{"id":7643,"date":"2026-04-22T19:51:07","date_gmt":"2026-04-22T19:51:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/7643\/"},"modified":"2026-04-22T19:51:07","modified_gmt":"2026-04-22T19:51:07","slug":"volker-tuerk-die-menschenrechte-sind-nicht-teil-einer-ideologie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/7643\/","title":{"rendered":"Volker T\u00fcrk: \u00bbDie Menschenrechte sind nicht Teil einer Ideologie\u00ab"},"content":{"rendered":"<p>    Inhalt<br \/>\n    <a class=\"article-toc__fullview z-text-button\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2026-04\/menschenrechte-volker-tuerk-un-voelkerrecht-frauenrechte\/komplettansicht\" data-ct-label=\"all\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n        Auf einer Seite lesen<br \/>\n    <\/a><\/p>\n<p>            Inhalt        <\/p>\n<p>Seite 1\u00bbDie Menschenrechte sind<br \/>\nnicht Teil einer Ideologie\u00ab<\/p>\n<p>                                            <a class=\"article-toc__item article-toc__link\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2026-04\/menschenrechte-volker-tuerk-un-voelkerrecht-frauenrechte\/seite-2\" data-ct-label=\"2\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                    Seite 2\u00bbEs h\u00e4tte Sanktionen geben m\u00fcssen, auch gegen Waffenlieferanten\u00ab<br \/>\n                <\/a><\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Wie setzt man sich f\u00fcr Menschenrechte ein, w\u00e4hrend das V\u00f6lkerrecht immer weiter unter Druck ger\u00e4t? Volker T\u00fcrk, \u00f6sterreichischer Jurist, ist seit \u00fcber drei Jahren Hoher Kommissar der Vereinten Nationen f\u00fcr Menschenrechte. Wo Institutionen wie der Internationale Strafgerichtshof geschw\u00e4cht sind, sucht T\u00fcrk nach neuen Allianzen und rechtlichen M\u00f6glichkeiten. Wie aussichtsreich ist das, etwa im Sudan?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">DIE ZEIT: Es sind bittere Zeiten f\u00fcr die <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/menschenrechte\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Menschenrechte<\/a> wie f\u00fcr das<br \/>\nhumanit\u00e4re V\u00f6lkerrecht. Beide werden nicht nur vielerorts massiv verletzt,<br \/>\nsondern auch von demokratisch gew\u00e4hlten Politikern, allen voran dem<br \/>\nUS-amerikanischen Pr\u00e4sidenten, ganz offen infrage gestellt. Was k\u00f6nnen Sie in<br \/>\nIhrem Amt noch ausrichten?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Volker T\u00fcrk: Es wird derzeit \u2013 auch von populistischer Seite \u2013<br \/>\nversucht, den Grundkonsens zu den Menschenrechten zu unterminieren \u2013 zum<br \/>\nBeispiel in Bezug auf Frauenrechte, die Rechte von Minderheiten oder das Recht<br \/>\nauf Meinungsfreiheit. Nat\u00fcrlich macht mir das gro\u00dfe Sorgen. Aber ich habe auch<br \/>\ndas Gef\u00fchl, die Verteidiger dieser universalen Prinzipien sind zu sehr in die<br \/>\nDefensive geraten. Wir m\u00fcssen wieder offensiver werden. Wir m\u00fcssen auf der<br \/>\nganzen Welt klarmachen, dass die Menschenrechte nicht Teil einer Ideologie<br \/>\nsind, sondern die Grundlage des Gesellschaftsvertrags zwischen dem Staat und seinen<br \/>\nB\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">ZEIT: Das sehen offenbar immer weniger Staaten so.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">T\u00fcrk: Es<br \/>\nwird jetzt viel vom Ende der regelbasierten Weltordnung gesprochen und dabei<br \/>\nwird impliziert, dass damit auch die \u00c4ra der Menschenrechte zu Ende ist.<br \/>\nAbsolut nicht. Menschenrechte sind das Ergebnis jahrhundertealter K\u00e4mpfe<br \/>\nweltweit. Da spielt die Aufkl\u00e4rung eine Rolle, die amerikanische, franz\u00f6sische<br \/>\nund haitianische Revolution. Die Arbeiter- und Frauenbewegung, der Kampf gegen<br \/>\nApartheid oder f\u00fcr LGBTQ-Rechte &#8230;\n<\/p>\n<p>                            \u00a9\u00a0Lea Dohle<\/p>\n<p>\n                                        Newsletter<br \/>\n                                        Was jetzt? \u2013 Der t\u00e4gliche Morgen\u00fcberblick<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__text\">Starten Sie mit unserem kurzen Nachrichten-Newsletter in den Tag. Erhalten Sie zudem freitags das digitale Magazin ZEIT am Wochenende.<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__datapolicy\" hidden=\"\">\n            Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die <a href=\"https:\/\/datenschutz.zeit.de\/zon#Newsletter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a> zur Kenntnis.\n        <\/p>\n<p>    Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.<\/p>\n<p>Pr\u00fcfen Sie Ihr Postfach und best\u00e4tigen Sie das Newsletter-Abonnement.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">ZEIT: \u2026 alles Bewegungen, die politisch unter Druck geraten<br \/>\nsind \u2026\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">T\u00fcrk: Ja, aber gleichzeitig beobachten wir in den<br \/>\nverschiedensten L\u00e4ndern \u2013 in Nepal, Bangladesch oder Serbien<br \/>\n\u2013 Massenproteste junger Generationen, die auch Menschenrechtsbewegungen<br \/>\nsind, weil sie sich gegen staatliche Willk\u00fcr wehren.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">ZEIT: Was konkret schlagen Sie vor, um wieder in die Offensive<br \/>\nzu kommen?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">T\u00fcrk: Eine globale Allianz\u00a0f\u00fcr Menschenrechte, deren Ziel<br \/>\nes ist, konkrete Ma\u00dfnahmen f\u00fcr die Verbesserung der Menschenrechte zu f\u00f6rdern. Beispielsweise, dass sich mehr St\u00e4dte auf der ganzen Welt zu Menschenrechtsst\u00e4dten<br \/>\nerkl\u00e4ren, dass auf allen Bildungsebenen Menschenrechte gelehrt werden oder dass<br \/>\nviel mehr Staaten das Weltrechtsprinzip in ihrer Gesetzgebung anwenden.\u00a0Im<br \/>\nDezember 2028 wird die Allgemeine Erkl\u00e4rung der Menschenrechte 80 Jahre alt. Im<br \/>\nHinblick darauf sollten wir alles tun, intellektuell und philosophisch wieder<br \/>\nzu diesem Grundkonsens zur\u00fcckzufinden, ihn zu revitalisieren.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">ZEIT: Wen wollen Sie daf\u00fcr mobilisieren \u2013 und wie?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">T\u00fcrk: Ich<br \/>\nhabe dar\u00fcber zum Beispiel im Bundestag mit einigen Parlamentariern gesprochen und hatte<br \/>\nden Eindruck, dass diese Idee Widerhall findet, weil man eben auch diese<br \/>\nGrundsatzdiskussionen wieder f\u00fchren muss. In Zeiten, in denen die politische<br \/>\nLandschaft an den R\u00e4ndern so extrem geworden ist, braucht man alles, was nicht<br \/>\npolarisiert. Da kann das Bekenntnis zu den universalen Menschenrechten enorm<br \/>\nwichtig sein. Und auf dieser Grundlage kann man dann auch die schwierigen Debatten<br \/>\nwieder konstruktiver f\u00fchren. Zum Beispiel zur Meinungsfreiheit und der Frage, wo<br \/>\nin Zeiten von Hassrede und Desinformationskampagnen ihre Grenzen sind. In so<br \/>\nkonfusen und aufgew\u00fchlten Zeiten kann das eine Richtschnur, ein Kompass sein.  <\/p>\n<p>            Volker T\u00fcrk<\/p>\n<p>Volker T\u00fcrk, \u00f6sterreichischer Jurist, ist seit \u00fcber drei Jahren Hoher Kommissar der Vereinten Nationen f\u00fcr Menschenrechte.<\/p>\n<p>                                <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/square__999999__110x110.webp\"  alt=\"Volker T\u00fcrk: Volker T\u00fcrk, UN Menschenrechtsbeauftragter, spricht bei einem Statement bei der Internationalen Sudan-Konferenz im Ausw\u00e4rtigen Amt. Die Konferenz in Berlin besteht aus einem Au\u00dfenministertreffen, einer humanit\u00e4ren Konferenz mit Finanzierungszusagen und einer Zusammenkunft ziviler Akteure, um einen Friedensfahrplan auszuhandeln. +++ dpa-Bildfunk +++\" width=\"110\" height=\"110\" loading=\"lazy\" class=\"portraitbox__image\"\/><\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">ZEIT: Sie befassen sich mit der Lage der<br \/>\nMenschenrechte weltweit, aber der Sudan hat f\u00fcr Sie eine besondere Bedeutung.<br \/>\nWarum?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">T\u00fcrk: Es war das erste Land, das ich als UN-Hochkommissar<br \/>\nbesucht habe. Das war im November 2022. Das Milit\u00e4r hatte sich bereits wieder<br \/>\nan die Macht geputscht, um die demokratische Revolution von 2018\/19 zu<br \/>\nunterdr\u00fccken. Aber ich wollte wissen, wie es den Sudanesinnen und Sudanesen,<br \/>\ndie diese Revolution angef\u00fchrt hatten, nun ging. Und ich war tief beeindruckt<br \/>\nvon den Menschen, die ich getroffen habe \u2013 in Khartum, aber auch in Darfur, etwa in Al-Faschir.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">ZEIT: Ist Ihnen jemand besonders im Ged\u00e4chtnis geblieben?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">T\u00fcrk: Zum Beispiel eine Teeverk\u00e4uferin in Khartum. Sie hatte<br \/>\nwie viele Frauen einen kleinen Stand, an dem Leute Tee trinken konnten. Als\u00a0mit<br \/>\nden demokratischen Massenprotesten, die 2018 begannen, lokale Widerstandskomitees in den Nachbarschaften<br \/>\nentstanden, hat sie 400 andere Frauen organisiert, um diese Komitees mit Tee zu<br \/>\nversorgen. Diese Mobilisierung in allen Teilen der Gesellschaft nach 30 Jahren<br \/>\nHerrschaft unter dem Diktator Omar al-Baschir hat mich ungemein beeindruckt.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">ZEIT: Am 15. April 2023 begann der Krieg zwischen den<br \/>\nnationalen Streitkr\u00e4ften und den paramilit\u00e4rischen RSF, der nun seit \u00fcber drei<br \/>\nJahren mit einer ungemeinen Brutalit\u00e4t gef\u00fchrt wird. Sind Sie seither wieder<br \/>\ndort gewesen?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">T\u00fcrk: Ja, im Januar dieses Jahres. Ich war in Port Sudan und<br \/>\nin einem Fl\u00fcchtlingslager im Norden, also in Gebieten unter Kontrolle der<br \/>\nArmee. Es ist nicht ganz einfach, mit den Menschen unbeobachtet zu reden. Aber<br \/>\nich konnte junge Leute treffen, die fr\u00fcher bei den Widerstandskomitees waren<br \/>\nund jetzt Nothilfe auf die Beine stellen in den sogenannten Emergency Response Rooms. Und<br \/>\nich traf eine Frau im Fl\u00fcchtlingslager, die ihren gefolterten und schwer<br \/>\ntraumatisierten Mann versorgte, und ihre Tochter, die vergewaltigt worden war.<br \/>\nUnd die trotz alledem eine unglaubliche Kraft zeigte, auch andere zu<br \/>\nunterst\u00fctzen und zu mobilisieren. Diese Zivilgesellschaft hat wirklich etwas<br \/>\nganz Besonderes.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">ZEIT: Gleichzeitig ist diese Gesellschaft nach \u00fcber drei Jahren<br \/>\nKrieg sehr militarisiert \u2026\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">T\u00fcrk: Zweifellos. Von Dongola bis zum Fl\u00fcchtlingslager haben wir um<br \/>\ndie 20 Checkpoints gez\u00e4hlt. Und unter den Bewaffneten befanden sich auch<br \/>\nTeenager, manche erst 14 oder 15 Jahre alt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Inhalt Auf einer Seite lesen Inhalt Seite 1\u00bbDie Menschenrechte sind nicht Teil einer Ideologie\u00ab Seite 2\u00bbEs h\u00e4tte Sanktionen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7644,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[235],"tags":[206,283,267,485,4069,4070],"class_list":{"0":"post-7643","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-sudan","8":"tag-menschenrechte","9":"tag-politik","10":"tag-sudan","11":"tag-un","12":"tag-volker-tuerk","13":"tag-voelkerrecht"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116450104563496901","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7643","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7643"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7643\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7644"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7643"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7643"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7643"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}