach, \u00bbohne zu wissen, wohin er kommen w\u00fcrde. Aufgrund des Glaubens siedelte er im verhei\u00dfenen Land wie in der Fremde und wohnte mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verhei\u00dfung, in Zelten; denn er erwartete die Stadt mit den festen Grundmauern, die Gott selbst geplant und gebaut hat\u00ab (Hebr 11,8-10). Jeder Mensch kann etwas mit dem uralten Bewusstsein anfangen, dass wir auf Erden wie auf der Durchreise leben. Es ist entscheidend, dass der Mensch den Unterschied erkennt zwischen dem, was Bestand hat, und dem, was vergeht.\u00a0 Er muss sich von unrechtm\u00e4\u00dfigem Reichtum und von der Illusion des Beherrschens fernhalten. \u00bbDa der Christ aber in der irdischen Stadt lebt, steht er der Politik nicht fremd gegen\u00fcber und versucht, die christliche Ethik, die von der Heiligen Schrift inspiriert ist, auf die weltliche Regierung anzuwenden. De Civitate Dei enth\u00e4lt kein politisches Programm, bietet aber wertvolle \u00dcberlegungen zu grundlegenden Fragen des gesellschaftlichen und politischen Lebens\u00ab (Ansprache an das Diplomatische Korps, 9. Januar 2026).<\/p>\n<p>\u201echristliche Ethik, die von der Heiligen Schrift inspiriert ist, auf die weltliche Regierung anwenden\u201c<\/p>\n<p>Heute ist die Soziallehre der Kirche eine Hilfe f\u00fcr alle, die sich den \u201eneuen Herausforderungen\u201c stellen wollen, die unseren Planeten und das menschliche Zusammenleben bedrohen, indem sie vor allem das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit suchen. Dies ist ein wesentlicher Bestandteil der Sendung der Kirche: zur Gewissensbildung beizutragen durch die Verk\u00fcndigung des Evangeliums, durch das Aufzeigen moralischer Ma\u00dfst\u00e4be und echter ethischer Grunds\u00e4tze, durch Achtung der Freiheit eines jeden Einzelnen und der Selbstbestimmung der V\u00f6lker und ihrer Regierungen. Das Ziel der Soziallehre ist es, dazu zu bef\u00e4higen, die immer neuen Probleme anzugehen, weil jede Generation anders ist, mit neuen Herausforderungen, neuen Tr\u00e4umen und neuen Fragen.<\/p>\n<p>\u201eZur Gewissensbildung beizutragen durch die Verk\u00fcndigung des Evangeliums, durch das Aufzeigen moralischer Ma\u00dfst\u00e4be und echter ethischer Grunds\u00e4tze, durch Achtung der Freiheit eines jeden Einzelnen und der Selbstbestimmung der V\u00f6lker und ihrer Regierungen\u201c<\/p>\n<p>Konkret stehen wir vor Fragen, die die Grundfesten der menschlichen Erfahrung ersch\u00fcttern. Wie ich bereits betont habe, als ich unsere Zeit mit jener verglich, in der Papst Leo XIII. die Enzyklika Rerum novarum promulgierte, ist heute \u00bbdie Ausgrenzung das neue Gesicht der sozialen Ungerechtigkeit. Die Kluft zwischen einer \u201ekleinen Minderheit\u201c \u2013 1% der Bev\u00f6lkerung \u2013 und der \u00fcbergro\u00dfen Mehrheit hat sich dramatisch vergr\u00f6\u00dfert. [\u2026] Wenn wir von Ausgrenzung sprechen, stehen wir auch vor einem Paradox. Der Mangel an Land, Nahrung, Unterkunft und menschenw\u00fcrdiger Arbeit geht mit dem Zugang zu neuen Technologien einher, die sich durch die globalisierten M\u00e4rkte \u00fcberall verbreiten. Mobiltelefone, soziale Netzwerke und sogar k\u00fcnstliche Intelligenz sind f\u00fcr Millionen von Menschen, auch f\u00fcr die Armen, zug\u00e4nglich\u00bb (Ansprache an die Teilnehmer des Welttreffens der Volksbewegungen, 23. Oktober 2025). Folglich ist es eine unumg\u00e4ngliche Aufgabe der staatlichen Verantwortungstr\u00e4ger und einer guten Politik, die Hindernisse f\u00fcr eine ganzheitliche menschliche Entwicklung zu beseitigen, zu deren Grundprinzipien die allgemeine Bestimmung der G\u00fcter und die Solidarit\u00e4t geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>\u201eUnumg\u00e4ngliche Aufgabe der staatlichen Verantwortungstr\u00e4ger und einer guten Politik, die Hindernisse f\u00fcr eine ganzheitliche menschliche Entwicklung zu beseitigen, zu deren Grundprinzipien die allgemeine Bestimmung der G\u00fcter und die Solidarit\u00e4t geh\u00f6ren\u201c<\/p>\n<p>Es l\u00e4sst sich beispielsweise nicht leugnen, dass der rasante technologische Wandel, den wir beobachten, eine Rohstoff-Spekulation beschleunigt hat, die wesentliche Anliegen wie die Bewahrung der Sch\u00f6pfung, die Rechte lokaler Gemeinschaften, die W\u00fcrde der Arbeit und den Schutz der \u00f6ffentlichen Gesundheit in den Hintergrund zu dr\u00e4ngen scheint. Diesbez\u00fcglich schlie\u00dfe ich mich dem Appell von Papst Franziskus an, der vor genau einem Jahr verstorben ist: Wir \u00bbm\u00fcssen [\u2026] heute ein Nein zu einer Wirtschaft der Ausschlie\u00dfung und der Disparit\u00e4t der Einkommen sagen. Diese Wirtschaft t\u00f6tet\u00ab (Franziskus, Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 53). Tats\u00e4chlich ist es heute noch offensichtlicher als vor einigen Jahren, dass die Ausbreitung bewaffneter Konflikte eine ihrer Hauptursachen in der Kolonisierung von \u00d6l- und Mineralvorkommen hat, ohne R\u00fccksicht auf das V\u00f6lkerrecht und das Selbstbestimmungsrecht der V\u00f6lker.<\/p>\n<p>\u201eNein zu einer Wirtschaft der Ausschlie\u00dfung und der Disparit\u00e4t der Einkommen sagen. Diese Wirtschaft t\u00f6tet!\u201c<\/p>\n<p>Es scheint, als w\u00fcrden eben diese neuen Technologien in erster Linie f\u00fcr kriegerische Zwecke konzipiert und eingesetzt, in Bedeutungszusammenh\u00e4ngen, die ein Chancenwachstum f\u00fcr alle nicht erkennen lassen. Im Gegenteil, ohne einen Kurswechsel bei der \u00dcbernahme politischer Verantwortung und ohne Achtung vor den internationalen Institutionen und Abkommen droht eine tragische Beeintr\u00e4chtigung der Zukunft der Menschheit. Gott will das nicht.<\/p>\n<p>\u201eOhne einen Kurswechsel bei der \u00dcbernahme politischer Verantwortung und ohne Achtung vor den internationalen Institutionen und Abkommen droht eine tragische Beeintr\u00e4chtigung der Zukunft der Menschheit. Gott will das nicht\u201c<\/p>\n<p>Sein heiliger Name darf nicht durch den Willen, andere zu beherrschen, durch Anma\u00dfung und Diskriminierung entweiht werden; vor allem darf er niemals zur Rechtfertigung todbringender Entscheidungen und Handlungen herangezogen werden. Ihr Land z\u00f6gere nicht, die Richtung seiner Entwicklung zu \u00fcberpr\u00fcfen und die sich bietenden Gelegenheiten zu nutzen, um sich auf der internationalen B\u00fchne f\u00fcr Recht und Gerechtigkeit einzusetzen.<\/p>\n<p>\u201eIhr Land z\u00f6gere nicht, die Richtung seiner Entwicklung zu \u00fcberpr\u00fcfen und die sich bietenden Gelegenheiten zu nutzen, um sich auf der internationalen B\u00fchne f\u00fcr Recht und Gerechtigkeit einzusetzen\u201c<\/p>\n<p>Ihr Land ist ein junges Land! Ich bin daher \u00fcberzeugt, dass Sie in der Kirche Unterst\u00fctzung finden, um freie und verantwortungsbewusste Menschen heranzubilden, mit denen Sie gemeinsam in die Zukunft gehen k\u00f6nnen. In einer von Machtmissbrauch verwundeten Welt hungern und d\u00fcrsten die V\u00f6lker nach Gerechtigkeit. Es gilt, diejenigen wertzusch\u00e4tzen, die an den Frieden glauben, und es zu wagen, unkonventionelle politische Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, bei denen das Gemeinwohl im Mittelpunkt steht. Es bedarf dringend des Mutes zu neuen Visionen und zu einem Bildungspakt, der den jungen Menschen Raum gibt und Vertrauen schenkt. Die Stadt Gottes, die Stadt des Friedens, kann man n\u00e4mlich nur annehmen als ein Geschenk, das von oben kommt und auf das wir unsere Sehnsucht und all unsere Ressourcen ausrichten. Sie ist eine Verhei\u00dfung und ein Auftrag. Ihre Bewohner \u00bbwerden [\u2026] ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern\u00ab (Jes 2,4), und wenn alle Tr\u00e4nen getrocknet sind, werden sie an dem Festmahl teilnehmen, das nicht mehr einer Elite vorbehalten ist, weil fette Speisen, erlesene Weine und k\u00f6stliche Gerichte (vgl. Jes 25,6) unter allen geteilt werden.<\/p>\n<p>\u201eIhr Land ist ein junges Land! Ich bin daher \u00fcberzeugt, dass Sie in der Kirche Unterst\u00fctzung finden, um freie und verantwortungsbewusste Menschen heranzubilden, mit denen Sie gemeinsam in die Zukunft gehen k\u00f6nnen. In einer von Machtmissbrauch verwundeten Welt hungern und d\u00fcrsten die V\u00f6lker nach Gerechtigkeit\u201c<\/p>\n<p>Herr Pr\u00e4sident, meine Damen und Herren, lassen Sie uns gemeinsam, mit Weisheit und Hoffnung, auf die Stadt Gottes zugehen, die Stadt des Friedens. Gracias!<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Hier die 1. Rede von Papst Leo XIV. im 4. Besuchsland seiner Afrikareise: \u00c4quatorialguinea . 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