{"id":7292,"date":"2026-04-22T11:12:57","date_gmt":"2026-04-22T11:12:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/7292\/"},"modified":"2026-04-22T11:12:57","modified_gmt":"2026-04-22T11:12:57","slug":"rad-wm-eine-weltpremiere-mit-duesterer-kehrseite","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/7292\/","title":{"rendered":"Rad-WM: Eine Weltpremiere mit d\u00fcsterer Kehrseite"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich ist die erste Rad-WM auf afrikanischem Boden ein gro\u00dfartiges Zeichen f\u00fcr die Globalisierung des Sports. W\u00e4re da nicht ein noch viel gr\u00f6\u00dferes Aber.<\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Held des afrikanischen <a href=\"https:\/\/www.sport1.de\/channel\/radsport\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\" title=\"https:\/\/www.sport1.de\/channel\/radsport\">Radsports<\/a> ist v\u00f6llig frei von Sorge. \u201eIch habe mit mehreren Freunden gesprochen. Sie meinen, dass alles fein und \u00fcberhaupt kein Problem ist\u201c, sagte Biniam Girmay, Eritreer und 2024 bester Sprinter der <a href=\"https:\/\/www.sport1.de\/channel\/radsport\/tour-de-france\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\" title=\"https:\/\/www.sport1.de\/channel\/radsport\/tour-de-france\">Tour de France<\/a>, vor seiner Reise zur umstrittenen Stra\u00dfen-WM in Ruanda: \u201eIch denke wirklich nicht \u00fcber Politik oder die Rolle des Sports in der Politik nach.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr Girmay sind die ersten Weltmeisterschaften in Afrika ab Sonntag ein Traum und eine Riesenchance, f\u00fcr andere sind sie sehr wohl ein Problem: Im gro\u00dfen Nachbarland DR Kongo k\u00f6chelt seit l\u00e4ngerem ein kriegerischer Konflikt, an dem auch das kleine Ruanda inoffiziell teilnimmt. Anfang 2025 war die Sicherheitslage so fragil, dass der Ruanda-Tour die Absage drohte.<\/p>\n<p>\u201eUm ehrlich zu sein, habe ich vor ein paar Monaten auch die Nachrichten \u00fcber den Krieg im Kongo verfolgt\u201c, sagt Girmay. Die Grenzstadt Goma, in der Gr\u00e4ueltaten Tausende Todesopfer forderten, liegt 100 Kilometer Luftlinie von Ruandas Hauptstadt Kigali, dem WM-Zentrum, entfernt. <\/p>\n<p>Das Ausw\u00e4rtige Amt r\u00e4t weiterhin von \u201enicht notwendigen Reisen in die Grenzregionen\u201c ab. Mittlerweile m\u00fcssen sich die WM-Starter zumindest nicht mehr akut bedroht f\u00fchlen, es herrscht relative Ruhe.<\/p>\n<p>Massive Sportswashing-Vorw\u00fcrfe an das neue \u201eSportwunderland\u201c<\/p>\n<p>Die Sicherheitslage ist das eine, was die Weltmeisterschaften sehr umstrittenen macht. Zudem sehen viele Kritiker die Titelk\u00e4mpfe mit Topstars wie Tadej Pogacar, Wout Van Aert und eben Girmay als Teil klassischen Sportswashings an, mit dem das aufstrebende Land von Menschenrechtsverletzungen ablenken will.<\/p>\n<p>Die WM passt da ins Bild. Gianni Infantino und die FIFA-Granden tagten bereits feudal in Ruanda. Der <a href=\"https:\/\/www.sport1.de\/team\/fc-bayern-muenchen\/opta_156\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\" title=\"https:\/\/www.sport1.de\/team\/fc-bayern-muenchen\/opta_156\">FC Bayern<\/a> r\u00fchrte wie schon der FC Arsenal und Paris Saint-Germain gut bezahlt die Werbetrommel f\u00fcr das Land, ehe er nach n\u00e4herer Pr\u00fcfung das Engagement unl\u00e4ngst \u201ein eine <a href=\"https:\/\/www.sport1.de\/news\/fussball\/bundesliga\/2025\/08\/fc-bayern-beendet-ruanda-werbung-fokus-auf-jugendakademie\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\" title=\"https:\/\/www.sport1.de\/news\/fussball\/bundesliga\/2025\/08\/fc-bayern-beendet-ruanda-werbung-fokus-auf-jugendakademie\">ausschlie\u00dfliche Zusammenarbeit \u00fcber Nachwuchsf\u00f6rderung<\/a> umgewandelt\u201c hat. <\/p>\n<p>Das Ruanda-Sponsoring hatte bei den Bayern-Anh\u00e4ngern \u00e4hnlich wie die inzwischen beendete Partnerschaft mit Qatar Airways f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.sport1.de\/news\/fussball\/bundesliga\/2025\/02\/blutbeflecktes-sponsoring-wirbel-um-umstrittene-bayern-kooperation\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\" title=\"https:\/\/www.sport1.de\/news\/fussball\/bundesliga\/2025\/02\/blutbeflecktes-sponsoring-wirbel-um-umstrittene-bayern-kooperation\">massive Kritik<\/a> gesorgt. Vorgeworfen wird der Regierung vor allem die Missachtung von Menschenrechten und die Unterst\u00fctzung der M23-Rebellen. Diese hatten im Januar und Februar gro\u00dfe Gebiete im Osten der Demokratischen Republik Kongos eingenommen. <\/p>\n<p>Auch die Formel 1 flirtet mit Afrikas neuem Sportwunderland. Der K\u00f6nigsklasse will Staatspr\u00e4sident Paul Kagame gar eine frische Strecke bauen, was Formel-1-Boss Stefano Domenicali begeistert. \u201eWir wollen unbedingt nach Afrika\u201c, sagte der Italiener, n\u00f6tiges Investment von dort vorausgesetzt. Das bietet Ruanda. Der kleine Staat am Kiwusee will mit aller Macht zum gro\u00dfen Player nach arabischem Vorbild aufsteigen.<\/p>\n<p>Ruandas Wirtschafts-Aufschwung hat bittere Schattenseiten<\/p>\n<p>Ruandas m\u00e4rchenhafter Weg vom Horror- zum Vorzeigestaat ist jedoch holprig geworden. <\/p>\n<p>In der fr\u00fcheren deutschen Kolonie fand 1994 einer der f\u00fcrchterlichsten V\u00f6lkermorde statt. Mitglieder der Hutu-Mehrheit t\u00f6teten rund 800.000 Menschen der Tutsi-Minderheit. Tutsi-Rebellen der RPF setzten sich letztlich gewaltsam durch, seit 2000 regiert der fr\u00fchere RPF-K\u00e4mpfer Kagame.<\/p>\n<p>Unter dem Autokraten erlebte das Land einen Wirtschafts-Aufschwung &#8211; von dem aber nur eine kleine Elite profitierte, w\u00e4hrend viele Menschen bitterarm blieben. Die politische Opposition wird brutal unterdr\u00fcckt. Weltweit soll Ruanda nach Kagames Plan als Fortschritts-Nation bekannt werden &#8211; nicht als dunkles Herz Afrikas.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr brachte sich Ruanda zun\u00e4chst im Weltfu\u00dfball ein. F\u00fcr viele Millionen Dollar Werbekosten und auf den ersten Blick geringen Ertrag: Nur rund 2000 deutsche Touristen zog es zuletzt j\u00e4hrlich zu Ruandas Gorillas.<\/p>\n<p>Das Sportsponsoring, sagte die Oppositionelle Carine Kanimba im ARD-Podcast \u201eSport Inside\u201c, \u201eist vielmehr der Versuch, Gewalttaten zu verschleiern\u201c. Nun dient als Schleier eben ein Radhelm.<\/p>\n<p>Vuelta gepr\u00e4gt von politischen Demonstrationen<\/p>\n<p>Der Radsport droht inmitten weltpolitischer Brennpunkte erneut zum Nebenthema zu werden. Bereits die <a href=\"https:\/\/www.sport1.de\/channel\/radsport\/vuelta-a-espana\/news\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\" title=\"https:\/\/www.sport1.de\/channel\/radsport\/vuelta-a-espana\/news\">Vuelta Espana<\/a> wurde zum <a href=\"https:\/\/www.sport1.de\/news\/radsport\/vuelta-a-espana\/2025\/09\/inakzeptabel-vuelta-chef-verurteilt-proteste\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\" title=\"https:\/\/www.sport1.de\/news\/radsport\/vuelta-a-espana\/2025\/09\/inakzeptabel-vuelta-chef-verurteilt-proteste\">Schauplatz f\u00fcr pro-pal\u00e4stinensische Demonstranten<\/a> &#8211; mit enormem Einfluss auf das Renngeschehen.<\/p>\n<p>So musste beispielsweise die letzte Etappe 56 Kilometer vor dem Ziel <a href=\"https:\/\/www.sport1.de\/news\/radsport\/vuelta-a-espana\/2025\/09\/proteste-in-madrid-vuelta-vorzeitig-abgebrochen\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\" title=\"https:\/\/www.sport1.de\/news\/radsport\/vuelta-a-espana\/2025\/09\/proteste-in-madrid-vuelta-vorzeitig-abgebrochen\">abgebrochen werden<\/a>. Zum \u00c4rger von Gesamtsieger Jonas Vingegaard, dem die triumphale Ankunft in Madrid genommen wurde.<\/p>\n<p>Man kann f\u00fcr die Athleten nur hoffen, dass sie bei der WM im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen und die Rennen ohne unsch\u00f6ne Zwischenf\u00e4lle abgehalten werden k\u00f6nnen. Gleicherma\u00dfen w\u00e4re w\u00fcnschenswert, dass die Bev\u00f6lkerung sich am Gro\u00df-Event erfreuen und von diesem profitieren kann. Zweifel aber bleiben. <\/p>\n<p>Der Radsport-Weltverband hatte im Jahr 2018 beschlossen, die WM in Afrika abzuhalten. 2021 bekam Ruandas Hauptstadt Kigali den Zuschlag, w\u00e4hrend Marokko, S\u00fcdafrika und Algerien in die R\u00f6hre blicken. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eigentlich ist die erste Rad-WM auf afrikanischem Boden ein gro\u00dfartiges Zeichen f\u00fcr die Globalisierung des Sports. 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