Auf dem internationalen Trainermarkt geht es mittlerweile ähnlich turbulent zu wie auf dem Spieler-Transfermarkt, und eine der am heißesten gehandelten Aktien ist derzeit Oliver Glasner. Es schien bereits, als würden die Optionen für den Oberösterreicher ausgehen, als hätte er sich verpokert. Dann aber kam sein Name doch wieder bei Topklubs ins Spiel. Fix ist fürs Erste nur: Glasner wird Premier-League-Klub Crystal Palace nach dieser Saison im Sommer verlassen – und kann das sogar noch mit einem Titel in der Conference League tun. Aber wohin zieht es Österreichs Erfolgscoach danach? Welche Brücken sind abgebrochen, welche Türen gehen auf?
Was für Glasner spricht: Er hat bei Crystal Palace gezeigt, dass er der besten Fußballliga der Welt mehr als gewachsen ist. Mit dem Underdog aus dem Süden Londons gewann er im Vorjahr sensationell den FA Cup (Finalerfolg über Manchester City) und den Community Shield (gegen Liverpool). Nie in ihrer 120-jährigen Klubgeschichte waren die „Eagles“ erfolgreicher. Und nach dem Sieg im Hinspiel in der Conference League gegen Fiorentina (3:0) ist auch der Aufstieg ins Europacup-Halbfinale (Rückspiel Donnerstag 21 Uhr, live Sky) nur noch Formsache – für künftige Arbeitgeber auch ein Beweis, dass Glasners Europa-League-Triumph mit Eintracht Frankfurt (2022) kein einmaliger Höhenflug gewesen sein muss.
Tatsächlich zeigte Palace zuletzt wieder jene Stärken, die Glasner dem Team einst eingeimpft hatte: eine Mischung aus individueller Klasse und gefestigter Teamstruktur. Nachdem er Anfang des Jahres seinen Abschied angekündigt hatte, war es nämlich steil bergab gegangen. War Glasner prompt mit dem Trainerjob bei Manchester United in Verbindung gebracht worden, hat er mit dem sportlichen Absturz auf Tabellenplatz 13 und mit verbalen Spitzen gegen die Palace-Klubführung und in Richtung der Fans Ansehen eingebüßt. Beim prestigeträchtigen Managerposten im Old Trafford ging die Tür jedenfalls zu, auch weil Interimscoach Michael Carrick das United-Team wieder auf Vordermann brachte.
Spekuliert hat Glasner wohl auch mit einem Engagement bei Tottenham. Der Londoner Topklub steckt in der Krise, verbraucht Trainer um Trainer, scheint mit Roberto De Zerbi nun aber auf eine langfristige Lösung zu setzen – womit Glasner vorerst aus dem Rennen ist. Ohnehin ist fraglich, ob der Österreicher, der in seiner Trainerkarriere vor allem mit Außenseitern große Erfolge feierte, seinen Stil auf Spitzenklubs umlegen kann, wo viel Ballbesitz und Offensivspektakel gewünscht sind.

Oliver Glasner. Reuters
Noch aber gibt es Optionen. Zwar steht beim kriselnden FC Liverpool wohl Xabi Alonso ante portas, ob Glasner das spezielle Anforderungsprofil in Anfield ausfüllen würde, ist außerdem fraglich. Wahrscheinlicher ist ein Engagement beim strauchelnden FC Chelsea, wo Trainer Liam Rosenior, angetreten erst Anfang des Jahres, schon wieder unter Druck steht. Neben Glasner werden in London auch Como-Erfolgscoach Cesc Fàbregas und Flamengo-Meistertrainer Filipe Luís gehandelt.
Deutsche Medien wollen indes in Erfahrung gebracht haben, dass Glasner auch für eine Rückkehr in die deutsche Bundesliga infrage kommt. So soll er ganz oben auf dem Wunschzettel von Bayer Leverkusen stehen. Der deutsche Sensationsmeister von 2024 droht unter Trainer Kasper Hjulmand die Champions League zu verpassen.
Dass Glasner – auch trotz Gerüchten über Engagements als Teamchef (Niederlande?) – am liebsten in der englischen Premier League bleiben würde, darf angenommen werden. Neben Außenseiterchancen bei Topklub Chelsea sind hier noch zwei weitere Stationen denkbar: Newcastle United und Leeds United.

In Newcastle haben die Scheichs das Sagen: PIF-Gouverneur und Klub-Chairman Yasir Al-Rumayyan. Imago
In Newcastle hat im Jahr 2021 unter viel Aufsehen der saudiarabische Staatsfonds die Mehrheit übernommen. Anstatt mit Geld auf dem Spielermarkt um sich zu werfen, entschieden sich die Vereinsmanager für Investitionen in die Infrastruktur und den nachhaltigen Aufbau einer Topmannschaft. Eddie Howe orchestrierte dennoch prompt einen Höhenflug, der Newcastle sogar in die Champions League katapultierte. Zuletzt aber geriet die Entwicklung ins Stocken, man kassierte gegen Barcelona eine 2:7-Abfuhr, Howes Trainerstuhl wackelt. Glasner wäre auch mit seinem bevorzugten Spielsystem ein logischer Nachfolgekandidat beim neureichen Scheichklub aus dem Norden Englands.
Für Leeds United spricht Glasners Red-Bull-Vergangenheit. Der Premier-League-Aufsteiger gehört zum Fußballimperium von Red Bull, seit zwei Jahren sind die Fuschler Minderheitseigentümer. Glasner war Co-Trainer in Salzburg (unter Roger Schmidt), und schon Ex-Salzburg-Coach Jesse Marsch landete einst bei der englischen Red-Bull-Filiale. Mitten im Abstiegskampf gewann Leeds nun sensationell gegen Manchester United, und Meldungen über eine bevorstehende Entlassung von Cheftrainer Daniel Farke bewahrheiteten sich bisher nicht. Dennoch würde Glasner hier eine ähnliche Ausgangssituation vorfinden wie einst bei Crystal Palace. Ob der Möglichkeiten der Red-Bull-Eigentümer hätte Leeds bestimmt seinen Reiz.
Fürs Erste aber gilt für Glasner: Während er mit seinem Noch-Klub aus London in der Premier League im Niemandsland zwischen Europacupplätzen und Abstiegskampf pendelt, kann er heute in der Conference League wieder einen internationalen Erfolgslauf zünden – und so potenzielle Arbeitgeber daran erinnern, wie er es versteht, aus einem Underdog einen Champion zu machen. Und auch daran, warum, obwohl sich manch großer Traum eines Topklubs inzwischen zerschlagen hat, er überhaupt erst für die größten Trainerjobs des englischen Fußballs im Gespräch gewesen ist.