Der italienische Historiker und Theologe Massimo Faggioli sieht in den Äußerungen des Papstes und von US-Kardinälen eine klare Kritik an der Politik Donald Trumps.
Der italienische Historiker und Theologe Massimo Faggioli hält die Attacke von US-Präsident Donald Trump gegen Papst Leo XIV. für einen möglichen fatalen Wendepunkt in der politischen Karriere Trumps. Der katholischen Tageszeitung „Avvenire“ (Dienstag) sagte Faggioli, der Angriff gegen den Papst markiere „wahrscheinlich den Anfang vom politischen Ende“ für den US-Präsidenten.
Faggioli erinnerte daran, dass Reden des Papstes und markante Interventionen mehrerer US-amerikanischer Kardinäle gegen die Migrationspolitik und gegen die Kriegsführung die Widersprüche der Trumpschen Politik offengelegt hätten. Seit Beginn des Jahres 2026 habe die Politik Trumps klar neo-koloniale Züge angenommen, deshalb habe der Papst nicht mehr schweigen können.
Damit habe er Trump aus der Reserve gelockt, und dieser habe mit seinen Ausfälligkeiten den Anfang von seinem Ende besiegelt. Die frühere Allianz konservativer christlicher Wähler mit der „Techno-Rechten“ um Elon Musk und Peter Thiel sei zerbrochen. Dieser Flügel verfolge klar anti-religiöse Projekte.
Weiter erklärte Faggioli, Trump habe zwar eine Verurteilung wegen eines versuchten Staatsstreichs und ein Attentat überlebt. Aber mit dem Angriff auf den Papst habe er ein letztes Tabu gebrochen. Nun verstehe die religiöse Rechte, dass sie vom Trumpismus lediglich benutzt worden sei. Die rechtsintellektuelle Elite könne nach einer Phase der Schockstarre den Weg in die Rebellion gegen Trump gehen, so die Prognose des Historikers.
Faggioli hat von 2009 bis 2025 an verschiedenen Universitäten in den USA jüngere Kirchengeschichte gelehrt. Seit 2025 ist er Professor am Trinity College in Dublin.
„Ich halte die Worte von Präsident Trump gegenüber dem Heiligen Vater für inakzeptabel“, erklärte die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. „Der Papst ist das Oberhaupt der katholischen Kirche, und es ist richtig und normal, dass er zum Frieden aufruft und jede Form von Krieg verurteilt.“
Melonis Kritik an Trump war ausgesprochen ungewöhnlich. Sie war die einzige europäische Regierungschefin, die 2025 an den Feierlichkeiten zu dessen Amtseinführung in den USA teilnahm. In einer ersten Reaktion auf Trumps Kritik hatte sie zwar Leo unterstützt, war jedoch nicht ausdrücklich auf Trumps Angriff eingegangen. Die Opposition in Italien warf ihr deshalb vor, nicht den Mut zu haben, Trump direkt zu kritisieren. Daraufhin gab sie ihre zweite Erklärung ab. Melonis bisherige Nähe zu Trump könnte zu einer politischen Belastung für sie werden: Umfragen zufolge stehen zwei Drittel der Italiener Trump ablehnend gegenüber. (APA/Reuters)
Lesen Sie mehr zu diesen Themen: