{"id":839,"date":"2026-04-18T09:41:38","date_gmt":"2026-04-18T09:41:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/839\/"},"modified":"2026-04-18T09:41:38","modified_gmt":"2026-04-18T09:41:38","slug":"wer-sind-die-jnim-milizionaere-die-malis-hauptstadt-blockieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/839\/","title":{"rendered":"Wer sind die JNIM-Milizion\u00e4re, die Malis Hauptstadt blockieren?"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/nigoun-lkw-100.jpg\" alt=\"Diese Luftaufnahme zeigt malische Lastwagen im Dorf Nigoun in der N\u00e4he von Tengrela. (Archivbild: 31. Oktober 2025)\" title=\"Diese Luftaufnahme zeigt malische Lastwagen im Dorf Nigoun in der N\u00e4he von Tengrela. (Archivbild: 31. Oktober 2025) | AFP\"\/><\/p>\n<p>                    hintergrund<\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 22.11.2025 \u2022 19:22 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        Der mit Al-Kaida verb\u00fcndeten Dschihadistenmiliz JNIM ist mit der Treibstoffblockade der malischen Hauptstadt ein beispielloser Erfolg gelungen. Doch wer steht hinter JNIM und wie erkl\u00e4rt sich der Erfolg der Gruppe?\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Musiker, Diplomat, Terrorist: Bereits bevor Iyad Ag Ghaly, der Anf\u00fchrer der Terrormiliz JNIM, zu einem der meistgesuchten M\u00e4nner Afrikas wurde, hatte er eine illustre Karriere hinter sich.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ag Ghaly stammt aus Kidal im Norden Malis und geh\u00f6rt der Volksgruppe der Tuareg an. Als junger Mann soll er sich in Libyen aufgehalten und dort als S\u00f6ldner des damaligen Machthabers Muammar al-Gaddafi angeheuert haben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In den fr\u00fchen 1990er-Jahren kehrte er nach Nordmali zur\u00fcck. F\u00fcr die international bekannte Tuareg-Band Tinariwen soll er unter anderem den Song &#8222;Bismillah&#8220; geschrieben sowie Musikinstrumente angeschafft haben. Gleichzeitig f\u00fchrte Ag Ghaly die Tuareg-Rebellion gegen die malische Regierung in Bamako an.<\/p>\n<p>    Vom Rebellen zum Diplomaten<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Konflikt wurde 1996 beigelegt, und Ag Ghaly war mittlerweile als Vermittler zwischen der malischen Regierung im S\u00fcden und Rebellengruppen im Norden des Landes im Einsatz.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sp\u00e4testens seit dieser Zeit war er auch westlichen Geheimdiensten ein Begriff: 2003 wurden deutsche Touristen in der Sahara entf\u00fchrt. Damals soll Ag Ghaly auf Bitten der Bundesregierung mit den Geiselnehmern verhandelt und sp\u00e4ter das L\u00f6segeld in H\u00f6he von f\u00fcnf Millionen Euro \u00fcbergeben haben. Danach wurde er sogar Diplomat in Saudi-Arabien.<\/p>\n<p>    Al-Kaida-Ableger in der Sahel<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">2012 f\u00fchrte er eine weitere Rebellion gegen die Zentralregierung an, diesmal als Anf\u00fchrer der islamistischen Gruppierung Ansar Dine, und bildete eine Koalition mit Tuareg-Verb\u00e4nden und anderen Al-Kaida-nahen Gruppen. Es gelang ihm, die malische Armee aus dem Norden des Landes zu vertreiben. Es ist die Geburtsstunde der Dschihadistenmiliz Jama&#8217;at Nusrat al-Islam wa-l-Muslimin (JNIM). Im M\u00e4rz 2017 verk\u00fcndet Ag Ghaly, dass JNIM sich mit Al-Kaida verb\u00fcndet habe.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Heute steht Ag Ghaly an der Spitze einer der erfolgreichsten dschihadistischen Ableger von Al-Kaida. Zwischen 6.000 und 7.000 K\u00e4mpfer sollen JNIM angeh\u00f6ren, die vor allem in Mali, Burkina Faso und Niger aktiv sind. In Burkina Faso soll JNIM mittlerweile 50 Prozent des Landes kontrollieren. JNIM hat aber auch in Benin, Togo, der Elfenbeink\u00fcste und Nigeria Fu\u00df fassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>    Wirksames Sch\u00fcren von Ressentiments<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Die Rekrutierung findet haupts\u00e4chlich in den Grenzregionen der drei zentralen Sahel-L\u00e4nder statt und richtet sich vor allem an junge Menschen&#8220;, sagt die Direktorin von The Sentry, Justyna Gudzowska. Die zentrale Botschaft der Rekrutierer sei, &#8222;dass die Zentralregierungen in Niger, Burkina Faso und Mali ihre l\u00e4ndlichen B\u00fcrger und bestimmte ethnische Gruppen im Stich gelassen haben&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;JNIM nutzt zudem wirksam die Korruption und Nachl\u00e4ssigkeit der F\u00fchrung in den Hauptst\u00e4dten, um Ressentiments zu sch\u00fcren&#8220;, so Gudzowska. Ein Teil der Rekruten sei von JNIM jedoch auch gezwungen worden, der Terrorgruppe beizutreten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Expansion von JNIM aus dem Norden Malis in andere Regionen des Landes und die Sahelregion, wird auch der F\u00e4higkeit der Organisation zugeschrieben, sich immer wieder an lokale Gegebenheiten anzupassen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">So stammt der Stellvertreter Ag Ghalys, Amadou Koufa, aus dem Zentrum Malis und geh\u00f6rt der Volksgruppe der Foulani an. Der Prediger Koufa habe mit &#8222;Charisma und religi\u00f6ser Ausstrahlung&#8220; Anh\u00e4nger f\u00fcr die Gruppe im Zentrum des\u00a0Landes gewinnen k\u00f6nnen, sagt Beverly Ochieng, Sicherheitsanalystin bei der Risikoberatungsfirma Control Risks im Senegal.<\/p>\n<p>    Goldhandel und Entf\u00fchrungen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Gruppe finanziert sich mittlerweile aus unterschiedlichen Quellen. &#8222;Es sind vor allen Dingen Gesch\u00e4ftsleute&#8220;, sagt Ulf L\u00e4ssing, Leiter des Regionalprogramms zur Sahel der Konrad-Adenauer-Stiftung in Mali. &#8222;Sie kamen urspr\u00fcnglich aus dem Norden Malis, das ist ein Umschlageplatz f\u00fcr Schmuggel mit Waffen, Drogen, Gold und Konsumg\u00fctern.&#8220; Kriminelle und dschihadistische Aktivit\u00e4ten gingen ineinander \u00fcber, so L\u00e4ssing.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Eine weitere Einnahmequelle f\u00fcr JNIM sind Entf\u00fchrungen und damit verbundene L\u00f6segeldzahlungen. F\u00fcr zwei entf\u00fchrte emiratische Staatsb\u00fcrger, darunter ein Mitglied der Herrscherfamilie, soll JNIM im Oktober ein Rekordl\u00f6segeld von 50 Millionen Dollar und Waffenlieferungen in Millionenh\u00f6he erhalten haben.<\/p>\n<p>    Wagner: In Mali ein Reinfall<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mit der seit Wochen anhaltenden Treibstoffblockade der Hauptstadt Bamako, versucht die Miliz die Milit\u00e4rregierung von Assimi Goita zu zerm\u00fcrben. Obwohl <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/afrika\/mali-goita-vereidigt-101.html\" title=\"Putschistenf\u00fchrer in Mali als \u00dcbergangspr\u00e4sident vereidigt\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Goita sich 2020 und 2021<\/a> mit dem Versprechen, das Land sicherer zu machen, an die Macht geputscht hat, ist das Gegenteil passiert.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Zu der Verschlechterung der Sicherheitslage habe auch die Entscheidung beigetragen, die russische S\u00f6ldnergruppe Wagner zur Hilfe zu ziehen, sagt Gudzowska. &#8222;Die Russen haben sich in ihren Anti-Terror-Bem\u00fchungen in Mali als v\u00f6llig erfolglos erwiesen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wagner habe letztlich mehr Schaden als Nutzen\u00a0 angerichtet, so Gudzowska. Die russischen S\u00f6ldner h\u00e4tten Informanten kompromittiert, es vers\u00e4umt, klar mit ihren malischen Milit\u00e4rpartnern zu kommunizieren, und monstr\u00f6se Gr\u00e4ueltaten begangen, die nur die Rekrutierung durch JNIM beg\u00fcnstigt habe, sagt Gudzowska.<\/p>\n<p>    JNIM strebt nach der Macht<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Beobachter sind sich einig, dass die Gruppe mit der derzeitigen Blockade bezweckt, die Regierung in Bamako zu st\u00fcrzen und die Bildung einer Koalitionsregierung herbeizuf\u00fchren, auf die JNIM st\u00e4rkeren Einfluss nehmen k\u00f6nnte. &#8222;JNIM hofft, dass die Treibstoffblockade \u00f6ffentliche Unruhen gegen die Regierung ausl\u00f6sen wird&#8220;, sagt Ochieng. Eine weitere Strategie bestehe darin, durch Gespr\u00e4che mit einflussreichen Personen im Exil oder in Bamako den politischen Einfluss der Gruppe zu vergr\u00f6\u00dfern.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Langfristig wollen sie die Macht haben&#8220;, sagt L\u00e4ssing: mit der Perspektive, sich &#8222;von einer dschihadistischen Gruppe\u00a0 zu einer mehr staatstragenden Organisation&#8220; zu wandeln. Die Gruppe scheine sich dabei an den Entwicklungen in Syrien zu orientieren, wo der fr\u00fchere Chef der islamistischen HTS-Miliz derzeit als \u00dcbergangspr\u00e4sident an der Spitze der syrischen Regierung steht und zuletzt von US-Pr\u00e4sident Donald Trump\u00a0in Washington empfangen wurde.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">JNIM mag pragmatisch und flexibel agieren, aber Ag Ghaly und seine F\u00fchrungsriege sind derzeit weit davon entfernt, hoff\u00e4hig zu werden. Sie stehen auf diversen Sanktionslisten, gegen das JNIM-F\u00fchrungspersonal gibt es Haftbefehle des Internationalen Strafgerichtshofs, unter anderem wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Ob JNIM ein Imagewandel gelingt, bleibt abzuwarten.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"hintergrund Stand: 22.11.2025 \u2022 19:22 Uhr Der mit Al-Kaida verb\u00fcndeten Dschihadistenmiliz JNIM ist mit der Treibstoffblockade der malischen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":840,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[237],"tags":[309,723,724],"class_list":{"0":"post-839","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-mali","8":"tag-mali","9":"tag-sahel","10":"tag-sahelzone"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/839","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=839"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/839\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/840"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=839"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=839"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=839"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}