Er hat die „Emerging Markets“ erfunden, als diese noch als Dritte Welt galten. Am 15. April 2026 ist der legendäre Schwellenland-Investor Mark Mobius 89-jährig in Singapur gestorben.
In Österreich hat Mark Mobius durch den Dokumentarfilm „Let’s Make Money“ (2008) von Erwin Wagenhofer breitere Bekanntheit erlangt. Der Film will aufzeigen, wie westliche Kapitalflüsse in arme Länder dort die Löhne drücken und die Umwelt zerstören. Mark Mobius kommt in diesem Film prominent zu Wort und sagt: „Ich glaube nicht, dass ein Investor verantwortlich ist für die Ethik, für die Verschmutzung oder das, was eine Firma tut. Sein Job ist es, zu investieren und Geld für seine Klienten zu verdienen.“ Dadurch erhielt er hierzulande das Image des rücksichtslosen Kapitalisten, das ihm bei näherer Betrachtung gar nicht gerecht wird.
Mobius war überzeugt, dass Kapitalflüsse in arme Länder die einzige Möglichkeit seien, um diese aus der Armut zu holen, und viele Anleger, die sich darüber moralisch empörten, über ihre Pensionsfonds davon profitierten. In seinen späteren Jahren investierte er ausschließlich in Unternehmen mit hohen ESG-Standards (Environment, Social, Governance). Er begründete das damit, dass Firmen, die ihre Arbeiter schlecht behandeln oder die Umwelt zerstören, schlechte Investments seien, weil ihr Geschäft unter Streiks und Klagen leiden würde.
Mark Mobius wurde 1936 in Hempstead, New York, als Sohn eines deutschen Schiffkochs und einer Puerto-Ricanerin geboren. Er studierte Kommunikationswissenschaft und Ökonomie in Boston, erhielt ein Stipendium für japanische Kultur in Kyoto – und verbrachte von da an den größten Teil seines Lebens in Asien. Er reiste so viel, dass er sich als „Indiana Jones der Finanzwelt“ einen Namen machte. Verheiratet war er nie. Zunächst betrieb er eine Vermarktungsfirma für Snoopy-Merchandise, später arbeitete er für eine Investmentgesellschaft in Taiwan.
Dort traf er Sir John Templeton, einen Pionier des globalen Investierens, der einen der weltweit ersten Investmentfonds für Schwellenländer aufbauen wollte. Mobius trat 1987 die Stelle als Fondsmanager an. Wenige Monate nach dem Fondsstart kam der Schwarze Montag und vernichtete ein Drittel des Fondsvermögens. Mobius erkannte, dass er breiter investieren müsse, auch in Regionen, in denen damals noch niemand investierte. „Man muss dorthin gehen, wo das Kapital knapp ist und die Erwartungen niedrig sind“, sagte er.
Er reiste persönlich zu Finanzministern in Asien, Afrika und Lateinamerika und überzeugte sie, ihre Märkte für Investoren zu öffnen. Er war oft der Erste, der eine Lizenz erhielt. Da es so etwas wie Aktienindizes nicht gab, musste er sich jedes Unternehmen selbst anschauen. Er übernachtete in Billigabsteigen von Brasilien bis Botswana, um nahe bei den Firmen zu sein. „Glaube niemals den Bilanzen, die man dir schickt. Geh hin und schau dir die Fabrik selbst an“, riet er den Investoren. Zwangsläufig war er ein radikaler Value-Investor, der in Unternehmen investierte, die er für unterbewertet hielt und die niemand sonst wollte. Er war es, der Schwellenländer für Investoren interessant machte, als andere noch von „Dritter Welt“ sprachen. Er lenkte Milliarden in diese Regionen, was wesentlich zu deren wirtschaftlicher Entwicklung beitrug.
30 Jahre lang leitete Mobius das Schwellenländer-Team bei Franklin Templeton. Laut Morningstar erzielte der Schwellenland-Fonds von 1989 bis zu seiner Auflösung eine durchschnittliche jährliche Rendite von 13,4 Prozent. Seit 2001, als der MSCI Emerging Markets Index eingeführt wurde, übertraf der Templeton-Fonds diese Benchmark um durchschnittlich 1,9 Prozent pro Jahr, wie Bloomberg berichtet. 2018 gründete Mobius schließlich seine eigene Investmentfirma mit ESG-Fokus. Er beriet auch die Weltbank in Fragen der Corporate Governance und verfasste zahlreiche Bücher.
„Den Optimisten gehört die Welt“, lautete das Motto von Mobius. Während des tiefen Aktienmarkteinbruchs 2020 infolge von Covid sagte er eine schnelle Erholung voraus – und sollte recht behalten. Auch während der Asienkrise 1997 und dem russischen Marktschock 1998 war er auf der Käuferseite. Nach der Finanzkrise sagte er den Beginn des Bullenmarkts exakt voraus. 2012 gab er der „Presse“ ein Interview. Am 15. April 2026 ist er nun in Singapur gestorben.
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