{"id":9937,"date":"2026-04-25T16:57:25","date_gmt":"2026-04-25T16:57:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/9937\/"},"modified":"2026-04-25T16:57:25","modified_gmt":"2026-04-25T16:57:25","slug":"menschenrechtsverletzungen-in-libyen-milizionaere-jagen-migranten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/9937\/","title":{"rendered":"Menschenrechtsverletzungen in Libyen: Milizion\u00e4re jagen Migranten"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">   Libyen verhaftet derzeit vermehrt Migranten aus West- und Zentralafrika, mit dem Ziel, sie aus dem Land abzuschieben. Ein Video zeigt etwa, wie wohl mehr als 1.200 Menschen von schwer bewaffneten Milizion\u00e4ren auf das umz\u00e4unte Gel\u00e4nde des Flughafen Maitiga nahe der Hauptstadt Tripolis gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Die in dem Video Abgef\u00fchrten hatten zuvor dort gearbeitet: auf Baustellen, in Restaurants oder Tankstellen. Die gesamte Serviceindustrie in dem \u00f6lreichsten Land des Kontinents lebt von der Arbeitskraft derjenigen, die eigentlich nur wenige Monate im Land bleiben wollen, um sich als Tagel\u00f6hner das Ticket f\u00fcr die \u00dcberfahrt nach Europa zu verdienen. Die libyschen Beh\u00f6rden stellten seit dem Sturz des Diktators Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 keine Aufenthaltspapiere mehr aus, doch das hatte bisher niemanden gest\u00f6rt. Und nachdem in den Nachbarstaaten Algerien und Tunesien seit Jahresbeginn immer mehr Migranten festgenommen und abgeschoben wurden, stieg die Zahl der Migranten im angrenzenden westlichen Libyen an.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">An der K\u00fcste zwischen der Stadt Zuwara an der Grenze zu Tunesien und der libyschen Hauptstadt ist die Chance, auf die italienische Insel Lampedusa \u00fcbersetzen zu k\u00f6nnen, derzeit am gr\u00f6\u00dften. Denn die EU <a href=\"https:\/\/taz.de\/Afrikanische-Fluechtlinge-in-Tunesien\/!6059102\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">hat die K\u00fcstenwache Tunesiens mit technischer und finanzieller Hilfe aufger\u00fcstet<\/a>, von dort legen daher nur noch vereinzelt Boote ab. Allein bis Anfang M\u00e4rz wurden in S\u00fcditalien 8.000 aus Libyen angekommene Migranten registriert \u2013 eine Steigerung von 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">Offizielle Statistiken \u00fcber die Zahl der in Libyen lebenden Mi\u00adgran\u00adten gibt es nicht. Doch laut aus EU-Kreisen durchgesickerten Sch\u00e4tzungen leben in dem 6-Millionen-Einwohner-Land Libyen mehr als 3,5 Millionen nicht registrierte Menschen aus dem Sahel, \u00c4gypten und Subsahara-Afrika. Innenminister Imad al-Trabelsi will nun viele von ihnen abschieben und erh\u00e4lt in sozialen Medien gro\u00dfe Zustimmung.<\/p>\n<p>      Wirtschaftskrise und eine schwer kontrollierbare Grenze<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"6\">\u201eAuf den Stra\u00dfen von Ghut Shaal im Westen von Tripolis sind kaum noch Libyer auf der Stra\u00dfe zu sehen\u201c, sagt die Menschenrechtsaktivistin Amal al-Haj, die in den letzten Jahren immer wieder das brutale Vorgehen der Beh\u00f6rden gegen die auch in staatlichen Medien nur \u201eAfrikaner\u201c genannten Gastarbeiter kritisiert hatte. Die von Europa geforderte Blockade des Mittelmeers, die kaum zu kontrollierende Grenze Libyens in der Sahara, die Wirtschaftskrise im Maghreb und das Ringen verschiedener L\u00e4nder um Einfluss in Nordafrika sei ein gef\u00e4hrlicher Mix, sagt sie. \u201eLibyer und Tunesier wollen und k\u00f6nnen nicht l\u00e4nger Europas W\u00e4chter des Mittelmeers sein \u2013 wenn selbst wir keine Jobs oder bezahlbare medizinische Versorgung haben.\u201c<\/p>\n<p>\n\ue80f\n<\/p>\n<p>            Von der K\u00fcste West\u00adlibyens wollen die Migranten die Insel Lampedusa erreichen<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-9\" pos=\"7\">Auf sozialen Medien hatten zahlreiche Videos von Straftaten die Runde gemacht, die angeblich von Migranten begangen worden waren: \u201eDer Fall einer Tagesmutter aus Guinea, die ein Kind schl\u00e4gt, f\u00fchrte zu besonderer Entr\u00fcstung\u201c, sagt ein Journalist aus Tripolis, der wie viele seiner zum Thema Migration arbeitenden Kollegen lieber anonym bleiben m\u00f6chte. \u201eAber das Video stammt nach meinen Recherchen nicht aus Libyen\u201c, sagt er. \u201eDie Tagel\u00f6hner aus Westafrika waren in Libyen bisher als Arbeitskr\u00e4fte willkommen. Aber nun nutzen die Populisten \u2013 wie zuvor in Tunesien \u2013 das Thema f\u00fcr sich aus.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"8\">Der oberste Mufti Libyens, Sadik Ghariani, machte am vergangenen Freitag den in Ost- und S\u00fcdlibyen herrschenden <a href=\"https:\/\/taz.de\/Chalifa-Haftar\/!t5035027\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Warlord Khalifa Haftar<\/a> f\u00fcr die offenen Grenzen verantwortlich. Haftar wolle mit den Migranten <a href=\"https:\/\/taz.de\/Regierungskrise-in-Libyen\/!5834041\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Westlibyen<\/a> destabilisieren. Zwischen dem mit dem russischen Kreml eng verbundenen Haftar und der mit der T\u00fcrkei alliierten Regierung in Tripolis herrscht zwar ein Waffenstillstand, doch in Tripolis f\u00fcrchtet man, zum Spielball zwischen Moskau und dem Westen zu werden. Auch die Machtelite in Tripolis nutze das Thema Migration f\u00fcr sich, sagt Aktivistin al-Haj, die bei den Lokalwahlen in Tripolis im Fr\u00fchjahr f\u00fcr das Amt der B\u00fcrgermeisterin kandidiert.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-12\" pos=\"9\">Derweil leiden Migranten \u2013 und auch wer f\u00fcr sie gehalten wird: In Janzour, einem Vorort von Tripolis, kam es am Wochenende zu regelrechten Jagdszenen: Milizion\u00e4re durchsuchten Wohnviertel und L\u00e4den nach dunkel\u00adh\u00e4utigen Menschen. Dadurch seien auch viele Libyer ins \u00adVisier geraten, sagt Journalist Mohamed Lino aus dem \u00adS\u00fcden des Landes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Libyen verhaftet derzeit vermehrt Migranten aus West- und Zentralafrika, mit dem Ziel, sie aus dem Land abzuschieben. 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