{"id":9703,"date":"2026-04-25T08:05:39","date_gmt":"2026-04-25T08:05:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/9703\/"},"modified":"2026-04-25T08:05:39","modified_gmt":"2026-04-25T08:05:39","slug":"kenia-wie-praesident-ruto-vom-hoffnungstraeger-zum-feindbild-geworden-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/9703\/","title":{"rendered":"Kenia: Wie Pr\u00e4sident Ruto vom Hoffnungstr\u00e4ger zum Feindbild geworden &#8211; Politik"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">William Samoei Ruto war mal ein Hoffnungstr\u00e4ger. Ein Pr\u00e4sident, in den vor allem die jungen und die kleinen Leute in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Kenia\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kenia<\/a>, die Au\u00dfenseiter und Underdogs, gro\u00dfe Erwartungen setzten. Als einer von ihnen hatte sich Ruto vor seiner Wahl im September 2022 pr\u00e4sentiert: als Kandidat aus einfachen Verh\u00e4ltnissen, der wei\u00df, was es hei\u00dft, um seinen Platz im Leben k\u00e4mpfen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Heute wirkt es, als w\u00e4re diese Wahl nicht drei, sondern 30 Jahre her. Die Aufbruchstimmung von damals hat sich in Entt\u00e4uschung und Wut verwandelt. Kenias Jugend begehrt auf gegen den Pr\u00e4sidenten. Aus dem Hoffnungstr\u00e4ger ist ein Feindbild geworden. Und Ruto? Kennt nur eine Antwort auf die Proteste gegen ihn: H\u00e4rte. Am Mittwoch wies er die Polizei an, pl\u00fcndernden Demonstranten in die Beine zu schie\u00dfen: \u201eGenug ist genug\u201c, sagt er.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Ruto, Vater von sieben Kindern und strenggl\u00e4ubiger Christ, kam 1966 in einem Dorf im Westen Kenias auf die Welt, als Sohn eines Bauern. Er arbeitete als Lehrer und Chorleiter, ehe er in die Politik ging. 2013 wurde er Vizepr\u00e4sident, neun Jahre sp\u00e4ter stieg er zum Staatsoberhaupt auf. Die Entfremdung von den Menschen, die ihn gew\u00e4hlt hatten, begann schon ein Jahr sp\u00e4ter. Die hohen Lebenshaltungskosten und die hohe Arbeitslosigkeit f\u00fchrten im Sommer 2023 zu den ersten heftigen Protesten gegen Rutos Regierung, mit Ausschreitungen, Verletzten und Toten. Und schon damals begleitet vom Vorwurf, die Polizei sei unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig brutal gegen die Demonstranten vorgegangen.<\/p>\n<p>Diesmal entz\u00fcndeten sich die Proteste am Tod eines Bloggers in Polizeigewahrsam<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Ein Jahr sp\u00e4ter wiederholte sich das Ganze, eine Nummer gr\u00f6\u00dfer. W\u00e4hrend der Proteste gegen geplante Steuererh\u00f6hungen \u2013 die Ruto den Spitznamen Zakayo eintrugen, nach dem ungeliebten Z\u00f6llner Zach\u00e4us aus der Bibel \u2013 st\u00fcrmte eine Gruppe Vermummter sogar das Parlament in der Hauptstadt Nairobi. Und wieder: Tr\u00e4nengas, Sch\u00fcsse, Tote, Verletzte \u2013 und verst\u00f6rende Berichte, denen zufolge die Anf\u00fchrer der Proteste von Sicherheitskr\u00e4ften entf\u00fchrt, gefoltert oder sogar get\u00f6tet wurden.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die diesj\u00e4hrigen Proteste entz\u00fcndeten sich am Tod eines Bloggers, der wegen Kritik an Kenias Vizepolizeichef festgenommen und Anfang Juni in Polizeigewahrsam gestorben war. Am Montag gingen erneut Tausende auf die Stra\u00dfe, am Jahrestag der Saba-Saba-Proteste, die 1990 das Ende der damals herrschenden Einparteiendiktatur eingel\u00e4utet hatten. Rutos Regierung befindet sich aus ihrer Sicht auf dem R\u00fcckweg Richtung Autokratie. Die Bilanz des Tages laut der nationalen Menschenrechtskommission: 31 Tote, 107 Verletzte, 532 Verhaftungen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Ruto gab dem Druck der Stra\u00dfe vergangenes Jahr nach, indem er sein Steuergesetz weitgehend kassierte und sein Kabinett austauschte. Doch Mitgef\u00fchl angesichts der vielen Toten oder gar Unmut \u00fcber die Sicherheitskr\u00e4fte l\u00e4sst er so gut wie gar nicht erkennen. Stattdessen setzt er auf Konfrontation. Jene, die w\u00e4hrend der Proteste Polizisten oder Gesch\u00e4fte angriffen, seien \u201eTerroristen\u201c, schrieb er auf der Plattform X, ihre Verbrechen eine \u201eKriegserkl\u00e4rung\u201c. Der richtige Umgang mit diesen Leuten: in die Beine schie\u00dfen, ins Krankenhaus bringen, vor Gericht stellen.<\/p>\n<p>Sein fr\u00fcherer Vizepr\u00e4sident nennt ihn einen Fall f\u00fcr den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">In Kenia ist die Emp\u00f6rung \u00fcber Ruto gro\u00df. Die Zeitung The Standard\u00a0verglich ihn mit einem \u201eVater, der verschwindet, wenn man ihn am meisten braucht\u201c. Sein einstiger Vizepr\u00e4sident Rigathi Gachagua bezeichnete ihn als Fall f\u00fcr den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Der hat tats\u00e4chlich schon einmal gegen Ruto ermittelt, wegen der blutigen Unruhen nach der Pr\u00e4sidentenwahl 2007. Die Anklage wurde damals aus Mangel an Beweisen fallen gelassen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Im Ausland f\u00e4llt die Kritik dagegen verhalten aus. Das Ausw\u00e4rtige Amt etwa zeigte sich \u201ebesorgt\u201c und rief alle Seiten dazu auf, auf Gewalt zu verzichten. Gut m\u00f6glich, dass diese Zur\u00fcckhaltung damit zusammenh\u00e4ngt, dass Ruto sich f\u00fcr Europa und die USA seit seinem Amtsantritt als verl\u00e4sslicher Partner erwiesen hat \u2013 auf einem Kontinent, wo der Westen (oder das, was davon \u00fcbrig ist) seine Freunde zuletzt \u00e4hnlich schnell verloren hat wie William Ruto in Kenia seine W\u00e4hler.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"William Samoei Ruto war mal ein Hoffnungstr\u00e4ger. 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