{"id":7726,"date":"2026-04-22T21:54:47","date_gmt":"2026-04-22T21:54:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/7726\/"},"modified":"2026-04-22T21:54:47","modified_gmt":"2026-04-22T21:54:47","slug":"tuersteher-europas-die-rolle-tunesiens-fuer-die-eu-migrationspolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/7726\/","title":{"rendered":"T\u00fcrsteher Europas &#8211; die Rolle Tunesiens f\u00fcr die EU-Migrationspolitik"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/tunesien-migranten-106.jpg\" alt=\"Migranten stehen vor ihren Verschl\u00e4gen, die sie am Rande der tunesischen Hafenstadt Sfax errichtet haben (April 2024).\" title=\"Migranten stehen vor ihren Verschl\u00e4gen, die sie am Rande der tunesischen Hafenstadt Sfax errichtet haben (April 2024). | AFP\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 18.07.2025 \u2022 13:07 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        Rund 100 Millionen Euro hat die EU Tunesien zugesagt, damit von dort nicht mehr so viele Fl\u00fcchtlinge \u00fcber das Mittelmeer kommen. Die Idee scheint aufzugehen &#8211; zu Lasten von Menschenrechten, sagen Kritiker.\n    <\/p>\n<p>Von Stefan Kiske, ARD-Studio Rabat\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Seit dem Fr\u00fchjahr haben die tunesischen Beh\u00f6rden mehrere improvisierte Camps nahe der tunesischen Hafenstadt Sfax ger\u00e4umt &#8211; rund 200 Kilometer von der italienischen Insel Lampedusa entfernt. In diesen Camps lebten zuvor Tausende Migranten aus L\u00e4ndern s\u00fcdlich der Sahara &#8211; unter Plastikplanen, ohne Toiletten, ohne Trinkwasser.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Einer von ihnen war Omar Ciss\u00e9 aus Mali. &#8222;Wenn wir in der Stadt sind, hat man Probleme, hier in diesem Chaos haben wir Probleme&#8220;, berichtet Ciss\u00e9. &#8222;Wo wollt ihr, dass wir hingehen? Lasst uns gehen! Unser Ziel ist Italien.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Italien und damit Europa zu erreichen, ist f\u00fcr viele nun fast unm\u00f6glich geworden. Tunesien soll sie an der gef\u00e4hrlichen \u00dcberfahrt hindern &#8211; im Auftrag der EU.<\/p>\n<p>    100 Millionen Euro von der EU<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Knapp 11.000 Gefl\u00fcchtete und Asylsuchende sind laut der Hilfsorganisation UNHCR derzeit offiziell im Land registriert. Viele von ihnen stammen aus L\u00e4ndern wie Somalia, Sudan oder Kamerun. Die Dunkelziffer d\u00fcrfte viel h\u00f6her liegen, da sich viele Menschen gar nicht registrieren lassen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Vor zwei Jahren unterzeichnete Tunesiens Pr\u00e4sident Kais Saied ein <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/afrika\/tunesien-migration-eu-100.html\" title=\"EU schlie\u00dft Migrationsabkommen mit Tunesien\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Migrationsabkommen mit der EU<\/a>. Das Volumen: rund 100 Millionen Euro unter anderem f\u00fcr Grenzkontrollen und Abschiebungen.<\/p>\n<p>    Pr\u00e4sident: &#8222;Wir weigern uns, ein Transitland zu sein&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Agenda des Pr\u00e4sidenten lautete so: &#8222;Diese Einwanderung ist eine Vertreibungsaktion und keine gew\u00f6hnliche Einwanderung. Sie wird von kriminellen Netzwerken \u00fcberwacht, die Menschen- und Organhandel betreiben. Wir sind Afrikaner und stolz auf unsere afrikanische Zugeh\u00f6rigkeit. Aber wir weigern uns, ein Transit- oder Siedlungsland zu sein.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Kritische Stimmen sahen in diesem Deal mit der EU in erster Linie ein Ablenken von innenpolitischen Schwierigkeiten. Solche Aussagen w\u00fcrden in der Gesellschaft rassistische Ressentiments sch\u00fcren, so<br \/>der Soziologe Zouheir Ben Jannet von der Universit\u00e4t Sfax.<\/p>\n<p>    Forscher: &#8222;Die Migranten sind Opfer der Politik&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ben Jannet hat k\u00fcrzlich eine umfassende Studie der Nichtregierungsorganisation FTDES zur Situation von Gefl\u00fcchteten in Tunesien ver\u00f6ffentlicht. Ziel der Studie sei es, von gef\u00e4hrlichen Erz\u00e4hlungen Abstand zu nehmen, in denen etwa von Ansturm, von der Ver\u00e4nderung der demografischen Zusammensetzung der Bev\u00f6lkerung oder einer internationalen Verschw\u00f6rung die Rede sei.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Das hat nichts mit der Realit\u00e4t zu tun. Die Realit\u00e4t ist: Die Migranten sind Opfer der Politik in ihren Herkunftsl\u00e4ndern und Opfer einer internationalen Politik, die die Rechte der V\u00f6lker, die Menschenrechte und das Recht auf Freiz\u00fcgigkeit missachtet&#8220;, meint Ben Jannet.<\/p>\n<p>    Menschenrechtsverletzungen als Folge des Migrationsdeals<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Laut EU-Kommission sind im vergangenen Jahr rund 80 Prozent weniger Menschen aus Tunesien in die EU gelangt als im Jahr zuvor. In diesem Sinne ist die Rechnung f\u00fcr die EU aufgegangen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch der R\u00fcckgang hat eine Kehrseite: So sind mehrere massive Menschenrechtsverletzungen durch tunesische Sicherheitskr\u00e4fte dokumentiert &#8211; darunter Folter oder das Aussetzen in der W\u00fcste. Laut der aktuellen Studie ist auch das eine Konsequenz der europ\u00e4ischen Migrationspolitik.<\/p>\n<p>    Forderung, die Zahlungen einzustellen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Was Europa derzeit tut, ist nicht nur die Auslagerung seiner Grenzen, sondern auch die Auslagerung der in Wahrheit unmenschlichen Praktiken&#8220;, sagt Yasmine Akrimi, Politikwissenschaftlerin in Br\u00fcssel und Co-Autorin dieser Studie. Eine unmenschliche Politik werde im Interesse der Europ\u00e4ischen Union und ihrer Mitgliedstaaten ausgelagert &#8211; umgesetzt jedoch durch die H\u00e4nde der Regierungen Nordafrikas.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die EU hat bereits reagiert: K\u00fcnftige Zahlungen im Bereich der Migrationsabwehr an Maghreb-L\u00e4nder wie Tunesien sollen nur noch flie\u00dfen, wenn Menschenrechte eingehalten werden. Manche fordern sogar, alle Zahlungen einzustellen, bis sich die Menschenrechtssituation verbessert hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 18.07.2025 \u2022 13:07 Uhr Rund 100 Millionen Euro hat die EU Tunesien zugesagt, damit von dort nicht&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7727,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[436,746,211,212],"class_list":{"0":"post-7726","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-tunesien","8":"tag-eu","9":"tag-migration","10":"tag-tunesien","11":"tag-tunisia"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116450592206919830","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7726","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7726"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7726\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7727"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7726"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7726"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7726"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}