{"id":8722,"date":"2026-04-24T00:40:54","date_gmt":"2026-04-24T00:40:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/8722\/"},"modified":"2026-04-24T00:40:54","modified_gmt":"2026-04-24T00:40:54","slug":"radsport-rad-wm-in-afrika-zu-gast-in-ruandas-autokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/8722\/","title":{"rendered":"Radsport: Rad-WM in Afrika &#8211; zu Gast in Ruandas Autokratie"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/start-tour-du-rwanda-mit-praesident-100.jpg\" alt=\"Startetappe der Tour du Rwanda 2025 mit dem Pr\u00e4sidenten von Ruanda, Paul Kagame, und UCI-Pr\u00e4sident David Lappartient\" title=\"Startetappe der Tour du Rwanda 2025 mit dem Pr\u00e4sidenten von Ruanda, Paul Kagame, und UCI-Pr\u00e4sident David Lappartient | imago\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 19.09.2025 \u2022 11:22 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        Erstmals hat der Radsport-Weltverband UCI die Weltmeisterschaften in ein afrikanisches Land vergeben. Am Sonntag beginnen die Wettk\u00e4mpfe in Ruanda. In politischer Hinsicht gilt der Austragungsort als heikel.\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Strecken im Hochland von Kigali sind besonders anspruchsvoll, das Profirennen der M\u00e4nner am 28. September etwa kommt auf eine L\u00e4nge von 267,5 Kilometer und bringt es auf sagenhafte 5.475 H\u00f6henmeter, das ist ein Rekord in der 98-j\u00e4hrigen Geschichte von Radsport-Weltmeisterschaften. Ihre 92. Auflage hat der Radsport-Weltverband (UCI) Ende September 2023 erstmals nach Afrika vergeben, den Zuschlag erhielt Ruanda, der Binnenstaat in Ostafrika, das Land der 1.000 H\u00fcgel.<\/p>\n<p>    Politik des Gastgebers gibt Anlass zur Sorge<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Einige der gro\u00dfen Stars der Szene werden dabei sein, Tadej Pogacar und Remco Evenepoel etwa bei den M\u00e4nnern und Tour-Siegerin Pauline Ferrand-Pr\u00e9v\u00f4t bei den Frauen. An diesem Sonntag beginnen die ruandischen Radsport-Spiele mit den Zeitfahren der M\u00e4nner und Frauen. Sie enden eine Woche sp\u00e4ter mit dem sehr fordernden M\u00e4nner-Rennen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch der Sport ist nur die gl\u00e4nzend ausgeleuchtete Seite dieser Veranstaltung. Eine andere dr\u00e4ngt gleichwohl zunehmend vom Schatten ins Licht. Es geht dabei um Ruanda als Ausrichter, ein Land, dessen politische Verh\u00e4ltnisse als problematisch gelten. Im Februar hatte das EU-Parlament in einem Entschlie\u00dfungsantrag die Forderung aufgestellt, Ruanda die WM zu entziehen, wenn das Land &#8222;seinen Kurs nicht \u00e4ndert&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Konkret geht es um den Vorwurf, dass Ruandas Armee im B\u00fcrgerkrieg, der im Nachbarstaat Demokratische Republik Kongo tobt, die Rebellengruppe M23 milit\u00e4risch unterst\u00fctzt. Die ruandische Regierung weist jegliche Kritik an der Unterst\u00fctzung der M23-Rebellen zur\u00fcck. Man verteidige lediglich seine Grenzen und Grenzgebiete sowie die Tutsi-Minderheit im Nachbarland. Wegen der kritischen Lage in dieser Region r\u00e4t das Ausw\u00e4rtige Amt von nicht notwendigen Reisen dorthin ab.<\/p>\n<p>    Ruanda ist im Fu\u00dfball aktiv und will die Formel 1<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Kritiker werfen dem WM-Ausrichterland und dessen Pr\u00e4sidenten Paul Kagame vor, die Rad-WM diene als Sportswashing. Als ein Mittel, um das Image des Landes zu verbessern. Daf\u00fcr spricht auch die ruandische Strategie, in der Welt des Sports eine besondere Rolle \u00fcbernehmen zu wollen. Der FC Arsenal und Paris Saint-Germain werben auf ihren Trikot\u00e4rmeln f\u00fcr die Tourismus-Initiative &#8222;Visit Rwanda&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch der FC Bayern ist Teil dieser Charme-Offensive, doch der deutsche Rekordmeister fuhr sein Engagement nach heftiger Kritik aus dem Kreis seiner politisch aktiven Fans zur\u00fcck. Auf den Werbebanden in der M\u00fcnchner Arena taucht der Slogan nicht mehr auf, es besteht nur noch ein F\u00f6rdervertrag f\u00fcr den Jugendfu\u00dfball. Auf anderem Gebiet will Ruanda aber auch noch auf sich aufmerksam machen: Das kleine Land mit 14 Millionen Einwohnern w\u00fcrde gerne ein Formel-1-Rennen ausrichten.<\/p>\n<p>    Pr\u00e4sident Kagame regiert autorit\u00e4r<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Name des Staates Ruanda ist vor allem wegen eines furchtbaren Ereignisses in Erinnerung. Vor 31 Jahren tobte dort ein grausamer V\u00f6lkermord. Radikale Milizen der Volksgruppe der Huti t\u00f6teten damals in gerade einmal 100 Tagen bis zu 800.000 Angeh\u00f6rige der Tutsi-Minderheit. Das war ein Fanal. Kagame wiederum regiert seit mittlerweile 25 Jahren in Ruanda, er hatte als Milizenf\u00fchrer mit f\u00fcr das Ende des Genozids gesorgt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Seine Anh\u00e4nger verk\u00fcnden, er habe das Land mittlerweile wieder vereint und wirtschaftlich stabilisiert. Diverse Menschenrechtsorganisationen sehen die Lage allerdings deutlich kritischer. Ihnen zufolge wird die Opposition eingesch\u00fcchtert und die Pressefreiheit eingeschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ende Juni etwa berichtete Human Rights Watch, dass Kagames langj\u00e4hrige Rivalin Victoire Ingabire verhaftet wurde, rechtzeitig vor der WM. Ihr wird die Bildung einer kriminellen Vereinigung und die Planung von Aktivit\u00e4ten zur Anstiftung der \u00f6ffentlichen Unruhe vorgeworfen. &#8222;Ingabires Verhaftung ist nur das j\u00fcngste Beispiel f\u00fcr die Gefahren politischer Opposition in Ruanda&#8220;, sagte Lewis Mudge, der Direktor der Zentralafrika-Abteilung von Human Rights Watch.<\/p>\n<p>    UCI beindruckt politische Situtation nicht<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Diese Gesamtsituation flankierte die Rad-WM vom Zeitpunkt ihrer Vergabe an. UCI-Pr\u00e4sident David Lappartient reagierte trotzig auf den Entschlie\u00dfungsantrag der EU, zumal die 17. Auflage der Ruanda-Rundfahrt reibungslos verlief. Es gebe &#8222;keinen Plan B&#8220;, sagte Lappartient, die WM werde in Ruanda stattfinden.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Rennszene von der 16. Etappe der Tour du Rwanda 2024.\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Vor Ort ist die Euphorie vor der Ankunft der Radstars sehr gro\u00df. Das Land besitzt eine gro\u00dfe Radsporttradition. Die Tour du Rwanda wird seit 2001 j\u00e4hrlich ausgetragen, das Zuschaueraufkommen bei dieser Rundfahrt ist au\u00dfergew\u00f6hnlich gro\u00df. Die Infrastruktur wird als sehr gut beschrieben. Bundestrainer Jens Zemke etwa sagt: &#8222;Ich glaube, das wird einmalig, gerade mit den Menschenmassen und der Begeisterung.&#8220;<\/p>\n<p>    Weltverband sieht gute Zukunftsperspektiven<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die UCI verspricht sich von der WM in Ruanda in erster Linie eine besondere F\u00f6rderung des afrikanischen Radsports. Sie unterh\u00e4lt seit 2002 an ihrem schweizerischen Stammsitz in Aigle ein Trainingszentrum, das den Titel &#8222;Centre Mondial du Cyclisme\u201c tr\u00e4gt. Dort gibt es eine Akademie, die junge Radsportler aufnimmt, die nicht aus den Radsport-Kernkontinenten Europa, Nordamerika oder Australien stammen und die ein olympisches Stipendium in den Disziplinen Bahn- und Stra\u00dfenradsport, Mountainbike oder BMX erhalten haben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ein Absolvent dieser Akademie ist der Eritreer Biniam Girmay, der im Sommer 2024 drei Etappen der Tour de France und das Gr\u00fcne Trikot gewann. Seine Erfolge holten Afrika erst so richtig auf die Landkarte des Radsports.<\/p>\n<p>    Aush\u00e4ngeschild Biniam Girmay<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Girmay sagte nach einigem Z\u00f6gern wegen der Schwere des Kurses seine Teilnahme an dem Profirennen am 28. September zu. Er appelliert aber unabh\u00e4ngig von den Bem\u00fchungen der UCI bei der Talentf\u00f6rderung an die World-Tour-Teams, ihre Scouts auch nach Afrika zu entsenden, &#8222;das ist essenziell f\u00fcr die Entwicklung des dortigen Radsports&#8220;. Und dort gebe es sehr viele Talente, die den Sprung ins UCI-Zentrum nach Aigle scheuen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr Girmay steht fest: &#8222;Die WM in Ruanda ist definitiv ein Meilenstein f\u00fcr den afrikanischen Radsport&#8220;. Das Event m\u00f6chte er deshalb live erleben, im Peloton.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 19.09.2025 \u2022 11:22 Uhr Erstmals hat der Radsport-Weltverband UCI die Weltmeisterschaften in ein afrikanisches Land vergeben. 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