Am Kunstmuseum Stuttgart steht man seit Montag dieser Woche vor verschlossenen Sammlungs- und Sonderausstellungstüren. Es ist viel zu tun in dem 2005 eröffneten Bau. Die gesamte Elektrik wird erneuert, es geht aber auch um ältere Wasserschäden und mehr. Für das Frühjahr 2027 ist die Wiedereröffnung geplant. Und bis dahin?

Ein riesiges gelbes Herz auf der Kunstmuseums-Fassade weist den Weg. Das Kunstmuseum bleibt seinem Publikum eng verbunden – von diesem Samstag, 18. April, an im Kunstgebäude am Schlossplatz. Wie das? Für die sanierten Räumen des Kunstgebäudes hat das Kunstmuseums-Team um Direktorin Ulrike Groos eine große Themenausstellung erarbeitet: „Das kalte Herz“. Eröffnung ist an diesem Freitag, 17. April, um 19 Uhr.

Ein Herz als Wegweiser – Hinweis auf der Fassade des Kunstmuseums Stuttgart Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Um was geht es? Die Schau, heißt es offiziell, „stellt das Märchen ,Das kalte Herz’ von Wilhelm Hauff (1802–1827) erstmals in den Kontext zeitgenössischer Kunst“. Und: „Die Schau nimmt das Märchen ,Das kalte Herz’ als Ausgangspunkt, um die Beziehung von Identität und sozialer Stellung zu reflektieren.“ Klingt kompliziert? Ist aber hochaktuell, wie der nächste Schritt zeigt: „Hauff“, so sieht man es im Kunstmuseum, „schildert die Folgen, die die Industrialisierung und der sich beschleunigende Kapitalismus zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf die Gesellschaft haben, als individuelle Geschichte von Geldsucht und emotionaler Isolation“. Wer denkt da nicht an die enorme Verunsicherung im gegenwärtigen Wandel von der Industrie- zur Digitalgesellschaft.

Wie in Hauffs Märchen geht es auch in der Ausstellung um Fragen der Identität Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Was erwartet das Publikum? Erarbeitet hat die Schau Kunstmuseums-Kurator Dierk Höhne. Und schnell wird klar: Wilhelm Hauffs Märchen wird hier nicht als bloße Titelmusik verwendet – die Ausstellung überrascht auch mit eigens zur Schau und zum Thema entstandenen Werken. Zum Finale kann man gar selbst zum Akteur in einer Lichtinstallation werden. In die Themenblöcke Identität, Gewalt und Heilung, Affekt sowie ökologische Ausbeutung gliedert Dierk Höhne die Ausstellung, die bis zum 4. Oktober (Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr, Mittwoch 11 bis 20 Uhr) im Kunstgebäude am Schlossplatz zu sehen ist.

Bewusst offen gehalten ist die Konzeption im Kuppelsaal des Kunstgebäudes Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Und wie geht es danach für das Kunstmuseums-Team weiter? Aktuell mit dem Verpacken der wertvollen Kunstwerke in den Sammlungsräumen sowie in den Sonderausstellungsräumen beschäftigt, denkt Direktorin Ulrike Groos bereits wieder an das Neu-Einrichten der Sammlungsräume nach der Sanierung. Noch vor Ende 2026 will man damit beginnen – sind doch „mindestens zwei Monate“ für den Wiedereinzug der Sammlung veranschlagt. „Nun aber freuen wir uns auf die Zeit im Kunstgebäude“, sagt Ulrike Groos – und verbindet damit auch einen „großen Dank an das Land, das uns diese Möglichkeit, hier auszustellen, gibt und die Ausstellung darüber hinaus auch fördert“.