{"id":6783,"date":"2026-04-21T23:44:43","date_gmt":"2026-04-21T23:44:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/6783\/"},"modified":"2026-04-21T23:44:43","modified_gmt":"2026-04-21T23:44:43","slug":"kohle-und-korruption-wie-die-al-shabab-miliz-ihren-terror-in-somalia-finanziert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/6783\/","title":{"rendered":"Kohle und Korruption &#8211; Wie die Al-Shabab-Miliz ihren Terror in Somalia finanziert"},"content":{"rendered":"<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Die Hand eines Mannes h\u00e4lt ein St\u00fcck Holzkohle\" alt=\"Die Hand eines Mannes h\u00e4lt ein St\u00fcck Holzkohle\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/somalia-108-1920x1080.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Holzkohle wird in Somalia aus den schnell schwindenden Akazienw\u00e4ldern hergestellt \u2013 finanziert Terror und befeuert Korruption (imago \/ Nature Picture Library)<\/p>\n<p>Aufr\u00e4umarbeiten in der somalischen Hauptstadt Mogadischu: Ladenbesitzer und H\u00e4ndlerinnen schieben Schutt, zerbeulte T\u00fcrgitter, Teile von Wellblechd\u00e4chern und Reste ihrer Waren beiseite. Am 29. Oktober 2022 wurden ihre Gesch\u00e4fte durch zwei verheerende Autobomben teilweise zerst\u00f6rt, die Nachrichtenagentur AFP stellte Bilder von den Auswirkungen ins Internet. <br \/>\u00a0<br \/>Die beiden Autobomben t\u00f6teten nach Regierungsangaben mehr als 120 Menschen. F\u00fcr Somalia war das der verheerendste Anschlag seit rund f\u00fcnf Jahren. Die Islamistische Terrormiliz Al Shabab reklamierte die Tat bald f\u00fcr sich und Pr\u00e4sident Hassan Sheikh Mohamud erkl\u00e4rte nicht zum ersten Mal, die somalische Regierung werde die Terroristen mit allen Mitteln bek\u00e4mpfen. Doch die Trennlinie zwischen den Terroristen auf der einen Seite und dem Staat auf der anderen ist l\u00e4ngst nicht so scharf, wie die Regierung es darstellt. Das deckt eine gemeinsame Recherche von Deutschlandfunk und dem Correctiv V CrowdNewsroom auf. Demnach betreiben die Terroristen ein illegales Gesch\u00e4ft, an dem sich auch Vertreter des Staates bereichern: Es geht um den millionenschweren Handel mit Holzkohle. Sie wird aus den schnell schwindenden Akazienw\u00e4ldern Somalias hergestellt. <\/p>\n<p>                Holzkohleschmuggel f\u00fcr Al Shabab wichtigste Einnahmequelle<\/p>\n<p>Die Folgen sind katastrophal, f\u00fcr die Umwelt, das Klima und die Sicherheitslage. Der Sicherheitsexperte Abdisalan Guled, der lange f\u00fcr den somalischen Geheimdienst gearbeitet und dann eine Sicherheitsfirma gegr\u00fcndet hat, ordnet das Gesch\u00e4ft so ein: \u201eDer Schmuggel von Holzkohle ist f\u00fcr die Shabaab-Miliz die wichtigste Einnahmequelle. Wenn er gestoppt w\u00fcrde, h\u00e4tte das ohne Zweifel gro\u00dfe Auswirkungen auf die Finanzierung der Terrorgruppe. Und wenn sie weniger Geld h\u00e4tte, w\u00fcrde sie das nat\u00fcrlich milit\u00e4risch schw\u00e4chen.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Eine Frau in Somalia vor S\u00e4cken mit Holzkohle. ++\" alt=\"Eine Frau in Somalia vor S\u00e4cken mit Holzkohle. ++\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/somalia-104-1280xauto.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Herstellung von Holzkohle und der Handel mit ihr sind in Somalia untersagt &#8211; doch beides geht weiter<br \/>\n                    (picture-alliance \/ Radu Sigheti)<\/p>\n<p>                Eine Expertenkommission, die das Ausma\u00df des Holzkohleschmuggels im Auftrag der Vereinten Nationen untersuchte, kam schon 2011 zu dem Ergebnis, dass sich die Terrormiliz vor allem durch das Gesch\u00e4ft mit der Holzkohle finanziert. Die Experten sch\u00e4tzten die Einnahmen allein aus dem Export in die Golf-Region auf mehr als 15 Millionen US-Dollar. Die Untersuchung hatte Folgen \u2013 zumindest auf dem Papier: Herstellung von und Handel mit Holzkohle sind in Somalia seit 2012 gesetzlich untersagt. Verboten zun\u00e4chst vom UN-Sicherheitsrat, Somalias schwache Regierung zog kurze Zeit sp\u00e4ter nach. Faktisch l\u00e4uft das kriminelle Gesch\u00e4ft aber weiter, wie mehrere Akteure nun einger\u00e4umt haben. <\/p>\n<p>Recherchen zu dem heiklen Thema sind in Somalia f\u00fcr Medienschaffende und ihre Gespr\u00e4chspartner lebensgef\u00e4hrlich. \u00dcber eine digitale Plattform, die der Correctiv Crowdnewsroom eingerichtet hat, konnten sich nun Holzf\u00e4ller, K\u00f6hler, Lastwagenfahrer, H\u00e4ndler und K\u00e4ufer anonym und sicher zum Holzkohle-Handel \u00e4u\u00dfern. Einige sind an dem illegalen Gesch\u00e4ft beteiligt. Viele leben in Gebieten, die von der Shabaab-Miliz kontrolliert werden. Mit einigen von ihnen haben somalische Kollegen zus\u00e4tzlich Interviews gef\u00fchrt. Alle Aussagen wurden von einem Experten mit Hilfe von Satellitenbildern \u00fcberpr\u00fcft und analysiert. <\/p>\n<p>                Abholzung f\u00fcr Umwelt katastrophal<br \/>\n                Ganz am Anfang der illegalen Wertsch\u00f6pfungskette steht Ahmed. Er verbrennt das Holz in selbst gebauten Meilern zu Kohle. Der Mann hei\u00dft eigentlich anders, will aber, wie alle \u00fcbrigen Befragten, anonym bleiben: \u201eIch mache das nicht gerne. Ich habe nur mit dem Brennen von Holzkohle angefangen, weil ich keine andere M\u00f6glichkeit habe, Geld zu verdienen.\u201c<\/p>\n<p>Ahmed wei\u00df, dass sein Job sch\u00e4dlich ist \u2013 f\u00fcr ihn, die Umwelt in Somalia und das globale Klima: \u201eDass wegen der Holzkohle so viele B\u00e4ume gef\u00e4llt werden, hat schlimme Folgen. Die D\u00fcrre, unter der Somalia zurzeit leidet, hat damit zu tun. Au\u00dferdem werden die B\u00f6den immer h\u00e4rter und schlechter, wenn die B\u00e4ume fehlen. Aber f\u00fcr uns K\u00f6hler gibt es keine Alternative, wir m\u00fcssen ja irgendwie \u00fcberleben.\u201c <\/p>\n<p>Der ohnehin knappe Baumbestand ist in den vergangenen Jahren dramatisch zur\u00fcckgegangen. Laut einer gemeinsamen Studie der Europ\u00e4ischen Union und der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO wurden allein zwischen 2006 und 2012 sieben Prozent der ohnehin sp\u00e4rlichen Vegetation f\u00fcr Holzkohle abgeholzt. Nach der Abholzung werden die B\u00f6den schnell knochenhart, die ausgelaugten Fl\u00e4chen gleichen W\u00fcsten. An Landwirtschaft oder Viehhaltung ist dann nicht mehr zu denken. In den entwaldeten Regionen ist die Folge ein Teufelskreis aus Armut, Raubbau an der Natur und noch mehr Armut. <\/p>\n<p>Auch der somalische Umwelt- und Klimaschutzminister\u00a0Adam Aw Hirsi sieht, dass die Abholzung schlecht f\u00fcr das Land ist: &#8222;Der Holzkohleschmuggel und die Abholzung versch\u00e4rfen die Folgen der Klimakrise, die in Somalia verheerende Auswirkungen hat. Das ist im ganzen Land sp\u00fcrbar.\u201c Nat\u00fcrlich verschuldet Somalia die Auswirkungen der Klimakrise bei weitem nicht allein. \u201eSomalia hat 2021 pro Kopf nur 0,03 Tonnen Treibhausgase ausgesto\u00dfen. Und trotzdem leiden wir zu 100 Prozent unter den Folgen der Klimakrise.\u201c<\/p>\n<p>                Zum Vergleich: Deutschland st\u00f6\u00dft pro Kopf etwa 300 Mal so viel CO2 aus. In Somalia wandelt sich das Klima also auch durch den globalen Aussto\u00df an Treibhausgasen. Zus\u00e4tzlich hat die Abholzung das lokale Klima sehr sp\u00fcrbar ver\u00e4ndert. Die Entwaldung geht vor allem in drei Regionen, die \u00fcberwiegend von der Al-Shabab-Miliz kontrolliert werden, schnell voran: Jubaland, Lower Shabelle und Bay. Beispiel Jubaland: Dort wird die Stadt Jilib von den Islamisten kontrolliert. 2006 ist das Umland auf Satellitenbildern noch von sattem Gr\u00fcn. Jetzt ist alles Rostrot, die Farbe des nackten Bodens. <\/p>\n<p>Mohamed ist einer der Fahrer, die Baumst\u00e4mme oder Holzkohle aus den Regionen in die St\u00e4dte fahren, wo sie zu Kohle verarbeitet oder verkauft werden. Genauso wie Ahmed findet er seinen Job in jeder Hinsicht problematisch: \u201eIch mache mir gro\u00dfe Sorgen wegen meines Jobs. Ich wei\u00df, dass ich immer wieder Probleme kriegen kann. Holzkohle ist Schmuggelware, die Regierung kann jederzeit entscheiden, das Verbot wirklich durchzusetzen. Hinzu kommt, dass Somalia unter den Folgen leidet, schwere D\u00fcrren werden h\u00e4ufiger. Ich finde es nicht gut, dass immer mehr B\u00e4ume gef\u00e4llt werden, aber ich habe nur diesen Job, um meine Familie zu ern\u00e4hren.\u201c <\/p>\n<p>                Ganze Regionen der Willk\u00fcr der Terror-Miliz ausgeliefert<\/p>\n<p>Er und viele andere berichten, angesichts der gegenw\u00e4rtigen Krise seien sie mehr denn je gezwungen, auf diese illegale und sch\u00e4dliche Weise ihr Geld zu verdienen. Infolge des Kriegs in der Ukraine sind in Somalia die Preise f\u00fcr Energie und Getreide stark gestiegen. Das betrifft auch das Gas zum Kochen, f\u00fcr die meisten die einzige denkbare Alternative zur Holzkohle. Zwar wurde auch Holzkohle teurer, aber nicht ganz so deutlich wie Gas. <\/p>\n<p>Diejenigen, die in der illegalen Wertsch\u00f6pfungskette mitmachen, qu\u00e4lt nicht nur das schlechte Gewissen. Sie leiden ihrerseits unter der D\u00fcrre und dem Terror, wobei sie zu beidem mit beitragen: Weil der illegale Handel mit Holzkohle die letzten W\u00e4lder zerst\u00f6rt und die islamistische Shabab-Miliz finanziert. Die Mitglieder der Terrorgruppe bedrohen und peinigen die Bev\u00f6lkerung in den von ihnen kontrollierten Regionen &#8211; und machen auch den Lastwagenfahrern das Leben schwer, die Holz oder Holzkohle transportieren.<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Menschen dr\u00e4ngen sich um eine Wasserstelle  in einem Fl\u00fcchtlings-Camp vor Dollow in Somalia\" alt=\"Menschen dr\u00e4ngen sich um eine Wasserstelle  in einem Fl\u00fcchtlings-Camp vor Dollow in Somalia\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/somalia-102-1280xauto.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Die Abholzung der B\u00e4ume f\u00fcr Holzkohle bef\u00f6rdert auch die vielen D\u00fcrren in Somalia (picture alliance \/ Jerome Delay)<\/p>\n<p>                Omar ist einer von denen, die der Willk\u00fcr der Milizion\u00e4re ausgeliefert sind: \u201eEinmal hat mich die Shabab-Miliz verhaftet, als ich mit voller Ladung auf dem Weg nach Mogadischu war, sie haben mich ins Gef\u00e4ngnis gesteckt. Ich war nicht der einzige, sie haben mich und einige andere tagelang festgehalten. Wir haben sie angefleht uns freizulassen und ihnen Geld gezahlt. Schlie\u00dflich haben sie uns gehen lassen.\u201c <\/p>\n<p>In den Gebieten, die sie kontrollieren, f\u00fchren sich die Mitglieder der Terrormiliz wie eine Verwaltung auf, erzwingen so genannte Steuern und andere Abgaben, dr\u00fccken ihre Regeln durch. Dagegen hat in der Hauptstadt Mogadischu und in anderen Regionen die somalische Regierung das Sagen \u2013 doch deren Vertreter verhalten sich oft gar nicht so anders als Al Shabab. Das wird in vielen Antworten auf unsere Fragen deutlich und auch in den anonymen Interviews. <\/p>\n<p>Omar f\u00e4hrt Baumst\u00e4mme oder Holzkohle aus anderen Regionen nach Mogadischu. \u00dcber die Gefahren seines Jobs sagt er: &#8222;Wir haben viele Schwierigkeiten, jeden Tag gibt es neue Probleme. Manchmal halten uns Soldaten oder Polizisten an und verlangen Steuern, an anderen Tagen nehmen sie unser Geld nicht an und stecken uns stattdessen ins Gef\u00e4ngnis. Dann flehen wir sie an, dass wir zahlen k\u00f6nnen und sie uns gehen lassen. So was erz\u00e4hlen mir Kollegen immer wieder. Mich haben sie noch nicht verhaftet, ich habe stattdessen mehr Probleme mit der Shabaab-Miliz. Einmal haben sie mir sogar meinen LKW in Brand gesteckt.&#8220; <\/p>\n<p>                Korruption auch unter staatlichen Sicherheitskr\u00e4ften<\/p>\n<p>In der anonymen Befragung nannten mehrere Teilnehmer Zahlen. Mehrere H\u00e4ndler und Fahrer berichteten, sie m\u00fcssten der Shabab-Miliz und der Regierung pro Fuhre zwischen 75 und 85 US-Dollar bezahlen. Das Geld wird an den Stra\u00dfensperren f\u00e4llig, die Mitglieder der Terrormiliz ebenso wie staatliche Sicherheitskr\u00e4fte errichten. Andere Befragte berichten, die Abgaben w\u00fcrden direkt von der Verwaltung in den verschiedenen Distrikten Mogadischus erhoben \u2013 und das, obwohl das Gesch\u00e4ft ja illegal ist. <\/p>\n<p>Satellitenbilder best\u00e4tigen, dass B\u00e4ume massenhaft gef\u00e4llt, transportiert, gelagert und nahe der Absatzm\u00e4rkte zu Holzkohle verschwelt werden. In Afgooye am Stadtrand von Mogadischu zeigen die Satellitenbilder ein regelrechtes Industriegebiet f\u00fcr Holzkohle, kaum vier Kilometer von einer Stra\u00dfensperre des somalischen Milit\u00e4rs entfernt. Dort m\u00fcssten die somalischen Soldaten die Lastwagen und deren Ladung eigentlich beschlagnahmen. Stattdessen verlangen sie ihrerseits eine sogenannte \u201eSteuer\u201c, verdienen also kr\u00e4ftig mit. Und helfen so, ihre Feinde zu finanzieren &#8211; deren Opfer sie wom\u00f6glich beim n\u00e4chsten Terroranschlag werden.<\/p>\n<p>Selbst der Regierung ist das bewusst, aber sie tut nichts dagegen. Auch der somalische Umwelt- und Klimaschutzminister\u00a0Adam Aw Hirsi leugnet gar nicht, dass korrupte Vertreter des Staates h\u00e4ufig Schmiergelder aus dem illegalen Gesch\u00e4ft annehmen: \u201eEs stimmt, dass Mogadischu von der Regierung kontrolliert wird. Aber Regierungen sind f\u00fcr ihr Handeln auf Gesetze angewiesen, und wir haben noch nicht genug Gesetze, um gegen dieses neue Ph\u00e4nomen vorgehen zu k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>                Korrupte Politiker verdienen mit<\/p>\n<p>Worauf der Minister anspielt: Somalia ist als Staat noch im Aufbau. Jahrzehntelang galt das Land am Horn von Afrika als Paradebeispiel f\u00fcr einen gescheiterten Staat. Ausl\u00f6ser f\u00fcr den Zusammenbruch aller staatlichen Strukturen war der Sturz von Diktatur Siad Barre im Januar 1991. <\/p>\n<p>Somalia versank im B\u00fcrgerkrieg, erst seit 2012 hat das Land \u00fcberhaupt wieder eine international anerkannte Regierung, die aber noch immer nicht das ganze Staatsgebiet kontrolliert. In der Tat ist bis heute vieles ungekl\u00e4rt. So gibt es beispielsweise nur einen Verfassungsentwurf, keine g\u00fcltige Verfassung. Aber Gesetze, die die Herstellung von und den Handel mit Holzkohle verbieten, gibt es durchaus. <\/p>\n<p>Sicherheitsexperte und Ex-Geheimdienstmitarbeiter Abdisalan Guled hat denn auch eine andere Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, dass niemand das kriminelle Gesch\u00e4ft stoppt, trotz dessen katastrophaler Folgen: \u201eDer einzige Grund daf\u00fcr ist, dass Al Shabab und andere Kriminelle damit Geld verdienen, darunter korrupte Politiker. Das nutzt Al Shabab aus.\u201c<\/p>\n<p>Das will Minister Hirsi nat\u00fcrlich so nicht stehen lassen. Er bringt ein zweites Argument um zu erkl\u00e4ren, warum die Sicherheitskr\u00e4fte das illegale Tun nicht unterbinden: \u201eEs gibt Leute, die f\u00fcr ihr \u00dcberleben auf das Gesch\u00e4ft mit der Holzkohle angewiesen sind. Bisher k\u00f6nnen wir nicht sicher zwischen denen unterscheiden, die aus purer Not dabei mitmachen, und denen, die aus dem Export von Holzkohle nur zus\u00e4tzlichen Profit schlagen wollen.\u201c<\/p>\n<p>Wogegen sich der Minister zu Recht wehrt, ist der Begriff \u201eSteuer\u201c f\u00fcr die Abgaben, die Milit\u00e4rs, Polizisten oder Beh\u00f6rdenvertreter von denen erzwingen, die in die Wertsch\u00f6pfungskette des Holzkohleschmuggels eingebunden sind: \u201eWeil der Handel mit Holzkohle in Somalia illegal ist, kann es keine Steuern geben, sondern nur Schmiergeld. Wer Schmiergeld annimmt, wird die Konsequenzen zu sp\u00fcren bekommen, sobald wir die entsprechenden Gesetze und alle staatlichen Organe haben die n\u00f6tig sind, um die Gesetze durchzusetzen.\u201c <\/p>\n<p>                Holzkohle aus Somalia international leicht erh\u00e4ltlich<\/p>\n<p>Eine andere Behauptung des Ministers ist hingegen bestenfalls eingeschr\u00e4nkt richtig: \u201eIch denke, die K\u00e4ufer sind schwer zu fassen. Niemand stellt ein Plakat auf und sagt, dass er Holzkohle kauft oder exportiert. Aber es gibt verd\u00e4chtige L\u00e4nder, von denen wir wissen, dass sie Holzkohle erhalten. Wir werden die internationalen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden, die regionalen Organisationen und alle anderen uns zur Verf\u00fcgung stehenden Mittel nutzen, um diese L\u00e4nder dazu zu bringen, keine illegale Holzkohle mehr zu importieren. Gleichzeitig werden wir diejenigen in Schach halten, die Holzkohle aus Somalia exportieren.\u201c<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Akazienb\u00e4ume in einer trockenen Landschaft in Afrika.\" alt=\"Akazienb\u00e4ume in einer trockenen Landschaft in Afrika.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/somalia-106-1280xauto.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Bei Shisha-Rauchern besonders beliebt: Holzkohle aus dem Holz des Akazienbaums (imago images \/ Hans Lucas)<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich machen einige Importeure im Internet kein Geheimnis daraus, dass sie mit Holzkohle aus Somalia handeln. Wegen des speziellen Aromas der somalischen Akazien ist sie in arabischen L\u00e4ndern bei Shisha-Rauchern besonders beliebt. So wirbt beispielsweise eine Firma mit Sitz in \u00c4gypten damit, die herausragende somalische Holzkohle in, so w\u00f6rtlich, \u201ejeder beliebigen Menge\u201c liefern zu k\u00f6nnen. \u201eSchnellste Lieferung\u201c und \u201ebeste Qualit\u00e4t\u201c seien garantiert. Exportiert werde von Zwischenh\u00e4ndlern oder direkt aus Somalia. <\/p>\n<p>Im vergangenen September konnten die UN-Kontrolleure den Hafen von Kismayo im S\u00fcden des Landes besuchen. Er ist der landesweit wichtigste f\u00fcr den Export von Holzkohle. In Kismayo t\u00fcrmen sich die Lagerbest\u00e4nde an Holzkohle in einem gro\u00dfen Gebiet viele Meter hoch \u2013 die UN-Kontrolleure z\u00e4hlten mehr als 500.000 S\u00e4cke. Der gesch\u00e4tzte Wert auf dem internationalen Markt: 12 Millionen Dollar. <\/p>\n<p>Die Entwaldung d\u00fcrfte in Zukunft sogar noch schneller voranschreiten, f\u00fcrchtet Sicherheitsexperte Guled &#8211; trotz der anhaltenden D\u00fcrre: \u201eHeutzutage nutzen sie Maschinen zum F\u00e4llen, nicht mehr \u00c4xte, so wie fr\u00fcher. Mit Hilfe der Maschine kann ein Mann vielleicht hundert B\u00e4ume am Tage f\u00e4llen. Das ist eine reale Gefahr f\u00fcr die verbliebenen B\u00e4ume.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>                Regierung duldet illegales Gesch\u00e4ft mit Holzkohle<\/p>\n<p>Angesichts der riesigen Lagerbest\u00e4nde k\u00f6nnte man erwarten, dass die Preise f\u00fcr Holzkohle in Somalia auf einem historisch niedrigen Stand w\u00e4ren. Das Gegenteil ist aber offenbar der Fall, das berichten \u00fcbereinstimmend H\u00e4ndler und auch die Menschen in Somalia, die selbst auf die Holzkohle angewiesen sind. <\/p>\n<p>Fr\u00fcher habe sie ein Kilo Holzkohle f\u00fcr 5.000 somalische Shilling gekauft, sagt beispielsweise Aamina. Heute m\u00fcsse sie mehr als das Doppelte bezahlen, n\u00e4mlich 12.000 Shilling \u2013 etwa einen halben US-Dollar. Um die Mahlzeiten f\u00fcr ihre Familie kochen zu k\u00f6nnen, gibt sie einen gro\u00dfen Teil ihres Einkommens aus: \u201eTrotzdem ist Holzkohle f\u00fcr mich immer noch die bessere Wahl, weil ich mir Gas gar nicht leisten kann. Das geht vielen Familien so, die wenig Geld haben.\u201c<\/p>\n<p>Weil die Binnennachfrage gestiegen ist, wird Nachschub im Land knapp. Noch h\u00e4ufiger f\u00fchren H\u00e4ndler die gestiegenen Preise allerdings darauf zur\u00fcck, dass sie immer mehr Abgaben zahlen m\u00fcssen: an die Shabab-Miliz entlang des Transportweges und an die Beh\u00f6rden in der Stadt. Wehren k\u00f6nnen sich die H\u00e4ndler, K\u00f6hler und Lastwagenfahren gegen diese erzwungenen Abgaben nicht. Schlie\u00dflich ist ihr Gesch\u00e4ft illegal. Ob sich auch f\u00fchrende Regierungsmitglieder daran beteiligen, ist schwer zu sagen. Klar ist aber, dass sich das Gesch\u00e4ft so offensichtlich vor den Augen aller abspielt, dass die Regierung es jedenfalls duldet. Das l\u00e4sst bef\u00fcrchten, dass der lukrative Schmuggel recht ungehindert weitergehen wird.<\/p>\n<p>Korrektur: Wir haben im Teaser einen sachlichen Fehler mit Blick auf die Herstellung von Holzkohle korrigiert und pr\u00e4zisiert, woran die Al-Shabab-Miliz mitverdient.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Holzkohle wird in Somalia aus den schnell schwindenden Akazienw\u00e4ldern hergestellt \u2013 finanziert Terror und befeuert Korruption (imago \/&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6784,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[248],"tags":[3544,3801,3803,3804,428,2749,3802],"class_list":{"0":"post-6783","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-somalia","8":"tag-al-shabaab","9":"tag-al-schabaab","10":"tag-holzkohle","11":"tag-holzkohleschmuggel","12":"tag-somalia","13":"tag-terror","14":"tag-terrormiliz"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116445358534655169","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6783","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6783"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6783\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6784"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6783"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6783"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6783"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}