{"id":9562,"date":"2026-04-25T02:17:27","date_gmt":"2026-04-25T02:17:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/9562\/"},"modified":"2026-04-25T02:17:27","modified_gmt":"2026-04-25T02:17:27","slug":"putsch-im-niger-die-letzte-bastion-im-sahel-wankt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/9562\/","title":{"rendered":"Putsch im Niger: Die letzte Bastion im Sahel wankt"},"content":{"rendered":"<p>Aus der Ferne betrachtet wirkte <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/niger\/t-18137154\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Niger<\/a> lange wie die letzte Bastion der Stabilit\u00e4t im Sahel: 2021 gl\u00fcckte noch ein demokratischer Machtwechsel an der Staatsspitze, w\u00e4hrend in den Nachbarl\u00e4ndern <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/mali\/t-17601124\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mali<\/a> und <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/burkina-faso\/t-18030005\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Burkina Faso<\/a> in rascher Folge die Armeen vier Mal putschten. Ein Putschversuch in den Tagen der Amts\u00fcbernahme blieb erfolglos.<\/p>\n<p>Doch nun ist auch der <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/kommentar-niger-noch-ein-stabilit\u00e4tsanker-im-unsicheren-sahel\/a-52406496\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Anschein von Stabilit\u00e4t im Niger<\/a> dahin: Mitglieder der Pr\u00e4sidentengarde setzten Staatsoberhaupt Mohamed Bazoum fest. Ein <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/milit\u00e4rputsch-im-niger-pr\u00e4sident-bazoum-ist-abgesetzt\/a-66355892\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Milit\u00e4rsprecher erkl\u00e4rte den Pr\u00e4sidenten im Staatsfernsehen f\u00fcr abgesetzt<\/a> und die Institutionen der siebten Republik f\u00fcr aufgel\u00f6st.<\/p>\n<p>Bazoum selbst will das offenbar nicht hinnehmen: &#8222;Alle hart erk\u00e4mpften Errungenschaften werden gewahrt&#8220;, schrieb er auf Twitter. Daf\u00fcr w\u00fcrden alle demokratie- und freiheitsliebenden Nigrer sorgen. Au\u00dfenminister Hassoumi Massoudou sprach lediglich von einem &#8222;Putschversuch&#8220;: Die Armee stehe nicht als Ganzes dahinter, sagte er dem Sender France 24.<\/p>\n<p>Inzwischen hat sich das Milit\u00e4rkommando der Armee jedoch hinter die putschenden Einheiten gestellt. Damit soll offenbar eine Frontenbildung vermieden werden, die schlimmstenfalls zu einem <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/im-sudan-hat-frieden-keinen-vorrang\/a-66188741\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Krieg wie im Sudan<\/a> f\u00fchren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Wie gro\u00df war die Unzufriedenheit mit Pr\u00e4sident Mohamed Bazoum?<\/p>\n<p>&#8222;Der Pr\u00e4sident hat den Fehler begangen, den Sicherheitsapparat nicht sofort unter seine Kontrolle zu bringen. Er hat sich nicht die Zeit genommen, diesem Sicherheitsapparat seinen eigenen Stempel aufzudr\u00fccken&#8220;, sagte Seidick Abba, Journalist aus Niger, im Gespr\u00e4ch mit der DW.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"66359957\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/66359957_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"ARCHIV Portr\u00e4tfoto von Nigers Pr\u00e4sident Mohamed Bazoum \" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Pr\u00e4sident Mohamed Bazoum im M\u00e4rz in seinem Palast &#8211; nun hat seine eigene Garde ihn offenbar festgesetztBild: Boureima Hama\/AFP\/AP\/dpa\/picture allaince<\/p>\n<p>Bazoum war bei seinem Wahlsieg im Februar 2021 auch von seinem Vorg\u00e4nger und Parteifreund Mahamadou Issoufou unterst\u00fctzt worden, <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/horst-k\u00f6hler-issoufous-verfassungsgem\u00e4\u00dfer-abgang-wirklich-preisw\u00fcrdig\/a-56852295\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">der nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten durfte<\/a>. Der Journalist und Analyst Moussa Aksar sagte im DW-Gespr\u00e4ch, Bazoum werde als <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/niger-die-grosse-aufgabe-des-mohamed-bazoum\/a-57080687\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">&#8222;perfekte Kopie&#8220; seines Vorg\u00e4ngers<\/a> wahrgenommen, zum Leidwesen vieler Nigrer: &#8222;Die Regierung hat sich nicht ge\u00e4ndert. Sie hat den Kampf gegen die Korruption versprochen. Aber Mitglieder der Regierungspartei, die strafbare Handlungen begangen haben, wurden nicht behelligt.&#8220;<\/p>\n<p>Schon seit Issoufous Amtszeiten erh\u00f6hte die regierende Nigrische Partei f\u00fcr Demokratie und Sozialismus (PNDS) den Druck auf die Opposition. Bounty Diallo, Sozialwissenschaftler an der Universit\u00e4t Abdou Moumouni in Niamey, warf ihr im DW-Interview fehlende demokratische Kultur vor: &#8222;Anstatt eine funktionierende Opposition zuzulassen, versuchen sie, eine Einheitspartei zu schaffen.&#8220; Das f\u00fchre letztlich zu Frustrationen.<\/p>\n<p>Wie ist die Stimmung in der Hauptstadt Niamey?<\/p>\n<p>DW-Korrespondent Gazali Abdou hat sich in der Hauptstadt Niamey umgeh\u00f6rt. Ein Mann sagte, das Milit\u00e4r und auch er selbst seien &#8222;nicht immer zufrieden mit Pr\u00e4sident Bazoum. F\u00fcr mich ist es also besser, es zu versuchen, und dann werden wir sehen, was mit dem neuen Machthaber passiert.&#8220;<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"66359005\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/66359005_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"&quot;Wir wollen keinen Putsch&quot; - mit diesem Transparent liefen Anh\u00e4nger von Mohamed Bazoum am Mittwoch durch Niamey\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>&#8222;Wir wollen keinen Putsch&#8220; &#8211; mit diesem Transparent liefen Anh\u00e4nger von Mohamed Bazoum am Mittwoch durch NiameyBild: Sam Mednick\/AP Photo\/picture alliance<\/p>\n<p>Andere dr\u00fcckten Sorgen vor einem Putsch und dessen m\u00f6glichen Folgen aus. Eine Frau sagte: &#8222;Es ist ein R\u00fcckschritt f\u00fcr unsere Demokratie, denn ein Staatsstreich ist schlecht f\u00fcr ein Land. Wir appellieren daher an die ECOWAS (die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft, d. Red.) und die internationale Gemeinschaft, etwas zu unternehmen.&#8220;<\/p>\n<p>Als sich der Putschversuch am Mittwoch abzeichnete, hatten Anh\u00e4nger von Pr\u00e4sident Bazoum bereits eine Kundgebung zu dessen Unterst\u00fctzung abgehalten. Am Tag darauf verw\u00fcsteten Anh\u00e4nger der Putschisten die Parteizentrale der PNDS.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"66368320\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/66368320_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Anh\u00e4nger der Putschisten steckten sind auf der Stra\u00dfe nahe der PNDS-Parteizentrale zwischen schwarzen Rauchs\u00e4ulen und Autos zu sehen\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Anh\u00e4nger der Putschisten steckten nahe der PNDS-Parteizentrale unter anderem Autos in BrandBild: AFP<\/p>\n<p>Wie beliebt Bazoum in der Bev\u00f6lkerung tats\u00e4chlich ist, ist schwer zu sagen. Neben seiner eigenen Regierungsbilanz nennt der Journalist und Analyst Aksar noch einen weiteren Faktor, der seinen R\u00fcckhalt einschr\u00e4nken d\u00fcrfte: &#8222;Es gibt auch den Einfluss der sozialen Medien, vor allem im Hinblick auf das, was in Burkina Faso oder Mali passiert. Dort ist eine antifranz\u00f6sische Stimmung zu beobachten, die die Gesellschaft vergiftet &#8211; auch die des Niger.&#8220; <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/putschversuch-mali-zunehmend-isoliert\/a-61838605\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Die in Mali herrschende Milit\u00e4rjunta vollzieht eine Abwendung von der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich<\/a> und <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/wagner-gruppe-in-afrika-viel-mehr-als-nur-s\u00f6ldner\/a-64810830\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">hin zu Russland<\/a> &#8211; offenbar auch unterst\u00fctzt durch <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/russlands-propaganda-pl\u00e4ne-in-afrika\/a-63862032\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">pro-russische Propaganda<\/a> in sozialen Medien.<\/p>\n<p>Was bedeuten die Ereignisse f\u00fcr die Region?<\/p>\n<p>Bazoum hingegen galt als verl\u00e4sslicher Partner des Westens, unter dem Niger noch eine gewichtigere Rolle zukommen sollte: Wenn der internationale Milit\u00e4reinsatz in Mali in f\u00fcnf Monaten endet,\u00a0<a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/mali-und-niger-wie-es-mit-bundeswehr-und-deutscher-hilfe-weitergeht\/a-65310836\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">bleibt Niger als einziger Standort f\u00fcr westliche Truppen \u00fcbrig<\/a>, die einen v\u00f6lligen Kollaps der Sicherheit im Sahel verhindern sollen. Seit Jahren intensivieren islamistische Terrorgruppen ihre Aktivit\u00e4ten in der gesamten <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/sahelzone\/t-66161192\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sahelzone<\/a>\u00a0und ver\u00fcben immer wieder blutige Anschl\u00e4ge &#8211; <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/nigers-verzweifelter-kampf-gegen-den-terror\/a-56908566\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">auch im Niger<\/a>. Bundesau\u00dfenministerin Annalena Baerbock und Entwicklungsministerin Svenja Schulze signalisierten nach dem Putsch ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr Bazoum und forderten die R\u00fcckkehr zur verfassungsgem\u00e4\u00dfen Ordnung.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"65298571\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/65298571_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Pistorius und Schulze besuchen Sahelregion\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Sicherheit und Entwicklung: Die Bundesregierung, hier Entwicklungsministerin Svenja Schulze und Verteidigungsminister Boris Pistorius, baute gro\u00dfe Teile ihrer Sahel-Politik auf einem stabilen Niger aufBild: Michael Kappeler\/dpa\/picture alliance<\/p>\n<p>Frankreich hat seine letzten Truppen bereits im vergangenen Jahr von Mali nach Niger verlegt &#8211; <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/neuer-bundeswehreinsatz-in-niger-beschlossen\/a-65469265\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">der Schritt steht der Bundeswehr noch bevor<\/a>, und hierf\u00fcr war das Drehkreuz in Niger bislang fest eingeplant.<\/p>\n<p>&#8222;Jetzt ist die Illusion dahin, dass\u00a0Niger\u00a0ein sehr stabiles Land ist, das andere L\u00e4nder der Sahelzone stabilisieren k\u00f6nnte&#8220;, sagt Ulf Laessing, Leiter des Sahel-B\u00fcros der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung im malischen Bamako. &#8222;Von dem Putsch profitieren werden dschihadistische Gruppen, die im Dreil\u00e4ndereck mit Mali und Burkina Faso aktiv sind, n\u00e4mlich der Islamische Staat und JNIM.&#8220;<\/p>\n<p>In Niger bilden die Bundeswehr und ihre Partner bereits seit 2018 Soldaten aus &#8211; derzeit befindet sich eine EU-Mission im Aufbau. Der Putsch k\u00f6nnte diese Projekte in einem anderen Licht erscheinen lassen: Nach Angaben des &#8222;Spiegel&#8220;-Journalisten Matthias Gebauer soll mindestens einer der Beteiligten von der deutschen Ausbildung profitiert haben.<\/p>\n<p>Der nigerianische Analyst Gimba Kakanda erwartet, dass internationale Partner nun ihr Engagement in Niger zur\u00fcckfahren werden. Er rechnet mit Sanktionen und einer Verringerung der Entwicklungshilfe: &#8222;Das d\u00fcrfte die Regierung zum Verzweifeln bringen, und zu einem harten Regime gegen\u00fcber der eigenen Bev\u00f6lkerung. Und das lenkt sie vom gr\u00f6\u00dferen Kampf ab, n\u00e4mlich dem Krieg gegen den Terror&#8220;, sagte Kakanda im DW-Interview. Das k\u00f6nne die Region weiter destabilisieren.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Mitarbeit: Nafissa Amadou, Josephine Mahachi, Eric Topona, Gazali Abdou (Niamey)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Aus der Ferne betrachtet wirkte Niger lange wie die letzte Bastion der Stabilit\u00e4t im Sahel: 2021 gl\u00fcckte noch&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":9563,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[243],"tags":[366],"class_list":{"0":"post-9562","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-niger","8":"tag-niger"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116462946986065832","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9562","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9562"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9562\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9563"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9562"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9562"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9562"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}