Bereits 65 Fälle von Windpocken hat das Robert-Koch-Institut bis Anfang April im Saarland registriert – der höchste Wert für diesen Zeitraum seit mindestens 13 Jahren. So lange reicht die Statistik zurück.

Kinderarzt sieht übliche Schwankung, warnt aber vor Gefahren

Der Sprecher der Kinder- und Jugendärzte im Saarland, Dr. Benedikt Brixius, sieht in dem Anstieg der Infektionszahlen eine übliche Schwankung, wie sie bei Viruserkrankungen immer wieder zu beobachten sei. Gleichzeitig warnte er vor möglichen Gefahren der Erkrankung.

Auch für Kinder verlaufe eine Windpockenerkrankung nicht immer harmlos. In manchen Fälle komme es zu Superinfektionen, die zum Teil stationär behandelt werden müssten. Zudem bestehe eine geringe Gefahr für einen Schlaganfall. So seien Windpocken sogar eine der Hauptursachen für Schlaganfälle bei Kindern.

Steigende Gefahr im Alter

Doch vor allem seien Windpocken umso gefährlicher, je älter die erkrankte Person sei, erklärt Brixius. Eltern, die sich durch ihre Kinder infizieren, müssten teilweise stationär behandelt werden. Viele kämpften wochenlang gegen die Krankheit, die auch die inneren Organe befallen kann.

Und auch wer in jungen Jahren die Krankheit glimpflich überstanden hat, ist im Alter nicht vor dem Virus gefeit. Denn nach einer überstandenen Windpocken-Erkrankung ist das Virus nicht verschwunden. Es verschanzt sich in den Nervensträngen und kann vor allem im Alter wieder aktiv werden, wenn die Immunabwehr des Körpers nachlässt.

Dann kommt es zu einer Gürtelrose, die auch mit Komplikationen einhergehen kann. Im Zuge dessen können sich zum Beispiel schmerzhafte Nervenentzündungen entwickeln. Auch der Verlust des Augenlichts sei möglich, wenn die Gürtelrose im Bereich der Augen auftritt, erklärt Brixius. Rund 30 Prozent der Infizierten entwickeln im späteren Leben eine Gürtelrose.

Impfung kann schweren Verlauf und Gürtelrose verhindern

Wirksamen Schutz dagegen bietet eine Impfung. So gibt es im Alter eine gesonderte Impfung gegen Gürtelrose, die für Menschen ab 60 Jahren empfohlen wird. Doch auch eine Impfung gegen Windpocken im frühen Kindesalter kann im Alter vor einer Gürtelrose schützen. Zudem bietet die Impfung auch Kindern Schutz vor einem schweren Verlauf der Krankheit.

Auch Brixius empfiehlt die Impfung gegen Windpocken, die seit 2004 Teil der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission ist. Sie wird Kindern üblicherweise im Alter von circa einem Jahr zum ersten Mal verabreicht. Mit der Verabreichung einer zweiten Dosis einige Monate nach der ersten, wird der volle Impfschutz erreicht.

In den vergangenen Jahren lag die Quote der zweifach geimpften 24 Monate alten Kinder im Saarland bei jeweils rund 80 Prozent. Das ist eine vergleichsweise höhere Impfquote als im Bundesdurchschnitt, wo sie zuletzt bei circa 75 Prozent lag.

Über dieses Thema haben auch die SR info-Nachrichten am 14.04.2026 berichtet.