{"id":9106,"date":"2026-04-24T12:09:08","date_gmt":"2026-04-24T12:09:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/9106\/"},"modified":"2026-04-24T12:09:08","modified_gmt":"2026-04-24T12:09:08","slug":"mutter-aus-madagaskar-die-auslaenderbehoerde-hat-gewonnen-mutter-und-kleinkind-reisen-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/9106\/","title":{"rendered":"Mutter aus Madagaskar: \u201eDie Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde hat gewonnen\u201c \u2013 Mutter und Kleinkind reisen aus"},"content":{"rendered":"<p>Am 30. April h\u00e4tte sie ausreisen m\u00fcssen. Dem ist die Mutter aus Madagaskar nun zuvorgekommen. Ihre Abreise ber\u00fchrt alle im Stuttgarter Weraheim.<\/p>\n<p>Eine Whats App-Nachricht ist das letzte Lebenszeichen. \u201eDanke. Es geht uns gut\u201c hat Malala Ravalolna (Namen ge\u00e4ndert) am Dienstag nach Ostern geschrieben. Mehr nicht. Keinen Ort, keine Details. Wir, das sind die 32-j\u00e4hrige Madagassin und ihr knapp zwei Jahre alter Sohn Kim. <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.kleinkind-muss-ausreisen-stadt-stuttgart-bleibt-hart-mutter-meine-welt-ist-zusammengebrochen.a68a1527-f46f-4576-bb8c-6386a445246e.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Die kurze Nachricht markiert das Ende einer f\u00fcr beide nervenaufreibenden Zeit in Deutschland.<\/a> Und sie ist der Abbruch aller Beziehungen zu den Menschen, die versucht haben, die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Mutter\" title=\"Mutter\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mutter<\/a> in ihrer verzweifelten Situation zu unterst\u00fctzen \u2013 und ihr letztlich aufgrund der Rechtslage aber nicht helfen konnten. Wie es Malala nun geht und wo sie sich befindet, wissen sie nicht. Sie k\u00f6nnen nur hoffen, dass es ihr wirklich gut geht.<\/p>\n<p>Schwangerschaft der Madagassin ver\u00e4nderte alles <\/p>\n<p>Denn Malala war mit dem Neugeborenen wenige Tage nach seiner Geburt im Glauben, ein Kind geh\u00f6re zu seiner Mutter, wieder nach Stuttgart gereist, ohne f\u00fcr ihn ein Visum zu beantragen. Damit war das Kind illegal in Deutschland. Und sie selbst verf\u00fcgte durch das Aussetzen ihrer Ausbildung aus Sicht der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde nicht mehr \u00fcber das f\u00fcr eine Verl\u00e4ngerung ihres Aufenthaltstitels notwendige Einkommen. <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.start-ins-leben-im-weraheim-warten-aufs-kind-wie-ist-das-wenn-immer-ernstfall-sein-koennte.4ada3764-f91a-4a19-a36f-06c3be5314a2.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Auf Vermittlung der Jugendamtes war sie im Stuttgarter Weraheim, einer Mutter-Kind-Einrichtung, untergekommen.<\/a> Dort fanden sie und ihr Sohn Unterst\u00fctzung \u2013 als frischgebackenen Mutter und als Mensch, der sich mit vielen ausl\u00e4nderrechtlichen H\u00fcrden konfrontiert sah. Auch Kim brauchte F\u00f6rderung, weil er an einer Entwicklungsverz\u00f6gerung leidet. <\/p>\n<p>Was bedeutet der Fall der madagassischen Mutter f\u00fcr andere? <\/p>\n<p>Nachdem diese Zeitung \u00fcber den Fall berichtet hat, boten mehrere Privatpersonen und eine Stiftung an, Malala finanziell unterst\u00fctzen zu wollen. Und im Weraheim fragt man sich nun einmal mehr, ob der Fall \u00fcber sich hinausweist. Zwar ist jede Lebensgeschichte der Frauen im Weraheim anders. Aber es sind immer wieder auch solche darunter, deren Fall \u00e4hnlich ist. Und eigentlich sind alle Sozialarbeiterinnen und keine Juristinnen. Sie fragen sich jetzt: Wie viel Hoffnung k\u00f6nnen wir Frauen machen, wenn wir sie nachher m\u00f6glicherweise entt\u00e4uschen m\u00fcssen? \u201eDiese Erkenntnis ist erschreckend\u201c, sagt Sabine Bauer vom Vorstand des Weraheims. Denn Sozialarbeit ist Beziehungsarbeit und fu\u00dft auf N\u00e4he zu den Klientinnen. <\/p>\n<p>Eine von Malalas Betreuerinnen arbeitete sich zwar tief ins Migrationsrecht ein, kann inzwischen Paragrafen des Ausl\u00e4nderrecht auswendig und <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.onlineservice-ausgebaut-auslaenderamt-macht-fortschritte-ist-aber-nicht-ueberm-berg.caf27672-daaa-4d22-b574-2949f5f526fe.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"> begleitete Malala bei ihren G\u00e4ngen auf die Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde, gegen die immer wieder ins Haus flatternden Grenz\u00fcbertrittsbescheinigungen, die f\u00fcr Mutter und Kind ein Datum zur Ausreise aus Deutschland anordneten, <\/a>konnte auch sie nichts ausrichten. Entsprechend desillusioniert erz\u00e4hlt sie von Malalas letzten Tagen in Stuttgart. Als habe sie Angst, von ihrem Entschluss abgebracht zu werden, unter ihr Leben in Deutschland einen Schlussstrich ziehen zu wollen, zog sie sich immer mehr in sich zur\u00fcck. Denn zuletzt hing ein Brief der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde, der den 30. April als Ausreisedatum festsetzte, wie ein Damoklesschwert \u00fcber Mutter und Sohn. Das hie\u00df f\u00fcr sie: zur\u00fcck auf Anfang nach Madagaskar. <\/p>\n<p>Dabei hatte Malala gerade noch den Einb\u00fcrgerungstest mit voller Punktzahl bestanden. \u201eSie hat so viel gemacht, um zu zeigen, dass sie sich integrieren will\u201c, sagt Sabine Bauer vom Vorstand des Weraheimes. <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.ramzi-awat-nabi-ist-wieder-da-abgeschobener-student-in-stuttgart-gelandet.1d778900-4892-4809-9a67-53506f1ad5cb.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Aber auf dem Weg dorthin kamen der jungen Mutter aber offenbar die Zuversicht und der Durchhaltewillen abhanden<\/a>. \u201eSie hatte keine Chance, ihren Fehler zu korrigieren. Was bleibt bei ihr nun von Deutschland in Erinnerung\u201c, fragt Sabine Bauer. Ein Geschehen wie dieses l\u00e4sst auch sie und ihre Kolleginnen nicht unber\u00fchrt. Und es mache den anderen Frauen im Haus nat\u00fcrlich Angst. <\/p>\n<p>Wie nimmt man Abschied? <\/p>\n<p>Wie geht man, wenn man keine Hoffnung mehr hat? Wie nimmt man Abschied? Wie h\u00e4lt man das aus? Malala entschied sich offenbar f\u00fcr ein Ende mit Schrecken und gegen den Schrecken ohne Ende. \u201eMeine Mandantschaft hatte nicht mehr die Nerven, sich mit der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde auseinanderzusetzen\u201c, sagt Frank Theumer, der Malala und ihren Sohn vertreten hat. Malala habe ihm gegen\u00fcber ge\u00e4u\u00dfert, \u201edass die Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde jetzt gewonnen hat\u201c. Immer wieder habe er gegen deren Verf\u00fcgungen Widerspruch eingelegt, so Theumer. <\/p>\n<p>Es war kein f\u00fcr Malala w\u00fcrdiger Abschied, fast fluchtartig war er, sagt ihre Betreuerin. Denn zumindest den hatten sie liebevoll gestalten wollen. Malala wollte f\u00fcr die Frauen in der Wohngruppe noch einmal kochen. In den Tagen zuvor hatte sie ihre Sachen sortiert, einen gro\u00dfen Teil wollte sie dem Heim spenden, den Rest wollte der Vater ihres Sohnes, von dem sie getrennt lebt, abholen. In der Nacht von Ostersamstag auf Ostersonntag holte Malala dann einen Koffer vom Dachboden, packte, was sie in ihren zwei Koffern unterbringen konnte, lie\u00df alles Spielzeug und den Kinderwagen zur\u00fcck und bestellte ein Taxi, dass sie offenbar zum Flughafen brachte. Entgegen dem Plan und f\u00fcr alle \u00fcberraschend. <\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/media.media.2fda675a-7e9b-49f2-99ca-6a7f4e57c795.original1024.media.jpeg\"\/>     Malala Ravalolna mit ihrem Sohn    Foto: Julia Paasch    <\/p>\n<p>\u201eIch habe kein Gl\u00fcck mehr und keine Hoffnung\u201c, hatte sie in den Tagen zuvor immer wieder zu ihrer Betreuerin gesagt. All das sei ihr genommen worden. Sie wollte nicht mehr weiter k\u00e4mpfen und akzeptiere, dass sie hier nicht gewollt sei. Ihr Zimmer sah aus, als sei sie nur mal eben rausgegangen und w\u00fcrde gleich wiederkommen. Auf dem Tisch stand noch das Fr\u00fchst\u00fcck. Doch als habe sie noch einmal zeigen wollen, wie deutsch sie mittlerweile denke, hatte sie in den Tagen davor ihren Sohn von der Kita abgemeldet, Arzttermine abgesagt, beide im B\u00fcrgerb\u00fcro abgemeldet, die Best\u00e4tigung an die Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde geschickt, ihre Ausbildungsstelle und die Krankenkasse gek\u00fcndigt. <\/p>\n<p> Hoffen auf ein Lebenszeichen <\/p>\n<p>Ihr Anwalt sagt, diese Woche habe er von der Beh\u00f6rde best\u00e4tigt bekommen, dass sein Widerspruch aufschiebende Wirkung habe. Die Zeit, die er damit gewinnen wollte, wollte Malala offenbar nicht mehr nutzen. \u201eIch denke, dass meine Mandantschaft nun nervlich so am Ende ist, dass sie den Druck der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde nicht mehr aush\u00e4lt\u201c.<\/p>\n<p>Am 30. April, dem Tag der von der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde angeordneten Ausreise, will ihre Betreuerin Malala noch einmal schreiben und fragen, wie es ihr und ihrem Sohn gehe. Ihr sagen, dass sie an sie denke und dass sie sich \u201e\u00fcber ein Bild freuen w\u00fcrde\u201c. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am 30. April h\u00e4tte sie ausreisen m\u00fcssen. Dem ist die Mutter aus Madagaskar nun zuvorgekommen. 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