Der langjährige Salzburger Festspielpräsident und -kurator starb am 15. April im Alter von 89 Jahren.

Ruhe, Umsicht und ein versöhnliches Wesen attestierte ihm, wer mit ihm zusammenarbeiten durfte. Eigenschaften, die Heinrich Wiesmüller brauchte – ein halbes Jahrhundert lang bei der Führung des Bankhauses Spängler, aber nicht minder in den verschiedenen Funktionen bei den Salzburger Festspielen. In Zeiten der heftigen kulturpolitischen Stürme war er so etwas wie der Fels in der Brandung, eine allseits geachtete, natürliche Respektsperson.

Selbst der streitbare Gerard Mortier, Intendant von 1991 bis 2001, bekannte freimütig, seine Anfangsjahre wären ohne die ausgleichende Persönlichkeit des damaligen Festspielpräsidenten Wiesmüller kaum zu bewältigen gewesen. Der Sohn eines Försters und studierte Jurist war für das Festival auch Konsulent, Mitglied des Kuratoriums (2001-2007), in der Ära Karajan von 1976 bis 1985 aber auch Mitglied des Direktoriums. Die immense Erfahrung, die er in glanzvoller Zeit im künstlerischen Machtzentrum sammeln konnte, half ihm dann auch unter weniger günstigen Umständen, die Chancen für die Festspiel-Zukunft richtig abschätzen zu können, ohne die Wertmaßstäbe aus den Augen zu verlieren.

Ein Herr, vom Scheitel bis zur Sohle. Wer ihn erlebt hat, schätzte auch seine dezente Erscheinung, an der, wenn man sich recht erinnert, bei aller Dignität fast immer ein kleiner, bunter Akzent, mochte es ein originelles Mascherl oder ein apart gemustertes Sakko sein, die Lebhaftigkeit seiner Persönlichkeit verriet.

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