Die EU arbeitet an einem Notfallplan gegen mögliche Engpässe bei Flugbenzin. Wie aus einem Entwurf des für 22. April angekündigten Konzepts hervorgeht, sollen die Raffineriekapazitäten in Europa erfasst und deren volle Auslastung sichergestellt werden. Weitere Maßnahmen seien in Arbeit, sagten Insider der Nachrichtenagentur Reuters.
Europäische Fluggesellschaften hatten vor Kerosinengpässen binnen Wochen gewarnt, sollte die Versorgung aus dem Nahen Osten blockiert bleiben. Dies könnte den Reiseverkehr vor dem Sommer erheblich beeinträchtigen.
Seit der Blockade der Straße von Hormuz sind die Kerosinpreise massiv gestiegen und verteuern das Fliegen. Airlines warnen vor weiteren Preiserhöhungen, Stornierungen und am Boden bleibenden Flugzeugen. Einige Flughäfen warnten vor Kerosin-Engpässen innerhalb von drei Wochen. An den Flughäfen Frankfurt und München gibt es laut den Airports aber bisher keine Hinweise auf Kerosinmangel.
Europa importiert laut der Internationalen Energieagentur (IEA) 30 Prozent seines Bedarfs an Flugbenzin. Rund 75 Prozent der Einfuhren stammen aus dem Nahen Osten. Die Raffineriekapazitäten in Europa sind in den vergangenen Jahren gesunken. Zudem ist die Versorgung sehr ungleichmäßig.
Am Mittwoch hatte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) vor einem möglichen Lieferengpass bei Kerosin und Diesel im Mai gewarnt. Nun schlägt auch der Wirtschaftskammer-Fachverband Energiehandel Alarm. „Die Versorgung ist im Moment stabil, aber der große Nachfrageschub steht uns erst bevor. Pfingsten und die Sommerurlaubszeit sind jedes Jahr die Zeit mit dem höchsten Verbrauch“, sagt der Fachverbandsobmann Jürgen Roth.
Besonders angespannt sei die Lage bei Diesel, der international derzeit extrem knapp und heiß begehrt sei: „Die Ware fließt dorthin, wo mehr bezahlt wird. Das treibt die Preise und verschärft den Wettbewerb um verfügbare Mengen spürbar“, so Roth. Der Verband fordert, die Spritpreisbremse auslaufen zu lassen und stattdessen weitere Steuersenkungen einzuführen. (APA, Reuters)