Filmszene aus "Sehr geehrte Herrin": Eine Frau mit langen schwarzen Haaren blickt in den Spiegel und schminkt sich

AUDIO: Dokumentarfilmwoche Hamburg zeigt nüchternes Porträt einer Domina (7 Min)

Stand: 14.04.2026 06:00 Uhr

Eine der spannendsten Premieren während der Dokumentarfilmwoche Hamburg ist der Debütfilm von Karola Pfaffinger. „Sehr geehrte Herrin“ führt die Zuschauer in ein BDSM-Studio und zeigt den nüchternen Alltag einer Edelhure.

Im Interview erzählt die junge Filmemacherin, was sie am Dokumentarfilm schätzt und was ihr beim Dreh im Bordell wichtig war.

Karola Pfaffinger, wie ist das für Dich als junge Filmemacherin, zum ersten Mal mit einem eigenen Film bei der Dokumentarfilmwoche Hamburg dabei zu sein?

Karola Pfaffinger: Ich freue mich total, weil die Dokumentarfilmwoche für mich für kritischen, künstlerischen Dokumentarfilm steht, und ich finde, die haben genau die richtigen Werte. Deswegen freue ich mich umso mehr, dass mein Film da einen Platz gefunden hat. Die sind auch als Kollektiv organisiert und ich finde, dass das ein super tolles Festival ist, was ich auch schon seit vielen Jahren selber besuche.

Menschen sitzen in einem Kino und blicken Richtung Leinwand.

Das Filmfestival beginnt am Dienstag und zeigt bis Sonntag rund 50 Filme und Veranstaltungen in mehreren Hamburger Kinos.

Was fasziniert Dich am Dokumentarfilm-Genre?

Pfaffinger: Ich komme von der Ethnologie zum Dokumentarfilm – das habe ich davor studiert. Ich glaube, es ist für mich so ein forschender Blick, den ich habe, wo ich selber irgendwohin gehen kann, etwas erfahren, etwas rausfinden und mich künstlerisch darüber ausdrücken kann. Das liebe ich am Dokumentarfilm. Man kommt manchmal in Welten hinein, in die man sonst niemals reinkommen würde. Es ist auch oft ein Clash von verschiedenen Welten, die da zusammenprallen. Das schätze ich wahnsinnig.

Dein Film führt uns in einen Raum, in dem Kameras eigentlich gar nicht willkommen sind, nämlich in ein BDSM-Studio. Das ist der Arbeitsplatz und zugleich die Privatwohnung deiner Protagonistin Evelyn Schwarz. Wie hast Du das Vertrauen aufgebaut, dass jemand Dich da überhaupt reinlässt? Elf Tage lang hast Du dort verbracht.

Eine Frau mit langen braunen Haaren blickt in die Kamera

Karola Pfaffinger hat an der Hochschule für bildende Künste Hamburg studiert. „Sehr geehrte Herrin“ ist ihr Abschlussfilm.

Pfaffinger: Evelyn war von Anfang an ziemlich offen mir gegenüber. Ich hatte in meinem ersten Jahr an der HFBK einen Kurzfilm gemacht, und darüber bin ich mit ihr in Kontakt gekommen. Ich habe quasi auf dieser Beziehung aufgebaut. Es ist einfach wichtig, respektvoll zu sein. Ich bin dankbar, dass sie mich reinlässt, weil es am Ende immer darauf ankommt, dass sich die Protagonistinnen öffnen und auch selber eine Motivation haben, da mitzumachen. Es geht um viel Zeit verbringen und eine Beziehung aufbauen – und nicht nur kurz einmal hingehen und drei Fragen stellen.

Du zeigst nichts Voyeuristisches, keinen Sex, sondern den Alltag dieser Protagonistin, der oft Bürokratie ist, es wird viel geputzt und so weiter. Warum wolltest Du diese Perspektive zeigen?

Pfaffinger: Ich finde es spannend, die Sachen zu zeigen, an die man nicht sofort denkt. Mir war es auch wichtig, diese Alltäglichkeit rüberzubringen. Man sitzt am Computer und beantwortet E-Mails oder muss wahnsinnig viel putzen. Das spiegelt für mich diese Alltäglichkeit an dem Beruf wieder. Ich will nichts dramatisieren, sondern zeigen, wie es ist und auch ein bisschen Nüchternheit in die Sache reinbringen, die das ein bisschen enttabuisiert.

Die Kunden der Protagonistin wollen ihre Privatsphäre schützen. Haben die gewusst, dass eine Filmemacherin im Haus ist?

Pfaffinger: Ich glaube nicht, dass sie das jemandem erzählt hat, wir haben das ziemlich gut getrennt. Wir waren zwar die ganze Zeit da, aber wir haben uns versteckt, weil das im laufenden Betrieb war. Ihr Tag fängt morgens um acht an und nicht, wie man denken würde, irgendwann abends. Wir waren den ganzen Tag backstage, wenn sie ihre Termine hatte, und zwischendrin mussten wir bereit sein mit der Kamera.

Am Freitag läuft der Film im Hamburger Programmkino 3001, danach gibt es noch ein Publikumsgespräch. Was erwartest Du von dem Abend?

Pfaffinger: Ich freue mich auf gute Gespräche – gerne Fragen stellen! Danach freue ich mich einfach anzustoßen. Und Das Schönste ist immer ins Gespräch zu kommen und die Reaktion zu sehen.

Das Gespräch führte Anna Novák.