{"id":7474,"date":"2026-04-22T15:17:06","date_gmt":"2026-04-22T15:17:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/7474\/"},"modified":"2026-04-22T15:17:06","modified_gmt":"2026-04-22T15:17:06","slug":"deutsches-exportgeschaeft-in-namibia-kolonialer-wasserstoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/7474\/","title":{"rendered":"Deutsches Exportgesch\u00e4ft in Namibia: Kolonialer Wasserstoff"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">J ahrzehnte \u00fcber Jahrhunderte vergehen, aber am Verhalten der Europ\u00e4er \u00e4ndert sich nichts. Fr\u00fcher kamen sie mit Flamme und Schwert und nahmen uns unser Land, unsere nat\u00fcrlichen Reicht\u00fcmer und unsere Freiheit, denn Macht begr\u00fcndete das Recht. Heute wollen sie uns erneut ausbeuten, aber mit einem L\u00e4cheln im Gesicht, mit einer Rhetorik \u00fcber die Umwelt und das Gemeinwohl auf den Lippen und unter dem Vorwand, uns f\u00fcr ihre vergangenen Zerst\u00f6rungen \u201eentsch\u00e4digen\u201c zu wollen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-3\" pos=\"2\">Zwischen 1904 und 1908 l\u00f6schten die Deutschen die zwei Volksgruppen der Herero und Nama, die keine Sklaven des Deutschen Reiches sein wollten, fast vollst\u00e4ndig aus. Afrikaner landeten in Konzentrationslagern und wurden auch anderen unmenschlichen Erfindungen der \u201ezivilisierten Welt\u201c unterworfen, die sp\u00e4ter in den 1940er Jahren auch Europ\u00e4er erleiden sollten.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\"><a href=\"https:\/\/taz.de\/Essay-Kolonialismus-in-Namibia\/!5211171\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Erst 2015 erkannte Deutschland seine Verfehlungen der Vergangenheit an und nahm Verhandlungen mit Namibias Regierung \u00fcber eine Wiedergutmachung auf. Aber trotz vieler Versprechungen kam dies nie zu einem Abschluss.<\/a> Es scheint, als sei die deutsche Bereitschaft zur Vers\u00f6hnung nicht ohne den Hintergedanken gewesen, wirtschaftlich von Namibia profitieren zu wollen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">Nachdem Berlin sich im Zuge der Spannungen mit Russland \u00fcber die Ukraine ab 2014 allm\u00e4hlich von billigem russischen Erdgas l\u00f6sen wollte, suchte Deutschland neue Energiequellen und nahm unter anderem wasserstoffbasierte \u201egr\u00fcne Energie\u201c ins Visier. Deutschland proklamierte das Ziel der Klimaneutralit\u00e4t \u2013 ein sch\u00f6nes Wort, das den Deutschen gef\u00e4llt.<\/p>\n<p>      Industriegebiet statt Nationalpark<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"6\">Aber die Architekten dieser Klimapolitik verrieten ihren W\u00e4hlern nicht, dass auch gr\u00fcne Energie mit Kosten einhergeht und dass eine klimaneutrale Wirtschaft in Europa zu \u00f6kologischen Katastrophen auf der anderen Seite des Planeten f\u00fchren kann.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"7\"><a href=\"https:\/\/taz.de\/Deutsche-Importstrategie-fuer-Wasserstoff\/!6025859\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Das erste Projekt in Namibia \u2013 vom Unternehmen \u201eHyphen Hydrogen Energy\u201c<\/a> \u2013 sieht Investitionen von 9,4 Milliarden Dollar f\u00fcr Solar- und Windkraftanlagen mit einer Kapazit\u00e4t von f\u00fcnf Gigawatt vor sowie eine Wasserstoffanlage mit etwa drei Gigawatt. Die erste Phase mit rund 4,4 Milliarden Dollar soll bis 2026 abgeschlossen sein. Der Rest folgt bis Ende der 20er Jahre. Wasserstoff wird in dieser Anlage per Elektrolyse aus Wasser gewonnen und soll in Form von Ammoniak nach Europa verschifft werden.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"8\">Pro Jahr sollen also zwei Millionen Tonnen dieser hochgiftigen Substanz in einem der kostbarsten Naturschutzgebiete des s\u00fcdwestlichen Afrika hergestellt werden, das dadurch in eine industrielle W\u00fcste verwandelt wird.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"9\">Die Zerst\u00f6rung eines einzigartigen Nationalparks k\u00f6nnte nicht das einzige drohende Verbrechen der deutschen Investoren sein. F\u00fcr den Export des Ammoniaks nach Europa soll auf der Halbinsel \u201eShark Island\u201c ein gro\u00dfer Hafen entstehen \u2013 nach Angaben von Menschenrechtlern auf dem Gel\u00e4nde eines l\u00e4ngst zerst\u00f6rten ehemaligen deutschen Konzentrationslagers, wo bis heute die Gebeine von 1.000 bis 3.000 Afrikanern begraben liegen.<\/p>\n<p>      Sch\u00e4ndung der Gr\u00e4ber von Herero und Nama<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\" pos=\"11\">Vertreter der Nama und Herero haben an die deutschen Gr\u00fcnen appelliert, die Sch\u00e4ndung der Gebeine ihrer Ahnen zu stoppen und auch den vorliegenden Abkommensentwurf zwischen Deutschland und Namibia \u00fcber die Anerkennung des V\u00f6lkermords zu revidieren. Die Gr\u00fcnen-Abgeordnete Deborah D\u00fchring hat daraufhin gesagt, es sei wichtig, \u201edie Bedenken und Kritik der direkten Nachfahren der betroffenen Herero und Nama ernstzunehmen\u201c.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\" pos=\"12\">Ihr Parteifreund Ottmar von Holz f\u00fcgte hinzu, es bestehe in Deutschland immer noch ein Mangel an Reflexion \u00fcber die Auswirkungen der eigenen kolonialen Vergangenheit.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"13\">Nach neun Jahren Verhandlungen \u00fcber ein Vers\u00f6hnungsabkommen zwischen Deutschland und Namibia kann heute festgestellt werden, dass weder Namibias Regierung noch die Nachfahren der \u00dcberlebenden des V\u00f6lkermordes auch nur einen Cent Wiedergutmachung erhalten haben. Daf\u00fcr aber haben deutsche Unternehmen begonnen, Namibias nat\u00fcrliche Ressourcen auszubeuten. \u201eGr\u00fcne Energie\u201c f\u00fcr Deutschland bedeutet, in Namibia Opfer zu bringen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\" pos=\"14\">Das erste Opfer ist der Nationalpark Tsau-Khaeb, dem droht, in ein Industriegebiet verwandelt zu werden, wo giftiges Ammoniak hergestellt wird, das die lokale Flora und Fauna t\u00f6ten und die K\u00fcstengew\u00e4sser verseuchen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>      Namibier m\u00fcssten Miteigent\u00fcmer sein<\/p>\n<p>\n\ue80f\n<\/p>\n<p>            Namibier sollten Miteigent\u00fcmer von Investitionsprojekten sein, nicht billige Arbeitskr\u00e4fte<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-19\" pos=\"16\">Das zweite Opfer sind die sterblichen \u00dcberreste der Herero und Nama auf Shark Island. Statt auf dem Gel\u00e4nde des ehemaligen Konzentrationslagers eine Gedenkst\u00e4tte zu errichten, erweitern die Deutschen den Hafen f\u00fcr den Ammoniakexport. Berlin spricht von Wiedergutmachung f\u00fcr den V\u00f6lkermord, aber setzt ihn fort, indem es Gr\u00e4ber f\u00fcr Profit zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-20\" pos=\"17\">K\u00f6nnen wir das hinnehmen? Wird das namibische Volk den Deutschen erlauben, ihre Verbrechen fortzusetzen? Werden die V\u00f6lker Afrikas weiter hinnehmen, dass ihr Reichtum zugunsten Europas gepl\u00fcndert wird? Niemand wird sich um Afrika k\u00fcmmern, wenn Afrikaner es nicht selbst tun.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-21\" pos=\"18\">N\u00f6tig w\u00e4re jetzt, den Bau von Industrieanlagen im Nationalpark zu stoppen, ebenso die Zerst\u00f6rung von Herero- und Nama-Gr\u00e4bern. Die Nachfahren der V\u00f6lkermordopfer m\u00fcssen eine gerechte Entsch\u00e4digung erhalten und <a href=\"https:\/\/taz.de\/Koloniales-Erbe-in-Namibia\/!5638591\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">vor allem das Land zur\u00fcckerhalten, das ihnen damals genommen wurde und bis heute weitgehend im Besitz deutscher Siedler ist.<\/a><\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-22\" pos=\"19\">Deutsche Investoren sollten dar\u00fcber hinaus verpflichtet werden, Namibiern einen fairen Anteil an all ihren Investitionsprojekten in Namibia zu gew\u00e4hren. Namibier sollten Miteigent\u00fcmer sein, nicht billige Arbeitskr\u00e4fte. Und Industrieanlagen auf namibischem Boden sollten unabh\u00e4ngig auf m\u00f6gliche \u00f6kologische Auswirkungen \u00fcberpr\u00fcft werden. Saubere Meere, sauberes Land und saubere Luft sind das Erbe, das unser Volk seinen Kindern und Enkelkindern hinterlassen muss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"J ahrzehnte \u00fcber Jahrhunderte vergehen, aber am Verhalten der Europ\u00e4er \u00e4ndert sich nichts. 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