Es war ein Abend der leisen Töne und der großen Symbole. Nach seinem offiziellen Empfang durch Präsident Paul Biya suchte Papst Leo XIV. am Mittwochabend jene auf, die er in seiner Nachmittagsrede als die „Kleinsten und Schwächsten“ bezeichnet hatte. So erreichte der Pontifex das Waisenhaus „Ngul Zamba“ – ein Name, der in der Landessprache passenderweise „Die Kraft Gottes“ bedeutet.
Hier dokumentieren wir das Grußwort von Papst Leo XIV. beim Besuch des Waisenhauses Ngul Zamba (Kamerun), in seiner offiziellen deutschen Übersetzung.
Mario Galgano – Vatikanstadt
Der Besuch findet zu einem historischen Zeitpunkt statt: Die Kongregation der Töchter Mariens von Yaoundé feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Die Generaloberin, Mutter Régine Cyrille Ngono Bounoungou, hieß den Gast herzlich willkommen und erinnerte an das Erbe der Gründerbischöfe Vogt und Graffin. Das Waisenhaus, dessen Name übersetzt „Die Kraft Gottes“ bedeutet, bietet Kindern im Alter von 18 Monaten bis 20 Jahren ein Zuhause – eine Aufgabe, die angesichts fehlender staatlicher Mittel und einer reinen Finanzierung durch Spenden tägliche materielle Herausforderungen mit sich bringt.
Ein herzlicher Empfang durch Musik und Zeugnisse
Schon beim Betreten des Hauptsaals wurde der Gast aus Rom von einer Woge der Begeisterung empfangen. Die Kinder und Jugendlichen, die im Alter von 18 Monaten bis 20 Jahren in der Einrichtung leben, hatten ein Willkommenslied vorbereitet, das die festliche Atmosphäre einleitete.
In persönlichen Zeugnissen schilderten einige der Jugendlichen ihren Weg in die Gemeinschaft der „Töchter Mariens“. Sie sprachen offen über die „Kraft Gottes“ – die deutsche Übersetzung des Namens „Ngul Zamba“ –, die sie in dieser Einrichtung erfahren haben. Über die bloße Verpflegung hinaus betonten sie die Bedeutung der „Wärme eines christlichen Zuhauses“, die ihnen eine ganzheitliche Erziehung und neue Lebensperspektiven ermöglicht hat.
Im Waisenhaus Ngul Zamba in Yaoundé (@Vatican Media)
Die Botschaft des Papstes: „Waffen durch Dialog ersetzen“
In seiner Ansprache an diesem Mittwochabend in Yaoundé schlug Papst Leo XIV. eine Brücke zwischen der lokalen Not im Waisenhaus und der instabilen Weltlage. Er reagierte damit auch auf die Worte von Präsident Biya, der zuvor die „Stimme der Waffen“ beklagt hatte. Der Papst betonte eindringlich, dass die Welt sich an einem Wendepunkt befinde:
„Menschlichkeit braucht verzweifelt Hoffnung: die Hoffnung auf eine neue Welt. Eine Welt, in der der Weg des Dialogs die Stimme der Waffen ersetzen würde.“
Mit Blick auf die globale Ungleichheit und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, unter denen Einrichtungen wie „Ngul Zamba“ leiden, forderte er eine radikale Umschichtung globaler Mittel. Es sei seine feste Überzeugung, dass die „immensen Ressourcen, die dem Krieg gewidmet sind“, stattdessen dazu dienen müssten, „das Wohlergehen der Völker zu fördern.“
Im Waisenhaus Ngul Zamba in Yaoundé (@Vatican Media)
Gelebte Geschwisterlichkeit
Besonders würdigte der Papst das Charisma der Schwestern, die nicht nur Waisen aufnehmen, sondern in einem „Geist der Geschwisterlichkeit“ auch bedürftige Kinder aus den benachbarten, mehrheitlich muslimischen Vierteln unterrichten. Für Leo XIV. ist dies das Fundament für eine Zukunft ohne Hass und Intoleranz.
Obwohl er einräumte, dass der von ihm gewählte Weg „steil und voller Fallstricke“ sei, gab er den Anwesenden ein Versprechen der Beständigkeit. Er werde nicht anhalten und nicht aufgeben, die Botschaft des Friedens und der Eintracht als „belebende Quelle“ in eine von Krisen erschütterte Welt zu tragen.
(vatican news)