Jannik Sinner übernimmt im Duell mit Carlos Alcaraz wieder die Oberhand. Dass ihm das ausgerechnet auf seinem vermeintlich schwächsten Belag gelingt, ist nur auf den ersten Blick überraschend.

Die europäischen Sandplätze blieben selbst in ganz großen Tenniskarrieren oft nur Stolpersteine. Sampras, Connors, Becker – sie holten überall Grand-Slam-Titel, nur nicht auf der roten Asche von Paris. Agassi, Federer oder Djokovic scheiterten oft und mussten lang auf diesen Triumph warten.

Auch Jannik Sinner fehlt noch dieser eine Major-Titel auf Sand. Gern wird dieser Umstand herangezogen, um aufzuzeigen, dass sein geradliniges Spiel für die Sandplätze am wenigsten geeignet sei und dieser Belag eine Art Schwachstelle des Italieners darstelle. Gerade im Gegensatz zu seinem Dauerrivalen Carlos Alcaraz, bei dem Topspin, Spielwitz und Laufstärke prädestiniert sind für ein natürlicheres Sandplatzspiel.

Nun aber hat Sinner das erste große Sandplatzturnier der Saison, das Monte-Carlo Masters, mit einem glatten Zwei-Satz-Finalsieg über Alcaraz gewonnen. Ein Vorgeschmack schon auf die Sandsaison mit dem Höhepunkt der French Open in Paris ab 24. Mai? Jedenfalls ein Statement des 24-Jährigen – und keinesfalls ein überraschendes. Sondern vielmehr ein neuerlicher Beweis, dass die Sandplätze alles andere als eine Achillesferse sind.

Sinner und Alcaraz in Monte-Carlo.

Sinner und Alcaraz in Monte-Carlo.  APA

Das waren sie auch nie. Im Vorjahr hat Sinner wegen seiner Dopingsperre erst am Ende der Sandsaison ins Geschehen eingegriffen, stand prompt im Finale von Rom (Niederlage gegen Alcaraz) und im Finale der French Open, wo er drei Matchbälle gegen Alcaraz vergab und das längste Paris-Finale der Geschichte erst im Match-Tiebreak des fünften Satzes verlor. Jetzt in Monte-Carlo, obwohl müde von den Strapazen nach dem gewonnenen „Sunshine Double“ (aufeinanderfolgende Turniersiege bei den 1000er-Hartplatzevents in Indian Wells und Miami) und bei windigen Verhältnissen, die eigentlich Alcaraz zugutekommen sollten, stellte er im direkten Sand-Duell mit seinem Widersacher auf 2:3. Auch auf diesem Belag liefert sich das Duo also ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Monte-Carlo legt nicht nur den Grundstein, um am Ende als Sieger aus der laufenden Sandplatzsaison hervorzugehen, in der Sinner weit weniger Weltranglistenpunkte zu verteidigen hat als Alcaraz. Sondern es ist vor allem ein Erfolg, der ihm wieder die Oberhand in diesem Dauerduell verschafft hat: Sinner kehrte damit auf die Nummer-eins-Position im Ranking zurück und hat nun auf allen Belägen das jeweils jüngste Duell gegen Alcaraz gewonnen: auf Rasen im Wimbledon-Finale 2025, auf Hartplatz im Endspiel der ATP Finals 2025, nun auf Sand in Monte-Carlo. Vom vermeintlichen Vorsprung von Alcaraz, der sich nach dessen dominantem US-Open-Sieg im Vorjahr angedeutet hatte, kann ein halbes Jahr später keine Rede mehr sein. Tatsächlich war ein Tennisspieler in dieser Saisonphase, beim tückischen Wechsel von den sommerlich heißen US-Hardcourts auf die frühlingshaften europäischen Sandplätze, seit Novak Djokovic im Jahr 2015 nicht mehr so tonangebend wie Sinner dieser Tage.

Doch es wäre keine Dauerrivalität, könnte Alcaraz nicht umgehend zurückschlagen. Schon nächsten Montag kann der Spanier, 22, wieder die Nummer eins der Welt werden. Dazu muss er in Abwesenheit von Sinner das 500er-Turnier diese Woche in Barcelona gewinnen. Auf der Vorteilseite in diesem Duell steht fürs Erste aber Jannik Sinner.

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