Viele Start-ups haben in Tirol bereits kreative Geschäftsmodelle auf die Beine gestellt. In dieser Rubrik wollen wir die heimischen GründerInnen in den Fokus rücken und ihre innovativen Ideen vorstellen. Diese Woche: „KinCon biolabs“.
In der Medikamentenentwicklung wird häufig zunächst im Reagenzglas geprüft, ob ein Wirkstoff an sein Zielprotein bindet. Ob diese Bindung aber auch in lebenden Zellen bestehen bleibt und dort die gewünschte Wirkung auslöst, lässt sich damit noch nicht beantworten. Genau an dieser Stelle setzt das Innsbrucker Start-up „KinCon biolabs“ an. Das Unternehmen wurde im März 2022 von Eduard Stefan und Philipp Tschaikner als Spin-off der Universität Innsbruck gegründet. Grundlage ist eine patentierte Technologie, die aus langjähriger Forschung an der Universität hervorgegangen ist.
Eduard Stefan gründete „KinCon biolabs“ 2022 gemeinsam mit Philipp Tschaikner als Spin-off der Universität Innsbruck.
Warum reicht der Blick ins Reagenzglas oft nicht aus?
Die Bindung eines Wirkstoffs an ein isoliertes Zielprotein im Reagenzglas sagt noch wenig darüber aus, was später im menschlichen Körper passiert. Entscheidend ist, ob der Wirkstoff sein Ziel auch in der komplexen Umgebung einer lebenden Zelle erreicht und dort die gewünschte Reaktion auslöst.
Genau diese Lücke war für das Gründerteam der Ausgangspunkt. Die Technologie entstand ursprünglich in der Kinase-Forschung an der Universität Innsbruck — einem Feld, das sich mit Enzymen beschäftigt, die zentrale Zellprozesse steuern. Als sich zeigte, dass sich damit auch Wirkstoffkandidaten gezielter bewerten lassen, fiel die Entscheidung, aus der akademischen Arbeit ein Unternehmen zu machen.

Mit „KinCon biolabs“ arbeitet Philipp Tschaikner an Verfahren, die Wirkstoffkandidaten früher bewerten sollen.
Wie will „KinCon biolabs“ Wirkstoffe treffsicherer prüfen?
„KinCon biolabs“ will Wirkstoffe treffsicherer prüfen, indem das Unternehmen direkt in lebenden Zellen misst, ob ein Wirkstoff am richtigen Ziel ansetzt und dort die gewünschte Wirkung auslöst. Die patentierte Methode macht sich dabei zunutze, dass Proteine ihre dreidimensionale Form verändern, sobald ein Wirkstoff an sie bindet und sie aktiviert oder blockiert. Genau diese Formveränderung wird sichtbar gemacht — und damit auch, ob ein Wirkstoffkandidat tatsächlich wirkt. So soll früher erkennbar werden, welche Substanzen für die weitere Entwicklung geeignet sind und welche nicht.
Für Pharma- und Biotechunternehmen kann das helfen, vielversprechende Kandidaten früher zu erkennen und ungeeignete Substanzen schneller auszusortieren. Zu den bisherigen Meilensteinen zählen erste Kundenprojekte mit internationalen Biotech-Unternehmen, der Abschluss des Venture-Programms Creative Destruction Lab sowie Kooperationsprojekte mit zwei der weltweit größten Pharmaunternehmen. Inzwischen arbeitet „KinCon biolabs“ mit mehr als zehn MitarbeiterInnen im eigenen Labor im Health Hub Tirol in Innsbruck.
Im Labor von „KinCon biolabs“ werden Wirkstoffkandidaten in lebenden Zellen untersucht.
Was plant das Start-up als Nächstes?
„KinCon biolabs“ will sich international als führender Anbieter zellbasierter Target-Engagement-Assays etablieren — also jener Tests, die zeigen, ob ein Wirkstoff sein Ziel in der Zelle tatsächlich bindet und die gewünschte Wirkung auslöst. Genau auf diese Art von Tests will sich das Unternehmen weiter spezialisieren.
Gleichzeitig verfolgt das Team auch ein regionales Ziel: Es will hochqualifizierte Arbeitsplätze in Tirol schaffen und zeigen, dass Life-Sciences-Spitzentechnologie nicht nur in großen internationalen Zentren entsteht.
Automatisierte Prozesse im Labor von „KinCon biolabs“ ermöglichen zellbasierte Messungen in hohem Durchsatz.
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