{"id":9577,"date":"2026-04-25T03:15:59","date_gmt":"2026-04-25T03:15:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/9577\/"},"modified":"2026-04-25T03:15:59","modified_gmt":"2026-04-25T03:15:59","slug":"libyen-bleibt-fuer-migranten-attraktiv-trotz-der-gefahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/9577\/","title":{"rendered":"Libyen bleibt f\u00fcr Migranten attraktiv trotz der Gefahren"},"content":{"rendered":"<p>Die Razzia der uniformierten libyschen Sicherheitskr\u00e4fte kam v\u00f6llig \u00fcberraschend. Am Mittwochmorgen st\u00fcrmten sie ein Caf\u00e9 in der K\u00fcstenstadt Zuwara in der N\u00e4he der tunesischen Grenze. Dort wartete eine Gruppe von Migranten auf potenzielle Arbeitgeber. Sie wurden zusammengetrieben und einige von ihnen wurden scheinbar wahllos verhaftetet und abgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Michael Shira ist 19 Jahre alt und stammt aus Nigeria. Auch er hielt sich an jenem Morgen im Caf\u00e9 auf, entging jedoch einer Verhaftung. &#8222;Wir leben in st\u00e4ndiger Angst&#8220;, erz\u00e4hlt er der DW. &#8222;Die libyschen Beh\u00f6rden verhaften gerade jeden Migranten, den sie nur sehen.&#8220;<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"69623168\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/69623168_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Zwei Migranten aus Afrika an der libysch-tunesischen Grenze in Ras Ajdir lagern hinter Stacheldraht am Boden\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>F\u00fcr viele Migranten f\u00fchrt der Weg nach Europa \u00fcber LibyenBild: Hazem Ahmed\/REUTERS<\/p>\n<p>Shira h\u00e4lt sich schon seit einigen Monaten in Libyen auf. Er sucht Arbeit und wartet auf eine Gelegenheit, per Boot nach Europa \u00fcberzusetzen. &#8222;Zuerst war ich in Tunesien, aber die tunesische Polizei war hinter mir her&#8220;, berichtet er. Bei dem Versuch, die Grenze nach <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/libyen\/t-18494374\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Libyen<\/a> zu \u00fcberqueren, wurde er fast von tunesischen Sicherheitskr\u00e4ften verhaftet. &#8222;Sie wollten uns Migranten an die libyschen Beh\u00f6rden \u00fcbergeben und jeder wei\u00df, was dann passiert&#8220;, meint der Teenager. In vielen F\u00e4llen enden Migranten wie er in den Internierungslagern Libyens.<\/p>\n<p>Wer liegt in den Massengr\u00e4bern?<\/p>\n<p>&#8222;Wir beobachten noch immer zahllose Menschenrechtsverletzungen gegen Migranten, Fl\u00fcchtlinge\u00a0und Asylsuchende\u00a0in Libyen&#8220;, klagt Liz Throssell, Sprecherin des UN-Hochkommissariats f\u00fcr Menschenrechte gegen\u00fcber der DW. Laut den <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/vereinte-nationen\/t-17280943\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Vereinten Nationen<\/a> z\u00e4hlen dazu <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/warum-lassen-sich-menschen-auf-schlepper-ein\/a-66085838\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Menschenschmuggel<\/a>, Folter, Zwangsarbeit, Erpressung, Hunger bei unzumutbaren Haftbedingungen, Massenvertreibungen und Menschenhandel. &#8222;All das findet im gro\u00dfen Stil und v\u00f6llig ungestraft statt, wobei staatliche und nicht-staatliche Akteure oft Hand in Hand arbeiten&#8220;, f\u00fcgt Throssell hinzu.<\/p>\n<p>Der UN-Hochkommissar f\u00fcr Menschenrechte Volker T\u00fcrk forderte die libyschen Beh\u00f6rden am Dienstag au\u00dferdem auf, ein k\u00fcrzlich entdecktes Massengrab im libysch-tunesischen Grenzgebiet sowie ein im M\u00e4rz dieses Jahres im libyschen Al-Jahriya-Tal entdecktes Massengrab mit mindestens 65 Leichen zu untersuchen.<\/p>\n<p>Immer mehr Migranten aus L\u00e4ndern s\u00fcdlich der Sahara, die \u00fcber Nordafrika nach <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/europa\/t-17891898\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Europa<\/a> gelangen wollen, starten von Libyen oder <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/tunesien\/t-17281662\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tunesien<\/a> ihre Reise \u00fcber das Mittelmeer. Beide L\u00e4nder sind jedoch auch eine Partnerschaft mit der <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/europ\u00e4ische-union\/t-17281096\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Europ\u00e4ischen Union<\/a> eingegangen, die bem\u00fcht ist, den Strom von Migranten \u00fcber das <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/un-186000-menschen-fl\u00fcchten-via-mittelmeer-nach-europa\/a-66956423\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mittelmeer<\/a> einzud\u00e4mmen.<\/p>\n<p>Im Juli berichtete die italienische Nachrichtenagentur Nova News Agency, dass von keinem anderen Land so viele Migranten nach Italien aufbr\u00e4chen, wie von Libyen. Die Zahl der Ank\u00f6mmlinge scheint jedoch zu sinken. In diesem Jahr gelang es bis zum 5. Juli etwa 14.755 Migranten, italienische Inseln von Libyen aus zu erreichen. Im Vergleich zum Vorjahr sanken die Zahlen damit um 47 Prozent. Abfahrten von <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/setzt-tunesien-migranten-in-der-w\u00fcste-aus\/a-69184688\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tunesien<\/a> aus fielen um etwa 70 Prozent auf 10.247 Migranten.<\/p>\n<p>Trotz Gefahren bleibt Libyen attraktiv<\/p>\n<p>Doch dass weniger Migranten Libyen verlassen, l\u00e4sst nicht darauf schlie\u00dfen, dass weniger Menschen nach Libyen reisen. Im Gegenteil, Menschenrechtsorganisationen vor Ort beobachten einen Anstieg. Genaue Zahlen sind jedoch nur schwer zu bekommen, denn Libyen befindet sich seit einem Jahrzehnt in <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/nach-gemeinsamer-erkl\u00e4rung-neue-hoffnung-f\u00fcr-libyen\/a-68511961\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">politischen Turbulenzen<\/a>.<\/p>\n<p>Der Westen des Landes wird von Ministerpr\u00e4sident Abdul Hamid Dbeiba regiert, dessen Regierung in Tripolis von den Vereinten Nationen anerkannt wird. Im Osten des Landes herrscht General Chalifa Haftar. Doch mit dieser politischen Pattsituation nicht genug, in anderen Teilen des Landes sind Milizen aktiv und es herrschen Unruhen.<\/p>\n<p>&#8222;Die selben Umst\u00e4nde, die das Reisen durch Libyen erschweren, machen es auch attraktiv, durch Libyen zu reisen&#8220;, erkl\u00e4rt Tim Eaton von der Londoner Denkfabrik Chatham House. Obwohl &#8222;die zahlreichen Gefahren der Reise durch Libyen bekannt sind&#8220;, steige die Zahl der Migranten.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"69160870\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/69160870_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Mehrere an der Grenze ausgesetzte afrikanische Migranten in der Hitze auf sandigem Boden\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Nur internationaler Druck k\u00f6nnte die Situation f\u00fcr Migranten in Libyen verbessernBild: Yousef Murad\/AP\/picture alliance <\/p>\n<p>&#8222;Die Abwesenheit von Gesetz und Ordnung in Libyen und die M\u00f6glichkeiten, die dies Schmugglernetzwerken bietet, oft gemeinsam mit den Beh\u00f6rden ihrem Handwerk nachzugehen, f\u00fchren dazu, dass diese Praktiken weiter bestehen&#8220;, sagt er zur DW.<\/p>\n<p>Eaton rechnet nicht damit, dass sich Libyens Umgang mit durchreisenden Migranten in n\u00e4chster Zukunft \u00e4ndern wird, auch wenn hier am 17. Juli das Trans-Mediterranean Migration Forum stattfinden soll.<\/p>\n<p>Lauren Seibert, zust\u00e4ndig f\u00fcr Fl\u00fcchtlings- und Migrantenrechte bei Human Rights Watch (HRW), ist \u00fcberzeugt, dass nur Druck auf internationaler Ebene helfen kann. &#8222;Tunesien sollte sofort alle Abschiebungen in Grenzregionen, in denen Menschenleben in Gefahr sind, einstellen&#8220;, sagt sie zur DW und f\u00fcgt hinzu, dass die EU &#8222;Zahlungen an Beh\u00f6rden, die solche t\u00f6dlichen Abschiebungen durchf\u00fchren&#8220;, stoppen sollte.<\/p>\n<p>David Yambio ist Menschenrechtsaktivist bei der regierungsunabh\u00e4ngigen Organisation Refugees in Libya. Er glaubt, dass sich die Situation von Migranten in Libyen nur verbessern wird, wenn die internationale Gemeinschaft ihr Verhalten \u00e4ndert: &#8222;N\u00e4mlich dann, wenn die EU aufh\u00f6rt, die politischen Sph\u00e4ren von Milizen und Regierungsbeh\u00f6rden miteinander zu verbinden.&#8220;<\/p>\n<p>Mangel an Recht und Ordnung in Libyen<\/p>\n<p>Das\u00a0UN-nahe Mixed Migration Center und die deutsche Friedrich-Ebert-Stiftung stellten in einem k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichten Bericht fest, dass Libyen selbst als Zielland bei Migranten immer beliebter wird. &#8222;Eine wichtige Rolle spielen die guten Arbeitsm\u00f6glichkeiten&#8220;, schreiben die Autoren,\u00a0doch das Fehlen gesetzlicher Rechte erh\u00f6he auch die Verletzlichkeit der Migranten.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"68648526\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/68648526_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Zwei Boote nebeneinander im Mittelmeer\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Weniger Migranten machten sich 2024 auf den Weg von Libyen nach EuropaBild: Johanna de Tessieres\/SOS Mediterranee\/AP\/picture alliance<\/p>\n<p>Die 24-j\u00e4hrige Nika William aus Ghana, die nach Libyen kam, um das Geld f\u00fcr ihre Reise nach Europa zu verdienen, wird sich immer an die traumatischen Erfahrungen erinnern, die sie machen musste. &#8222;Ich fiel erst einer libyschen Gang in die H\u00e4nde, wurde vergewaltigt und schwanger und wurde schlie\u00dflich im Al-Assa-Gef\u00e4ngnis inhaftiert, berichtet sie der DW in Zuwara.<\/p>\n<p>&#8222;Jeden Morgen mussten wir uns in einer Reihe aufstellen und wurden ausgepeitscht. Ich verlor das Kind und kann immer noch nicht glauben, dass ich das \u00fcberlebt habe&#8220;, erz\u00e4hlt sie. Irgendwann wurde sie freigelassen, doch die Angst bleibt: &#8222;Alles was ich will, ist eine Zukunft in Sicherheit, aber ich wei\u00df nicht, ob ich das jemals erreichen werde oder ob ich heute sterbe.&#8220;<\/p>\n<p>Michael Shira aus Nigeria hat das gleiche Ziel. &#8222;Ich m\u00f6chte einfach nach Europa, wo ich sicher bessere Lebenschancen haben werde&#8220;, sagt er. &#8222;Doch der Weg dahin ist lang und voller Gefahren. Ich wei\u00df nicht, ob ich es schaffen werde.&#8220;<\/p>\n<p>Adaptiert aus dem Englischen von Phoenix Hanzo.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Razzia der uniformierten libyschen Sicherheitskr\u00e4fte kam v\u00f6llig \u00fcberraschend. 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