rbb: War es möglich, unter den staatlichen Vorgaben der DDR künstlerisch frei zu arbeiten?

Richter: Gerade in den 50er Jahren wurde der ideologische Druck auf die Hochschule durch die sogenannte Formalismuskampagne extrem hoch. Maßgebliche Persönlichkeiten der Hochschule erhielten Arbeitsverbot, viele wanderten nach West-Berlin aus – nicht nur Lehrende, sondern auch Studierende.

Die wenigsten wissen, dass zum Beispiel Günter Uecker oder Georg Baselitz hier in den 50er Jahren studiert haben, aber sehr bald das Handtuch warfen angesichts von Repression, Reglementierung und enormem politischem Druck an der Hochschule. Zugleich hat diese Hochschule es dennoch ermöglicht, Handlungs- und Spielräume zu eröffnen – gerade durch integre Persönlichkeiten, die ihr lange verbunden blieben und sich schützend vor ihre Studierenden stellten.