{"id":8411,"date":"2026-04-23T15:11:12","date_gmt":"2026-04-23T15:11:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/8411\/"},"modified":"2026-04-23T15:11:12","modified_gmt":"2026-04-23T15:11:12","slug":"hoechste-kaiserschnittrate-weltweit-aegyptische-aerzte-greifen-im-kreisssaal-gern-zum-skalpell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/8411\/","title":{"rendered":"H\u00f6chste Kaiserschnittrate weltweit: \u00c4gyptische \u00c4rzte greifen im Krei\u00dfsaal gern zum Skalpell"},"content":{"rendered":"<p>H\u00f6chste Kaiserschnittrate weltweit\u00c4gyptische \u00c4rzte greifen im Krei\u00dfsaal gern zum Skalpell<\/p>\n<p>23.04.2026, 16:37 Uhr <\/p>\n<p>Artikel anh\u00f6ren(06:49 min)<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"Image_img__fQCi0 Image_Img_16_9__4BLfH widget-picture-inline_maximizable__t_E7h\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Hunter-ein-per-Kaiserschnitt-neugeborenes-Maedchen-weint-im-Kreisssaal-eines-Krankenhauses-in-Palma-.webp\" alt=\"Hunter-ein-per-Kaiserschnitt-neugeborenes-Maedchen-weint-im-Kreisssaal-eines-Krankenhauses-in-Palma-de-Mallorca-Als-die-polnische-Olympiasportlerin-Ogar-Hill-und-ihre-Frau-die-spanisch-britische-Filmemacherin-Chuchie-Hill-beschlossen-ein-Kind-zu-bekommen-war-fuer-beide-klar-dass-Polen-nicht-der-richtige-Ort-fuer-ihr-Kind-sein-wuerde-In-den-letzten-Jahren-haben-rechtsgerichtete-Regierungspolitiker-und-Kirchenfuehrer-in-dem-traditionell-roemisch-katholischen-Land-ihre-feindselige-Rhetorik-gegenueber-LGBT-Menschen-verstaerkt-insbesondere-um-konservative-Waehler-vor-den-Wahlen-zu-mobilisieren\"\/>Oft ist ein Kaiserschnitt medizinisch gar nicht notwendig, trotzdem f\u00fchren \u00c4rzte ihn in \u00c4gypten ohne ausgepr\u00e4gten Wunsch der Frau durch. (Foto: picture alliance\/dpa\/AP)TeilenFolgen auf:<a href=\"https:\/\/www.whatsapp.com\/channel\/0029Va5cdVJD8SDp5YZgYF01\" title=\"Auf WhatsApp folgen\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/socialIcons\/whatsapp.svg\" alt=\"whatsapp\" class=\"ArticleShare_icon__FsrC2\"\/><\/a><a href=\"https:\/\/news.google.com\/publications\/CAAiEPMdif5mpRNxiLOeUpHCwwsqFAgKIhDzHYn-ZqUTcYiznlKRwsML?hl=de&amp;gl=DE&amp;ceid=DE%3Ade\" title=\"Auf Google News folgen\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/socialIcons\/google.svg\" alt=\"whatsapp\" class=\"ArticleShare_icon__FsrC2\"\/><\/a><\/p>\n<p class=\"Typography_text-m__XI0da Typography_weight-bold__uT6mq storyline_lead_text_leadtext__q_wg8\">Es gibt verschiedene Gr\u00fcnde, warum sich Frauen einen Kaiserschnitt w\u00fcnschen. In \u00c4gypten haben die meisten aber gar keine Wahl. In keinem anderen Land gibt es so viele Kaiserschnitte wie dort. Dahinter steckt allerdings nicht nur Profitgier.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Als Malak al-Assaui zum ersten Mal schwanger wurde, hatte sie vor allem einen Wunsch: eine nat\u00fcrliche Geburt. Aber ihr behandelnder Arzt in \u00c4gypten hatte &#8211; so vermutet sie &#8211; von vornherein einen anderen Plan. &#8222;Vor meinem errechneten Termin fing er an, mich davon zu \u00fcberzeugen, dass ich dieses Baby per Kaiserschnitt auf die Welt bringen w\u00fcrde&#8220;, sagt die 35-J\u00e4hrige. So kam es dann auch &#8211; wie bei ihren zwei weiteren Geburten.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Bis heute fragt sich al-Assaui, ob ihre Kinder auf nat\u00fcrlichem Weg h\u00e4tten kommen k\u00f6nnen, ob die Eingriffe medizinisch notwendig waren. &#8222;Ich erinnere mich nur noch daran, dass sie mir keine Wahl gelassen haben. Sie haben es nicht einmal versucht&#8220;, sagt sie zur ersten Geburt. Als ihre Fruchtblase platzte und sie im Krankenhaus bat, sie wolle es erst auf nat\u00fcrlichem Wege versuchen, habe der Arzt geantwortet: &#8222;Ihr Kaiserschnitt-Termin ist morgen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">In kaum einem Land der Welt kommen so viele Kinder per Kaiserschnitt zur Welt wie in \u00c4gypten. 2021 lag die Kaiserschnitt-Rate nach offiziellen Angaben bei 72 Prozent. Im Ort Port Said kommt statistisch sogar nur jedes zehnte Kind auf nat\u00fcrlichem Weg zur Welt. Die Regierung in Kairo bem\u00fcht sich, gegenzusteuern. Denn ein Kaiserschnitt kann zwar Leben retten, aber M\u00fcttern und Kindern auch schaden, wenn er gar nicht gewollt oder medizinisch nicht notwendig ist.<\/p>\n<p>Kritiker werfen \u00c4rzten Profitgier vor<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Von solchen Zahlen ist Deutschland, wo 2023 etwa ein Drittel der Babys per &#8222;Sectio&#8220; zur Welt kam, weit entfernt. Binnen 30 Jahren hat sich der Anteil damit allerdings nach Daten des Statistischen Bundesamts fast verdoppelt. 1993 brachten nur knapp 17 Prozent der Frauen ihr Kind mit einem Kaiserschnitt zur Welt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die lang eine Rate von maximal 10 bis 15 Prozent empfahl, spricht von einem globalen Trend mit verschiedenen Ursachen je nach Land.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">&#8222;Viele, viele Patienten in \u00c4gypten und im arabischen Raum bitten um einen Kaiserschnitt&#8220;, sagt Jusra Laschin, die in Kairo eine Frauenarztpraxis f\u00fchrt. &#8222;Sie wollen keine Schmerzen mitten in der Nacht. Sie wollen keine \u00dcberraschungen.&#8220; Diese Frauen wollten lieber ein geplantes Ereignis, ein &#8222;perfektes Zimmer mit Ballons und Schokolade und sich schminken f\u00fcr eine Fotosession&#8220; nach Ankunft des Babys, sagt Laschin. F\u00fcr einen Teil der M\u00fctter mag das stimmen. Aber \u00c4gyptens \u00c4rzte greifen bei einer Geburt auch aus ganz anderen Gr\u00fcnden gerne zum Skalpell.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Da w\u00e4re zun\u00e4chst der Lohn: \u00c4rztinnen und \u00c4rzte verdienen in der wachsenden Zahl privater Krankenh\u00e4user oft mehr an einem Kaiserschnitt, teils ist bei Kritikern die Rede von &#8222;Profitgier&#8220;. Aus wirtschaftlichem Druck arbeiten viele parallel in mehreren Kliniken &#8211; und k\u00f6nnen mit Kaiserschnitten besser planen. Der Eingriff dauert im Kern oft nur 15 Minuten, ein Arzt k\u00f6nnte also zehn oder mehr Kaiserschnitte durchf\u00fchren in der Zeit einer einzigen nat\u00fcrlichen Geburt.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">So beschreibt es auch der Gyn\u00e4kologe Scharif Hamsa. &#8222;Beim ersten Baby wartet man im Schnitt sechs bis zw\u00f6lf Stunden.&#8220; Ein Arzt, der mehrere Jobs und sein Privatleben habe, frage sich deshalb: &#8222;Warum soll ich das machen? Ich mache einen Kaiserschnitt und gehe nach Hause.&#8220; Hebammen, die bei allen Geburten in Deutschland Pflicht sind, gibt es kaum oder gar nicht.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrliche Geburten bedeuten oft auch Risiken<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">\u00c4gypten ringt mit einer schweren Wirtschaftskrise, ein Drittel lebt in Armut. Die Versorgung in staatlichen Krankenh\u00e4usern ist schlecht, oft fehlt es an Ger\u00e4ten, um etwa den Herzschlag des Babys zu verfolgen. Blutbanken sind oft leer oder gar nicht vorhanden. Nat\u00fcrliche Geburten k\u00f6nnen deshalb auch Risiken bedeuten. Wer kann, geht in eine private Klinik, viele zahlen aus eigener Tasche.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Dazu kommen rechtliche Fragen. So drohen Haftstrafen f\u00fcr \u00c4rzte, wenn es bei einer nat\u00fcrlichen Geburt zu Komplikationen oder gar zum Tod von Baby oder Mutter kommt, auch wenn \u00c4rzte sich strikt ans Protokoll halten. &#8222;Wenn etwas schiefl\u00e4uft, ist der Arzt schuld&#8220;, sagt Hussein Gohar, einer der bekanntesten Gyn\u00e4kologen in Kairo. Viele Kollegen betrieben deshalb &#8222;defensive Medizin&#8220;.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Mit der Versorgung in Deutschland ist \u00c4gypten nicht vergleichbar, aber auch hier gibt es rechtlichen Druck. Die Angst vor Schadensersatzforderungen bei unterbliebenem Kaiserschnitt sei allgegenw\u00e4rtig, sagte Andrea K\u00f6bke vom Pr\u00e4sidium des Hebammenverbands im vergangenen Jahr. In Deutschland spielt aber auch das zunehmende Alter der M\u00fctter eine Rolle, das mehr Risiken bedeutet und damit eine st\u00e4rkere Tendenz zum Kaiserschnitt.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">\u00c4gypten bem\u00fcht sich, die Zahlen zu senken. Krankenh\u00e4user m\u00fcssen neuerdings dokumentieren, wann ein Kaiserschnitt durchgef\u00fchrt wurde und warum. Zuletzt gab es Inspektionen in mehreren Kliniken der Hauptstadt. Kosten sollen vereinheitlicht und k\u00fcnftig Hebammen geschult werden. Es gibt auch private Kampagnen, die Frauen aufkl\u00e4ren und ermutigen sollen, selbst zu entscheiden.<\/p>\n<p>&#8222;Der Arzt hat die Macht&#8220;<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Experte Alexandre Dumont bezeichnet die Rate von 72 Prozent als alarmierend. &#8222;Es ist unfassbar hoch. Das ist keine Medizin und nicht vereinbar mit dem hippokratischen Eid&#8220; von \u00c4rzten, Patienten nicht zu schaden. Dumont, der an der Pariser Universit\u00e4t Sciences Po zum Thema forscht, hat ein Projekt gestartet, das das Selbstbewusstsein von Schwangeren st\u00e4rken soll.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">In weniger entwickelten L\u00e4ndern k\u00f6nnten Frauen in der Frage oft gar nicht frei entscheiden, sagt Dumont. &#8222;Der Arzt hat Macht, er wird sehr respektiert. Er ist Teil der oberen Gesellschaftsschicht, wohlhabend und gebildet.&#8220; Frauen aus \u00e4rmeren Schichten lie\u00dfen sich da leicht vom Kaiserschnitt \u00fcberzeugen. &#8222;Diese Beziehung ist nicht fair. Die Frau sollte mit entscheiden k\u00f6nnen&#8220;, sagt Dumont.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">&#8222;Es gibt kein System, keine angemessene Beratung f\u00fcr Frauen, keine Kurse zur Geburtsvorbereitung und sehr wenige bis gar keine Hebammen&#8220;, sagt auch Gyn\u00e4kologe Gohar. Zudem sind die als PDA bekannte Periduralan\u00e4sthesie und andere Mittel zur Schmerzbehandlung oft nicht verf\u00fcgbar oder teuer. Umso weiter verbreitet ist die Angst vor der Geburt, die 70 Prozent der werdenden M\u00fctter laut einer Studie von 2024 in \u00c4gypten empfinden. In westlichen L\u00e4ndern liegt der Wert demnach bei 5 bis 15 Prozent.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Den Trend umzukehren, k\u00f6nnte Jahre dauern. Gefragt ist vor allem die j\u00fcngere Generation von \u00c4rzten, aber &#8222;die kennt Komplikationen einer normalen vaginalen Geburt \u00fcberhaupt nicht&#8220; sagt Gohar. In der Ausbildung gehe die Tendenz zum Kaiserschnitt.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-s__wu_cm Typography_weight-normal__pqUbH Typography_color-darkgrey__sZEnP article-detail-footer_source__KslPc\">Quelle: ntv.de, Johannes Sadek, dpa<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"H\u00f6chste Kaiserschnittrate weltweit\u00c4gyptische \u00c4rzte greifen im Krei\u00dfsaal gern zum Skalpell 23.04.2026, 16:37 Uhr Artikel anh\u00f6ren(06:49 min) Oft ist&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":8412,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[54,848,55,1008,880,335,3259,2447,1009,4409],"class_list":{"0":"post-8411","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-aegypten","8":"tag-aegypten","9":"tag-bildung","10":"tag-egypt","11":"tag-frauen","12":"tag-frauenrechte","13":"tag-gesundheit","14":"tag-gesundheitssystem","15":"tag-medizin","16":"tag-muetter","17":"tag-schwangerschaft"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116454666031969451","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8411","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8411"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8411\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8412"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8411"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8411"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8411"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}