{"id":9015,"date":"2026-04-24T09:52:56","date_gmt":"2026-04-24T09:52:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/9015\/"},"modified":"2026-04-24T09:52:56","modified_gmt":"2026-04-24T09:52:56","slug":"schattenmenschen-sudanesische-fluechtlinge-in-ost-libyen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/9015\/","title":{"rendered":"Schattenmenschen &#8211; sudanesische Fl\u00fcchtlinge in Ost-Libyen"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/sudanfluechtlinge-libyen-100.jpg\" alt=\"Gefl\u00fcchtete aus dem Sudan in Libyen\" title=\"Gefl\u00fcchtete aus dem Sudan in Libyen | Anna Osius, WDR \"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 10.02.2024 \u2022 14:44 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        K\u00e4mpfe zwischen der sudanesischen Armee und Milizen haben Millionen Menschen vertrieben. Einige von ihnen, meist Frauen und Kinder, leben in Libyen &#8211; unter menschenunw\u00fcrdigen Bedingungen.\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/anna-osius-103.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Anna Osius\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/osius-ts-100.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es ist eine schwarze, mondlose Nacht. An einer der Ausfallstra\u00dfen von Shahad, einer kleinen Stadt in Ost-Libyen stehen ein paar Baracken. Die Menschen sind fast nicht zu erkennen in der Dunkelheit. Als unser Auto h\u00e4lt, sind wir sofort umringt von Kindern. Kleine, dunkle Gestalten, die uns ihre H\u00e4nde entgegenstrecken. Wer hier lebt, hat nichts au\u00dfer dieses Lager.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sie stammen aus dem Sudan, berichtet Fatuma. Sie haben die Not hinter sich gelassen, den Krieg. Manche sind erst jetzt gekommen, manche sind schon lange da.<\/p>\n<p>    Leben zwischen und vom M\u00fcll<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Fatuma l\u00e4sst uns in ihren Raum, den man kaum so nennen kann: Ein zugiger Verschlag, der an einen Kuhstall erinnert, vollgestopft mit Plastikm\u00fcll, Lumpen und Altkleidern. Alles, was sie finden konnten, sammeln sie hier, um ein bisschen Geld damit zu machen. &#8222;Wir sammeln M\u00fcll von den D\u00e4mmen und Stra\u00dfen, Coladosen, Plastikt\u00fcten, Nylon, das sammeln wir und verkaufen es an Recyclingfirmen. Wir gehen auch putzen. Davon leben wir.&#8220;<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Die Frauen sammeln alles, was sich irgendwie verkaufen l\u00e4sst.\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Zwischen den M\u00fcllbergen schlafen sie, Fatuma und ihre f\u00fcnf Kinder. Das Wellblechdach \u00fcber ihnen ist nicht dicht. Es ist eisig kalt im Winter, sagen sie. Eine einzelne Gl\u00fchbirne taucht die Baracke in ein D\u00e4mmerlicht und l\u00e4sst die Szene fast gespenstisch wirken. &#8222;Wir brauchen Decken im Winter, niemand hat hier Decken. Wir m\u00fcssen essen und trinken. Niemand hilft uns au\u00dfer Gott.&#8220;<\/p>\n<p>    Die M\u00e4nner sind verschwunden &#8211; aus vielen Gr\u00fcnden<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nebenan wohnt Fatih mit seiner Mutter und seiner Familie. Der 15-J\u00e4hrige und sein blinder Opa sind die einzigen M\u00e4nner hier. Ansonsten gibt es nur Frauen und Kinder. Wo die M\u00e4nner sind? Die Frauen schauen betreten. Manche wurden verlassen, manche wollen nicht dar\u00fcber sprechen. Vielleicht haben die M\u00e4nner die lebensgef\u00e4hrliche \u00dcberfahrt gewagt nach Europa, die meisten Schmugglerboote auf dem Mittelmeer kommen aus Libyen. Vielleicht werden sie als Arbeitssklaven gehalten, bei den Milizen, die hier das Sagen haben. Wir wissen es nicht.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Der 15-j\u00e4hrige Fatih und sein blinder Opa sind die einzigen M\u00e4nner in dem Lager.\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Frauen aus dem Sudan sitzen hier fest und, es sind so viele: Hinter der ersten Reihe der Baracken steht eine zweite &#8211; hier hat jede nur einen winzigen Verschlag. Trotzdem versuchen sie, es sich irgendwie sch\u00f6n zu machen.<\/p>\n<p>    Ein kleines bisschen Geborgenheit<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Aziza hat ein Bett aufgetrieben, damit ihre vier Kinder schlafen k\u00f6nnen. Alle vier haben einen Gendefekt und sind geistig behindert. Sie m\u00fcssen noch gewickelt werden. Dieses Bett in dem Stall, mit einem Moskitonetz dar\u00fcber, fast ein Himmelbett &#8211; ein kleines Wunder, ein winziges Paradies inmitten der gr\u00f6\u00dften Not.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Aziza hat f\u00fcr ihre behinderten Kinder ein Bett besorgen k\u00f6nnen.\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Kinder werden zum Betteln losgeschickt, jeden Tag, und zum M\u00fcll sammeln. Aber die Menschen in Ost-Libyen haben selbst meist nicht viel. Und trotzdem &#8211; alles sei noch besser als der Sudan, sagen die Frauen. Und sie machen sich Sorgen: &#8222;Wir haben Familie im Sudan, aber wir k\u00f6nnen sie nicht mehr erreichen. Das Telefon ist tot.&#8220; Wer es aus dem s\u00fcdlichen Afrika hierhin geschafft hat, hat oft eine lebensgef\u00e4hrliche Reise hinter sich und landet im Elend &#8211; rechtlos jeder Form von \u00dcbergriffen ausgeliefert.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Hinter den Baracken steht eine Villa. Sie geh\u00f6re dem Chef, der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde, sagen die Frauen. Er lasse die Menschen in den Vorschl\u00e4gen leben, die vermutlich vorher mal ein Stall waren und kassiere daf\u00fcr kr\u00e4ftig Miete, erz\u00e4hlen sie.<\/p>\n<p>    Keine Dokumente, keine Schule, keine Bildung<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">An der Wand der Baracke einige Kritzeleien auf Arabisch: Da hat der 15-j\u00e4hrige Fatih versucht, sich selbst Lesen und Schreiben beizubringen. Er m\u00f6chte sp\u00e4ter Arzt werden, sagt er. Keines der Kinder geht hier zur Schule, erz\u00e4hlen sie: Dazu br\u00e4uchten sie Geld, das sie nicht haben &#8211; und einen Pass. Und den hat hier kaum einer. Es gibt keine Papiere. Keine Dokumente, keine Bildung.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Wir sind Menschen, die es nicht gibt&#8220;, sagt eine der M\u00fctter. Schattenmenschen. &#8222;Mein Traum f\u00fcr die Zukunft? Ich w\u00fcnsche mir nur eines: Dass meine Kinder etwas lernen k\u00f6nnen, dass sie zur Schule gehen k\u00f6nnen, dass sie auf dem rechten Weg bleiben.&#8220;<\/p>\n<p>    Europa ist weit &#8211; zu weit<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ein paar Frauen haben einen winzigen Fernseher aufgetrieben, der ihnen geschenkt wurde. Mit einer kleinen Antenne dar\u00fcber. Gerade flimmert ein Heimatfilm aus Europa mit arabischen \u00dcbersetzungen \u00fcber den Bildschirm, eine Schnulze aus den Bergen. Die perfekte Idylle, es gibt H\u00e4user, Natur, Sauberkeit.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr ein paar Minuten entfliehen die Frauen ihrem Sein &#8211; tr\u00e4umen sich nach Europa. Ob auch sie mal auf eines dieser wackligen Boote gehen? Nein, beteuern sie, und schauen schnell wieder auf den Fernseher: Die Illusion von Gl\u00fcck auf der anderen Seite des Meeres.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 10.02.2024 \u2022 14:44 Uhr K\u00e4mpfe zwischen der sudanesischen Armee und Milizen haben Millionen Menschen vertrieben. 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