{"id":9325,"date":"2026-04-24T17:51:02","date_gmt":"2026-04-24T17:51:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/9325\/"},"modified":"2026-04-24T17:51:02","modified_gmt":"2026-04-24T17:51:02","slug":"libyen-verfaellt-in-gaddafi-nostalgie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/9325\/","title":{"rendered":"Libyen verf\u00e4llt in Gaddafi-Nostalgie"},"content":{"rendered":"<p>In den letzten zehn Jahren haben die Libyer unter Instabilit\u00e4t, B\u00fcrgerkrieg, unkontrollierten bewaffneten Milizen und korrupten Politikern gelitten. Seit 2014 wurden keine Wahlen mehr abgehalten. Au\u00dferdem hat die Terrormiliz ISIS das Land zu einem ihrer wichtigsten Einsatzgebiete gemacht. Libyen wurde zu einem Haupttor f\u00fcr Menschenschmuggel nach Europa, worauf die europ\u00e4ischen Regierungen mit entsprechender Ver\u00e4rgerung reagierten.<\/p>\n<p>Regionale und internationale Konflikte um Ressourcen in Libyen halten das Land ebenfalls instabil. Die T\u00fcrkei hat milit\u00e4rische Pr\u00e4senz im Westen Libyens, <a href=\"https:\/\/www.dandc.eu\/de\/article\/als-die-weltmarktpreise-die-hoehe-schnellten-produzierte-das-von-unruhen-geplagte\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Russland <\/a>im Osten des Landes. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Katar haben verschiedene von Libyen betriebene Medien finanziert und aufgebaut, die durch Hassreden und andere Inhalte Gewalt und Konflikte sch\u00fcren. \u00c4gypten und Algerien waren nie besonders hilfreich bei der Stabilisierung ihres Nachbarn, und Tunesien wurde durch den Konflikt in Libyen selbst wirtschaftlich schwer getroffen.<\/p>\n<p>Angesichts dieser verheerenden Situation tr\u00e4umen viele Libyer, die sich vor zehn Jahren f\u00fcr eine bessere Zukunft starkmachten, wieder von der Vergangenheit und erinnern sich trotz aller Entbehrungen mit Nostalgie an die Gaddafi-\u00c4ra. Diese Nostalgie hat ihre Wurzeln in den R\u00fcckschl\u00e4gen der letzten zehn Jahre, aber auch in der <a href=\"https:\/\/www.dandc.eu\/de\/article\/umstrittene-staatliche-subvention-fuehrt-zu-einer-heiratswelle-libyen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">stetig abnehmenden Lebensqualit\u00e4t<\/a> in allen Bereichen, etwa der Infrastruktur des Landes. \u201eWir hatten einen gro\u00dfen Flughafen mit t\u00e4glichen Fl\u00fcgen zu Dutzenden von Zielen, einschlie\u00dflich Europa. Jetzt haben wir nur noch einen sehr kleinen und bescheidenen Flughafen mit Fl\u00fcgen zu nur vier oder f\u00fcnf Zielen\u201c, sagt der libysche Reiseveranstalter Fouad Fazzani.<\/p>\n<p>Umfangreicher und dauerhafter wirtschaftlicher Schaden<\/p>\n<p>Der internationale Flughafen von Tripolis wurde 2014 in einem der historisch schwersten Gefechte zwischen Milit\u00e4r und Zivilisten in Brand gesteckt. Seitdem ist der ehemalige Inlandsflughafen Mitiga in Betrieb. Die Reisebranche ist von der schwierigen Situation in Libyen stark betroffen, doch damit ist sie nur eine von vielen. Sie hat Milliarden von Dollar verloren und Tausende ihren Arbeitsplatz. Fazzani f\u00fcgt hinzu: \u201eEinige Jahre vor der Revolution haben wir begonnen, viele Touristen zu beherbergen und f\u00fcr sie Reisen durch ganz Libyen zu organisieren. Jetzt ist dieser vielversprechende Wirtschaftszweig aufgrund der verheerenden Situation seit 2011 zerst\u00f6rt worden.\u201c<\/p>\n<p>Au\u00dferdem wurden die meisten Investitionen in Immobilienprojekte eingefroren und bereits errichtete Baustellen aufgegeben. Ein Beispiel daf\u00fcr ist das \u201eGreat-Man-Made-River\u201c-Projekt, einst das weltweit gr\u00f6\u00dfte Trinkwasser-Pipeline-Projekt f\u00fcr eine bessere Wasserversorgung der Bev\u00f6lkerung und Landwirtschaft. Der Ausbau einer der letzten Phasen des Projekts, die den Dschabal Nafusa, ein arides Bergland im Nordwesten des Landes, versorgen sollte, wurde nach der Revolution eingestellt.<\/p>\n<p>Die finanziellen Ressourcen Libyens befinden sich weitgehend in den H\u00e4nden korrupter Politiker, die mit bewaffneten Milizenf\u00fchrern verb\u00fcndet sind und von verschiedenen ausl\u00e4ndischen Akteuren wie Russland, der T\u00fcrkei, Katar und den VAE unterst\u00fctzt werden. Viele Libyer sehen die Situation so: Alle verfolgen ihre eigenen Interessen, w\u00e4hrend das Volk darum k\u00e4mpft, seine Kinder zu ern\u00e4hren.<\/p>\n<p>\u201eAndere L\u00e4nder wollen die Situation in Libyen instabil halten, indem sie die Menschen mit den von ihnen gegr\u00fcndeten Milizen ver\u00e4ngstigen. Sie nutzen korrupte Politiker als Instrumente, um unsere Ressourcen in ihrem Namen zu stehlen\u201c, sagt Doukali Meghri, ein Politikanalyst aus Libyen. Er f\u00fcgt hinzu: \u201eDeshalb unterst\u00fctzen diese L\u00e4nder auch weiterhin die verschiedenen lokalen Konfliktparteien. Sie wollen, dass sie sich weiterhin gegenseitig bek\u00e4mpfen. Wahlen w\u00e4ren nicht in ihrem Interesse, denn jeder will seine korrupten Abgeordneten und politischen Verb\u00fcndeten behalten.\u201c<\/p>\n<p>Doch selbst die Verzweiflung \u00fcber die aktuelle Lage kann nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, wie sehr Gaddafi in den 42 Jahren seiner Herrschaft seinem Land und seinem Volk geschadet hat. Er hat sich nicht nur viele Feinde in der Welt gemacht, die Menschenrechte verletzt und die Meinungsfreiheit massiv unterdr\u00fcckt, sondern es auch vers\u00e4umt, wichtige Bereiche wie Bildung und Gesundheit zu entwickeln. Dabei verf\u00fcgt das Land \u00fcber enorme Ressourcen. Bis heute leiden die Libyer unter den Folgen dieser Vernachl\u00e4ssigung.<\/p>\n<p>Moutaz Ali ist Journalist und lebt in Tripolis, Libyen.<br \/><a href=\"https:\/\/www.dandc.eu\/de\/article\/mailto:ali.moutaz77@gmail.com\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ali.moutaz77@gmail.com<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In den letzten zehn Jahren haben die Libyer unter Instabilit\u00e4t, B\u00fcrgerkrieg, unkontrollierten bewaffneten Milizen und korrupten Politikern gelitten.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":9326,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[28],"tags":[286,285],"class_list":{"0":"post-9325","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-libyen","8":"tag-libya","9":"tag-libyen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116460957525150684","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9325","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9325"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9325\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9326"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9325"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9325"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9325"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}