{"id":8470,"date":"2026-04-23T16:20:47","date_gmt":"2026-04-23T16:20:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/8470\/"},"modified":"2026-04-23T16:20:47","modified_gmt":"2026-04-23T16:20:47","slug":"benin-kein-job-nach-dem-studium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/8470\/","title":{"rendered":"Benin: Kein Job nach dem Studium"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Megan Fahrney I 14. November 2024<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Cotonou (IPS\/afr). Schweren Herzens verabschiedete sich Louis mit elf Jahren von seinem Elternhaus. Er verlie\u00df sein kleines Dorf im Norden Benins, um zu seinem Onkel nach Parakou zu ziehen. In der drittgr\u00f6\u00dften Stadt des Landes bekam Louis eine bessere Schulbildung. Doch bei der Arbeitssuche hat ihm das nicht gen\u00fctzt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Louis ist heute 23 Jahre alt, hat einen Bachelor-Abschluss in Mathematik der staatlichen Universit\u00e9 d\u2019Abomey-Calavi (UAC) in der Tasche und spricht nahezu perfektes Englisch. Dennoch findet er keine Anstellung. Was also tun? \u201cHustle\u201d, antwortet Louis und spielt damit auf die in den letzten Jahren popul\u00e4r gewordene \u201cHustle Culture\u201d an. Darunter wird ein leistungsorientierter Lebensstil verstanden, der auf st\u00e4ndige Produktivit\u00e4t und unerm\u00fcdliches Streben nach Erfolg ausgerichtet ist.\u00a0<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der Schattenseite dieser Arbeitsmentalit\u00e4t stehen Gesundheitsrisiken wie Burn Out und Gefahren der sozialen Vereinsamung, da das Privatleben h\u00e4ufig vernachl\u00e4ssigt wird. Kritisiert wird auch, dass die Hustle Culture Geldverdienen ohne moralen Kompass propagiert.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vollen Einsatz will auch Louis an den Tag legen \u2013 f\u00fcr sein eigenes Unternehmen. Derzeit arbeitet er an der Gr\u00fcndung seiner Firma, die Programmierdienste anbieten wird. Gemeinsam mit seinem Team m\u00f6chte Louis etwa Apps entwickeln, Websites erstellen und technische Probleme von Kunden l\u00f6sen.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eEs wird nicht leicht f\u00fcr mich, ein Startup zu gr\u00fcnden\u201d, sagt Louis, \u201caber ich muss mir sagen, dass ich es schaffen kann. Ich werde alles tun, um es zu erm\u00f6glichen.\u201d<\/p>\n<p>Niedrige Abschlussquote<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Louis ist l\u00e4ngst ein Einzelfall. In Benin haben Hochschulabsolvent*innen gro\u00dfe Schwierigkeiten, eine feste Anstellung zu finden. Gebildete junge Menschen nehmen stattdessen Gelegenheitsjobs an, gr\u00fcnden eigene Unternehmen oder bleiben von ihren Eltern abh\u00e4ngig.\u00a0<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Laut <a href=\"https:\/\/www.iicba.unesco.org\/en\/benin\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">UNESCO<\/a> beginnen in Benin 15 Prozent der M\u00e4nner und acht Prozent der Frauen eine terti\u00e4re Ausbildung. Allerdings sind die Abschlussquoten gering: Im Studienjahr 2022\/23 haben sich an der Universit\u00e9 d\u2019Abomey-Calavi (UAC) nahe der Haupstadt Cotonou 58.456 Studierende eingeschrieben, aber nur 6.614 Student*innen machten in diesem Studienjahr ihren Abschluss.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christophe A\u00efnagnon studiert derzeit Englisch an der UAC. Er hat von einem naturwissenschaftlichen Studium umgesattelt, weil er nach zwei Jahren erkannt hatte, dass er auf dem Arbeitsmarkt chancenlos sein w\u00fcrde. Christophe erz\u00e4hlt, dass viele seiner Freunde ihr Studium ganz abgebrochen haben. Sie hatten erkannt, dass es sich nicht lohnen wird. Andere Freunde von ihm wiederum h\u00e4tten ihr Studium zwar abgeschlossen, w\u00fcrden aber keine Arbeit finden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie Louis hat auch Christophe sein eigenes Unternehmen gegr\u00fcndet, allerdings in einem v\u00f6llig anderen Bereich: Er z\u00fcchtet Kaninchen, um Geld zu verdienen. \u201eEs ist die Art von Gesch\u00e4ft, durch das ich werden kann, wer ich sein m\u00f6chte, und mein Leben in vollen Z\u00fcgen genie\u00dfen kann\u201c, erz\u00e4hlt Christophe A\u00efnagnon.<\/p>\n<p>Hohe Auswanderungsbereitschaft<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im September hat die <a href=\"https:\/\/ichikowitzfoundation.com\/storage\/reports\/September2024\/GSLcmLTnruHzhTrIuDOV.pdf\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ichikowitz Family Foundation<\/a> eine Studie ver\u00f6ffentlicht, die ergab, dass knapp 60 Prozent der jungen Afrikaner*innen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren in den n\u00e4chsten drei Jahren auswandern wollen. Der Bericht befragte 5.604 Personen und wurde in 16 verschiedenen L\u00e4ndern durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Traum von Louis ist es, in die USA auszuwandern. \u201cAls Kind wollte ich am MIT studieren\u201d, sagt er. Louis hat bereits mehrmals an der GreenCard-Lotterie teilgenommen, bislang allerdings ohne Erfolg.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch nicht alle Studierende wollen ins Ausland. Die Englischstudentin Mirabelle Awegnone etwa m\u00f6chte in ihrer Heimat bleiben und Lehrerin werden. Auch sie denkt an die Selbst\u00e4ndigkeit \u2013 f\u00fcr den Fall, dass es mit dem Lehrberuf nicht klappt. \u201eManchmal macht es mir Angst\u201c, erz\u00e4hlt sie. \u201eIch frage mich selbst, wie ich in Zukunft einen Job bekommen kann. Ich bin ein sch\u00fcchterner Mensch, daher ist es schwer f\u00fcr mich.\u201c (Ende)<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Titelbild: Markt in Cotonou, Benin (Foto: Shutterstock.com, Omri Eliyahu)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Von Megan Fahrney I 14. November 2024 Cotonou (IPS\/afr). 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