In seiner ersten Ansprache auf algerischem Boden hat Papst Leo zu Versöhnung, Gerechtigkeit und Dialog aufgerufen. Beim Besuch des Mahnmals für die Märtyrer, die in den dunklen Jahren des algerischen Unabhängigkeitskriegs ihr Leben verloren, erinnerte der Pontifex daran, dass wahre Freiheit und Frieden nur durch Vergebung möglich sind.
In Algerien, der ersten Etappe seiner Afrikareise, wird Papst Leo XIV. auf eine Kirche der Märtyrer treffen. Beispiel: Die sieben Trappistenmönche von Tibhirine.
Silvia Kritzenberger – Vatikanstadt
Auf der ersten Etappe seiner dritten Apostolischen Reise, die Leo XIV. noch bis zum 23. April durch vier afrikanische Länder führt, traf er auf eine Kirche der Märtyrer, die noch nie ein Papst besucht hatte. In der Landeshauptstadt Algier hat der Pontifex kurz nach seiner Ankunft und noch vor dem offiziellen Treffen mit Regierungsvertretern das „Maqâm Echahid“- Denkmal besucht – und an dem 1982 errichteten Mahnmal einen Blumenkranz niedergelegt. Rund 2.000 Menschen hatten sich eingefunden, um den ersten Papst auf algerischem Boden willkommen zu heißen.
„Ich weiß, wie schwer es ist, zu vergeben. Doch angesichts der weltweit immer zahlreicher werdenden Konflikte darf man nicht von Generation zu Generation Groll um Groll anhäufen.“
Papst Leo beim Märtyrerdenkmal in Algier
Das persönliche Band zum Geburtsland des Augustinus von Hippo
Schon zu Beginn seiner Ansprache betonte der Pontifex seine persönliche Verbindung zu dem Land, in dem der heilige Augustinus von Hippo geboren wurde, und erinnerte daran, dass er Algerien „als Angehöriger des Augustinerordens bereits zweimal in der Vergangenheit“ besucht habe.
Der Besuch des „Maqam-Echahid“-Denkmals sei „eine Würdigung dieser Geschichte und der Seele eines Volkes, das für seine Unabhängigkeit und die Würde und Souveränität dieser Nation gekämpft hat“ und dessen Geschichte auch „von Zeiten der Gewalt“ geprägt war.
„Am Ende wird die Gerechtigkeit immer über die Ungerechtigkeit triumphieren“
Mit Blick auf globale Konflikte und gesellschaftliche Spannungen formulierte Papst Leo eine Zukunftsvision, die über die bloße Abwesenheit von Konflikten hinausgeht:
„Die Zukunft gehört den Männern und Frauen des Friedens. Am Ende wird die Gerechtigkeit immer über die Ungerechtigkeit triumphieren, so wie die Gewalt, entgegen allem Anschein, nie das letzte Wort haben wird.“
Papst Leo an diesem Montag (@Vatican Media)
Ein Volk, das Gott liebt, besitzt den wahren Reichtum…
In diesem Zusammenhang würdigte das katholische Kirchenoberhaupt das Erbe Algeriens, in dem „der Glaube an Gott einen zentralen Platz“ einnehme und gegenseitiger Respekt der Schlüssel zum Zusammenleben sei:
„Ein Volk, das Gott liebt, besitzt den wahren Reichtum, und das algerische Volk bewahrt diesen Edelstein in seiner Schatzkammer. Unsere Welt braucht solche Gläubigen, Männer und Frauen des Glaubens, die nach Gerechtigkeit und Einheit dürsten. Deshalb ist es angesichts einer Menschheit, die sich nach Brüderlichkeit und Versöhnung sehnt, ein großes Geschenk und ein gnadenreiches Unterfangen, wenn wir uns mit Nachdruck dazu bekennen, dass wir immer untereinander Brüder und Schwestern sind und alle Kinder Gottes!“
Das Märtyrerdenkmal in Algier (@Vatican Media)
Wahre Freiheit sei aber nicht nur ein Erbe – man müsse „sich jeden Tag neu dafür entscheiden,“ führte der Papst weiter aus.
„Denen, die nach vergänglichen Reichtümern suchen, die täuschen und enttäuschen und leider am Ende oft das menschliche Herz verderben und Neid, Rivalität und Konflikte hervorrufen, stellt Jesus dieselbe Frage, die er vor 2000 Jahren gestellt hat: »Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?« Auf diese für alle Menschen grundlegende Frage haben die Verstorbenen, die hier geehrt werden, ihre Antwort gegeben. Sie haben ihr Leben verloren, aber in einem anderen Sinne. Sie haben es aus Liebe zu ihrem Volk hingegeben.“
Papst Leo in Algier
Die Seligpreisungen: Wegweiser für eine friedliche Zukunft
Zum Abschluss zitierte Leo XIV. die biblischen Seligpreisungen aus der Bergpredigt und stellte sie als Wegweiser für eine friedliche Zukunft in den Mittelpunkt seiner Botschaft:
„Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.“
Hintergrund
Das 1982 errichtete „Maqâm Echahid“ ist ein Denkmal für die Märtyrer des algerischen Unabhängigkeitskriegs. Das 92 m hohe Monument gilt denjenigen, die im Kampf gegen den französischen Kolonialismus gefallen sind. Es besteht aus drei stilisierten Palmblättern, die die drei Säulen des neuen Algeriens symbolisieren: Landwirtschaft, Industrie und Kultur. In der Krypta unter den drei Blättern brennt eine ewige Flamme.
(vaticannews – skr)