Neue Ausstellung
Marina Abramović und der klagend erotische Tod
16.04.2026 – 14:33 UhrLesedauer: 3 Min.
Marina Abramović: Werke der Künstlerin sind aktuell in der Ausstellung „Balkan Erotic Epic. The Exhibition“ im Berliner Gropius Bau zu sehen. (Quelle: Marco Anelli)
Klagegesänge, Grabsteine, phallische Riesenstatuen – die Abramović-Ausstellung im Gropius Bau zeigt genau das, wofür die Künstlerin seit Jahrzehnten steht: Grenzüberschreitung und Provokation.
Rhythmisches Stöhnen und Klopfen hallt durch das gesamte Erdgeschoss des Gropius Baus. Im Lichthof, dem Vorraum zur Ausstellung, läuft auf einer Leinwand ein Video in Endlosschleife: Frauen mit schwarzen Kopftüchern und schwarzen Kleidern trommeln mit ihren Fäusten gegen ihre Brüste und geben kurze Schreie von sich. Es ist ein lauter Vorgeschmack auf die Ausstellung.
Marina Abramović gilt als eine der bekanntesten zeitgenössischen Performance-Künstlerinnen. Sie beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit Ritualen, Grenzen zwischen Leben und Tod, mit dem Erotischen und dem Körper als Ort politischen Widerstands. Im Gropius Bau sind nun einige Werke der serbischen Künstlerin in der Einzelausstellung „Balkan Erotic Epic. The Exhibition“ zu sehen. Die Berliner Regionalredaktion von t-online hat sie besucht.
Die Leinwand voller schreiender Frauen ist Teil des Werks „Titos Beerdigung“. Dazu gehören ein Thron, der vor der Leinwand steht und eine Statue links dahinter in der Ecke des Raumes, bestehend aus einer Uniform und einem gerahmten Tito-Porträt als Kopf, rote Nelken zu den Füßen.
Abramović, deren Eltern als Tito-Partisanen galten, setzt sich in dieser Arbeit mit der Beisetzung des kommunistischen Revolutionärs und späteren Staatspräsidenten Jugslawiens Josip Broz Tito auseinander. Sie fand 1980 in Belgrad statt und gilt als eine der größten Beerdigungen des 20. Jahrhunderts. Abramovićs Video zeigt Frauen, die engagiert wurden, um öffentlich zu trauern.
Wer nach diesem Auftakt jetzt eine eher nüchterne Ausstellung über die Geschichte des Balkans erwartet, wird bereits im nächsten Raum überrascht. Und zwar von meterhohen Phallusstatuen, eingepflanzt in einem Beet aus Erde. Ein Schwarz-Weiß-Video zeigt eine Penis-Landschaft und überspitzte, groteske Anleitungen für Alltagspraktiken im Balkan für eine erfüllte Ehe zwischen Mann und Frau – etwa soll ein Ehemann drei Löcher in eine Brücke bohren und diese dann penetrieren.
Nacktheit ist in den meisten der ausgestellten Werke präsent: Frauen, die in aufgeknöpften Blusen ihre Brüste massieren oder beim Tanz ihren Unterleib entblößen, nackte Frauen, die mit Skeletten schmusen, Männer in Uniformen mit geöffnetem Hosenstall, aus dem ihr erigiertes Geschlechtsteil lugt.
