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Seite 1Chinas Freund ist: China
Seite 2Liefert China Waffen an den Iran?
Am Montag ist die US-Blockade des iranischen Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus in Kraft getreten. Diese Entscheidung Donald Trumps wird nicht nur die Mullahs und Revolutionsgarden unter Druck setzen, sondern auch zulasten von Chinas Wirtschaft gehen, denn das Land ist Hauptabnehmer des iranischen Rohöls.
Chinas Führung agierte im Nahostkonflikt bislang recht leise: Man kritisiert die Angreifer USA und Israel öffentlich – rügte aber auch den Iran für dessen Angriffe auf die Golfstaaten. Dabei ist China wahrscheinlich der einzige Staat, der ausreichend Druck auf den Iran ausüben könnte, damit dieser die Aggressionen auf die Golfstaaten einstellt und den Versuch beendet, Hormus zu kontrollieren. Durch die US-Blockade könnte China sich jetzt gezwungen sehen, auf die Iraner einzuwirken, sodass diese ihr umstrittenes Atomprogramm aufgeben.
Die Straße von Hormus ist auch für China eine zentrale Handelsroute: Sowohl für Basisprodukte wie Düngemittel oder etwa Helium, das für die Herstellung von Halbleitern benötigt wird, als auch für Energie – China bezieht etwa 45 Prozent seines Öls und ein Drittel des Flüssigerdgas über den Persischen Golf. Bereits vor Kriegsbeginn hatte China rund 90 Prozent der iranischen Ölexporte über Umwege und Schiffe der Schattenflotte wegen der internationalen Sanktionen gegen den Iran vergünstigt aufgekauft. Viel spricht dafür, dass annähernd die gleiche Menge weiterhin, von den Revolutionsgarden ungehindert, durch Hormus Richtung China ging. Das iranische Erdöl wird in chinesischen Yuan verrechnet und nicht in US-Dollar. Eine Kontrolle des Hormus-Verkehrs könnte aus US-Sicht daher auch dazu dienen, den Dollar als Währung im Ölgeschäft zu sichern.
»Die internationale Ordnung zerfällt in Unordnung«
Es gibt also gewichtige Gründe, warum Chinas Führung sich im Iran dafür einsetzt, dass die Revolutionsgarden Hormus passierende Schiffe nicht mehr bedrohen.
Die Voraussetzungen Chinas für eine Vermittlerrolle im Irankrieg sind
gut. Mit den wohlhabenden Staaten des Golfkooperationsrates (GCC)
pflegt China inzwischen rege Handelsbeziehungen. Seine Führung hat in
den vergangenen Jahrzehnten zudem politische Beziehungen zu den Mullahs
und Revolutionsgardisten aufgebaut – trotz aller internationaler Sanktionen gegen das Teheraner Regime. Die Iraner dachten, sie wären ein
präferierter Partner Chinas.
Zum Thema
Liveblog:Irankrieg:
Iran besteht auf Urananreicherung
Nachrichtenpodcast:
Zum Geburtstag viel Streik
Z+ (abopflichtiger Inhalt);
Krieg in Nahost:
So funktioniert die Seeblockade der Straße von Hormus
Auch in Kriegszeiten fand und
findet ein direkter Dialog zwischen chinesischen und iranischen Behörden
statt – allein schon, um den Hormus-Schiffsverkehr für chinesische
Reeder offenzuhalten. Immerhin sollen Chinas Diplomaten die Iraner dazu gebracht haben, dem zweiwöchigen Waffenstillstand zuzustimmen. Doch
Jonathan Fulton, Spezialist für die Beziehungen zwischen den
Golfstaaten und China, schreibt im China-MENA-Newsletter,
das sei bloß eine logische Folge der Ereignisse gewesen: »Der Iran war
an einem Punkt angelangt, an dem er gesprächsbereit war. China hat die
Schlagzeilen für sich genutzt.«
Tatsächlich wollte am Dienstag unter anderem ein von den USA
sanktionierter Tanker mit Verbindungen zu China die Meerenge passieren,
drehte aber abrupt nach Norden ab und liegt wieder im Persischen Golf, möglicherweise um einem Konflikt mit
der US-Marine zu entgehen. Alles in allem scheint die Blockade zu wirken.
© Lea Dohle
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Wie
erwartet kritisierte China am Dienstag eine Abriegelung iranischer Häfen
durch die USA als »gefährlich und unverantwortlich« und forderte eine
»ungehinderte« Durchfahrt. Die härteste indirekte Kritik an Trump – wohl
durch die angekündigte Hormus-Sperrung der USA ausgelöst – formulierte Chinas Präsident Xi Jinping gegenüber dem spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez in Peking: »Die
internationale Ordnung zerfällt in Unordnung.« Er meinte damit einen
Zusammenbruch der westlich geprägten internationalen Ordnung, seine chinesische Redewendung impliziert aber auch einen moralischen Verfall.