{"id":8431,"date":"2026-04-23T15:35:45","date_gmt":"2026-04-23T15:35:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/8431\/"},"modified":"2026-04-23T15:35:45","modified_gmt":"2026-04-23T15:35:45","slug":"die-strategische-rohstoffpartnerschaft-zwischen-der-eu-und-sambia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/8431\/","title":{"rendered":"Die strategische Rohstoffpartnerschaft zwischen der EU und Sambia"},"content":{"rendered":"<p>Die Diversifizierung der Versorgung mit mineralischen Rohstoffen ist eine strategische Notwendigkeit. Dabei spielen rohstoffreiche L\u00e4nder des Globalen S\u00fcdens eine ent\u00adscheidende Rolle. Sambia, ein wichtiger weltweiter Kupferexporteur mit weiteren kritischen Rohstoffen, sucht langfristige Allianzen, die Investitionen mobilisieren und lokale Wertsch\u00f6pfung f\u00f6rdern. Die EU hat mit der strategischen Rohstoffpartnerschaft erste Grund\u00adlagen f\u00fcr die Kooperation geschaffen. Doch um im geopolitischen Wettbewerb zu bestehen, bedarf es st\u00e4rkerer industriepolitischer Unterf\u00fctterung. Dazu geh\u00f6ren eine koh\u00e4rente Au\u00dfen\u00adpolitik im Sinne des \u00bbTeam Europe\u00ab-Ansatzes und gezielte Finanzierungsinstrumente f\u00fcr industrielle Kooperationen.<\/p>\n<p>Angesichts steigender Nachfrage nach mineralischen Rohstoffen und wach\u00adsender geo\u00adpoli\u00adtischer Spannungen suchen Regie\u00adrungen weltweit und auch die EU intensiv nach Part\u00adnerschaften mit rohstoffreichen L\u00e4ndern des Globalen S\u00fcdens. Sambia, ein Mitglied der Entwicklungsgemeinschaft des s\u00fcd\u00adlichen Afrika (SADC), steht vor allem wegen Kupfer, das f\u00fcr Energie- und Trans\u00adportinfra\u00adstruktur sowie Elektronik unver\u00adzichtbar ist, im Fokus der internationalen Rohstoffdiplo\u00admatie. Zudem verf\u00fcgt das Land \u00fcber Vor\u00adkommen an Batterierohstoffen wie Kobalt, Nickel und Mangan.<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Die Regierung unter Pr\u00e4sident Hichilema will das internationale Interesse nutzen, um den sambischen Rohstoffsektor z\u00fcgig aus\u00adzubauen. China und die Golfstaaten agieren mit Tempo: Peking erh\u00f6ht seine Pr\u00e4senz im sam\u00adbischen Bergbau, w\u00e4hrend sich die Golfstaaten als neue Partner posi\u00adtionieren. Auch die EU strebt eine engere Zusammenarbeit an und vereinbarte 2023 mit Sambia eine strategische Rohstoffpartnerschaft. Nun dr\u00e4ngt die Zeit: Will die EU als Partner im geopolitischen Wettbewerb bestehen, muss sie die Zusammenarbeit mit Sambia konsequent ausbauen, besonders im Be\u00adreich industrielle Kooperation. Diese hat h\u00f6chste Priorit\u00e4t f\u00fcr die sambische Regie\u00adrung und zugleich strate\u00adgische Bedeu\u00adtung f\u00fcr Europas indu\u00adstrielle Resilienz.<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Strategische Partnerschaften m\u00fcssen, auch mit Blick auf Sambia, klarer im Gesamtkonzept der EU-Rohstoffstrategie verankert werden. Nur so kann es gelingen, den Ausbau der EU-Kapazit\u00e4ten mit part\u00adnerschaftlicher Zusammenarbeit in Liefer\u00adketten zu verbinden. So k\u00f6nnte die EU ein\u00a0Gegenmodell zur protektionistischen US-Politik unter Pr\u00e4sident Trump bieten. Der neue US-Kurs zwingt Europa zu mehr Eigenst\u00e4ndigkeit \u2013 und dazu, \u00bbTeam Europe\u00ab entschlossener umzusetzen.<\/p>\n<p>                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        Ambitionen und Heraus\u00adforderungen der EU-Rohstoffpartnerschaften<\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/www.swp-berlin.org\/publikation\/rohstoffversorgung-in-zeiten-geooekonomischer-fragmentierung\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Rohstoffpolitik der EU<\/a> hat in den letz\u00adten Jahren erheblich an Bedeutung gewon\u00adnen. Mit dem <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/commission\/presscorner\/detail\/de\/ip_23_1661\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Critical Raw Materials Act (CRMA)<\/a> vom April 2024 will die EU ihre Abh\u00e4ngigkeiten verringern und ihre Ver\u00adsorgung vor allem mit den 17\u00a0als strategisch identifizierten Rohstoffen diversifizieren. W\u00e4hrend der Ausbau europ\u00e4ischer Kapazi\u00adt\u00e4ten voranschreitet, bleibt die Umsetzung internationaler Partnerschaften entscheidend f\u00fcr resilientere Lieferketten.<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Bisher hat die EU <a href=\"https:\/\/single-market-economy.ec.europa.eu\/sectors\/raw-materials\/areas-specific-interest\/raw-materials-diplomacy_en\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">14 Rohstoffpartnerschaften<\/a> geschlossen. Im Oktober 2023 unterzeichnete sie parallel zu einer Verein\u00adbarung mit der Demokratischen Republik Kongo (DRK) ein <a href=\"https:\/\/single-market-economy.ec.europa.eu\/publications\/memorandum-understanding-eu-zambia-sustainable-raw-materials_en\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Memorandum of Understanding (MoU) mit Sambia<\/a>. Damit signali\u00adsiert die EU mineralreichen L\u00e4ndern im Globalen S\u00fcden, dass sie ein verl\u00e4sslicher und langfristiger Partner im Rohstoffsektor sein m\u00f6chte. Neben der Sicherung ihrer eigenen Versorgung will die EU \u00bbWin-Win-Kooperationen\u00ab f\u00f6rdern, die zur Wertsch\u00f6pfung in den Partnerl\u00e4ndern beitragen.<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Die Partnerschaften sollen im \u00bbTeam Europe\u00ab-Ansatz verwirklicht werden, also durch die koordi\u00adnierte Zusammenarbeit zwischen der EU, ihren Mitgliedstaaten und deren Finanzinsti\u00ad\u00adtutionen. Das rechtlich unverbindliche MoU mit Sambia ist nun in der Umsetzungsphase. Nach der Unterzeichnung wurde eine Roadmap erarbeitet, die von der EU-Delegation in Sambia ko\u00adordiniert wird. Sie umfasst Ma\u00dfnahmen in f\u00fcnf Handlungsfeldern:<\/p>\n<p class=\"Aufzhlung\">Integration von Lieferketten (Joint Ventures, industrielle Kooperation)<\/p>\n<p class=\"Aufzhlung\">Infrastrukturfinanzierung<\/p>\n<p class=\"Aufzhlung\">Forschung und Innovation<\/p>\n<p class=\"Aufzhlung\">Kapazit\u00e4tsaufbau<\/p>\n<p class=\"Aufzhlung\">Nachhaltige und verantwortungsvolle Beschaffung<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Die Roadmap wurde im Juni 2024 fina\u00adlisiert, wird jedoch nicht ver\u00f6ffentlicht. Ein Jahr nach der Unterzeichnung sind damit die Grund\u00adlagen f\u00fcr die Zusammenarbeit geschaffen. Doch vor allem im Bereich der Lieferkettenintegration blieben die Erwar\u00adtungen der sambischen Seite an die EU unerf\u00fcllt. Die EU muss an Tempo zu\u00adlegen, um sich als Partner im zunehmend wett\u00adbewerbsintensiven Umfeld zu behaupten. Denn Sambia ist ein <a href=\"https:\/\/afripoli.org\/projects\/crm-mapping\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">gefragter Partner<\/a>. In den letzten zwei Jahren verk\u00fcndete die Regierung mindestens acht bilaterale Ab\u00adsichtserkl\u00e4rungen. Mit seinem Prinzip der \u00bb<a href=\"https:\/\/www.chathamhouse.org\/sites\/default\/files\/2023-03\/2023-03-06-zambias-developing-international-relations-vandome.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">positiven Neutralit\u00e4t<\/a>\u00ab setzt Pr\u00e4\u00adsident Hichi\u00adlema auf breite Diversifizierung. Ob und in welchem Umfang sich die Partnerschaften f\u00fcr Sam\u00adbia auszahlen, wird die Zukunft zeigen. Zurzeit zeichnen sich zwei Trends ab.<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Erstens k\u00f6nnen weder die EU noch Sam\u00adbia gegenw\u00e4rtig die USA als verl\u00e4ss\u00adlichen Partner betrachten. F\u00fcr Br\u00fcssel ist das ein strategischer D\u00e4mpfer, hatte es doch auf transatlantische Zusammenarbeit gebaut, etwa im Rahmen der 2022 von den USA initiierten <a href=\"https:\/\/www.state.gov\/minerals-security-partnership\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Mineral Security Partner\u00adship (MSP)<\/a>. Sie hat zum Ziel, durch Koope\u00adration mit Verb\u00fcndeten (\u00bballies\u00ab) Rohstoffliefer\u00adketten zu diversifizieren und die Abh\u00e4ngigkeit von China zu verringern. Doch die bis\u00adherigen Ergebnisse sind ern\u00fcchternd: In Sambia erhielt lediglich ein Kupferexplorationsprojekt den MSP-Status; weitere Inve\u00adstitionen blieben aus. Unter der \u00bbAmerica First\u00ab-Politik ist nun ein R\u00fcckzug der USA aus der MSP ebenso wahrscheinlich wie aus der gemeinsamen Infrastrukturfinanzierung mit der EU in der Region.<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Zweitens handeln China und die Golf\u00adstaaten schneller und gehen gezielter auf Sambias Wunsch nach Investitionen im Rohstoff\u00adsektor ein. Auf dem Forum on China-Africa Cooperation (FOCAC) 2024 versprach Peking neue <a href=\"https:\/\/www.mofaic.gov.zm\/?p=2719\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">milliardenschwere Infrastrukturinvestitionen<\/a>. Gleichzeitig bleibt China gr\u00f6\u00dfter Abnehmer sambischen Kupfers, und chinesische Unternehmen k\u00fcndigten Investitionen von <a href=\"https:\/\/www.spglobal.com\/commodity-insights\/en\/news-research\/latest-news\/metals\/111324-new-chinese-mining-body-to-invest-5-bil-in-zambia-to-boost-copper-production\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">f\u00fcnf Milliarden US-Dollar<\/a> an. Parallel positionieren sich die\u00a0Golfstaaten strategisch. Die Vereinten Arabischen Emirate (VAE) sicherten sich mit der <a href=\"https:\/\/energycapitalpower.com\/zambia-irh-acquisition-mopani-mine\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">\u00dcbernahme der Mopani-Mine<\/a> durch International Resources Holdings (IRH) eine wichtige Kupferquelle. Auch Saudi-Arabien intensiviert seine Rohstoffdiplomatie: Im Januar 2025 unterzeichnete das Land ein MoU mit Sambia. Manara Minerals, der saudische Investmentarm im Bergbau\u00adsektor, plant <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/markets\/commodities\/zambia-says-saudis-manara-interested-its-copper-assets-2025-01-16\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Beteiligungen an sambischen Minen<\/a> und Explora\u00adtionsvorhaben.<\/p>\n<p class=\"TabGrafikFormalbezeichnungNr\">Grafik<\/p>\n<p class=\"Grafik\"><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/2025A19_eu_sambia_rohstoffkooperation_001.png\" title=\"Sambias Rohstoffsektor\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/2025A19_eu_sambia_rohstoffkooperation_001.png\" alt=\"Sambias Rohstoffsektor\" title=\"\"\/><\/a><\/p>\n<p>                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        Sambias Ambitionen: Bergbau als Wachstumsmotor<\/p>\n<p>Die sambische Regierung begr\u00fc\u00dft das wach\u00adsende geopolitische Interesse an ihren Roh\u00adstoffen. Seit seinem Amtsantritt 2021 bem\u00fcht sich Pr\u00e4sident Hichilema, die Wirt\u00adschaft zu stabilisieren. Trotz erfolg\u00adreicher Umschuldung bleibt die finanzielle Lage angespannt. Der Bergbausektor soll zum Wachstumsmotor werden. Er bildet bereits das wirtschaftliche R\u00fcck\u00adgrat des Landes: 2022 entfielen <a href=\"https:\/\/eiti.org\/countries\/zambia\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">72% der Exporte und 44% der Staatseinnahmen<\/a> darauf.<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Im Mittelpunkt steht die bereits etablierte Kupferproduktion (siehe Grafik). Nach dem Plan der Regierung und vorangetrieben durch das Bergbauministerium (Minis\u00adtry of Mines and Minerals Development) soll die F\u00f6rderung von knapp 820.000 Ton\u00adnen im Jahr 2024 <a href=\"https:\/\/www.mmmd.gov.zm\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/2-National-Three-3-Millions-Tonnes-Copper-Production-Booklet-August-27-204.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">bis 2031 auf 3\u00a0Millionen Tonnen<\/a> steigen. Als realistischer gelten laut Branchen\u00adexperten 1,5 Millionen Tonnen. Zugleich soll die F\u00f6rderung kritischer Roh\u00adstoffe diversifiziert werden, um von der globalen Nachfrage, etwa f\u00fcr Energiewende und Batterieproduktion, zu profitieren. Die im Herbst 2024 vorgestellte erste nationale Strategie f\u00fcr kritische Rohstoffe (<a href=\"https:\/\/www.zambiamonitor.com\/zambia-unveils-ambitious-copper-critical-minerals-strategies-to-meet-projected-3-million-tonnes-target-per-annum\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Critical Minerals Strategy, CRM<\/a>) soll dazu dienen, das\u00a0bisher wenig erschlossene Potential von beispielsweise Mangan, Nickel und Lithium besser zu nut\u00adzen. Der Ausbau erfordert jedoch erheb\u00adliche Investitionen in Explo\u00adration und die Erschlie\u00dfung neuer Minen.<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Um Investoren anzulocken, wirbt die Regierung Hichilema mit Investitionssicher\u00adheit und politischer Stabilit\u00e4t. Hervorgehoben wurde beides auch auf der Kon\u00adferenz \u00bb<a href=\"https:\/\/www.mmmd.gov.zm\/insakasummit\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Insaka: Invest in Zambian Mining<\/a>\u00ab, die im Oktober 2024 erstmals stattfand. Neben den sambischen Reformpl\u00e4nen wurde dort auch das neue Explorations\u00adprogramm pr\u00e4sentiert, das vom spanischen Unternehmen Xcalibur durchgef\u00fchrt und mit 98\u00a0Millio\u00adnen US-Dollar aus dem Staatshaushalt finanziert wird.<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">F\u00fcr den geplanten Ausbau des Bergbausektors muss das Land auch in seine Infra\u00adstruktur investieren, besonders im Energie\u00adbereich. \u00dcber 80% der <a href=\"https:\/\/www.zda.org.zm\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/ZDA-Energy-Sector-Profile-2024.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Elektrizit\u00e4t<\/a> stammen aus Wasserkraft, was die Energie\u00adversorgung verwundbar f\u00fcr D\u00fcrre\u00adperioden macht. Aktu\u00adell hat dies zu einer schweren Energiekrise gef\u00fchrt, die Bergbau und Kupferverarbeitung stark beeintr\u00e4chtigt. Trotzdem erfolgt die Erstverarbeitung des Erzes gr\u00f6\u00df\u00adtenteils weiterhin im Land. 2023 wurden neben den 820.000 Tonnen Kupfer 637.000 Tonnen Anoden (Kupfer, leicht verunreinigt) und 199.000 Tonnen Kathoden (hochreines Kup\u00adfer) hergestellt. Zurzeit wird die Versorgung durch Importe gesichert; Kohle und Sonnen\u00adenergie sollen k\u00fcnftig f\u00fcr mehr Stabilit\u00e4t sor\u00adgen. Auch der Ausbau der Transport\u00adinfrastruktur wird zum strategischen Schau\u00adplatz. Sambia sicherte sich von den USA, der G7 und China Unterst\u00fctzung f\u00fcr zwei wesentliche Bahnprojekte: die Modernisierung der <a href=\"https:\/\/www.globaltimes.cn\/page\/202409\/1319255.shtml\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Tazara-Strecke nach Tan\u00adsania<\/a> und den Anschluss Sambias an den <a href=\"https:\/\/international-partnerships.ec.europa.eu\/policies\/global-gateway\/connecting-democratic-republic-congo-zambia-and-angola-global-markets-through-lobito-corridor_en\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Lobito-Korri\u00addor nach Angola<\/a> und in die\u00a0DRK.<\/p>\n<p>                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                            Reformpl\u00e4ne und staatliche Kontrolle<\/p>\n<p>Sambia kann den Ausbau des Rohstoff\u00adsektors nicht allein stemmen und ist auf privates Kapital angewiesen. Zugleich versucht die Regierung einen Balanceakt: Ohne den Privatsektor abzuschrecken, strebt sie mehr staatliche Kontrolle im Roh\u00adstoff\u00adsektor an, um vom erwarteten Boom zu\u00a0profitieren, staatliche Einnahmen zu sichern und die lokale Wertsch\u00f6pfung zu steigern.<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">In der \u00f6ffentlichen Debatte und weiten Teilen der Zivilgesellschaft finden die ge\u00adplanten <a href=\"https:\/\/www.dailymaverick.co.za\/article\/2024-10-01-zambias-mining-reform-process-puts-economic-progress-at-risk\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Reformen<\/a> Unterst\u00fctzung, nicht zuletzt als Reaktion auf die negativen Fol\u00adgen der Privatisierung in den fr\u00fchen 2000er Jahren. Aus der Industrie hingegen kommt harsche Kritik. Entgegen den Bekundungen der Regierung sieht die Zambia Chamber of\u00a0Mines, die private Berg\u00adbaukonzerne ver\u00adtritt, regulatorische Unsicherheit und m\u00f6g\u00adliche Beeintr\u00e4chtigungen des Investitionswillens im Land.<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Die Debatte dreht sich um mehrere Gesetzesinitiativen, darunter die im Dezem\u00adber 2024 verabschiedete <a href=\"https:\/\/www.parliament.gov.zm\/node\/11591\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Minerals Regulation Commission Bill<\/a>, welche die Einrichtung einer neuen Kommission zur Regulierung und \u00dcberwachung des Bergbausektors vor\u00adsieht. Doch die umstrittenste Neuerung ist das geplante \u00bbFree-Equity-Modell\u00ab, das dem Staat Anteile von bis zu 30% an neuen Bergbauprojekten sichern soll. Beteiligungen sollen projektbezogen verhandelt und von der neu gegr\u00fcndeten staatlichen Zweck\u00adgesellschaft <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/permalink.php\/?story_fbid=937779148540787&amp;id=100069261307422\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Zambia Minerals Investment Corporation (ZMIC)<\/a> verwaltet werden. Zu\u00ads\u00e4tzlich will der Staat im Metallhandel aktiver werden. Daf\u00fcr hat die sambische Industrial Development Corporation (IDC) mit dem Schweizer Konzern Mercuria <a href=\"https:\/\/www.idc.co.zm\/idc-partners-with-mercuria-to-launch-metals-trading-joint-venture\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">ein Joint Venture<\/a> gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Internationale Experten <a href=\"https:\/\/resourcegovernance.org\/publications\/six-keys-unlocking-equitable-value-addition-mining\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">warnen<\/a>, dass das wachsende internationale Interesse sowie die Hoffnung auf Profite notwendige Anti\u00adkorruptionsma\u00dfnahmen und eine effektive Finanzverwaltung in den Hintergrund r\u00fc\u00adcken k\u00f6nnten. In Sambia gibt es Anzeichen daf\u00fcr: Die Unabh\u00e4ngigkeit der neuen Mine\u00adrals Regulation Commission ist fraglich, und ihre finanzielle Ausstattung gilt als zu d\u00fcrftig, um die Regulierung zu verbessern. Auch die geplante staatliche Beteiligung birgt Risiken, denn bereits der staatliche Bergbaukonzern ZCCM-IH ist durch Vor\u00adw\u00fcrfe politischer Einflussnahme belastet \u2013 und die ZMIC ist noch weniger reguliert.<\/p>\n<p>                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                            Nachhaltigkeit im Hintergrund<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Die Regulierung des Bergbaus ber\u00fch\u00adrt auch zentrale Fragen der Nachhaltigkeit und Standardsetzung. Denn der sambische Berg\u00adbau hat schon heute mit gravierenden Altlasten zu k\u00e4mpfen, \u00fcberwiegend im Umweltbereich. W\u00e4hrend vor allem Nicht\u00adregierungsorganisationen auf Risiken eines massiven Ausbaus des Sektors hinweisen, konzentriert sich die Regierung vorrangig auf die Anwerbung neuer Investoren. Nachhaltigkeit ger\u00e4t in den Hintergrund.<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Problematisch sind nicht nur einige regu\u00adlatorische L\u00fccken, sondern haupts\u00e4chlich die unzureichende Durchsetzung bestehender Vorschriften. Zwar schreibt die sambi\u00adsche Gesetzgebung Umwelt- und Sozialvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfungen (Environmental and Social Impact Assessments, ESIAs) vor. In der Kritik stehen indes ihr begrenzter Um\u00adfang und die mangelnde Kontrolle sowohl w\u00e4hrend der Projektlaufzeit als auch bei Minenschlie\u00dfungen und dem Umgang mit Abbaur\u00fcckst\u00e4nden (Tailings). Erst k\u00fcrzlich <a href=\"https:\/\/www.dailymaverick.co.za\/article\/2025-03-06-after-the-bell-tailings-dam-collapse-in-zambia-an-ominous-sign-in-a-world-that-needs-more-mining\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">brach erneut<\/a> ein aus solchen R\u00fcck\u00adst\u00e4nden errichteter Damm und verseuchte einen wichtigen Fluss, mit unabsehbaren Lang\u00adzeitfolgen. Die zust\u00e4ndige Abteilung im Bergbauministerium und die Zambia En\u00advironmental Management Agency (ZEMA) gelten als schlecht ausgestattet und sind zu schwach, um gegen Regierung und Unter\u00adnehmen durchzugreifen.<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Im sozialen Bereich weist der industrielle Bergbau in Sambia trotz Herausforderungen <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/posts\/african-minerals-development-centre-amdc-466842213_zambia-amv-assessment-report2024-activity-7188116156979830784-ybP1\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">stabile Rahmenbedingungen<\/a> auf. Die demokratische Struktur des Landes erm\u00f6g\u00adlicht rechtliche Beschwerden und Klagen, auch wenn deren Durchsetzung in der Praxis mit H\u00fcrden verbunden ist. Besonders heikel ist die Situation bei der Er\u00f6ffnung neuer Minen: Die <a href=\"https:\/\/rue.bmz.de\/rue\/veroeffentlichungen\/future-of-mining-2019-78846\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">\u00bbSocial License to Ope\u00adrate\u00ab<\/a>, also die \u00f6ffentliche Akzeptanz von Bergbauprojekten, wird in den ESIAs h\u00e4ufig nur oberfl\u00e4chlich ber\u00fcck\u00adsichtigt. Bleibt die Zustim\u00admung der betroffe\u00adnen Gemeinden aus, sind soziale Konflikte und Projekt\u00adverz\u00f6gerungen pro\u00adgrammiert.<\/p>\n<p>                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                            Industriepolitischer Anspruch: Lokale Unternehmen und Lieferketten<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Der Ausbau des Bergbaus soll lokale Unter\u00adnehmen st\u00e4rken und Lieferketten f\u00f6rdern. Diese Ziele sind auch im <a href=\"https:\/\/www.zambiaembassy.org\/document\/eighth-national-development-plan-8ndp-2022-2026\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">8th National Development Plan (8NDP)<\/a> und in der CRM-Strategie verankert. Doch zurzeit will die Regierung vorrangig Investitionen im Berg\u00adbau einwerben, nicht in erster Linie an\u00adspruchsvolle industriepolitische Vorhaben verwirklichen. Es fehlt an ressort\u00fcbergreifender Koordination und notwendigen administrativen Kapazit\u00e4ten.<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Konkrete Impulse kommen allerdings von lokalen Industrieverb\u00e4nden. Sie setzten sich bereits erfolg\u00adreich f\u00fcr strengere Vor\u00adschriften (Local Content Require\u00adments) ein, um die Beteiligung lokaler Unter\u00ad\u00adnehmen und Dienstleister zu erh\u00f6hen. Zudem for\u00addern sie sogenannte <a href=\"https:\/\/www.mining.com\/web\/zambia-plans-state-firm-to-own-30-of-critical-minerals-mines\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Production Sharing Agreements<\/a> (PSAs), die vorsehen, dass Berg\u00adbauunternehmen 30% der Roh\u00adstoffproduk\u00adtion f\u00fcr die lokale Weiterverarbeitung zur Verf\u00fcgung stellen. Das richtet sich beson\u00adders an die Kupferindustrie: 2023 wurden 16% der produzierten Kathoden im\u00a0Land weiterverarbeitet, vorwiegend zu Draht und Kabeln. PSAs sollen sambischen Produzenten stabilen, g\u00fcnstigeren Zugang zu Katho\u00adden sichern und so ihre Wettbewerbsf\u00e4higkeit gegen\u00fcber Asien erh\u00f6hen. Langfristig soll das Modell auch bei anderen Rohstoffen profi\u00adtabel sein.<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Jenseits von Kupfer ist die direkte Weiterverarbeitung wirtschaftlich noch kaum tragf\u00e4hig, da viele andere kritische Roh\u00adstoffe bislang in zu geringen Mengen gef\u00f6r\u00addert werden. Umso gr\u00f6\u00dfer ist das Potential <a href=\"https:\/\/resourcegovernance.org\/articles\/beyond-raw-deals-future-proofing-african-mining-through-regional-action\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">regionaler Kooperation<\/a> in der rohstoffreichen SADC-Region, vor allem entlang der Wertsch\u00f6pfungsketten f\u00fcr Batterierohstoffe. Die Initiative Sambias und der DRK, Vor\u00adprodukte und Batterien f\u00fcr Elektrofahrzeuge (in einem sogenannten Batterie-Cluster) zu produzieren, zeugt vom wachsenden politischen Momen\u00adtum in diesem Bereich. 2022 unter\u00adzeichneten die beiden L\u00e4nder ein entsprechendes MoU, und die USA <a href=\"https:\/\/afripoli.org\/prospects-for-development-and-integration-of-african-battery-value-chains\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">ver\u00adsprachen Unterst\u00fctzung<\/a>. Doch trotz regel\u00adm\u00e4\u00dfiger Arbeitstreffen bremsen nationale Interessen, fehlende Expertise und unzu\u00adl\u00e4ngliche institutionelle Kapa\u00adzit\u00e4ten (auch im sambi\u00adschen Indu\u00adstrieministerium) den Fortschritt. Der eskalierende <a href=\"https:\/\/www.undp.org\/stories\/crisis-dr-congo\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Konflikt in der DRK<\/a> er\u00adschwert die Umsetzung regionaler Vorhaben noch mehr. Zugleich stehen beide Standorte vor fundamentalen Heraus\u00adforderungen im globalen Industriewettbewerb: Im Bem\u00fchen, ihre Wertsch\u00f6pfung zu st\u00e4rken, kon\u00adkurrieren die L\u00e4nder des s\u00fcd\u00adlichen Afrika mit China, westlichen Indu\u00adstrienationen und der EU, die ihre eigenen M\u00e4rkte immer mehr abschirmen.<\/p>\n<p>                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        EU-Sambia-Kooperation: Eine\u00a0unvollendete Partnerschaft<\/p>\n<p>Sambia verf\u00fcgt \u00fcber genau das, was Europa strategisch sucht: Kupfer, weitere strategische Rohstoffe, eine demokratische Grund\u00adordnung und politische Stabilit\u00e4t. Mit dem MoU wurde ein wich\u00adtiger Grundstein gelegt. Nun gilt es, das Tempo zu erh\u00f6hen. Im wett\u00adbewerbsintensiven Umfeld droht die EU den\u00a0Anschluss zu ver\u00adlieren, wenn es nicht gelingt, die Partner\u00adschaft gezielt weiter\u00adzuentwickeln. Zwei Faktoren erschweren dieses Vorhaben.<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Erstens fehlt es der EU an strategischer Koh\u00e4renz im Rahmen von \u00bbTeam Europe\u00ab. W\u00e4hrend kleinere Mitgliedstaaten wie Finnland und Schweden aktiv mitwirken, halten sich wirtschaftlich st\u00e4rkere L\u00e4nder wie Frankreich und Deutschland zur\u00fcck. Auch ist die Abstimmung zwischen Br\u00fcssel, den Mitgliedstaaten und den EU-Delegatio\u00adnen vor Ort zeitaufwendig und oft wenig zielgerichtet. Diese insti\u00adtutionelle Fragmentierung macht die EU f\u00fcr Sambia schwer greifbar und verhindert innereurop\u00e4ische Synergien, welche die Umsetzung der Kooperation vorantreiben w\u00fcrden.<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Zweitens k\u00f6nnte sich das Fehlen industrieller Projekte f\u00fcr die EU im Wettbewerb um Partnerschaften zunehmend nachteilig auswirken. China und die Golfstaaten grei\u00adfen gezielt Investitionsw\u00fcnsche auf und positionieren sich so als attraktive Part\u00adner. Die EU aber will gegenw\u00e4rtig eher ihre eige\u00adnen Industrien f\u00f6rdern und ver\u00ads\u00e4umt es, rohstoffreiche L\u00e4nder wie Sambia dabei ein\u00adzubinden. Kann die EU hier nicht auf\u00adholen, drohen Glaubw\u00fcrdigkeitsverluste und eine geringe Wirkungstiefe der Partnerschaft.<\/p>\n<p>                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                            Infrastruktur und industrielle Kooperation: Umsetzung entscheidet<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Industrielle Zusammenarbeit lautete eines der wichtigsten Versprechen der EU gegen\u00ad\u00fcber Sambia. Zugleich aber offenbart sich hier das gr\u00f6\u00dfte Umsetzungsdefizit. Das gilt zum einen f\u00fcr den Infra\u00adstrukturausbau, der die Roh\u00adstofferschlie\u00dfung erleichtert und die Basis f\u00fcr weitere Industrieprojekte bilden w\u00fcrde. Mit dem <a href=\"https:\/\/commission.europa.eu\/strategy-and-policy\/priorities-2019-2024\/stronger-europe-world\/global-gateway_de\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Global-Gateway<\/a>-Programm hat die EU ein eigenes Instrument, um sol\u00adche Vor\u00adhaben in Partnerl\u00e4ndern zu f\u00f6rdern. In Sambia verl\u00e4uft der Fortschritt jedoch eher schleppend, was die EU im Vergleich zu China oder den Golfstaaten immer mehr in den Hintergrund r\u00fccken l\u00e4sst. Besonderes Augenmerk liegt auf der geplanten An\u00adbindung Sambias an den Lobito-Korridor, ein Projekt, das von den USA initiiert und von der EU \u00f6ffentlich unterst\u00fctzt wurde. Ohne finanziellen Beitrag der USA l\u00e4sst es sich aber kaum verwirklichen. Auch der Ausbau des Energieinfrastruktur f\u00fcr den Rohstoffsektor wird von der EU bislang nicht gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Im Rohstoffsektor gibt es ebenfalls weni\u00adge konkrete Kooperationsans\u00e4tze. Sambia hofft auf Investitionen und Beteiligungen bei Exploration, F\u00f6rderung und Weiterverarbeitung. Doch die Angebote seitens der EU sind begrenzt, und europ\u00e4ische Unter\u00adnehmen zeigen sich zur\u00fcckhaltend. Der im\u00a0Rahmen des CRMA geschaffene Status bestimmter Vorhaben als \u00bb<a href=\"https:\/\/single-market-economy.ec.europa.eu\/sectors\/raw-materials\/areas-specific-interest\/critical-raw-materials\/strategic-projects-under-crma_en\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">strategi\u00adsches Projekt<\/a>\u00ab h\u00e4tte ein Hebel sein k\u00f6nnen, um bei europ\u00e4ischen Unternehmen mehr Inter\u00adesse an Partner\u00adl\u00e4ndern wie Sambia zu wecken. Dort aber zeitigt dieses Instrument bisher kaum Wirkung. Die erste Ausschreibungsrunde ist abgeschlossen. Nur ein ein\u00adziges sambi\u00adsches Projekt wurde eingereicht \u2013 und ob es ber\u00fccksichtigt wird, ist offen. Vor Ort war das Interesse an der Ausschreibung gering. Dies lag teils an einem Mangel an Informationen, teils an fehlenden Anrei\u00adzen und Unterst\u00fctzungsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Das ist kein Einzelfall, sondern verweist auf ein strukturelles Muster europ\u00e4ischer Investitionszur\u00fcckhaltung in rohstoff\u00adreichen L\u00e4ndern des Globalen S\u00fcdens. In wirt\u00adschaftlich schw\u00e4cheren Staaten gelten Investitionen h\u00e4ufig als besonders risiko\u00adbehaftet, teils unabh\u00e4ngig von der tats\u00e4ch\u00adlichen Lage. Zum Teil hohe Infrastruktur\u00adkosten sowie regulatorische Unklarheiten, wie im Fall Sambia, verst\u00e4rken die Zur\u00fcckhaltung. Wirtschaftliche Potentiale jenseits der Prim\u00e4rf\u00f6rderung, etwa Recycling oder die Rohstoff\u00adgewinnung aus Abbaur\u00fcckst\u00e4nden, bleiben ungenutzt. Dass die europ\u00e4ische Industrie vor Ort kaum pr\u00e4sent ist, kommt erschwerend hinzu. <\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Nicht nur durch Investitionen, sondern auch durch Abnahmevertr\u00e4ge lie\u00dfe sich eine bessere Lieferkettenintegration erzie\u00adlen: EU-Unternehmen k\u00f6nnen strategische Rohstoffe direkt von sambischen Projekten beziehen, also <a href=\"https:\/\/www.swp-berlin.org\/10.18449\/2023A29\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ohne Umwege<\/a> \u00fcber intrans\u00adparente Han\u00addelspl\u00e4tze oder asiatische Weiterverarbeiter. Dabei r\u00fccken Sambias staatliche Institutionen als Kooperationspartner merklich in den Vordergrund, denn der Staat wird k\u00fcnftig \u00fcber neue Beteiligungen an Bergbauprojekten und das neue Joint Venture im Metallhandel eine aktivere Rolle in dem Bereich einnehmen.<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Mittel- und langfristig gewinnt die regio\u00adnale Weiterverarbeitung an Bedeutung, vor allem wenn der Ausbau des Batterie-Clusters im s\u00fcdlichen Afrika vorangeht. Dadurch k\u00f6nnte Europa vermehrt weiterverarbeitete Produkte aus der Region beziehen. Doch viele EU-Staaten f\u00f6rdern vorrangig ihre eigene Industrie, w\u00e4hrend Anschubfinanzierung f\u00fcr Projekte im Globalen S\u00fcden fehlt. Nicht zuletzt deswegen bleiben pri\u00advate Investitionen aus. Von der EU finan\u00adzierte Initiativen wie <a href=\"https:\/\/africamaval.eu\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">AfricaMaVal<\/a> oder einzelne Studien etwa zu <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/posts\/eu-africa-rise_publication-zambia-copper-activity-7229380180358631424-RhTA\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Potentialen in der Kupferindustrie<\/a> sind wichtig und schaffen Sichtbarkeit, aber keinen Marktzugang.<\/p>\n<p>                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                            Nachhaltigkeit und Kapazit\u00e4ts\u00adaufbau: St\u00e4rken nutzen, Wirkung steigern<\/p>\n<p>Die technische Zusammenarbeit, also der Kapazit\u00e4tsaufbau und die F\u00f6rderung sozio\u00ad\u00f6kologischer Standards, hebt die EU deut\u00adlich von st\u00e4rker investitionsgetriebenen Akteuren wie China und den Golfstaaten ab. Mit dieser Art der Kooperation positioniert sich die EU als wichtiger und lang\u00adfristig orientierter Partner. Leistungs\u00adf\u00e4hige Institutionen vor Ort k\u00f6nnen zudem Investitionen aus Europa erleichtern.<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Die EU konzentriert sich bislang in erster Linie darauf, Sambias geologischen Dienst zu unterst\u00fctzen. In diesem Bereich sind zahlreiche andere internationale Partner aktiv. Um aber Investitionen einzuwerben und strukturelle Verbesserungen im Berg\u00adbausektor zu erreichen, m\u00fcssen Umwelt- und Sozialstandards gezielter gef\u00f6rdert wer\u00adden. Auch wenn diese Aspekte nicht die h\u00f6chste Priorit\u00e4t f\u00fcr die sam\u00adbische Regierung haben, zeigt sie sich offen f\u00fcr Ver\u00e4nderungen \u2013 nicht zuletzt im Kontext der j\u00fcng\u00adsten, oben erw\u00e4hnten Umweltkatastrophe, die das Thema weiter in den Vordergrund r\u00fccken d\u00fcrfte. An bestehende Aktivit\u00e4ten im Umweltbereich kann angekn\u00fcpft wer\u00adden. Auf sambischer Seite soll die neue Minerals Regulation Commission die Rolle von Umwelt- und Sozialstandards aufwerten. Zudem plant der staatliche Rohstoff\u00adkonzern ZCCM-IH, eine Strategie anhand der Kriterien Umwelt, Soziales und Unter\u00adnehmensf\u00fchrung (Environmental, Social and Corporate Governance, ESG). Damit k\u00f6nnen wichtige Impulse f\u00fcr den gesamten Sektor gesetzt werden.<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Die F\u00f6rderung lokaler Industrie und nachgelagerter Lieferketten ist bislang kein konkretes Feld der Zusammenarbeit zwi\u00adschen Sambia und der EU. Unklar ist, ob die EU tats\u00e4chlich eine tiefere Integration in regionale Wertsch\u00f6pfungsketten betreibt, etwa durch die Unterst\u00fctzung f\u00fcr Batterie\u00ad-Cluster. W\u00e4re dies strategisch gewollt, m\u00fcss\u00adten weitere nationale und regionale Akteu\u00adre einbezogen werden, allen voran das sambische Industriemini\u00adste\u00adri\u00adum (Ministry of Commerce, Trade and Industry), in dessen Mandat die Standortentwicklung und der Aufbau wettbewerbsf\u00e4higer, weiterverarbeitender Industrien fallen.<\/p>\n<p>                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                        Impulse zur Vertiefung der Rohstoffpartnerschaft<\/p>\n<p>Sambia steht derzeit im Fokus internatio\u00adnaler Rohstoffdiplomatie. Dabei drohen Themen wie gute Regierungsf\u00fchrung und sozio\u00f6kologische Nachhaltigkeit zugunsten wirtschaftlicher Gewinne ins Hintertreffen zu geraten. Doch gravierende Umwelt\u00adsch\u00e4den und Forderungen lokaler Akteure sorgen daf\u00fcr, dass die dringend notwendige nachhaltige Wertsch\u00f6pfung ihren Stellenwert in der Debatte nicht verliert. Als ver\u00adl\u00e4sslicher Partner in diesem Bereich ist die EU f\u00fcr Sambia attraktiv. Mit dem MoU und dem Aufbau technischer Zusammenarbeit hat die EU eine solide Basis f\u00fcr die Partner\u00adschaft geschaffen. Mit konkreten Fortschritten in der industriellen Kooperation k\u00f6nnte die EU ihre Position in Sambia festigen und\u00a0ihre eigene Rohstoffversorgung weiter diversifizieren.<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Essentiell daf\u00fcr w\u00e4re eine intensivere euro\u00adp\u00e4ische Koordination. Die neue Koordinator:in\u00adnenstelle in der EU-Delegation ist ein erster Schritt, reicht aber nicht aus. \u00bbTeam Europe\u00ab muss in die Praxis \u00fcberf\u00fchrt werden: Wich\u00adtige europ\u00e4ische Industriestaaten, auch Deutschland, sollten sich vor Ort nachdr\u00fcck\u00adlicher einbringen und gemeinsam mit der EU-Kommission eine koh\u00e4rente Strate\u00adgie verfolgen. Zudem sollte die EU glaubw\u00fcrdig signalisieren, dass Industriekooperation gewollt und Hauptbestand\u00adteil der EU-Rohstoff\u00adstrategie ist. Vorrang gibt die EU derzeit dem Ausbau und Schutz der eigenen Industrie, w\u00e4hrend inter\u00adnationale Partnerschaften weiter in den Hintergrund geraten.<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Ein Nachweis f\u00fcr das ernsthafte Bestreben der EU w\u00e4re die gezielte F\u00f6rderung indu\u00adstrieller Kooperation. Eine industriepolitische Initiative k\u00f6nnte Anreize f\u00fcr europ\u00e4ische Unternehmen setzen \u2013 und in Sambia Wirkung entfalten. Die EU sollte sich ziel\u00adstrebiger darum bem\u00fchen, euro\u00adp\u00e4ische Unternehmen f\u00fcr Kooperationen in der Weiterverarbeitung und in nachgelagerten Lieferketten zu gewinnen, etwa bei Batterie\u00admaterialien oder Recyc\u00adling.<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Hierf\u00fcr w\u00e4ren geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen: zielgenaue Anreize und F\u00f6rderstrukturen sowie eine verl\u00e4ssliche Finanzie\u00adrung. Die Rohstoffstrategie der Europ\u00e4ischen Investitionsbank (EIB) und die Finan\u00adzierungsinstrumente der Kreditanstalt f\u00fcr Wiederaufbau (KfW) m\u00fcs\u00adsen passgenauer auf den Rohstoffsektor wie auch auf Ent\u00adwicklungsl\u00e4nder wie Sambia zugeschnitten werden. Institutionelle Strukturen vor Ort sind ebenso entscheidend. Mehr Pr\u00e4senz der deutschen Au\u00dfenhandels\u00adkammer sowie feste Ansprechpartner des Rohstoffkonsortiums EIT RawMaterials f\u00fcr Sambia k\u00f6nnen Markt\u00adzug\u00e4nge erleichtern.<\/p>\n<p class=\"StandardEinzug\">Die EU sollte ihr Alleinstellungsmerkmal, n\u00e4mlich die technische Zusammenarbeit, strate\u00adgisch besser nutzen. Ein zentraler Fonds, der un\u00adb\u00fcrokratisch \u00fcber die EU-Delegation abruf\u00adbar ist, w\u00e4re ein Novum und k\u00f6nnte die Umsetzung technischer Kooperation be\u00adschleunigen. Dar\u00fcber hinaus sollte die EU ihr Angebot in zwei Bereichen ausweiten, die f\u00fcr industrielle Koopera\u00adtion unverzicht\u00adbar sind: erstens der Regierungsf\u00fchrung, zum Beispiel durch Unterst\u00fctzung f\u00fcr die neue Minerals Regulation Commission und f\u00fcr die staatlichen Rohstoffgesellschaften, und zweitens der industriepolitischen Planung, wo bestehende Programme, etwa der Weltbank, sinnvoll erg\u00e4nzt werden k\u00f6nnten. Deutschland k\u00f6nnte hier \u00fcber die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Internationale Zu\u00adsammenarbeit (GIZ) und die Bundes\u00adanstalt f\u00fcr Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) konkrete Beitr\u00e4ge leisten. So k\u00f6nnte die Koalition politisch unterstreichen, dass sie die EU-Rohstoffstrategie unterst\u00fctzt und ihrem Anspruch auf \u00bb<a href=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/media\/20aa5527-fe48-436d-ac60-c6d6a42e8c4c\/Koalitionsvertrag_2025.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Partnerschaften auf Augenh\u00f6he<\/a>\u00ab gerecht wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Diversifizierung der Versorgung mit mineralischen Rohstoffen ist eine strategische Notwendigkeit. 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