{"id":6353,"date":"2026-04-21T14:20:19","date_gmt":"2026-04-21T14:20:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/6353\/"},"modified":"2026-04-21T14:20:19","modified_gmt":"2026-04-21T14:20:19","slug":"was-schweizer-bankengold-mit-der-jungfraubahn-alpenfestungen-und-suedafrika-zu-tun-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/6353\/","title":{"rendered":"Was Schweizer Bankengold mit der Jungfraubahn, Alpenfestungen und S\u00fcdafrika zu tun hat"},"content":{"rendered":"<p>Was erhofften Sie sich denn mehr herauszufinden als die Expertenkommission, die vor rund 30 Jahren die Hintergr\u00fcnde der Gelder, die w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs in die Schweiz gelangten, erforschte und 2002 den Bergier-Bericht ver\u00f6ffentlichte?<br \/>Der Bergier-Bericht war zentral f\u00fcr meine Arbeit. Er lieferte die Grundlage mit quantitativen Daten. Ich erg\u00e4nzte diese Perspektive um qualitative Aspekte: Architektur, Infrastruktur, Alltag. Ich zeige etwa, wie Bahnverbindungen organisiert waren oder wie Bunker gebaut und genutzt wurden \u2013 Dinge, die im Bergier-Bericht kaum vorkommen.<\/p>\n<p>Was genau haben Sie herausgefunden?<br \/>Ein Beispiel ist das Golddepot in Interlaken. Dort wurde w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs regelm\u00e4ssig Gold gelagert. Der Schatzmeister der Schweizerischen Nationalbank, Erich Blumer, pendelte zwischen der Hauptkasse in Bern und Interlaken \u2013 regelm\u00e4ssig ein bis zweimal pro Monat. Seine Spesenabrechnungen enthalten erstaunlich genaue Details: Benzinkosten, Mittagessen inklusive Trinkgeld, das Datum jeder Reise. Auch schrieb er dar\u00fcber, wie die M\u00e4nner, die f\u00fcr den Transport zust\u00e4ndig waren, mit Most versetzten Wein tranken, um sich w\u00e4hrend der Reise warm zu halten. Diese scheinbar banalen Dokumente sind f\u00fcr mich entscheidend, weil sie konkrete Abl\u00e4ufe sichtbar machen.<\/p>\n<p>Wie konnten Sie daraus gr\u00f6ssere Zusammenh\u00e4nge ableiten?<br \/>Ich habe diese Belege mit anderen Quellen abgeglichen \u2013 etwa mit dem Bergier-Bericht oder wirtschaftshistorischen Studien. Dabei zeigte sich: Die Transporte fallen zeitlich mit bekannten Goldlieferungen zusammen. So entsteht ein Muster: Gold kam in der Schweiz an und wurde kurz darauf in die Alpen weitertransportiert \u2013 etwa nach Interlaken. Das passt auch zur damaligen R\u00e9duit-Strategie der Landesverteidigung mit milit\u00e4rischen R\u00fcckzugs- und Verteidigungsanlagen in den Bergen.<\/p>\n<p>Ihr Buch arbeitet stark mit Orten. Welche sind besonders wichtig?<br \/>Ein zentrales Beispiel ist der Gotthard. Dort entstand eines der ersten Golddepots \u2013 direkt \u00fcber dem Gotthard-Tunnel. Das war logistisch sinnvoll, aber auch symbolisch: Der Gotthard ist ein stark aufgeladener Ort der Schweizer Geschichte. Weitere Orte sind Interlaken, die Jungfrau oder Spiez. In Spiez etwa renovierte die Schweizerische Nationalbank w\u00e4hrend der Kriegsjahre das Schloss und baute im Keller Bunker ein. Diese existieren heute noch und werden vom Schlossmuseum als Archiv genutzt. Von all dem weiss bei der Nationalbank heute niemand mehr.<\/p>\n<p>Sie schreiben auch \u00fcber Hotels in den Alpen. Warum?<br \/>W\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs planten auch Banken wie die Schweizerische Kreditanstalt und die Schweizerische Bankgesellschaft, ihre Banknoten und Wertpapiere sowie Gold in die Alpen zu verlegen. Leere Grandhotels in Interlaken oder Gstaad sollten als Ausweichstandorte dienen. Diese Belle-\u00c9poque-Hotels waren perfekt: gross, gut erreichbar und wegen der ausbleibenden Tourist:innen leer. Es wurden Pl\u00e4ne zur Sanierung der in die Jahre gekommenen Hotels und zum Einbau von Tresorr\u00e4umen im Keller vorbereitet, aber nie vollst\u00e4ndig umgesetzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Was erhofften Sie sich denn mehr herauszufinden als die Expertenkommission, die vor rund 30 Jahren die Hintergr\u00fcnde der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6354,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[6],"tags":[3665,3663,3664,3662,56,44,43],"class_list":["post-6353","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-suedafrika","tag-critical-thinking","tag-d-arch","tag-homehero","tag-landschaftsarchitektur","tag-news","tag-south-africa","tag-suedafrika"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116443140855723865","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6353","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6353"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6353\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6354"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6353"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6353"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6353"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}