{"id":7424,"date":"2026-04-22T14:24:52","date_gmt":"2026-04-22T14:24:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/7424\/"},"modified":"2026-04-22T14:24:52","modified_gmt":"2026-04-22T14:24:52","slug":"krimiautor-bernd-jaumann-erinnert-an-den-voelkermord-in-namibia-kirchheimbolanden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/7424\/","title":{"rendered":"Krimiautor Bernd Jaumann erinnert an den V\u00f6lkermord in Namibia &#8211; Kirchheimbolanden"},"content":{"rendered":"<p class=\"rhp-dpa-teaser\">Im Rahmen der Kirchheimbolanden Friedenstage las der Autor Bernhard Jaumann am Freitagabend  im Stadtpalais.<\/p>\n<p> Bernd Jaumanns  2016 erschienener Krimi \u201eDer lange Schatten\u201c spielt vor dem Hintergrund des V\u00f6lkermordes an den namibischen Herero und anderer indigener Gruppen w\u00e4hrend der Kolonialherrschaft im fr\u00fcheren Deutsch-S\u00fcdwestafrika. Im dritten Band seiner Namibia-Krimi-Trilogie greift Jaumann auch die Frage nach Schuld und Wiedergutmachung auf.<\/p>\n<p>Jaumann verbrachte als Gymnasiallehrer sechs Jahre in Namibia. 2011 war er in Windhoek Gast bei der offiziellen R\u00fcckgabe von 20 Herero-Sch\u00e4deln bei einer umstrittenen Zeremonie durch eine Delegation der Bundesregierung. 100 Jahre zuvor waren die Sch\u00e4del zu rasseanatomischen Versuchen nach Deutschland gebracht und nach dem Ende des NS-Regimes in der Berliner <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Charit\u00e9\" data-rtr-id=\"765f102c05322135872089a735d61d30212f3a32\" data-rtr-score=\"11.775022679165406\" data-rtr-etype=\"organisation\" data-rtr-index=\"19\" href=\"https:\/\/www.rheinpfalz.de\/themen\/charite?utm_source=rheinpfalz.de&amp;utm_medium=tms&amp;utm_campaign=intext\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Charit\u00e9<\/a> eingelagert worden.<\/p>\n<p>Geschichte wird lebendig<\/p>\n<p>Jaumann schilderte, wie ihn die makabere Situation im feierlichen Rahmen zu seinem Krimi inspiriert hat: \u201eIch dachte, dass die Kolonialgeschichte mit den Totensch\u00e4deln dieser Individuen wieder lebendig und greifbar wird\u201c.   Eine Sammlung von Herero-Sch\u00e4deln befand sich auch in <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Freiburg\" data-rtr-id=\"12349ac7a24feee89515d8db0268fcc1af9ea4c1\" data-rtr-score=\"10.210160266102207\" data-rtr-etype=\"location\" data-rtr-index=\"14\" href=\"https:\/\/www.rheinpfalz.de\/themen\/freiburg?utm_source=rheinpfalz.de&amp;utm_medium=tms&amp;utm_campaign=intext\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Freiburg<\/a>, der Wirkungsst\u00e4tte des NS-Rassehygienikers Eugen Fischer. <\/p>\n<p>Den  1967 verstorbenen Fischer macht Jaumann  zur Figur in seinem dritten Namibia-Band. Im Eingangskapitel wird dessen Grabst\u00e4tte in Freiburg  von einem Namibier gesch\u00e4ndet: \u201eDu machst mir keine Angst, wei\u00dfer Mann\u201c, l\u00e4sst er seinen Protagonisten schw\u00f6ren, w\u00e4hrend der die Gebeine voller Verachtung aus dem Grab schleudert. Im sich anschlie\u00dfenden Lesekapitel spannt Jaumann den Bogen zur\u00fcck in die namibische Hauptstadt. Hier kommt Ex-Polizistin Clemencia Garises ins Spiel, die er in schon seinen B\u00e4nden \u201eDie Stunde des Schakals\u201c (2011) und \u201eSteinland\u201c (2013) zur Hauptfigur gemacht hat.<\/p>\n<p>Internationale Tragweite<\/p>\n<p>Garises agiert im neuen Fall als Personensch\u00fctzerin f\u00fcr die Frau des deutschen Botschafters in Namibia. Als diese zusammen mit einem namibischen Waisenkind entf\u00fchrt wird, kommt deren verwandtschaftliche Beziehung zu Eugen Fischer ans Tageslicht. Schnell best\u00e4tigt sich, dass es bei der Entf\u00fchrung nicht um eine L\u00f6segeldforderung, sondern um eine politische Botschaft von internationaler und historischer Tragweite geht. Der Botschafter soll sich bei einer \u00f6ffentlichen Rede im Namen der deutschen Regierung am Genozid an den Herero entschuldigen. Der Kreis schlie\u00dft sich, als der Zusammenhang zwischen den Vorg\u00e4ngen in Windhoek und dem zwischenzeitlich in <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Berlin\" data-rtr-id=\"d0f8ca37195d12bf55f612c03cb5ae6e0ea21dfa\" data-rtr-score=\"5.907922588448745\" data-rtr-etype=\"location\" data-rtr-index=\"24\" href=\"https:\/\/www.rheinpfalz.de\/themen\/berlin?utm_source=rheinpfalz.de&amp;utm_medium=tms&amp;utm_campaign=intext\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Berlin<\/a> in den Fokus der Polizei geratenen Grabsch\u00e4nder klar wird. <\/p>\n<p>\u201eWenn Geschichte wieder ausgraben wird\u201c, beschreibt Jaumann seine Inspiration. Die Aufarbeitung historischer Schuld und Wiedergutmachung ist f\u00fcr die ehemaligen Kolonialm\u00e4chte von hoher Bedeutung und Aktualit\u00e4t. Jaumann hat sich mit den Kolonialverbrechen und Ma\u00dfnahmen zur R\u00fcckgabe der Sch\u00e4del eingehend befasst. Nach der  Lesung schilderte der mehrfach ausgezeichnete Schriftsteller auch seine pers\u00f6nlichen Eindr\u00fccke der Entwicklung der namibischen Gesellschaft. Jaumann wurde  1957 in Augsburg geboren und hat seit 1997 Krimiserien und Kurzgeschichten ver\u00f6ffentlicht. Er bekam schon den Deutschen Krimipreis und den Friedrich-Glauser-Preis. <\/p>\n<p class=\"rhp-closing-headline\">Lesezeichen<\/p>\n<p class=\"rhp-closing-credits\">Bernhard Jaumann \u201eDer lange Schatten\u201c, Krimi, Rowohlt Verlag 2016, 320 Seiten, 16 Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im Rahmen der Kirchheimbolanden Friedenstage las der Autor Bernhard Jaumann am Freitagabend im Stadtpalais. 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