{"id":8868,"date":"2026-04-24T05:35:48","date_gmt":"2026-04-24T05:35:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/8868\/"},"modified":"2026-04-24T05:35:48","modified_gmt":"2026-04-24T05:35:48","slug":"botswana-afrikas-vorzeige-land","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/8868\/","title":{"rendered":"Botswana: Afrikas Vorzeige-Land"},"content":{"rendered":"<p>Ndulamo Anthony Morima ist stolz auf seine Heimat. Jedes Jahr aufs Neue sei der 30. September f\u00fcr die Menschen in Botswana ein Tag der Freude, sagt der Autor und Politikanalyst, der in der Hauptstadt Gaborone lebt und arbeitet. Am 30. September 1966 verk\u00fcndete das Land seine Unabh\u00e4ngigkeit von Gro\u00dfbritannien. Anders als andere afrikanische L\u00e4nder erlangte Botswana seine Unabh\u00e4ngigkeit auf friedlichem Weg. Es gab keinen B\u00fcrgerkrieg, kein Blutvergie\u00dfen. Das gilt bis heute f\u00fcr das s\u00fcdafrikanische Land: &#8222;Von Anfang an hatten wir freie und faire Wahlen in einer Mehrparteien-Demokratie. Nie waren Oppositionsparteien gezwungen, sich zu verstecken&#8220;, sagt Morima. Auch das Rechtssystem sei unabh\u00e4ngig. &#8222;Manche Richter haben in sensiblen Angelegenheiten Urteile gegen die Regierung ausgesprochen &#8211; und die Regierung hat sie akzeptiert.&#8220;<\/p>\n<p>Auf dem Anti-Korruptionsindex der Nichtregierungsorganisation Transparency International rangiert Botswana seit Jahren sicher im oberen F\u00fcnftel.\u00a0Aktuell belegt es die Position 35 und ist damit das mit Abstand bestplatzierte Land auf dem afrikanischen Kontinent. Der Rohstoffreichtum, der in anderen Staaten Korruption noch vorantreibt, scheint Botswana gut zu tun. Zwar ist die Wirtschaft Botswanas noch immer stark vom Diamantenabbau und -Export abh\u00e4ngig, doch das Land hat es verstanden, die Erl\u00f6se der <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/funkelnd-selten-teuer-der-diamant\/a-19361558\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Diamantenproduktion<\/a>\u00a0in den Aufbau eines Gesundheitswesens zu stecken und die Wirtschaft ansatzweise zu diversifizieren.\u00a0<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"19368152\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/19368152_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Rohdiamant Lesedi La Rona, gefunden in Botswana\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>2015 entdeckten Minenarbeiter in Botswana diesen Rohdiamanten. &#8222;Lesedi La Rona&#8220; gilt als der drittgr\u00f6\u00dfte Diamant, der weltweit gefunden wurdeBild: Getty Images\/AFP\/D. Emmert<\/p>\n<p>Der ehemalige Pr\u00e4sident Festus Mogae erhielt 2008 den renommierten Mo-Ibrahim-Preis, eine Auszeichnung, die nur afrikanische Staats- und Regierungschefs erhalten k\u00f6nnen, die ihre Macht in einem demokratischen Prozess an einen Nachfolger \u00fcbergeben. Eine seltene Ehre, die f\u00fcr eine <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/die-verflixte-dritte-amtszeit-afrikas-pr\u00e4sidenten-wollen-l\u00e4nger-regieren\/a-18567008\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Vielzahl afrikanischer Langzeitherrscher<\/a> unerreichbar bleibt.<\/p>\n<p>Eine Stimme f\u00fcr Demokratie<\/p>\n<p>In Sachen Demokratie trotzt Botswana dem afrikanischen Trend &#8211; und macht sich damit bisweilen unbeliebt. So forderte Pr\u00e4sident Ian Khama 2013 eine Wiederholung der <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/sorge-wegen-wahl-manipulation\/a-16988617\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">umstrittenen Wahlen in Simbabwe<\/a> &#8211; sehr zum Missfallen des dortigen Staatschefs Robert Mugabe, heute 93\u00a0Jahre alt und \u00fcber 30 Jahre an der Staatsspitze. Der Dino unter Afrikas Pr\u00e4sidenten ist Kritik von Amtskollegen nicht gewohnt. <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/burundi-un-experten-warnen-vor-v\u00f6lkermord\/a-19566875\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Burundis Pr\u00e4sident Pierre Nkurunziza<\/a>\u00a0musste Kritik einstecken, als er sich 2015 verfassungswidrig f\u00fcr eine dritte Amtszeit w\u00e4hlen lie\u00df. Und S\u00fcdafrika bekam Schelte, als Sudans Pr\u00e4sident Omar al-Bashir nach einem Staatsbesuch unbehelligt in seine Heimat ausreisen konnte &#8211; trotz eines Haftbefehls vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag.<\/p>\n<p>&#8222;Fr\u00fcher hat Botswana auf Hinterzimmer-Diplomatie gesetzt&#8220;, sagt Analyst Morima. Doch die Zeiten h\u00e4tten sich ge\u00e4ndert. Die freiwillige Selbstkontrolle des <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/regierungsf\u00fchrung-afrika-will-selbstkontrolle-wiederbeleben\/a-19149124\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">African Peer Review Mechanism (APRM)<\/a>, eine Initiative der Afrikanischen Union, habe versagt, weil Staatschefs sie sabotiert h\u00e4tten. &#8222;Unsere Pr\u00e4sidenten haben keine Wahl, als Staatschefs zu verurteilen, die ihre Macht missbrauchen und ihr Volk leiden lassen.&#8220;<\/p>\n<p>Bleibt es frei und fair?<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"35918623\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/35918623_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Botsuanas Pr\u00e4sident Ian Khama an seinem Schreibtisch in der Hauptstadt Gaborone\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Muss auch Kritik einstecken: Pr\u00e4sident Ian KhamaBild: Reuters\/S. Sishi<\/p>\n<p>Doch auch vor der eigenen Haust\u00fcr kann Botswana noch kehren. Oppositionsparteien k\u00f6nnen zwar relativ frei agieren &#8211; \u00f6ffentliche Mittel stehen ihnen bisher aber nicht zur Verf\u00fcgung. Kritiker bem\u00e4ngeln zudem, dass die Wahlkommission strukturell zu nah an der Regierung angesiedelt sei. Und auch beim Schutz der Presse gibt es L\u00fccken. &#8222;Wir brauchen ein Gesetz zur Informationsfreiheit&#8220;, sagt Analyst Morima. Zurzeit sei es f\u00fcr Journalisten oft schwer, an Informationen zu gelangen, die in den H\u00e4nden der Regierung l\u00e4gen.<\/p>\n<p>Im <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/regierungspartei-gewinnt-in-botsuana\/a-18021752\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wahljahr 2014<\/a> mehrte sich die Kritik gegen den amtierenden Pr\u00e4sidenten Ian Khama. Es gab Berichte von Anschl\u00e4gen auf Aktivisten. Die Zeitung &#8222;Sunday Standard&#8220; berichtete von einem Autounfall, in den Ian Khama verwickelt sein sollte. Kurz darauf wurde Chefredakteur Outsa Mokone verhaftet. Auch Martin Adelmann, Politikwissenschaftler am Arnold-Bergstraesser-Institut in Freiburg, kritisiert den botswanischen Pr\u00e4sidenten: Das positive Bild des Landes habe aufgrund des autorit\u00e4ren Regierungsstils von Ian Khama, gelitten, schreibt er in einer Stellungnahme.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"18021763\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/18021763_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"San Volk in S\u00fcdafrika. Auch in Botswana leben San, Menschenrechtler kritisieren, dass sie dort unterdr\u00fcckt und aus ihrem Lebensraum vertrieben werden\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>J\u00e4ger der San, hier im s\u00fcdafrikanischen Teil der KalahariBild: Dan Kitwood\/Getty Images<\/p>\n<p>Keine Feierstimmung bei den San<\/p>\n<p>Ein weiteres Thema bietet Beobachtern Anlass zur Sorge: Die San, die wegen ihrer naturverbundenen Lebensweise oft als &#8222;Buschleute&#8220; bezeichnet werden, w\u00fcrden zunehmend zur Aufgabe ihrer Traditionen gezwungen, sagt Linda Poppe, Deutschland-Koordinatorin der Organisation Survival International. Dabei gebe es seit zehn Jahren ein wegweisendes Urteil des Obersten Gerichts, das den San das Recht zuspreche, auf ihrem Land zu leben und zu jagen. Doch die Regierung ignoriere dieses Urteil konsequent. &#8222;Botswana pr\u00e4sentiert sich als naturbewusstes Land, auch um Touristen anzulocken&#8220;, sagt Poppe. Die Regierung habe ein landesweites Jagdverbot verh\u00e4ngt &#8211; ohne R\u00fccksicht auf die San:&#8220;Die Buschleute st\u00f6ren da und wurden aufgefordert, das Gebiet zu verlassen.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ndulamo Anthony Morima ist stolz auf seine Heimat. Jedes Jahr aufs Neue sei der 30. 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