Eine parlamentarische Untersuchungskommission hat der
Leitung des Pariser Louvre-Museums angesichts des Diebstahls der Kronjuwelen ein
„systematisches Versagen“ attestiert. „Der Diebstahl im Louvre
war kein Unfall, er offenbart ein systemisches Versagen“, sagte der
konservative Abgeordnete Alexandre Portier, der die nach dem Diebstahl
eingesetzte Untersuchungskommission leitet.

„Es gibt eine Liste von Versäumnissen, die in anderen
Ländern und Einrichtungen längst zu Rücktritten geführt hätten“, sagte Portier
mit Blick auf die Museumsdirektorin Laurence des Cars. Des Cars hatte am Tag
nach dem Einbruch ihren Rücktritt angeboten, Kulturministerin Rachida Dati das
jedoch abgelehnt.

Der Louvre sei „wie ein Staat im Staat“,
kritisierte Portier. Das Museum werde verwaltet, „als ob es niemandem
Rechenschaft über die Verwendung öffentlichen Gelds ablegen müsste“. Die
Untersuchungskommission will in der kommenden Woche sowohl Museumsdirektorin des Cars als auch Kulturministerin Dati anhören. Es wird
damit gerechnet, dass Dati in Kürze ihren Posten räumt, da sie bei der im März
anstehenden Gemeindewahl in Paris kandidiert. Bei den Anhörungen sollten den
beiden auch „unangenehme Fragen“ gestellt werden, sagte Portier.

Louvre produziert Negativ-Schlagzeilen

Der konservative Abgeordnete forderte das Kulturministerium
auf, die Verwaltung des Louvre besser zu beaufsichtigen. Immerhin stamme etwa
ein Drittel des Budgets des Museums, rund 300 Millionen Euro, aus öffentlichen
Mitteln. Portier bedauerte, dass der Louvre seit dem Einbruch zahlreiche Werke in Tresoren verstaut habe, anstatt die Ausstellungsräume besser
abzusichern.

Das Pariser Louvre-Museum produzierte seit dem
Juwelendiebstahl im vergangenen Oktober zahlreiche Schlagzeilen, unter anderem
wegen mehrerer Wasserschäden, Streiks und dem Verdacht auf massiven
Ticketbetrug mit einem Schaden in Höhe von zehn Millionen Euro.

Verdacht auf Ticketbetrug

In der vergangenen Woche wurde durch ein Leck in einem
Heizungsrohr ein Deckengemälde aus dem 19. Jahrhundert beschädigt, in
unmittelbarer Nähe zum Ausstellungssaal der Mona Lisa.

Kurz zuvor waren neun Menschen festgenommen worden. Unter
ihnen waren Reiseleiter, die pro Tag bis zu 20 Gruppen mit mehrfach benutzten
Eintrittskarten ins Museum schleusten
. Museumswächter sollen Bargeld angenommen
haben, um auf Kontrollen zu verzichten.

Bei dem spektakulären Diebstahl im Oktober hatten vier Männer
einen Teil der französischen Kronjuwelen im Materialwert von 88 Millionen Euro
gestohlen. Die Beute wurde bis heute nicht gefunden. In den vergangenen Monaten
wurde das Museum zudem mehrfach bestreikt. Die Gewerkschaften fordern unter
anderem mehr Wachpersonal und das Angehen überfälliger Renovierungsarbeiten.

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