{"id":8638,"date":"2026-04-23T21:24:22","date_gmt":"2026-04-23T21:24:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/8638\/"},"modified":"2026-04-23T21:24:22","modified_gmt":"2026-04-23T21:24:22","slug":"welche-interessen-hat-ruanda-im-ost-kongo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/8638\/","title":{"rendered":"Welche Interessen hat Ruanda im Ost-Kongo?"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/kongo-m23-ruanda-100.jpg\" alt=\"M23-Rebellen verhandeln mit der ruandischen Armee \u00fcber die \u00dcbergabe gefangener rum\u00e4nischer S\u00f6ldner an die ruandische Regierung am Grenz\u00fcbergang Gisenyi (Kongo).\" title=\"M23-Rebellen verhandeln mit der ruandischen Armee \u00fcber die \u00dcbergabe gefangener rum\u00e4nischer S\u00f6ldner an die ruandische Regierung am Grenz\u00fcbergang Gisenyi (Kongo). | dpa\"\/><\/p>\n<p>                    hintergrund<\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 29.01.2025 \u2022 17:30 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        Seit mehr als zehn Jahren k\u00e4mpft die ber\u00fcchtigte Rebellengruppe M23 im Osten des Kongo gegen die Zentralregierung. Nun hat sie die Provinzhauptstadt Goma eingenommen &#8211; offenbar mit Hilfe aus Ruanda. Was steckt dahinter?\n    <\/p>\n<p>Von Naveena Kottoor, ARD Nairobi\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr die Rebellenbewegung M23 ist die Eroberung gro\u00dfer Teile der Stadt Goma in der Demokratischen Republik Kongo der gr\u00f6\u00dfte milit\u00e4rische Erfolg seit mehr als zehn Jahren. Es sei &#8222;ein herrlicher Tag&#8220; hie\u00df es in einer Mitteilung der Miliz, kurz nachdem sie die Zwei-Millionen-Stadt am Kivu-See gr\u00f6\u00dftenteils eingenommen hatte.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Tats\u00e4chlich wurde die kongolesische Armee durch die Blitz-Offensive der Rebellen im Osten des Landes auf eine spektakul\u00e4re Art und Weise vorgef\u00fchrt. Pr\u00e4sident F\u00e9lix Tshisekedi pocht zwar immer noch auf die regionale Integrit\u00e4t seines Landes und betont, dass er nicht zu Zugest\u00e4ndnissen bereit sei.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Aber wie genau er die Einheit des Landes wiederherstellen m\u00f6chte, l\u00e4sst er offen. F\u00fcr den 61-J\u00e4hrigen ist es die gr\u00f6\u00dfte Krise, seit er 2019 ins Amt gew\u00e4hlt wurde.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Zivilbev\u00f6lkerung in und um Goma herum ist zwischen den Fronten gefangen. In Kinshasa w\u00e4chst die Wut auf den Pr\u00e4sidenten und das Ausland &#8211; die Angriffe auf Botschaften in der Hauptstadt am Dienstag spiegele den Frust einer Bev\u00f6lkerung wieder, die sich angesichts der Offensive im Osten von anderen afrikanischen L\u00e4ndern und dem Westen im Stich gelassen f\u00fchlt, sagen Experten.<\/p>\n<p>    Die M23-Rebellen und Ruanda<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Und im Nachbarland Ruanda, das seit Jahrzehnten die M23 finanziell und logistisch unterst\u00fctzt und mit Soldaten im Ost-Kongo verst\u00e4rkt, reiben sich die Verantwortlichen dagegen die H\u00e4nde.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Im Dezember wurde in einem Expertenbericht der Vereinten Nationen klar dargelegt, wie Ruanda unter der F\u00fchrung von Pr\u00e4sident Paul Kagame gemeinsam mit den M23-Rebellen wertvolle Rohstoffe wie Gold und Coltan im Osten des Kongos abbaut. Coltan wird vor allem in der Elektroindustrie nachgefragt, unter anderem f\u00fcr die Herstellung von Mobiltelefonen und Laptops.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die M23 habe im vergangenen Jahr die gr\u00f6\u00dfte Coltanmine in der Region im ostkongolesischen Rubaya erobert, hei\u00dft es in dem Bericht. In Rubaya habe die Miliz eine eigene Verwaltung geschaffen, die unter anderem den Abbau, Handel und Transport von Rohstoffen kontrolliere, hei\u00dft es weiter. Mindestens 150 Tonnen Coltan seien so illegal aus dem Kongo nach Ruanda gebracht worden, wo der Rohstoff mit ruandischem Coltan vermischt worden sei.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ruanda exportiere mittlerweile Rohstoffe im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar pro Jahr, sagte der fr\u00fchere UN-Experte und Politikwissenschaftler Jason Stearns der Nachrichtenagentur Reuters. Das sei ungef\u00e4hr doppelt so viel wie vor zwei Jahren. Man wisse nicht, wieviel, aber ein gro\u00dfer Teil davon stamme aus der Demokratischen Republik Kongo.<\/p>\n<p>    Diplomatischer Druck?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In den vergangenen Jahren haben sowohl die US-Regierung unter Joe Biden als auch die EU versucht, durch Sanktionen Druck auf Ruanda auszu\u00fcben. Auch wenn Kritiker die Sanktionen als halbherzig bezeichnen, ist das Verh\u00e4ltnis zwischen den USA und Ruanda dadurch deutlich abgek\u00fchlt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Kagame habe auf den Machtwechsel in Washington gewartet, um mit dem Vormarsch auf Goma zu beginnen. &#8222;Die USA sind gerade mit sich selbst besch\u00e4ftigt, Europa zerstritten und der Nahe Osten im Aufruhr&#8220;, zitiert Reuters einen westlichen Diplomaten. &#8222;Kagame hat den Moment genutzt&#8220;, so der Diplomat.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dass jetzt mehr diplomatischer Druck aufgebaut werden kann, der die M23 und Ruanda dazu bewegen k\u00f6nnte, aus dem Ost-Kongo abzuziehen, gilt als unwahrscheinlich. In den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten hat sich Kagame als Partner im Bereich Migrations- und Sicherheitspolitik Freunde gemacht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In Mosambik stellt die ruandische Regierung tausende Truppen, die die Sicherheit eines Gas-Projektes im Norden des Landes sichern sollen. Ohne wirkliche Hilfe aus dem Ausland und innenpolitisch wie milit\u00e4risch geschw\u00e4cht, hat Kongos Pr\u00e4sident Tshisekedi schlechte Karten im Ost-Kongo.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Kigali sei entschlossen, sich den vollst\u00e4ndigen Einfluss \u00fcber die Provinz Nord-Kivu und die dortigen Rohstoffe zu sichern und jeden bewaffneten Widerstand zu unterdr\u00fccken, schreibt die Denkfabrik International Crisis Group in einem Bericht.<\/p>\n<p>    Ruanda h\u00e4lt sich bedeckt<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ruanda selbst hat bislang nicht best\u00e4tigt, direkt an dem Konflikt beteiligt zu, eigene Truppen entsandt zu haben und die M23 zu unterst\u00fctzen. Aber Pr\u00e4sident Kagame formuliert in einem anderen Kontext sein Interesse an der Entwicklung im Nachbarland.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Kagame verweist immer wieder auf den V\u00f6lkermord an den Tutsi von 1994, aus dem er einen Auftrag ableitet, die Bev\u00f6lkerungsgruppe nicht nur in Ruanda, sondern auch in den umliegenden Gebieten zu sch\u00fctzen &#8211; auch im Kongo.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dort ist auch eine ruandische Rebellengruppe aktiv, die sich \u00fcberwiegend aus der Ethnie der Hutu rekrutiert, von denen viele 1994 nach dem Genozid an den Tutsi aus Ruanda geflohen waren. Kagame wirft dem Kongo vor, die Gruppe FDLR milit\u00e4risch zu unterst\u00fctzen &#8211; weshalb Ruanda die Tutsi in Ost-Kongo verteidigen m\u00fcsse.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der M23 wird von ethnischen Tutsi angef\u00fchrt. Laut der International Crisis Group gibt es jedoch keine Hinweise darauf, dass Ruanda im Kongo tats\u00e4chlich Tutsi sch\u00fctzt. Vielmehr gibt es laut Beobachtern Hinweise, dass die M23 dort schwere Menschenrechtsverletzungen begeht.<\/p>\n<p>    Humanit\u00e4re Krise<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">W\u00e4hrend man in Kinshasa und auf diplomatischer Ebene eher ratlos ist, spitzt sich die humanit\u00e4re Lage vor Ort immer weiter zu. Die M23 kontrollieren den Hafen und den Flughafen. Der Personen- und Frachtverkehr auf dem Kivu-See ist zum Stillstand gekommen, die Versorgungswege nach Goma sind abgeschnitten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Hunderttausende sind auf der Flucht, die Krankenh\u00e4user \u00fcberlaufen. Selbst die Basen der UN-Friedenstruppe MONUSCO sind nicht mehr sicher. In den Tagen seit der Offensive auf Goma sind auch MONUSCO-Basen und -Geb\u00e4ude beschossen worden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Der Fall Gomas k\u00f6nnte eine der schlimmsten humanit\u00e4re Krisen&#8220; in Afrika ausl\u00f6sen, warnt Peter Musoko, der Landesdirektor des Weltern\u00e4hrungsprogrammes der Vereinten Nationen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"hintergrund Stand: 29.01.2025 \u2022 17:30 Uhr Seit mehr als zehn Jahren k\u00e4mpft die ber\u00fcchtigte Rebellengruppe M23 im Osten&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":8639,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[1263,189,1322,403,404],"class_list":{"0":"post-8638","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ruanda","8":"tag-goma","9":"tag-kongo","10":"tag-m23","11":"tag-ruanda","12":"tag-rwanda"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116456132619672968","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8638","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8638"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8638\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8638"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8638"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8638"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}