{"id":7681,"date":"2026-04-22T20:47:39","date_gmt":"2026-04-22T20:47:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/7681\/"},"modified":"2026-04-22T20:47:39","modified_gmt":"2026-04-22T20:47:39","slug":"interview-mit-monzir-adam-der-sudan-ist-kein-rohstofflieferant-sondern-unsere-heimat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/7681\/","title":{"rendered":"Interview mit Monzir Adam \u2013 \u00bbDer Sudan ist kein Rohstofflieferant, sondern unsere Heimat\u00ab"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img320660\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/320660.jpeg\" alt=\"HANDOUT - Freiwillige des Netzwerks Emergency Response Rooms helfen Menschen in El-Obeid im Sudan. Das Netzwerk z\u00e4hlt in diesem Jahr zu den Tr\u00e4gern des Right Livelihood Awards, der gemeinhin als Alternativer Nobelpreis bekannt ist. (Aufnahmedatum unbekannt) +++ dpa-Bildfunk +++\"\/><\/p>\n<p>HANDOUT &#8211; Freiwillige des Netzwerks Emergency Response Rooms helfen Menschen in El-Obeid im Sudan. Das Netzwerk z\u00e4hlt in diesem Jahr zu den Tr\u00e4gern des Right Livelihood Awards, der gemeinhin als Alternativer Nobelpreis bekannt ist. (Aufnahmedatum unbekannt) +++ dpa-Bildfunk +++<\/p>\n<p>Foto: dpa\/Right Livelihood<\/p>\n<p>Am 15. April, dem dritten Jahrestag des Kriegsbeginns im Sudan, findet die dritte internationale Sudan-Konferenz statt, dieses Mal in Berlin. Sie haben vergangenes Wochenende eine Veranstaltung zur St\u00e4rkung von sudanesischen Stimmen mit organisiert. Was ist Ihre Perspektive auf die Konferenz in Berlin?<\/p>\n<p>Ich stimme zu, dass es solche Anstrengungen f\u00fcr Frieden und humanit\u00e4re Hilfe braucht, aber ich habe diese Konferenzen auch satt. Bisher haben sie keine Verbesserung f\u00fcr die Menschen im Sudan gebracht. Hinter all den internationalen Akteuren stehen auch Interessen an den Reicht\u00fcmern Sudans, an dem Gold, Gummi Arabicum oder den landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen. <a href=\"https:\/\/cess-sudan.com\/conflict?view=volkswagen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">J\u00fcngsten Berichten<\/a> zufolge gibt es Bedenken, dass Gold aus von den Milizen der Rapid Support Forces (RSF) kontrollierten Gebieten in globale Lieferketten gelangt sein k\u00f6nnte, darunter auch solche, die mit gro\u00dfen Unternehmen wie dem Volkswagen-Konzern verbunden sind. Der Sudan liegt am Roten Meer. Das war auch schon vor dem Iran-Krieg f\u00fcr Handels- und Milit\u00e4rzwecke wichtig. Au\u00dferdem hat der Sudan viele fruchtbare Fl\u00e4chen, was f\u00fcr die Lebensmittelversorgung der Golfstaaten relevant ist. In dieser Hinsicht ist die Parallele zur Berliner Afrika-Konferenz 1884 unheimlich, bei der Afrika unter Kolonialm\u00e4chten aufgeteilt wurde. Und das ist nat\u00fcrlich die erste Konferenz, an die ich denke, wenn ich an eine Konferenz in Berlin denke.<\/p>\n<p>Neben den internationalen Akteuren sind auch 40 sudanesische Vertreter*innen eingeladen, ist das ein Grund f\u00fcr Hoffnung?<\/p>\n<p>Da von den beiden Kriegsparteien niemand eingeladen ist, stellt sich nat\u00fcrlich die Frage nach der Repr\u00e4sentation von Sudanes*innen. Es wird oft kritisiert, dass es keine einheitliche Stimme der sudanesischen Zivilgesellschaft g\u00e4be. Dabei ist eigentlich klar, dass es verschiedene Meinungen in einer Zivilgesellschaft gibt. Die 40 Vertreter*innen wurden von Parteien und Organisationen ausgew\u00e4hlt, die gr\u00f6\u00dftenteils gegen den Krieg sind. Manche davon befinden sich in einer Grauzone und stehen einer der Kriegsparteien nahe. Meine Sorge ist, dass sudanesische Vertreter*innen eher einbezogen werden, um bereits ausgehandelte Ergebnisse zu legitimieren, als um diese sinnvoll mitzugestalten.<\/p>\n<p>Deshalb hat die Diaspora-Plattform United for Sudan vergangenes Wochenende die Veranstaltung \u00bbCentering Sudanese Voices\u00ab mit der Bana Group for Peace and Development organisiert?<\/p>\n<p>Ja. Wir wollten damit zeigen, dass diese Minister*innen nicht zusammenkommen und \u00fcber die Ressourcen des Sudans entscheiden k\u00f6nnen. Der Sudan ist kein Rohstofflieferant, sondern unsere Heimat. Unsere Botschaft lautet: Respektiert die sudanesische Handlungsmacht. Die vorrangige Aufgabe internationaler Akteure muss es sein, externe Beitr\u00e4ge zum Konflikt zu unterbinden \u2013 insbesondere den Waffenfluss. Auch Deutschland verkauft Waffen an Staaten, die diese in den Sudan liefern. Eine Konferenz f\u00fcr einen Friedensprozess zu machen, ohne als allererstes Waffenlieferungen einzustellen, ist scheinheilig.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem fordern wir mehr humanit\u00e4re Hilfe und sichere Passagen, damit diese ankommt. Wir haben in den vergangenen Jahren mit vielen Hilfsorganisationen gesprochen und sind immer wieder an b\u00fcrokratischen H\u00fcrden gescheitert. Woher soll ein offizieller Stempel kommen, wenn es keine funktionierende Regierung gibt? Wir haben vorgeschlagen, die Gelder direkt <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1190641.sudan-die-lage-ist-entsetzlich.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">an die Notfalleinrichtungen Emergency Response Rooms<\/a> und Widerstandskomitees zu geben. Seit der Revolution 2019 haben sie alle Aufgaben einer Regierung \u00fcbernommen, darunter die Essens- und Gesundheitsversorgung und Bildung.<\/p>\n<p>Interview<\/p>\n<p>Dr. Monzir Adam ist sudanesischer Neurologe in Deutschland und Mitgr\u00fcnder von United for Sudan, einer Diaspora-Plattform in Berlin zur St\u00e4rkung sudanesischer Stimmen sowie zur Mobilisierung von Aktionen f\u00fcr Frieden im Sudan.<br \/>\u00a0<br \/>\u00a0<\/p>\n<p>Das zeigt auch, dass die sudanesische Gesellschaft selbst in der Lage ist, sich zu organisieren. Aber nat\u00fcrlich brauchen wir die finanzielle Unterst\u00fctzung und wollen letztlich eine Beziehung von gegenseitigem Respekt mit anderen Staaten und keine Isolation.<\/p>\n<p>Wie ist aktuell die Lage im Sudan? Es gibt immer wieder Berichte, dass Menschen in die Hauptstadt Karthum zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p>Das stimmt. Seit das Milit\u00e4r, die Sudanese Armed Forced (SAF), Anfang 2025 die Stadt zur\u00fcckerobert hat, hat die De-facto-Regierung daran gearbeitet, die elektrische und sanit\u00e4re Versorgungsinfrastruktur der Stadt wiederaufzubauen. Lokale Initiativen und Widerstandskomitees beteiligen sich teilweise daran. Viele, die geflohen waren, kehren aus anderen Teilen des Sudans, \u00c4gypten, Uganda, Kenia oder \u00c4thiopien zur\u00fcck. <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1189522.machtkampf-im-sudan-der-westen-hat-zwei-kriegsverbrecher-legitimiert.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Doch der Krieg geht weiter, vor allem im Westen und S\u00fcden.<\/a> F\u00fcr mich ist der Krieg nicht vorbei, wenn er nicht \u00fcberall aufgeh\u00f6rt hat.<\/p>\n<p>Wie geht Ihre Arbeit f\u00fcr Frieden und die St\u00e4rkung sudanesischer Perspektiven in Berlin weiter?<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich wollten wir am 15. April, am Tag der Konferenz in Berlin, demonstrieren. Allerdings ist bereits eine Demonstration angemeldet, die von der De-facto-Regierung, und damit der SAF, unterst\u00fctzt wird. Davon wollen wir kein Teil sein, deshalb werden wir am 18. April ab 15 Uhr vor dem Brandenburger Tor demonstrieren. Unsere Demonstration wird von Salam Sudan organisiert. Das ist ein Zusammenschluss mehrerer sudanesischer Gruppen wie dem Sudan Club, Sudan Uprising, der sudanesischen Gemeinde, United for Sudan und anderen. An diesem Tag werden wir auch ein Memorandum mit unseren Forderungen an das Au\u00dfenministerium \u00fcbergeben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"HANDOUT &#8211; Freiwillige des Netzwerks Emergency Response Rooms helfen Menschen in El-Obeid im Sudan. 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