Das Wüstenemirat Dubai steht wie kaum ein anderer Ort für eines: Luxus. Hier befindet sich das einzige Sieben-Sterne-Hotel der Welt, das höchste Gebäude, einige der größten Einkaufszentren und bald auch der größte Flughafen der Welt. In Dubai wird in Superlativen gedacht. Entsprechend stark entwickelt sich auch der Luxusmarkt: Mit jährlichen Wachstumsraten von rund sechs Prozent und einem Volumen von knapp neun Milliarden US-Dollar zählt er zu den am schnellsten wachsenden weltweit.

Doch dieses sorgfältig gepflegte Image von Glamour und Luxus bekommt Risse, denn mit dem Beginn des Iran-Kriegs fand der Höhenflug ein abruptes Ende. Dubai ist eben doch keine Insel der Seligen, sondern Teil einer geopolitisch hochsensiblen Region. Bei der Abwehr von Drohnenangriffen wurden Gebäude und Teile der Infrastruktur in Dubai getroffen. Darauf folgte ein Einbruch im Tourismus. Allein im März sank die Zahl internationaler Besucher um rund 50 Prozent. Für die großen Luxuskonzerne hat das deutliche Konsequenzen. Denn der Nahe Osten, auf den etwa fünf Prozent des weltweiten Luxuskonsums entfallen, galt bislang als einer der wenigen stabilen Wachstumstreiber der Branche. In den vergangenen Jahren habe die Region sogar zweistellige jährliche Zuwachsraten verzeichnet, sagt Carole Madjo, Leiterin der Luxusgüter-Analyse bei Barclays.

Das liegt vor allem an den Einkaufszentren, die jeweils rund 1200 Geschäfte beinhalten. Kaum ein Ort symbolisiert diesen Luxus so sehr: Boutiquen von Louis Vuitton, Gucci, Rolex und Cartier reihen sich dort aneinander. Und wer vom Shopping eine Pause braucht, kann zwischendurch in der hauseigenen Skihalle auf die Piste gehen. Doch der Iran-Krieg hinterlässt in den Malls schon jetzt deutliche Spuren. Wie Insider der Nachrichtenagentur Reuters berichten, sind die Erlöse in der Mall of the Emirates im März im Vergleich zum Vorjahr um 30 bis 50 Prozent eingebrochen. Die Besucherfrequenz sank im selben Zeitraum um rund 15 Prozent.

Noch drastischer fällt die Entwicklung in der Dubai Mall aus, die vor allem bei Touristen beliebt ist: Dort sei die Zahl der Besucher um etwa 50 Prozent zurückgegangen, sagten ein Insider und eine weitere Branchenquelle zu Reuters. Das deutet auf einen noch stärkeren Rückgang bei den Umsätzen hin. In Abu Dhabi, einem kleineren und weniger vom internationalen Tourismus abhängigen Markt, zeigt sich ein differenzierteres Bild: In der The Galleria Al Maryah Island gingen die Umsätze im März um rund zehn Prozent zurück.

Der Einbruch spiegelt sich inzwischen auch in den Geschäftszahlen der Branchengrößen wider. Im ersten Quartal sank der Umsatz des Luxusgüterherstellers Hermès im Jahresvergleich um 1,4 Prozent auf knapp 4,1 Milliarden Euro. Bereinigt um Währungseffekte durch den starken Euro ergibt sich allerdings ein Plus von 5,6 Prozent. Dennoch verfehlte der Hersteller von Birkin- und Kelly-Taschen die Erwartungen der Analysten, die mit einem Wachstum von 7,6 Prozent gerechnet hatten. Der französische Konzern verwies darauf, dass nicht nur der Nahe Osten als wichtiger Absatzmarkt wegbricht. Auch in Frankreich selbst entwickelte sich das Geschäft schwächer, da infolge des Krieges weniger wohlhabende Touristen ins Land reisten. Die Aktie von Hermès verlor im frühen Pariser Handel zeitweise bis zu 15 Prozent – der größte Tagesverlust seit Beginn der Aufzeichnungen. Seit Jahresanfang summiert sich das Minus auf rund 23 Prozent.

Noch deutlicher traf es den Luxusgüterriesen LVMH: Der Umsatz ging im ersten Quartal im Jahresvergleich um sechs Prozent auf 19,12 Milliarden Euro zurück. Die Aktie liegt seit Jahresbeginn mit fast 26 Prozent im Minus.

Dabei hatte die Branche zu Jahresbeginn noch auf eine Erholung gehofft. Zuvor hatte der Sektor bereits unter schwacher Nachfrage gelitten – insbesondere in China und auch in Europa und den USA gab es eine hohe Kaufzurückhaltung infolge hoher Inflation. Erste Anzeichen einer Besserung waren dennoch schon erkennbar: Eine Stabilisierung der Inflation versprach steigende Kaufkraft. Auch in China wurde mit einer konjunkturellen Erholung gerechnet.

Um diese schwächere Nachfrage abzufedern, setzten viele Luxuskonzerne verstärkt auf das Geschäft an Flughäfen und auf die Golfregion. Denn gerade das sogenannte Travel-Retail-Geschäft zählt zu den margenträchtigsten Kanälen der Branche. Auch dort belastete der zeitweise Einbruch im Flugverkehr.

Auch bei Kering trübte sich das Bild ein: Die Marke Gucci verzeichnete im ersten Quartal einen Umsatzrückgang von acht Prozent auf vergleichbarer Basis – fast doppelt so stark wie von Analysten erwartet. Das liegt zwar nicht ausschließlich am fehlenden Umsatz im Nahen Osten, aber auch darunter leidet der Konzern. Denn in dieser Region brach der Einzelhandelsumsatz von Kering im ersten Quartal um elf Prozent ein. Zwar macht die Region nur rund fünf Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes aus, doch der Konzern beobachtet die Auswirkungen auf den globalen Tourismus genau. Finanzchefin Armelle Poulou bezifferte den negativen Effekt des Konflikts auf den Gesamtumsatz mit rund einem Prozentpunkt. Die Kering-Aktie verlor am Mittwoch rund zehn Prozent und liegt seit Jahresbeginn etwa 17 Prozent im Minus.

Manche Unternehmen passen überhaupt ihre Lieferungen an. So sagte Georges Kern, CEO der Breitling AG, zu Bloomberg, dass der Uhrenhersteller seine Lieferungen in den Nahen Osten aufgrund des ausbleibenden Tourismus und der reduzierten Flugverbindungen in die Region vorübergehend angepasst habe. Laut ihm sind manche Preissegmente, wie beispielsweise das mittlere Preissegment, stärker betroffen als andere.