{"id":6441,"date":"2026-04-21T16:20:01","date_gmt":"2026-04-21T16:20:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/6441\/"},"modified":"2026-04-21T16:20:01","modified_gmt":"2026-04-21T16:20:01","slug":"proteste-in-marokko-wollt-ihr-denn-kein-menschenwuerdiges-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/6441\/","title":{"rendered":"Proteste in Marokko: &#8222;Wollt ihr denn kein menschenw\u00fcrdiges Leben?&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>    Inhalt<br \/>\n    <a class=\"article-toc__fullview z-text-button\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2025-10\/protest-marokko-koenig-generation-z-soziale-gerechtigkeit\/komplettansicht\" data-ct-label=\"all\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n        Auf einer Seite lesen<br \/>\n    <\/a><\/p>\n<p>            Inhalt        <\/p>\n<p>Seite 1&#8243;Wollt ihr denn kein menschenw\u00fcrdiges Leben?&#8220;<\/p>\n<p>                                            <a class=\"article-toc__item article-toc__link\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2025-10\/protest-marokko-koenig-generation-z-soziale-gerechtigkeit\/seite-2\" data-ct-label=\"2\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                    Seite 2Kontrollieren, einsch\u00fcchtern, brutalisieren, verbieten<br \/>\n                <\/a><\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Achteinhalb Minuten dauert die <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=BY6JPK0hts8\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Rede des marokkanischen K\u00f6nigs Mohammed VI. im Parlament<\/a>. Als er zu Ende gesprochen hat, verbirgt Kuromi ihre Entt\u00e4uschung nicht. &#8222;Ich war mir sicher, dass er \u00c4nderungen ank\u00fcndigt. Aber nein. Er hat die Demonstrationen nicht einmal angesprochen. Er hat eigentlich \u00fcberhaupt nichts gesagt!&#8220;, ruft sie und seufzt. Sie hat die Rede im Livestream verfolgt, auf dem Sofa in ihrer Wohnung in <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/casablanca\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Casablancas<\/a> Zentrum. &#8222;Das macht einfach nur Lust, sich im Bett zu verkriechen.&#8220; Dann korrigiert sie sich: &#8222;Oder gleich wieder demonstrieren zu gehen.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Kuromi \u2013 zu ihrem Schutz hat sie ein Pseudonym gew\u00e4hlt \u2013 ist 22 Jahre alt und studiert Kommunikation und Marketing an der Universit\u00e4t von Casablanca. Sie ist eine der jungen\u00a0Marokkanerinnen und Marokkaner, die seit gut zwei Wochen \u00fcberall im K\u00f6nigsreich auf die Stra\u00dfe gehen. GenZ212 nennt sich die Bewegung: <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/generation-z\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Generation Z<\/a>, geboren nach 1997, 212 in Anlehnung an die marokkanische L\u00e4ndervorwahl. Mehr als 270.000 Mitglieder z\u00e4hlt ihre Gruppe auf der Gamingplattform Discord. Dort diskutieren sie anonym in Chats und Gruppencalls, teilen Memes und Videos. Und dort haben sie auch einen <a href=\"https:\/\/www.lebrief.ma\/genz-212-devoile-son-dossier-revendicatif-pour-refonder-le-contrat-social-100126234\/\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">offenen Brief mit Forderungen an Mohammed VI<\/a>. verfasst: &#8222;Wir fordern, den Graben zu schlie\u00dfen: zwischen dem Marokko, das in offiziellen Texten versprochen wird, und dem, das wir jeden Tag leben&#8220;, hei\u00dft es darin.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Von der Parlamentsrede am vergangenen Freitagabend hatten die Demonstrierenden viel erwartet. In der marokkanischen parlamentarischen Monarchie hat der K\u00f6nig weiterhin viel Macht. Auf die letzten gro\u00dfen Proteste im Land, 2011 w\u00e4hrend des arabischen Fr\u00fchlings, hatte Mohammed VI. mit der Ank\u00fcndigung einer Verfassungsreform reagiert. Wie sonst nur ein wichtiges Fu\u00dfballspiel haben deshalb viele die Rede im Livestream in Caf\u00e9s, Bars, Wohnzimmern verfolgt.\n<\/p>\n<p>                            \u00a9\u00a0Lea Dohle<\/p>\n<p>\n                                        Newsletter<br \/>\n                                        Was jetzt? \u2013 Der t\u00e4gliche Morgen\u00fcberblick<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__text\">Starten Sie mit unserem kurzen Nachrichten-Newsletter in den Tag. Erhalten Sie zudem freitags das digitale Magazin ZEIT am Wochenende.<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__datapolicy\" hidden=\"\">\n            Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die <a href=\"https:\/\/datenschutz.zeit.de\/zon#Newsletter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a> zur Kenntnis.\n        <\/p>\n<p>    Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.<\/p>\n<p>Pr\u00fcfen Sie Ihr Postfach und best\u00e4tigen Sie das Newsletter-Abonnement.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Auch diesmal griff Mohammed VI. die Hauptforderungen der Protestbewegung auf: die Schaffung von Arbeitspl\u00e4tzen, die Verbesserung der \u00f6ffentlichen Bildungs- und Gesundheitsdienste. Er forderte die Minister auf, schneller zu handeln. Die Proteste erw\u00e4hnte er jedoch nicht. Und er stellte sich nicht gegen die Regierung und den Premierminister, dessen R\u00fccktritt die Bewegung fordert. Reicht das, um die Jugend zu \u00fcberzeugen?\n<\/p>\n<p>                        Milliarden f\u00fcr Fu\u00dfball und Touristen, aber zu wenige \u00c4rzte        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die auf Discord entstandene Protestbewegung hatte sich Ende September zun\u00e4chst unbemerkt von Staat und Polizei geformt. Kuromi erz\u00e4hlt, wie sie die Videos aus Nepal sah, wo die Generation Z gegen Korruption und die politische Elite auf die Stra\u00dfe geht. Wie sie \u00fcber einen Einladungslink in der Discord-Gruppe GenZ212 landete. Wie dort immer mehr Nutzer forderten: Man m\u00fcsse in <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/marokko\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Marokko<\/a> dasselbe tun wie in Nepal! Und wie schlie\u00dflich die Wut \u00fcber eine Nachricht zum Anlass wurde, \u00fcber einen ersten Demonstrationstag abzustimmen: In einem staatlichen Krankenhaus in Agadir im S\u00fcden Marokkos waren acht schwangere Frauen gestorben. Es fehlte Material, das Krankenhaus war \u00fcberlastet.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Ihr Tod ist zum Symbol f\u00fcr das &#8222;Marokko der zwei Geschwindigkeiten&#8220; geworden, vor dem selbst der <a href=\"https:\/\/lematin.ma\/nation\/un-maroc-a-deux-vitesses-le-coup-de-semonce-royal\/304890\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">K\u00f6nig in einer Rede zu seinem 26. Thronjubil\u00e4um<\/a> warnte. Da ist das Marokko, das\u00a0<a href=\"https:\/\/fr.le360.ma\/economie\/investissements-massifs-retombees-ciblees-le-maroc-joue-gros-pour-2030_XJ5XQNQINBCEXNR7E73P6RX4PQ\/\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">f\u00fcnf Milliarden Euro f\u00fcr Fu\u00dfballstadien<\/a> vorsieht, die Ende des Jahres den Afrika-Cup und 2030 die Weltmeisterschaft beherbergen sollen. Dieses Marokko empf\u00e4ngt Millionen Touristen mit Flugh\u00e4fen, Schnellz\u00fcgen und Hotels, die westlichen Standards gerecht werden.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Da ist aber auch das Marokko, in dem <a href=\"https:\/\/journals.openedition.org\/belgeo\/72273#:~:text=Au%20Maroc%2C%20la%20couverture%20est,m%C3%A9decins%20estim%C3%A9%20%C3%A0%2047%20000.\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">47.000 \u00c4rzte fehlen<\/a> und die meisten Krankenh\u00e4user in einem desolaten Zustand sind. Wer kann, geht in Privatkliniken. Genauso bezahlen Eltern f\u00fcr ihre Kinder Privatschulen, wenn es ihnen irgendwie m\u00f6glich ist. F\u00fcr gr\u00f6\u00dfere und kleine Projekte kommt es immer wieder zu kurzfristigen R\u00e4umungen und Enteignungen, etwa wenn Fischerd\u00f6rfer Ferienresorts weichen m\u00fcssen. Ein Gro\u00dfteil der Opfer des Erdbebens 2023 lebt weiterhin in Zelten. Der <a href=\"https:\/\/www.lemonde.fr\/afrique\/article\/2025\/10\/12\/au-maroc-il-n-y-a-pas-eu-le-ruissellement-attendu_6645931_3212.html\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">\u00d6konom Najib Akesbi spricht von einem &#8222;Gef\u00e4lligkeitskapitalismus<\/a>&#8222;, einem Klientelismus, in dem Entscheidungen nicht zum Wohl der Allgemeinheit getroffen werden, sondern um Einzelnen Vorteile zu verschaffen. Seine Logik &#8222;zermahle die Armen und Ausgegrenzten und sogar die Mittelschicht&#8220;.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die junge Generation f\u00fchle sich dabei besonders im Stich gelassen, erkl\u00e4rt der Journalist Omar Radi von der R\u00fcckbank eines Taxis, das durch <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/rabat\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Rabats<\/a> Innenstadt f\u00e4hrt. &#8222;Diese Generation wurde geboren, als schon kein Geld mehr in den Kassen war. Sie haben das Gef\u00fchl, dass es f\u00fcr sie nichts gibt, weder staatliche Institutionen wie Schulen, Krankenh\u00e4user noch Arbeit&#8220;, sagt er.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Inhalt Auf einer Seite lesen Inhalt Seite 1&#8243;Wollt ihr denn kein menschenw\u00fcrdiges Leben?&#8220; Seite 2Kontrollieren, einsch\u00fcchtern, brutalisieren, verbieten&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6442,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[3705,3704,1849,152,2152,95,96,3052,283,161,3702,1573,3703],"class_list":{"0":"post-6441","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-marokko","8":"tag-agadir","9":"tag-casablanca","10":"tag-demonstration","11":"tag-fussball","12":"tag-generation-z","13":"tag-marokko","14":"tag-morocco","15":"tag-nepal","16":"tag-politik","17":"tag-polizei","18":"tag-proteste-in-marokko","19":"tag-rabat","20":"tag-sozialpolitik"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116443612785556645","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6441","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6441"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6441\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6442"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6441"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6441"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6441"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}