{"id":8847,"date":"2026-04-24T05:01:58","date_gmt":"2026-04-24T05:01:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/8847\/"},"modified":"2026-04-24T05:01:58","modified_gmt":"2026-04-24T05:01:58","slug":"unsichtbare-besatzung-die-tuerkei-und-russland-in-libyen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/8847\/","title":{"rendered":"Unsichtbare Besatzung: Die T\u00fcrkei und Russland in Libyen"},"content":{"rendered":"<p>                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 Unsichtbar werden <\/p>\n<p>Als der Krieg zu Ende ging, die ausl\u00e4ndischen Streitkr\u00e4fte aber blieben, schienen die Ereignisse anf\u00e4nglich das mit der ausl\u00e4ndischen Milit\u00e4rpr\u00e4senz verbundene Spannungspotenzial zu unterstreichen. In der N\u00e4he der neuen Frontlinie in Sirte terrorisierte Wagner die Bev\u00f6lkerung, indem die S\u00f6ldner ein Wohngebiet <a href=\"https:\/\/cadmus.eui.eu\/bitstream\/handle\/1814\/70701\/QM-AX-21-014-EN-N.pdf?sequence=1&amp;isAllowed=y\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">beschoss<\/a>en, die Bewohner vertrieben, ihre H\u00e4user besetzten und die Umgebung verminten. Wer sich dem Gebiet n\u00e4herte, riskierte den <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/LCWNGO\/posts\/948989702217120\/?locale=ar_AR&amp;paipv=0&amp;eav=Afb-WgH-SkPdgNSY_9XcG_-cHYY6giOGcYhPqalOg2gPlIPYlWuYkRrlF8t-lpc23jA&amp;_rdr\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Tod<\/a>. In einem s\u00fcdlichen Vorort von Misrata richteten sich syrische K\u00e4mpfer in den H\u00e4usern vertriebener Bewohner ein, was Spannungen mit den Nachbarn sch\u00fcrte. Als es im August 2020 in Tripolis angesichts der Wirtschaftskrise und maroder \u00f6ffentlicher Dienstleistungen zu Protesten kam, prangerten die Demonstranten an, dass die syrischen K\u00e4mpfer in kostbaren US-Dollar bezahlt wurden, w\u00e4hrend Libyer kaum ihre Dinar-Geh\u00e4lter im \u00f6ffentlichen Dienst erhielten.<\/p>\n<p>Als die westlibyschen Gegner Haftars wieder in Rivalit\u00e4ten verfielen, versuchten manche, ihren Konkurrenten zu schaden, indem sie sie f\u00e4lschlicherweise beschuldigten, syrische K\u00e4mpfer in lokalen Konflikten einzusetzen. Unterdessen sch\u00fcrten Pro-Haftar-Propagandisten Wut und Angst, indem sie erfundene <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/watch\/?v=1883370101787010\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Geschichten<\/a> \u00fcber die Entf\u00fchrung libyscher Frauen durch syrische S\u00f6ldner verbreiteten.<\/p>\n<p>Dass die ausl\u00e4ndische Pr\u00e4senz eine Gegenreaktion provozieren w\u00fcrde, schien umso wahrscheinlicher, da Kontakte zwischen den S\u00f6ldnern und der einheimischen Bev\u00f6lkerung nicht ungew\u00f6hnlich und weitgehend unreguliert waren. In Sirte und Jufra tauchten Russen h\u00e4ufig in Gesch\u00e4ften und Restaurants auf und trugen zuweilen <a href=\"https:\/\/www.middleeasteye.net\/big-story\/libya-russia-wagner-mercenaries-sprayed-bullets\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">offen<\/a> Waffen. Sudanesische K\u00e4mpfer, die Haftar nicht mehr bezahlen konnte, wurden f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung zu einem noch gr\u00f6\u00dferen \u00c4rgernis, als sie anfingen, an Checkpoints Z\u00f6lle zu erheben und ihre Vorst\u00f6\u00dfe in den Treibstoffschmuggel zu Engp\u00e4ssen f\u00fcr libysche Verbraucher f\u00fchrten. In Tripolis verlie\u00dfen die Syrer auch regelm\u00e4\u00dfig zu Fu\u00df ihre St\u00fctzpunkte, um Lebensmittel einzukaufen. Im August 2021 <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/watch\/?ref=search&amp;v=403245067894986&amp;external_log_id=c348da03-3b36-4c8f-b602-db8a862864fa&amp;q=%D9%85%D8%B1%D8%AA%D8%B2%D9%82%D8%A9%20%D8%B3%D9%88%D8%B1%D9%8A%D9%8A%D9%86%20%D8%B9%D8%A7%D8%A6%D9%84%D8%A9%20%D9%84%D9%8A%D8%A8%D9%8A%D8%A9%20%D8%B3%D9%8A%D8%A7%D8%B1%D8%A9\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">protestierten<\/a> sie offen vor einer Basis gegen versp\u00e4tete Gehaltszahlungen.<\/p>\n<p>Seitdem aber ist die t\u00fcrkische, syrische und russische Pr\u00e4senz nach und nach weitgehend unsichtbar geworden. In Sirte zogen sich die Wagner-K\u00e4mpfer aus den von ihnen besetzten Gebieten im Laufe des Jahres 2021 in einen gesonderten Bereich auf dem Luftwaffenst\u00fctzpunkt Qardhabiya zur\u00fcck. Ihre Besuche in lokalen Gesch\u00e4ften in Sirte und Jufra, oft zusammen mit ihren syrischen \u00dcbersetzern, sind deutlich seltener geworden. Zeigen sie sich doch in der \u00d6ffentlichkeit, tragen sie nun ausnahmslos Zivilkleidung und signalisieren damit, dass sie an ihrem freien Tag unterwegs sind.<\/p>\n<p>In den s\u00fcdlichen St\u00fctzpunkten Brak und Tamanhant, wo die Russen ebenfalls pr\u00e4sent sind, sind sie au\u00dferhalb der St\u00fctzpunkte noch seltener anzutreffen, wie Anwohner berichten. Gespr\u00e4chspartner aus dem \u00e4u\u00dfersten S\u00fcden berichten, dass sie gelegentlich von russischen Besuchen an abgelegenen Orten wie Goldminen oder Milit\u00e4rbasen h\u00f6ren \u2013 aber selten, dass sie sie mit eigenen Augen gesehen haben.<\/p>\n<p>\u00c4hnliches gilt f\u00fcr die von der T\u00fcrkei stationierten syrischen K\u00e4mpfer. In Suq al-Khamis, s\u00fcdlich von Tripolis, hatten sich Anwohner fr\u00fcher dar\u00fcber beschwert, dass die syrischen K\u00e4mpfer oft zu Fu\u00df von einem dortigen St\u00fctzpunkt kamen. Seit mindestens einem Jahr beschr\u00e4nken sie sich jedoch auf eine w\u00f6chentliche Autofahrt zu lokalen Gesch\u00e4ften. Dies deutet darauf hin, dass ein Regime eingef\u00fchrt wurde, um die Interaktion mit der lokalen Bev\u00f6lkerung zu regulieren &#8211; was die <a href=\"https:\/\/nationalinterest.org\/blog\/middle-east-watch\/inside-bloody-business-turkey%E2%80%99s-syrian-mercenaries-204589?page=0%2C1\" target=\"_blank\" class=\"link--extern\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Langeweile<\/a> f\u00fcr die Syrer zu einem gro\u00dfen Problem macht.<\/p>\n<p>Die formelle t\u00fcrkische Milit\u00e4rpr\u00e4senz selbst ist noch weniger sichtbar und beschr\u00e4nkt sich auf einige wenige Milit\u00e4rst\u00fctzpunkte zwischen Misrata und der tunesischen Grenze. Au\u00dferhalb dieser St\u00fctzpunkte ist t\u00fcrkisches Milit\u00e4rpersonal nur \u00e4u\u00dferst selten anzutreffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Unsichtbar werden Als der Krieg zu Ende ging, die ausl\u00e4ndischen Streitkr\u00e4fte aber blieben, schienen die Ereignisse anf\u00e4nglich das&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":8848,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[28],"tags":[112,110,286,285,113,109,108,114,111],"class_list":{"0":"post-8847","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-libyen","8":"tag-aussenpolitik","9":"tag-deutsches-institut-fuer-internationale-politik-und-sicherheit","10":"tag-libya","11":"tag-libyen","12":"tag-sicherheitspolitik","13":"tag-stiftung-wissenschaft-und-politik","14":"tag-swp","15":"tag-unabhaengiges-forschungsinstitut","16":"tag-wissenschaftliche-politikberatung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116457933507088833","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8847","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8847"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8847\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8848"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8847"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8847"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8847"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}